Furcht vor Fälschungen bei US-Wahl
Furcht vor Fälschungen bei US-Wahl

Furcht vor Fälschungen bei US-Wahl

Diese weit verbreitete Darstellung von Uncle Sam entstammt einem Rekrutierungsplakat aus dem Ersten Weltkrieg von James Montgomery Flagg / Quelle: Wikipedia Diese weit verbreitete Darstellung von Uncle Sam entstammt einem Rekrutierungsplakat aus dem Ersten Weltkrieg von James Montgomery Flagg / Quelle: Wikipedia
Bei US-Wahlen würden sechs Millionen Stimmen weggeworfen, sagt der US-Journalist Greg Palast. Was heißt das für die Wahl zwischen Trump und Clinton? Der Wochenrückblick als Sonntagspanorama…

Liebe Leserinnen und Leser, „wenn Donald Trump Präsident der USA wird, habe ich keine Argumente mehr“, sagt eine Bekannte zu mir, die eine Zeitlang in den Vereinigten Staaten lebte. Immer wieder weist sie ihre Freunde auf die positiven Seiten der USA hin, die sie dort erlebte, wenn Ihre Freunde Amerika wieder einmal als das Allerletzte darstellen.

Jetzt weiß ich endlich, warum Donald Trump das Duell gegen (die superätzende) Hillary Clinton gewinnen wird. Eine von der FAZ zitierte ehrenamtliche Wahlkämpferin Trumps bringt es auf den Punkt: „Trump spricht aus, was wir seit Jahren unseren Fernsehern entgegenbrüllen.“

Die breite Masse der (weißen) Amerikaner sitzt stumpf vor dem Fernseher:

Donald Trump: „Putin geht nicht in die Ukraine!“ (Oder: Elvis lebt!)

Übersetzung der entscheidenden Passage des Interviews vom letzten Sonntag auf dem Sender ABC:

„Putin geht nicht in die Ukraine rein, okay? Nur dass Sie das verstehen. Er wird nicht in die Ukraine reingehen, in Ordnung? Das können Sie sich notieren und aufschreiben und damit machen, was Sie wollen.“ Der Moderator unterbricht Trump: „Aber er ist doch schon dort?“ Trump antwortet: „Okay, gut, er ist auf gewisse Weise da. Aber ich bin noch nicht da. Obama ist dort.“

Wenn ein geborener Lügner wie Trump Präsident der Vereinigten Staaten wird, dann gibt es wirklich keine Argumente mehr.

Hillary Clinton: „Putin ist der neue Hitler!“ (Oder: Elvis lebt!)

Die andere Option ist noch schlimmer!

„Die Welt ist jetzt mit der Aussicht konfrontiert, dass uninformierte US-Bürger eine wahnsinnige, unfähige Kriminelle zur Präsidentin wählen werden, die Putin zum neuen Hitler erklärt hat. Mit dieser Bemerkung hat die dumme Gans Russland den Atomkrieg erklärt, und diese gefährliche, fahrlässige, unfähige und unbesonnene Person will die Demokratische Partei zur Präsidentin der Vereinigten Staaten machen! Die Ignoranz und Dummheit der US-Wähler wird unsere Welt zerstören“, schreibt luftpost-kl.de.[1]

Die Amerikaner entscheiden im November zwischen Pest und Cholera. Ich möchte kein US-Bürger sein.

„Bei US-Wahlen werden 6 Millionen Stimmen weggeworfen.“

Der Journalist Greg Palast sagt dem Sender n-tv:

Da gibt es unterschiedliche Methoden: Wähler werden aus Wahlverzeichnissen gestrichen, das Wählen wird erschwert, oder Stimmen werden nicht gezählt, wie im Jahr 2000 in Florida. In Ohio habe ich mit einem Wähler gesprochen, einem Schwarzen. Er wurde aus dem Wählerverzeichnis gestrichen, weil er von einem Programm namens Crosscheck erfasst wurde. Crosscheck ist ein zwischenstaatliches System, das verhindern soll, dass Wähler zwei Mal zur Wahl gehen. Der Mann heißt Donald Alexander Webster. Angeblich ist er identisch mit einem Wähler namens Donald Eugene Webster in Virginia. Es gibt Namen in den USA, die typisch für Schwarze sind, Webster gehört dazu, auch Johnson oder Brown. Bei Latinos ist es natürlich noch einfacher. Crosscheck erfasst diese Namen, und die republikanischen Politiker, die für die Wählerverzeichnisse in den Bundesstaaten zuständig sind, streichen sie.“
n-tv: „Können Sie quantifizieren, wie viele Stimmen wegen Manipulationen nicht abgeben werden können?“
Greg Palast: „Ja, sogar ziemlich genau. Auf der Basis von Unterlagen der Bundesregierung können wir sagen, dass typischerweise knapp sechs Millionen Stimmen weggeworfen werden, weil ihre Stimmen nicht gezählt werden oder sie aus den Wählerverzeichnissen gestrichen wurden, bevor sie überhaupt zur Wahl gegangen sind. Das ist eine Berechnung des Census Bureau (einer Bundesbehörde, deren Hauptaufgabe die Volkszählung ist), keine Zahl, die ich mir ausgedacht habe.“

