Kreislauf der ewigen Schuld
Kreislauf der ewigen Schuld

Kreislauf der ewigen Schuld

Micheangelo Suendenfall und Vertreibung aus dem Paradies in der Sixtinischen Kapelle / Michelangelo [Public domain], via Wikimedia Commons; https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AMichelangelo_S%C3%BCndenfall.jpg Michelangelo: Suendenfall und Vertreibung aus dem Paradies in der Sixtinischen Kapelle / Michelangelo [Public domain], via Wikimedia Commons; https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AMichelangelo_S%C3%BCndenfall.jpg
Wir sind nicht frei. Nicht einmal unser Denken ist es. Informationen, ob falsch oder richtig, beeinflussen die Wahrnehmung im Unbewussten und so unser zukünftiges Handeln. Teil 2*

Wir haben im ersten Teil gelesen, dass die Menschen ihre Erinnerungen aus schriftlichen und audiovisuellen Informationen beziehen und diese mehr (u.a. C.G. Jung) oder weniger (u.a. Jan Assmann) in ein kulturelles kollektives Unbewusstes übernehmen, da es ihnen Identität und Sicherheit verleiht. Diese über Generationen in Fragmenten erhaltenen „Bilder“ erneuern und verfestigen sich durch gelebte Gemeinsamkeiten.

Wie viel mehr oder weniger Einfluss tatsächlich vorhanden ist, soll uns im Zusammenhang mit der Beschreibung des mosaischen Wirtschaftssystems und dem Weg dorthin zunächst nicht weiter beschäftigen. Wichtiger ist der Aspekt, dass bewusst aufgenommene Informationen, ob falsch oder richtig, sowohl die individuelle als auch kollektive Wahrnehmung im Unbewussten beeinflusst und zu Erinnerungsspuren führen, die als Grundlage für zukünftige Handlungen dienen. Diese Handlungen entsprechen dann nicht mehr unserer eigenen Natur, wenn sie durch gelenktes Erleben mehr oder weniger manipuliert werden. Dabei ist ein Unterschied zwischen Individuen und kleinen Gruppen im Verhältnis zu ganzen Volksstämmen nicht von der Hand zu weisen. Jan Assmann meint:

„Deportation bedeutete in der damaligen Welt das Ende einer kollektiven Identität. Mit dem Verlust der Heimat brachen alle notwendigen Rahmen kollektiver Erinnerung zusammen, die konnektive Struktur der Kultur riss ab und die deportierte Gruppe ging spurlos in ihrer neuen Umwelt auf.“[1]

Assmann beschreibt hier die „erfolgreiche“ Assimilation einer kleinen Gruppe von Israeliten, die 722 v.Chr. den Assyrern zum Opfer fielen, weil ihnen die gelebte Wirklichkeit entzogen wurde. Dem verbliebenen Teil der Israeliten blieb dies nicht verborgen, sodass sie einer weiteren Deportation etwa 587 v.Chr. mit einem Kanon, „in welcher Urform auch immer“, begegneten. Ohne diesen Kanon, dem Erhalt der mitgebrachten Traditionen, hätten die Israeliten ihre Tradition kaum zur Torah und später zum Kern des Bibelkanons verfestigen können.

Daraus kann man erkennen, dass kulturelle Unterschiede vor allem dann zu Problemen führen, wenn eine zu große Anzahl von Zuwanderern oder kriegerischer Angreifer die Traditionen in Wechselwirkung in Frage stellen oder heute von interessierter Seite eine Vermengung verschiedener Kulturen mit der Zielsetzung eines Identitätsverlusts in Gang setzt. Auch bereits integriert geglaubte große Volksgruppen in Deutschland wie Türken und Kurden in dritter Generation verlieren ihre kollektive Erinnerung nicht, wie uns die Demonstrationen in Köln vom 31.07.2016 mit 40.000 Teilnehmern eindrucksvoll zeigen, in der es thematisch um Probleme in einem entfernten Staat geht, den sie oftmals noch nie betreten haben. Ganz abgesehen von der nicht sichtbaren Masse der Türken, die aus unterschiedlichen Gründen nicht physisch teilnahmen, aber aufgrund ihrer Wurzeln mit den Teilnehmern sympathisieren. Die Menschen sind aber nicht nur ein Kollektiv; sie sind auch Individuen mit Eigenschaften, wie sie später im Text Erwähnung finden, um das soziale Netzwerk intakt zu halten.

Ist der Mensch gut oder böse?

Der Mensch ist ein soziales Wesen. In Gruppen zu groß, um mit Lausen oder Kraulen das soziale Netzwerk zusammen zu halten, entwickelte sich als Alternative allmählich die Sprache. Wahrscheinlich wurde die Sprache am Lagerfeuer von Frauen entwickelt, denn sie waren das Lebenszentrum der frühsteinzeitlichen Gruppen, wie Prof. Robin Dunbar eindrucksvoll beschreibt. Nach molekularbiologischen Untersuchungen ist der Bauplan des Menschen sehr eng verwandt mit denen von Primaten. Wenn nach umfangreichen Untersuchungen an Primaten die Gruppengrößen, welche Koalitionen bilden, an der sozialen Funktion des Kraulens festgemacht wird, dann müsste dies in der weiterentwickelten Eigenschaft des Sprechens am Menschen wiederzufinden sein. Dunbar ermittelt dabei die Zahl von etwa 150 Menschen, die sich noch kennen können und bei denen untereinander Einigkeit – ohne Zwang – hergestellt werden kann.

