Wenn Schule nur noch verwaltet wird
Wenn Schule nur noch verwaltet wird

Wenn Schule nur noch verwaltet wird

Leherer Laempel / Wilhelm Busch [Public domain], via Wikimedia Commons; https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e9/L%C3%A4mpel.jpg Leherer Laempel / Wilhelm Busch [Public domain], via Wikimedia Commons; https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e9/L%C3%A4mpel.jpg
Eigentlich sollte das Lernen im Mittelpunkt der Schule stehen. Doch die ausufernde Bürokratie führt zu einem riskanten Balanceakt zwischen Pädagogik und Management, schreibt Gotthilf Steuerzahler.

Seit Jahren nehmen die administrativen Aufgaben, die von den Schulen zu erfüllen sind, immer weiter zu. Dieser Entwicklung muss Einhalt geboten werden. Die Schulleitungen müssen stärker unterstützt und von bürokratischen Tätigkeiten entlastet werden.

Die Hauptaufgabe eines jeden Schulleiters besteht darin, die Voraussetzungen für einen qualitativ hohwertigen Unterricht an seiner Schule zu schaffen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es erforderlich, eine Vielzahl administrativ-organisatorischer Tätigkeiten wahrzunehmen und zugleich pädagogische Führungsarbeit zu leisten.

Balance-Akt zwischen Pädagogik und Management

Die Schulleitungen müssen heutzutage nicht nur für das ordnungsgemäße Funktionieren ihrer Schule im Alltag, sondern auch für die Schulentwicklung und die Sicherung von Qualität und Effizienz sorgen. Die schulischen Managementaufgaben sind in den letzten Jahren durch die zunehmende Eigenständigkeit der Schulen noch umfangreicher und komplexer geworden.

Die Schulleitungstätigkeit hat sich zu einem eigenständigen Berufsbild entwickelt. An großen Schulen ist sie durchaus mit der Führung eines mittelständischen Unternehmens vergleichbar. Die Balance zwischen pädagogischer Führung und Verwaltungsmanagement ist aber vielfach nicht mehr gegeben. Viele Schulleiter klagen darüber, dass sie wegen der vielen Verwaltungsaufgaben zu wenig Zeit für ihre pädagogische Arbeit haben. Dies gilt besonders für das Leitungspersonal von kleineren Grund- und Hauptschulen.

Bei einer Befragung der Schulleiter eines süddeutschen Bundeslandes wurde unter anderem kritisiert, dass die Verwaltungsabläufe zwischen den Schulen und der Schulaufsicht nicht effizient ausgestaltet seien. Bei den administrativen Prozessen in der eigenen Schule wurde hingegen kaum Verbesserungspotential gesehen.

Beklagt wurde auch der erhebliche Aufwand, der den Schulen durch Berichtspflichten entsteht. Von der Kultusverwaltung würden zu viele Statistiken angefordert. Ein- und dieselben statistischen Daten müssten mehrfach in verschiedene Programme der Kultusverwaltung eingegeben werden, da die betreffenden Datenbanken nicht integriert seien. Überdies erschließe sich der Nutzen vieler statistischer Abfragen nicht. Trotz der vielen mitgeteilten Daten hätten die Schulen im Ergebnis oft keine ausreichende Planungssicherheit. Dabei sollten statistische Angaben doch als Planungsgrundlagen dienen und Planungssicherheit herstellen.

Es fehlen Assistenzkräfte zur Entlastung der Schulleiter

Die befragten Schulleiter kritisierten auch, dass die Schulträger, das sind die Städte und Kreise, teilweise ihren gesetzlichen Verpflichtungen nicht nachkämen, die Schulen personell zu unterstützen. Insbesondere Sekretariatskräfte würden den Schulen häufig nicht ausreichend zur Verfügung gestellt. Wenn Schulsekretärinnen erkrankten, gebe es oft keinen Ersatz. Die Schulleiter müssten dann alle anfallenden Verwaltungsarbeiten selbst übernehmen.

In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass schon seit vielen Jahren über Schulverwaltungsassistenten diskutiert wird, welche die Schulleiter von administrativen Routinetätigkeiten entlasten sollen. Es gab wiederholt entsprechende Modellversuche, um den Einsatz von Assistenzkräften zu erproben. Die dabei gemachten Erfahrungen waren ausgesprochen positiv, die Schulen haben die Unterstützung durch Schulverwaltungsassistenten begrüßt.

Gleichwohl haben die Kultusminister der Länder sich noch nicht zu einer flächendeckenden Einführung von Schulverwaltungsassistenten durchringen können. Man scheut die Kosten für das einzustellende Personal. Lieber lässt man teuer bezahlte Lehrkräfte die Routinearbeiten im Verwaltungsbereich erledigen, was natürlich zulasten der Zeitanteile geht, die für pädagogische Tätigkeiten zur Verfügung stehen.

Zu wenig Unterstützung durch die Schulaufsicht

Im Rahmen der Befragung wurden die Schulleiter auch um eine Stellungnahme zu den umfangreichen Rechtsvorschriften und Erlassen der Schulaufsicht gebeten. Die Vorschriften sollen die Schulleiter bei der Aufgabenerledigung unterstützen und eine Handreichung und Hilfestellung sein. Wenig überraschend wurden die Gesetze und Verwaltungsvorschriften von vielen Schulleitern als zu umfangreich, vielfach unverständlich und nicht alltagstauglich eingestuft. Hingegen vermissten viele Schulleitungen trotz aller Vorschriften die Unterstützung der Schulaufsicht in konfliktträchtigen Situationen, beispielsweise bei Sanktionen für Lehrkräfte, die ihren Pflichten nicht nachkommen, oder bei Problemen mit schwierigen Eltern.

Durchgängig forderten die Schulleiter mehr Selbstständigkeit bei der Mittelverwendung und eine bessere IT-Unterstützung für ihre Arbeit. Viele der derzeit von der Kultusverwaltung zur Verfügung gestellten IT-Systeme wurden von den Schulleitungen als nicht hilfreich empfunden und dementsprechend nicht genutzt.

Was unbedingt getan werden muss

Die Befragung der Schulleiter ergibt ein klares Bild, wo dringender Reformbedarf im Schulbereich besteht: Zunächst einmal sollten die Verwaltungsaufgaben der Schulen kritisch daraufhin überprüft werden, ob sie wirklich notwendig sind. Die Zuweisung neuer Aufgaben sollte möglichst vermieden werden. Weiterhin sollten die Schulleitungen so weit wie möglich von administrativ-organisatorischen Alltagsarbeiten entlastet werden. Es ist nicht akzeptabel, dass die Arbeitskraft der Schulleiter in erheblichem Umfang für Aufgaben eingesetzt wird, die keine originären Leitungsaufgaben darstellen und die von anderen Kräften kostengünstiger erledigt werden könnten.

Schließlich sollten die von den Schulen zu meldenden statistischen Daten auf ihre Sinnhaftigkeit und Zweckmäßigkeit überprüft und die IT-Unterstützung für die Arbeit der Schulleiter verbessert werden.

Dieser Text stammt aus dem kostenlosen Newsletter Claus Vogt Marktkommentar.