Ein contra-magazin-Leser schreibt:

„Ich war beide Male bei der Bush jr. Wahl in Florida und hab diese Show für Idioten live erlebt. Da sind mal 150.000 Stimmen durch Manipulation an den Wahlmaschinen, die im sein Bruder aka Gouverneur Florida so nebenbei zuspielt, max. ein Kurz-Thema für die großen Mediennutten; ach, und wenn so mal kurz 200.000 Schwarze nicht wählen können, weil plötzlich genau diese Listen fehlen, reden die vielleicht einen Tag drüber, und das war’s dann auch.“

Auch Trump rechnet mit einer Wahlfälschung:

„In einer Rede in Columbus im Bundesstaat Ohio warnte Trump vor Wahlfälschungen. ‚Ich habe ehrlich gesagt Angst, dass die Wahl manipuliert werden könnte‘, sagte Trump. In einem Interview mit Sean Hannity, Journalist bei Fox News, bekräftigte Trump seine starke Wortwahl. ‚Die Wahl wird manipuliert werden‘, sagte er und forderte zugleich die Republikaner dazu auf, den Verlauf der Wahl genau unter die Lupe zu nehmen“, schreibt freiezeiten.net.

Wie oben ausgeführt, werden Donald Trump und die Republikaner die Präsidentschaftswahlen mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Crosscheck manipulieren.

„Great again! Wie ich Amerika retten werde.“

Dies ist der Titel von Donald Trumps jüngstem Buch. Der Demagoge schreibt:

„Das amerikanische Volk ist klug, es ist sehr schnell dahintergekommen, was die tatsächlichen Motive für all die persönlichen Angriffe auf mich waren. Und ich bekomme mehr Redezeit, mehr Berichterstattung auf Seite eins, mehr Interviewanfragen als jeder andere – und was noch wichtiger für Amerika ist: Ich bekomme die Gelegenheit, direkt zum Volk zu sprechen.“

Alle Medien in den USA kennen nur noch ein Thema: Jeden Tag Trump, Trump, Trump.

„Die Chaos-Königin.“

Dies ist der Titel von Diana Johnstones sehr gutem Buch über die kalte Kriegerin Hillary Clinton. Der Verlag schreibt:

„Während Clinton sich selbst als liberal, progressiv und feministisch präsentiert, zeichnet Diana Johnstone das Bild einer Frau, die sich innenpolitisch skrupellos opportunistisch zeigt und in der Außenpolitik den berüchtigten militärisch-industriellen Komplex repräsentiert, vor dem Präsident Eisenhower schon 1961 gewarnt hatte. Die kriegerische US-Außenpolitik, die die weltweite Vormachtstellung der USA untermauern soll und in Ländern wie Afghanistan, Irak oder Jugoslawien blutiges Chaos und Zerstörung hinterließ, hat in Hillary Clinton eine der vehementesten Fürsprecherinnen.“

Es ist völlig aussichtslos. Möge Gott Feuer vom Himmel fallen lassen und beide zu Asche machen. Möge Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde erschaffen ­– ohne das verdammte God Bless America.

Schwarzes-Schaf / Quelle: Claus Folger

Schwarzes-Schaf / Quelle: Claus Folger

Das schwarze Schaf der Woche

„Es ist möglich, den Klimawandel aufzuhalten, der sonst noch viel größere Flüchtlingsströme hervorrufen wird, wenn etwa ganze Länder im Meer versinken oder sich die Wüste in Schwarzafrika weiterhin so rasant ausbreitet“, schreibt der Schriftsteller Navid Kermani in der FAZ.

Er hat zu viele Superman-Comics gelesen, wenn er glaubt, dass Menschen einen Klimawandel stoppen könnten. Abgesehen davon ist Migration teuer. Millionen Menschen werden gar nicht in der Lage sein, von Orten abzuwandern, an denen sie durch Umweltveränderungen ihre Ressourcen verloren haben.

Weißes-Schaf Quelle: Claus Folger

Weißes-Schaf Quelle: Claus Folger

Das weise Schaf der Woche

Was um Himmels willen ist geschehen, dass sich Zehntausende, vielleicht Hunderttausende von Menschen, aufgewachsen in einem zivilisierten und liberalen Rechtsstaat, für einen verärgerten Sultan in Ankara begeistern? Haben sie in der Schule geschlafen? Haben sie zu viel Satelliten-Fernsehen geguckt? Waren sie zur Umschulung in religiösen Einrichtungen in der Türkei?“ Die dänische Zeitung JYLLANDS POSTEN hat einige Fragen an die in Deutschland lebenden Türken.

Mein Lektüretipp der Woche:

Politiker versprechen, die Fluchtursachen in den armen Ländern zu bekämpfen. Gleichzeitig versucht die EU in Afrika ein verheerendes Freihandelsabkommen durchzusetzen, schreibt Die Zeit.[2]

 

Anmerkungen

[1] http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP10316_010816.pdf

[2] http://www.zeit.de/kultur/2016-07/westafrika-freihandelsabkommen-eu-fluechtlinge-hafsat-abiola