Dies vorausgesetzt, lässt sich auch heute noch an archaisch lebenden Gruppen in Afrika nachvollziehen, dass eine soziologische Gemeinschaft von etwa 150 Menschen ein gewisses Optimum erzeugt. Es bilden sich stets Untergruppen, die der Zahl von etwa 150 entsprechen. Nun könnte man argumentieren, dass eine solche Zahl vielleicht auf archaische Kulturen zutrifft, den modernen Menschen aber gar nicht betrifft, weil er mittlerweile in großen Ballungsräumen lebt. Diese Annahme widerspricht den Erkenntnissen von Dunbar. Seine Forschungen lassen den Schluss zu, dass der Mensch unbewusst nach wie vor aufgrund der Reichweite seine Zugehörigkeit, ähnlich einem Organigramm, unterteilt. Dunbar meint, „dass ein solcher, über fünf Generationen reichender Stammbaum, bis zur Großmutter der Großmutter zurückreicht. Soweit, wie die persönliche Erinnerung der ältesten lebenden Gruppenmitglieder erhalten bleibt„.

Bestätigung findet er bei den Archäologen, die die Dörfer der ersten sesshaften Menschen (ab ca. 9000 v.Chr.) freilegten und mit wenigen Ausnahmen Behausungen fanden, die der vermuteten Zahl entsprachen. Ob Südamerika oder die USA. Auch dort finden sich noch heute Dörfer, wie die Hutterer in Dakota, die bei Anwachsen ihrer christlich-fundamentalen Gemeinschaft, ab etwa 150 Mitgliedern eine Teilung vornehmen, weil sie nach eigenen Angaben bei größeren Gruppen die Kontrolle nur noch über Zwangsmaßnahmen erhalten können.

Wir können also feststellen, dass Gruppen über rund 150 – 200 Menschen dazu neigen, eine hierarchische Ordnung zu installieren, in der Menschen mit bestimmten Eigenschaften die Führung übernehmen, während in kleinen Gruppen eine solche Struktur gar nicht nötig ist, weil der soziale Zusammenhalt durch persönliche Kontakte gewährleistet ist. Kürzlich untermauerte Dunbar seine Thesen mit einer umfangreichen Untersuchung des Nachrichtendienstes „Twitter“, bei der 380 Millionen Tweets untersucht wurden. Dabei stellte sich heraus, dass die Teilnehmer ab etwa 100 „Bekannten“ begannen zu erlahmen und bei 200 auch bei den penetrantesten „Twitterern“ Schluss war, weil die biologischen und physischen Grenzen nur eine begrenzte Anzahl sozialer Beziehungen erlauben. Man begann, die soziologisch Entferntesten zu löschen.[2] [3]

Aber diese Eigenschaft ist nicht die einzige, die der Mensch im Rahmen des dauernden evolutorischen Anpassungsprozesses erhalten hat. Der Mensch kann hassen, er kann neidvoll auf seine Mitmenschen blicken, er sucht physische und psychische Vorteile gegenüber anderen (Stärke und Macht). Er kann aber auch empathisch gegenüber seinen Mitmenschen sein, ja er kann sich sogar über das Tier erheben und neben den kognitiven Eigenschaften Liebe empfinden.

Alle Eigenschaften des Menschen haben einen Nutzen. Dieser Nutzen macht sich an den Bedingungen fest. Wir nennen dies im Rahmen der evolutorischen Entwicklung Anpassung. Millionen von Jahren lief dieser Anpassungsprozess in zeitlicher Harmonie mit den aus den kognitiven Fähigkeiten erwachsenen Fortschritten. Erst in jüngster Zeit (ab ca. 10.000 v.Chr.) begannen im Zusammenhang mit der Entwicklung von Technologien und der damit verbundenen Sesshaftwerdung große Probleme zu entstehen, deren Lösungen bis heute ausstehen.

Der Philosoph Friedrich Nietzsche hat es auf den Punkt gebracht, wenn er in seinem Werk „Jenseits von Gut und Böse“ meint:

„Was aus Liebe getan wird, geschieht immer jenseits von Gut und Böse“.

Nietzsche gehört zu den Aufklärern, die erkannten, dass es Gut und Böse gar nicht geben kann. Es sind Beschreibungen, die einer Moral entspringen, welche nötig wurde, weil die Menschen die Probleme des Gangs in größere Gemeinschaften nicht richtig umgesetzt und verstanden haben, obwohl ihnen mit dem Logos (allg. Prinzip der Vernunft) und der Liebes- und Empathiefähigkeit alle Werkzeuge zur Verfügung standen. Nietzsche hat den Handlungsstrang so dargelegt, dass unsere heutige Moral erst notwendig wurde, weil der Paradigmenwechsel, den wir heute immer noch „neolithische Revolution“ nennen, nicht verstanden wurde und sich somit die gesellschaftlichen Konstruktionsfehler, zusammen mit den dafür besonders geeigneten Menschen, auftürmen konnten. Ich würde seinen Gedanken aus der Betrachtung der Natur heraus hinzufügen wollen, dass es nur „nützlich“ und „nicht nützlich“ geben kann.

Zurück in die Zukunft? Ohne ein Umdenken unter Beherrschung unserer Technologien sowie der Akzeptanz, dass der Mensch ist, wie er ist, dürfte eine Lösung kaum denkbar sein. Wenn der Mensch ist wie er ist, muss er sich der Eigenschaften bedienen können, die ihm zur Verfügung stehen. Alles andere ist Unterdrückung. Sein heutiger Standort, als von außen betrachtender Gestalter der Natur, verhindert die Erkenntnis (bibl. Erleuchtung), dass er Teil des Ganzen ist und eine ökonomische Ordnung, sich nur am Vorbild der Natur orientieren kann. Dazu müssen wir zuerst die verdrehte Geschichte der letzten 5.000 Jahre aufarbeiten.

Als die Dornen noch nicht stachen

Noch bis zum Ende der Altsteinzeit (etwa bis 10.000 v.Chr.) lebten die Menschen vorwiegend in kleineren Gruppierungen bis 150 Menschen zusammen. Allmählich bildeten sich Dörfer. Das größte bisher bekannte Catal Hüuyük in Anatolien um 8.000 v.Chr. mit etwa 2.000 Menschen. Ausgrabungen lassen darauf schließen, dass diese Gemeinschaften noch keine

nennenswerten Probleme beim Zusammenleben kannten. Es gab kaum Schäden an den Skeletten, die auf interne Kämpfe zurückgeführt werden können. Die Hausabmessungen lassen den Schluss zu, dass eine Hierarchie im heutigen Sinne nicht existierte. Wahrscheinlich bediente man sich einer Organisationsstruktur, wie sie Robin Dunbar mit der Teilung auf etwa 150 Personen beschreibt. Weltweite Funde belegen, dass die Menschen auch noch zu jenen Zeiten die notwendige kulturelle Identität aus der natürlichen evolutorischen Entwicklung bezogen. Zentrales Element ihres Glaubens war eine Urmutter, die sich aus dem Wissen um den ewigen Kreislauf der Natur ableitete und mindestens 30.000 Jahre vorher auch die Kulturen Mitteleuropas und weiter Teile Asiens anhingen, wie Funde weiblicher Skulpturen zeigen. Wahrscheinlich ist, dass man sich durch Beobachtung der Natur und des damit verbundenen ewigen Kreislaufs als Teil des Ganzen verstand. Auch gefundene Grabbeigaben untermauern diese Theorie.

Dass die Skulpturen allesamt ohne ausgearbeitete Gesichter gefunden wurden, dürfte meines Erachtens darauf zurückzuführen sein, dass man die Skulpturen nicht etwa nur als Fruchtbarkeitssymbol verwendete, sondern hiermit auch den ewigen Kreislauf von Geburt > Lebensverlauf > Tod > Wiedergeburt darstellte und sie für ein steinzeitliches Erntedank-Fest oder sonstige Riten verwendete. Unwahrscheinlich, was die Wissenschaft annimmt, dass ausschließlich Fruchtbarkeitsriten dargestellt werden.

Die heutige „programmierte“ Wissenschaft macht ein ums andere mal den Fehler und spricht den Menschen jener Epoche die menschlichen Attribute der Neuzeit ab, obwohl die Wissenschaft weiß, dass es anatomisch und hinsichtlich der geistig kognitiven Fähigkeiten kaum Unterschiede gegeben haben kann. Untermauert wird die These durch die Gleichstellung der Urmutter „Ma“ im frühen Ägypten mit dem „Lebenskorn“ als Kreislauf von Samen, Wachstum, Ernte und Neueinsaat. Selbstverständlich sollte man sich das Leben seinerzeit nicht als „Hängematte“ vorstellen. Insofern geht es ausschließlich um eine Verschärfung des Problems des Zusammenlebens, nicht aber um die Feststellung, dass es seinerzeit gar keine Auseinandersetzungen gab.

Die Tatsache, dass die Kulturen des fruchtbaren Halbmonds des Nahen Ostens aus der Steinzeit einen großen Informationsreichtum hinterließen und dabei bereits eine frühe dechiffrierte Schrift existiert, machen sie zum besonders geeigneten Forschungsobjekt. In der frühen Epoche hatte jeder seine Funktion, um das Überleben und den sozialen Zusammenhalt zu fördern. Eine Hierarchie im heutigen Sinne war unbekannt. Jeder, der eigennützig handelte, diente mit seiner Funktion, mit seinen natürlichen Eigenschaften automatisch dem Gemeinwohl. Dem Menschen inhärenter Neid, Hass oder Machtanspruch konnte es aufgrund des ökonomischen Umfelds (Ur-Kommunismus) und der Größe der Gruppen nur in geringem Maß geben, denn alles, was dem Gemeinwohl im Wege stand, entsprach nicht dem Nutzen der Gemeinschaft (Überlebensprinzip).

In der Altsteinzeit „regierte“ die Urmutter „Ma“, deren Funktion oben anhand der Funde näher beschrieben ist. Sie vermittelte Geborgenheit. In der Mittelsteinzeit finden sich dann Relikte, die diese Urmutter bereits zur Muttergöttin „Ma’at“ umfunktionierte und an die Stelle der Geborgenheit trat die Schönheit (Dekadenz). Hier wird bereits deutlich, dass die Macht Einzelner aufgrund der Vergrößerung der Gruppen, in Verbindung mit der Sesshaftwerdung, allmählich die Überhand gewann (ca. 8.000 bis 5.000 v.Chr.). In der Jungsteinzeit wurde nun in Ägypten die Muttergöttin „Ma’at“ in den Kult des Sonnengotts/Pharaos innerhalb eines Königtums als „heiliges“ Regelwerk eingebunden (Moral) und die Menschen fanden sich in einem feudalistischen System wieder, in dem die Pharaonen gottähnliche Funktionen einnahmen.[4]

„Goldene Urzeit, in der die ,Ma’ noch herrschte auf Erden, die Dornen nicht stachen und die Mauern nicht einfielen.“
(Text aus den umfangreichen Funden Ägyptens, aus Jan Assmann, Das kulturelle Gedächtnis)

Was war passiert, dass plötzlich Mauern einfielen und die „Dornen“ stachen? Irgendwann im Verlauf der Altsteinzeit begann schleichend die „neolitische Revolution“, die aufgrund des Unverständnisses, wie ein friedliches und sesshaftes Leben in einer arbeitsteiligen Wirtschaft ermöglicht werden kann, dauernde Experimente nötig machte, um größere Gemeinschaften zu kontrollieren. Das Gleichgewicht aus evolutorisch erworbenen Eigenschaften im Verhältnis zur technologischen Entwicklung, welches früher für Ordnung sorgte, geriet aus den Fugen. Die negativen Eigenschaften wie Neid, Missgunst, Hass, Hinterhältigkeit und Egoismus gerieten aus dem Gleichgewicht. Nur der, dessen Eigenschaften diesem Typenbild entsprachen, konnte sich in den größer werdenden Gruppen behaupten.

Ein Anpassungsprozess an veränderte Bedingungen, der ebenfalls evolutorisch zu verstehen ist, denn diese Eigenschaften kommen nicht über Nacht. Sie sind und waren dem Menschen inhärent; sie standen nur bislang in besserer Harmonie zu Eigenschaften wie Mitgefühl, Solidarität oder Liebe, weil sie orientiert an den Anpassungsbedingungen nicht die Überhand gewinnen konnten. Mit größer werdenden Gruppen und der Entwicklung einhergehender Regeln (Moral), die die negative Natur des Menschen gezielt abschalten sollte, hat man gewissermaßen einen Turbo in Gang gesetzt, der nach dem Verlassen der Urmutter die negativen Eigenschaften bei den Führern, wie sie Gustav Le Bon beschreibt, noch verstärkte und bei der Masse eine „geistige Beschneidung“ auslöste.

„Denn die folgsame Herde, die nie ohne Herrn zu leben vermag, hat stets das Bedürfnis, unter die Autorität eines Oberhaupts zu kriechen.“
(Gustav Le Bon, Psychologie der Massen)[5]

Ein Glaube, der von prestigeträchtigen Führern als unbedingt erreichbares Ziel verkauft wird, führt in der Massenseele zu einem magnetischen Zauber und zum Verlust der Kritikfähigkeit. Moral und Vernunft tauschen ihre Plätze.

Die Neolithische Revolution

Die Fachwelt spricht auch heute noch vom 1936 geprägten Kunstbegriff „neolithische Revolution“, der den Kern des Verlaufs jedoch fehlerhaft suggeriert, weil eine Revolution vom Leser immer als kurzzeitiges Ereignis interpretiert wird. Diese Entwicklung muss jedoch insgesamt mindestens 7.000 Jahre gedauert haben, was auch viele Funde unter Beweis stellen.

Nach derzeitiger Kenntnis entstand der Ackerbau weltweit dreimal, (historisch betrachtet) zeitgleich unabhängig voneinander: Im fruchtbaren Halbmond des Nahen Ostens, in Südchina sowie in Neuguinea, später Mittelamerika. „Von diesen Keimzentren aus wurde er durch Landnahme oder soziale Prozesse verbreitet“ (behauptet wikipedia). Wahrscheinlicher ist, dass es einen kollektiven Informationstransport jenseits unserer bewussten Wahrnehmung gegeben haben muss, denn eine Weitergabe durch „Landnahme oder soziale Prozesse“ nach Mexiko scheint doch ziemlich unglaubwürdig zu jener Zeit, zumal es weder Telefone noch andere, über weite Strecken funktionierende Kommunikations- oder Transportmittel gab.

Es ist zu berücksichtigen, dass nicht eine irgendwie geartete vorteilhafte geistige Entwicklung das wichtigste Kriterium für diesen „Sprung“ war, sondern der Anpassungsdruck an veränderte Umweltbedingungen, die sich jeweils während dieser Periode zeigten und zur Einrichtung vertikaler Gesellschaftsstrukturen führte. Der Begriff Revolution ist also nicht zielführend, was auch die Jomon Kultur in Odai, Japan beweist, die bereits 14.000 v.Chr. halbsesshaft töpferte und jagte, und erst um 5.000 v.Chr. sesshaft wurde, weil aufgrund der Umweltbedingungen eine vollständige Sesshaftwerdung nicht sinnvoll war.[6] Während in Ägypten von der Bevölkerung in einem feudalistischen System Höchstleistungen erzwungen wurden (z.B. Pyramiden), erzählt uns eine Geschichte, die von einer interessierten Gruppe verdreht wurde, wie der Weg vom Ur-Kommunismus in den Privatkapitalismus führte, der die Menschheit heute weltweit, in maximaler Ausbreitung, in Sippenhaft hält (ab ca. 1.200 v.Chr.).

Das „Apfelbäumchen“

Die Überlieferungen der Geschichte der Juden knüpft bekanntlich an den Schöpfungsmythos und die (katholische) Erbsünde an.

„Mit Arbeit sollst Du Dich von der Erde nähren und im Schweiße Deines Angesichts, Dein Brot essen!“
( Moses 1, 3,17-23)

Mit der Geschichte mit dem „Apfelbäumchen“, in der eine Schlange als Verführerin zwischen Adam und Eva

vermittelnd tätig wird und Eva dazu bringt, Adam von der verbotenen Frucht zu kosten, bläst JWHE einen riesigen Ballon auf. Nun war es aber schon im Paradies die Aufgabe des Menschen, den Acker zu bebauen und zu bewahren. Gab es dort kein Unkraut und keinen Schweiß bei der Arbeit?

„Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn baute und bewahrte.“
(Moses 1-2.15)

Schon bei dieser kleinen Einleitung kommt man bei wertneutraler Betrachtung an Zweifeln nicht vorbei, dass der Verfasser mit seiner Geschichte um den „Sündenfall“ und der Vertreibung aus dem Paradies etwas ganz anderes sagen wollte, als es die Priesterschaft und Herrschaft aus niederen, Macht erhaltenden Motiven bis heute behauptet. Diese Botschaft, die für uns heute noch existentiellen Charakter besitzt, hält mit ihren Metaphern die Welt in Atem. Denn alle Entschlüsselungsversuche schlugen bisher fehl. Kein Wunder, wenn man dem morgenländischen Sprachraum und seiner Geisteswelt eine abendländische Übersetzung mit Sinnverzerrungen gegenüberstellt.

In dieser Genesis sind die zentralen Akteure Adam, Eva und eine Schlange. Als weitere Darsteller fungieren ein Baum, der bis heute als „Baum der Erkenntnis“ übersetzt wird, aus dem alt-aramäischen richtig übersetzt aber „Fruchtbaum der Erkenntnis, der Früchte macht“ (etz oseh pri vs. etz pri Oseh pri) oder alternativ „Baum der Frucht hat und Frucht macht“ bedeutet. Einen solchen Baum gibt es aber in der Natur gar nicht. Da dies auf den ersten Blick für die abendländische Welt keinen Sinn machte, haben die Juden und die ersten katholischen Kleriker an den Baum der Erkenntnis ein „Gut und Böse“ angehängt und zur maximalen Reduzierung des Menschen wurde von den Katholiken eine Erbsünde erfunden. Eine erweiterte Moral war geboren.

Die Juden, die Kopierer dieser Geschichte, denen im 13. Jhdt.v.Chr. von den Ugariten bereits eine Keilschrift mit einem vergleichbaren Inhalt hinterlassen wurde, diskutieren noch heute über den Sinn[7] . Die Schlange, die hier ihr Unwesen treibt, ist ein vorantikes Symbol aller Kulturen und wurde als Metapher in Schriften sehr unterschiedlich eingesetzt. Als Verführerin tritt sie erstmals mit dieser Geschichte in Erscheinung. War sie vorher häufig als Heilsbringerin verehrt worden, was bis heute im Äskulapstab der Ärzte oder den Schildern an Apotheken sichtbar ist, war sie hier der Inbegriff des Bösen. Ein Hinweis auf die Motivation und den Charakter der jüdischen und katholischen Deuter, die die Erbsünde einbauten, die sowohl die Juden als auch die orthodoxen Christen bis heute mit Recht ablehnen. Die Erbsünde und die moralische Unterscheidung von Gut und Böse sind nun das zentrale Element, um die Völker der westlichen Hemisphäre mit einer erfundenen Moral zu unterwerfen. Die Auflösung der Paradiesgeschichte am Ende dieses Artikels.

Wie Moses den steinzeitlichen Sozialismus erfand

Die Basis zwischenmenschlicher Beziehung ist ein möglichst reibungslos ökonomisches Zusammenleben, da dies erst eine anschließende Verwirklichung höherer menschlicher Bedürfnisse möglich macht. Die durch Anpassung erforderliche Vergrößerung menschlicher Gemeinden hat bereits vor Moses zu großen Verwerfungen geführt. Die Bibel (AT) erzählt von den Söhnen Adams, von Kain (Ackerbauer) und seinem Bruder Abel (Viehzüchter), die in einem tödlichen Streit um das Land stritten, in dem Kain obsiegte. Die weitere Geschichte um Noah können wir uns sparen, da bereits hier offensichtlich wird, dass diese biblischen Geschichten nur einen kleinen wahren Kern enthalten können, denn die Folgegenerationen kommen ohne weibliches Pendant offenbar aus dem Nichts. Wikipedia erklärt:

„Dies wurde in der jüdischen Tradition beantwortet, indem man die in der Bibel namenlosen Frauen Noahs und seiner drei Söhne Sem, Ham und Jafet zu weiblichen Nachkommen Lamechs erklärte“.

Für bis in die letzte Zelle programmierte Mitmenschen lassen wir das durchgehen. Wir wenden uns von Märchen ab und beschäftigen uns mit dem „Auszug der Israeliten aus Ägypten„.

Um 1.200 v.Chr. soll ein „Auszug der Israeliten“ aus Ägypten stattgefunden haben, der historisch nicht belegbar ist. Ob dieser Auszug nur ein geistiger Vorgang war und der Name Moses möglicherweise stellvertretend für eine Gruppe steht, soll hier nicht weiter stören, weil sich die von ihm abzuleitenden Gottesgesetze logisch nur als Wirtschaftsgesetze interpretieren lassen und insofern bei einem Volk „im Lande Gosen“ tatsächlich angewandt wurden. Ein kontinental gelegenes Land, dessen Prägung mit nicht erschlossenen Meeresküsten für den Handel ungünstig war. Doch der fruchtbare Boden führt zur Feststellung, dass hier Milch und Honig fließen. Die Gesetze, die Moses von „Gott“ erhielt oder selbst erschuf, tragen von Anbeginn den Charakter volkswirtschaftlicher und juristischer Relevanz. Hier gibt es keine feudalistischen Stufen mit Hofstaat. Alle Vorschriften sind eherne und ewige Gottesgesetze und berücksichtigten die damaligen sittlichen und wirtschaftlichen Anschauungen. Die Arbeit, die bis dahin nie einer Beurteilung unterworfen war, wurde bei Moses zur Menschenpflicht, zum göttlichen Gebot, während sie in feudalistischen Gesellschaften wie etwa Ägypten nur bei Bedarf erzwungen wurde. Einzig die Erfindung des monotheistischen Herrn JHWE machte dies möglich.[8]Im Schweiße Deines Angesichts“ enthält nun die Pflicht zur Arbeit und das Prinzip der Verantwortung des Einzelnen für sich selbst und seiner Bedürfnisse. Der geistige Kern des Liberalismus hielt Einzug.

Zentrale Überlegung war die Verteilung des Grundbesitzes, die er aufgrund des ethnischen Aufbaus des Volks an den Familien, an den Stämmen festmachte. Er verteilte den Grundbesitz an die 12 Stämme, wobei der Stamm Levi, den Priestern, kein Land zugewiesen wurde. Einerseits sollten die Levis als Priester die Einhaltung der Gottesgesetze überwachen, andererseits ist die Verteilung bei einer notwendigen Aufrechterhaltung des ökonomischen Kreislaufs an Rentner oder sonstige „Bezieher“ nicht sinnvoll, wie jeder Ökonom weiß. Für den Unterhalt der Priester wurde durch die Einführung „des Zehnten“ gesorgt (erstmalige wiederkehrende Steuer). Damit 12 Stämme erhalten blieben, wurde der Stamm Josef in die Stämme Ephraim und Manasse geteilt. Das Land konnte jedoch nicht frei verkauft werden, da Moses bereits damals wusste, dass der freie Handel mit Immoblien zur Umverteilung des Kapitals und in Verwerfungen führt. Und so liest sich das Gesetz:

„Ihr sollt das Land nicht kaufen, denn das Land ist mein, spricht Jehova und Ihr seid Fremdlinge und Gäste vor mir.“
(Moses 3. 25,23).

Daran schließen sich umfangreiche Vorschriften und (Gottes) Gesetze an, die bis in die Überlegungen, wer in Stämme einheiratet oder außerhalb heiratet. Alles hat volkswirtschaftlich aus der Sicht der elitären Schicht Sinn. Wenn trotzdem einmal eine Vermittlung von außen erforderlich wurde, trat eine institutionalisierte „Goelschaft“ in Erscheinung, die eventuelle Probleme bereinigte.[9] Hieraus erwächst auch die „Leviratsehe“, wonach der Bruder des kinderlos verstorbenen Ehemanns dessen Witwe ehelichen soll, damit das Erbgut in der Familie bleibt. Sozioökonomisch eine intelligente Entscheidung. Auch ein Insolvenzrecht wurde als Gottesgesetz installiert, das sich hinter heutigen nicht verstecken muss. Musste ein bewirtschafteter Grundbesitz abgegeben werden ( z.B. Insolvenz), so verband sich die Abgabe immer mit einem Einlösungsrecht für eine Rückübertragung. Alles makroökonomisch sinnvoll.

Im Laufe der Zeit ergab sich dabei, trotz Zinsverbot zum Schutz des armen Volkes und fein durchdachtem Erb- und Übertragungsrecht, eine Verschiebung der Vermögensverhältnisse, für das Moses seinen Gott JHWE veranlasste, alle 50 Jahre ein Jobel- bzw. Halljahr einzuschieben:

„Das ist das Halljahr, da jedermann wieder zu dem Seinen kommen soll.“
(Moses 3. 25,13).

Auch gab es für individuelle Fälle ein „Schemittajahr“, ein Ruhejahr, in dem der Einzelne verpflichtet wurde, den Acker jedes 7. Jahr ruhen zu lassen, um dem Boden Regeneration zu erlauben.

Ein Sozialamt hat der erste Mittelstandstheoretiker der Geschichte auch eingerichtet. Arme erhielten das Recht, die Felder und Weinberge zu betreten um sich zu sättigen. Auch musste beim Ernten der Felder und Obstgärten stets soviel verbleiben, dass ein Hungernder fündig wurde.

„Am Ende vom dritten Jahre bring heraus allen Zehnten Deines Ertrages in demselben Jahre und lass ihn liegen in Deinem Thore und es kommt er, der Levit, denn er hat keinen Anteil am Land und kein Erbe mit Dir; und der Arme, der Waisen und Witwen und sie sollen sich sättigen.“
(Moses 5. 14,28).

Zwischenfazit:

Es gibt bei Moses kein Bodeneigentum im römischen Sinne. Die wirtschaftenden Bauern sind Besitzer und dürfen diesen Besitz vererben, jedoch in der Regel nicht verkaufen. Die Verteilung des Ertrags berücksichtigt auch die nicht direkt an der Produktion Beteiligten. Eine 50jährige Jobelperiode versucht den Systemfehler der Vermögensumverteilung, verursacht durch den unerkannten „Urzins“ entgegenzuwirken, weil man keine andere Lösung fand. Innerhalb dieser Periode gibt es 7 Brachjahre, in denen die Saat zur Erholung entfällt. Arme und nicht wirtschaftende Leviten (Priester) erhalten in festgelegten Rhythmen einen „Zehner-Anteil“, ein Sozialamt ohne Angestellte. Arme hatten hier selbstverschuldeten Status, wie Talmud Pesachim 113a deutlich macht:

„Ziehe einem gefallenen Tiere auf der Straße das Fell ab, wenn Du damit Deinen Unterhalt verdienen kannst und sage nicht: Ich bin ein Priester, ein angesehener Mann, und eine solche Arbeit ist entwürdigend.“

Arbeitsverweigerung wurde mit Repressalien beantwortet. Man stand unterhalb eines Knechts, denn der hatte wenigstens die Möglichkeit, sich frei zu entscheiden, in die Knechtschaft auf Lebenszeit zu gehen. Der Sabbath war Ruhetag, um Erschöpfungskrankheiten vorzubeugen. Moses verbot auch die private Zinsnahme bei Armen, was den Rhythmus des Jobeljahres erklärbar macht und dabei behilflich war, Auseinandersetzungen und Kapitalumverteilungen zu verhindern. Wie auch das Eigentumsrecht vs. Besitzrecht eine vorbildliche Idee war, die Umverteilung vom Mittelstand in eine kleine reiche Kaste zu verhindern. Eine Zinsrente, wie wir sie heute aufgrund des zinsgetriebenen Schuldgeld-Systems kennen, gab es nicht. Im mosaischen „Gottesgesetz“ war hinterlegt, dass ein in Not geratener Grundbesitz nach dem Wert der Jahreserträge verkauft werden musste. Dies hatte zur Folge, dass ein Grundbesitz nie spekulatives Kapital werden konnte, weil der Wert stets fest stand. Durch diese Begrenzung und aufgrund des Jobeljahres war diese Konstruktion so etwas wie ein Rentenfonds. Nach diesem Grundwert übt auch der frühere Grundbesitzer sein Rückkaufrecht, sein Einlösungsrecht aus:

„Was die Jahre bis dahin tragen können, so hoch soll er es Dir verkaufen.“

Alle ökonomischen Gesetze, die hier nur auszugsweise wiedergegeben werden können, standen auf der gleichen Ebene wie die 10 Gebote und hatten Ewigkeitscharakter.[10]

Wenn in Moses 5. Kap.10. JHWE von sich sagt, „denn der Herr, Euer Gott, ist ein Gott aller Götter und Herr über alle Herren, ein großer Gott, mächtig und schrecklich, der keine Person achtet und kein Geschenk nimmt…“ und er andererseits behauptet, er sei der Einzige, dann ist das nur einer von den vielen Fehlern, die Moses unterliefen, um die Natur des Menschen zu unterdrücken, denn die Götter der Vorzeit (u.a. „EL“, bekannter früherer Darsteller der Ugariten in deren Paradiesgeschichte), aus denen er wahrscheinlich JHWE („El“ohim) formte, konnte er nie ganz eliminieren. Das gelang den Folgegenerationen, die aus dem sorgsam aufgebauten sozialistischen Kapitalismus mit Kernelementen des Liberalismus wieder zurückfielen in den Feudalismus, wie es die Bibel offenbart. Selbstverständlich mit den Grundzügen jenes Schuldsystems, wie wir es heute noch nutzen. Aus einem Land Kanaan, nach der Überlieferung nicht größer als die Fläche Hamburgs, wurde schrittweise ein Geldsystem mit einem monotheistischen Gott, der die Welt bis heute mit mittlerweile 3 Göttern in 3 Religionen im Würgegriff hält. Und nur, weil wir immer noch GLAUBEN, es sei gottgegeben, was uns Professoren und Geschichtsverdreher aus Kirchen und Politik heute noch in unser Unbewusstes programmieren:

„Der natürliche Zins ist Ausdruck des menschlichen Handelns und Wertens. Jeder handelnde Mensch trägt ihn quasi in sich, und er besagt, dass gegenwärtig verfügbare Güter höher gewertet werden als künftig verfügbare Güter.“
(Quelle: Prof. Thorsten Polleit).

Das ist in dieser „gottgegebenen Ökonomie“ technisch betrachtet nicht falsch. Der gesunde Mensch ist aber kein berechenbarer Roboter, wie hier angenommen wird und orientiert sich auch nicht ausschließlich am höchstmöglichen mathematischen Profit. Sein Handeln wird vielmehr bestimmt durch die vielfältigen wechselseitigen Eigenschaften wie z.B. Hass, Gier vs. Empathie, Liebe, was von vornherein nicht berechenbar ist. Berechenbar ist aber der Konstruktionsfehler, der mit Urzins und Zinseszins-Effekt für eine allmähliche Umverteilung der Volksvermögen auf immer weniger Marktteilnehmer sorgt und aufgrund des Fehlens einer Lösung, eine „geistige Beschneidung“ des Volks erforderlich machte. Immerhin hat Moses gegen das Ausplündern der Armen ein Zinsverbot erlassen und zur Verhinderung einer Kreditkontraktion (nach Keynes Liquiditätsfalle) „Jobeljahre“ eingeführt.

Es war aber nur der Ausdruck der Hilflosigkeit, angesichts der ständigen Verwerfungen, die Marktwirtschaft und die darin operierenden Marktteilnehmer zu verstehen. Wenn JHWE, Gott und Allah „mächtig und schrecklich“ sind und es vom Volk „im GLAUBEN angenommen“ wurde,   dann ist das WISSEN um diesen Konstruktionsfehler mit allen Mitteln zu verschleiern. Die aktuellen Lenker der Ökonomie haben aufgrund ihrer negativen Eigenschaften für das Gemeinwohl keinerlei Interesse daran, die Konstruktionsfehler des SCHULD-Geldsystems zu beseitigen. Sie pressen seit Urzeiten, mit Tricks, Lügen und Vernebelungen die Massen in ein mechanisches Schuld – Geldsystem, das aufgrund seiner inhärenten Verfallszeit mit seiner beschriebenen Umverteilungsfunktion, dauernde Korrekturen erforderlich macht. Korrekturen, weil das fehlerhafte System beständig Wachstum benötigt um keinen Zusammenbruch zu erleiden. Damit wäre auch die macht der Führer dahin. Davon erzählt die Geschichte von Adam und Eva, die sich die Verfasser bei den Ugariten aus den Jahren um 1300 v.Chr. ebenso entliehen haben, wie Noahs Sintflut bereits Generationen vorher im Gilgamesch Epos seine Erstveröffentlichung fand.

Die Auflösung des Rätsels

Die Adam-und-Eva-Geschichte entstand etwa 800 Jahre nach dem Wirken von Moses. (um 500 v.Chr.); 800 Jahre dauerhafte Verwerfungen mit Gefangenschaft (z.B. Babylon), Krieg und Unterwerfung. Die eigentlich zur weiteren Entwicklung brauchbaren ökonomischen und juristischen Vorschriften von Moses waren längst unkenntlich gemacht (Auslegung der Schriften) und das Volk befand sich wieder im Feudalismus ( Königtum). Verwerfungen entstanden, wenn die notwendige Expansion des Schuld-Geldsystems zur Verhinderung eines Zusammenbruchs der Kultur erforderlich wurden. Die Bibel und außerkanonische Funde erzählen diese lange Geschichte von Mord und Totschlag, die wir hier nicht weiter thematisieren.

Die von den Ugariten aus 1.200 v.Chr. entliehene und leicht abgewandelte Geschichte des Gottes „EL“[11], der später zu Elohim mutierte, wurde vom Verfasser an die erlebte Zeit angepasst. Leider kann der Akteur Adam nur bis zum hebräischen Adama (rote Erde, Staub und Blut) zurückverfolgt werden, während Eva (hebräisch = Leben spenden, aramäisch: chewa = Schlange) zugeordnet werden kann. Der Baum der Erkenntnis (Wissen statt Glauben) stellt die Kultur, in der Menschen wirtschaften dar. Dieser Baum kann nicht nur Früchte machen, sondern deren Früchte machen ebenfalls Früchte. In der NATUR geht das nicht. In der KULTUR hingegen erwirtschaftet der Urzins (Frucht, stehendes Kapital, Ersparnis) Zinseszins (Früchte, parasitäres Kapital), also arbeitsfreies unverdientes Kapital, das bei Sparsamkeit, also ohne Reinvestition, zu Verwerfungen führt, weil bekanntlich der Geldkreislauf gestört wird (Liquiditätsfalle).

Adam und Eva sind wirtschaftende Akteure, die modern ausgedrückt, mit Investor und Unternehmer übersetzt werden können. Die Schlange, die im vorantiken Ägypten auch als Sparsamkeitssymbol und bei den Kainitern als Befreier von der Knechtschaft des Gottes JHWE galt, verführt Eva dazu, ihr angesammeltes Kapital Adam zu überlassen, damit dieser als Unternehmer mit Schuldgeld tätig wird („…und vergib uns unsere Schuld„). Denn stehendes Kapital ist Gift.[12] Deshalb verführt die Schlange Eva, so wie wir alle heute verführt werden, sinnloses Zeug zu konsumieren, damit der „Kreislauf der ewigen Schuld“ erhalten bleibt. In diesem a priori fehlerhaften System wird mit Metaphern auf den Kern des Übels hingewiesen, allerdings ohne eine Lösung anzubieten. Die sollte erst 500 Jahre später jemand, ganz in der Nähe verbreiten, den man – mittlerweile im kollektiv klerikalen Tiefschlaf angekommen – dafür an ein Kreuz nagelte.

*Ein spannendes Thema, das dem Teil 3 mit der Einführung des liquiden Geldes vorbehalten bleiben soll.

 

Anmerkungen

[1] https://www.amazon.de/Das-kulturelle-Ged%C3%A4chtnis-Erinnerung-Hochkulturen/dp/3406421075

[2] http://www.zvab.com/Klatsch-Tratsch-Mensch-Sprache-fand-Dunbar/6948920295/buch

[3] http://www.alltagsforschung.de/begrenzt-kontaktfahig-twitter-studie-bestatigt-die-dunbar-zahl/

[4] https://books.google.de/books?id=j_DbBQAAQBAJ&pg=PA30&lpg=PA30&dq=ma+´at+ägyptische+epoche&source=bl&ots=Vbr0gfPRVx&sig=I9kbzdKzXFDrRpWKshzg0S4kxi8&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiFx5zin5nOAhUIL8AKHecGBxkQ6AEIIjAB#v=onepage&q=ma´at ägyptische epoche&f=false

[5] http://gutenberg.spiegel.de/buch/massenpsychologie-und-ich-analyse-934/2

[6] https://de.wikipedia.org/wiki/J%C5%8Dmon-Zeit

[7] http://tanach.org/special/suc1.htm Und: http://www.welt.de/geschichte/article128190416/Adam-und-Eva-sind-800-Jahre-aelter-als-die-Bibel.html

[8] http://www.karlo-vegelahn.de/jehova.html

[9] http://www.thlz.de/seiten/1977/296/57370/?inhalt=heft%3D1977_8%23r6

[10] http://www.vergessene-buecher.de/band1/bd1-s207bis248.html

[11] http://www.welt.de/geschichte/article128190416/Adam-und-Eva-sind-800-Jahre-aelter-als-die-Bibel.html

[12] http://anthrowiki.at/Schlangen