Russlands Umgang mit Olympia
Russlands Umgang mit Olympia

Russlands Umgang mit Olympia

Die olympischen Ringe / Wikipedia:By Original author: Pierre de Coubertin (1863-1937) (Manual reconstruction by Denelson83) [Public domain], via Wikimedia Commons; https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a7/Olympic_flag.svg Die olympischen Ringe / Wikipedia:By Original author: Pierre de Coubertin (1863-1937) (Manual reconstruction by Denelson83) [Public domain], via Wikimedia Commons; https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a7/Olympic_flag.svg
Was sagen die Doping-Vorwürfe gegen russische Sportler über Putins Russland aus? Offenbaren sie das Bild eines an unzähligen Mängeln zerfallenen Landes?

Der Doping-Skandal in Russland geht seit Wochen durch die Medien. Am 8. Juni wurde auf The Local bekanntgegeben, dass eine kompromittierende Dokumentation mit dem Titel „Die geheime Welt des Dopings: Kraftprobe für Russland“ existiert. Darin werden gesperrte Athleten und Trainer gezeigt, die weiterhin trainieren. Forderungen wurden laut, dass die russischen Sportler von den Olympischen Spielen 2016 in Rio ausgeschlossen werden sollten.

Doch das IOK (Internationales Olympisches Komitee) traf eine andere Entscheidung. Es verfügte, dass Athleten, die bereits gesperrt sind, in Rio nicht teilnehmen dürfen. Alle Entscheidungen über die anderen Athleten sollten jedoch individuell getroffen werden. Damit ist Russland also ganz knapp einer kompletten Sperrung entgangen; viele Athleten dürfen aber ohnehin nicht antreten.

Typisch Russland?

Auch in der Vergangenheit hat es immer wieder Doping-Skandale. Hauptsächlich waren sowjetische Sportler davon betroffen. Gerüchten zufolge sollen die Sportler damals sogar von der Regierung bezahlt worden, damit sie chemische Substanzen einnehmen. Viele Sport-Politiker mussten deshalb bereits zurücktreten. Einige Trainer und der Vorsitzende des Athletenverbandes, Valentin Balakhinichev, wurden lebenslang gesperrt. International werde die Doping-Vorwürfe als politischer Skandal gewertet, denn viele geben der Regierung die Schuld.

In einem Artikel der Zeitung „The Guardian“ vom 27. Juli 2016 wird darüber gemutmaßt, was der Skandal über Putins Russland aussagen könnte. Nach Ansicht vieler Beobachter legt Moskaus Umgang mit der Doping-Affäre das generelle Politikverständnis des Kreml offen: Die Regierung nutze den Skandal als Machtdemonstration. Sie sehen ihn als Metapher für eine der vielen Mängel, an denen Putins Russland zugrunde gehe.

Nach ein paar schwierigen Jahren für Putin, in denen er sich mit Krisen wie Syrien, der Krim und der schlechten wirtschaftlichen Lage auseinandersetzen musste, kratzen die neuen Skandale gewaltig an der Ehre des Landes. Die ideale Gesellschaft, die Putin dem Volk versprochen hat, erlebt wieder einen Rückschlag. In den Augen der restlichen Welt hat Russland seine Glaubwürdigkeit verloren. Natürlich waren auch andere Länder in Doping-Skandale verwickelt, aber erstens war dies nicht in einem solchen Ausmaß der Fall und zweitens waren einzelne Athleten verantwortlich, nicht ganze Teams.

Weg vom Ideal

Für ein Land, das vor dem Rest der Welt unbedingt als mächtig und erfolgreich dastehen will, hat Russland in den letzten Monaten nicht gerade gewonnen. Erscheint es ohnehin schon als Land undurchsichtiger Affären, so verstärkt der Skandal dieses Bild noch. Sportler sowie das Land selbst entfernen sich weiter von dem Ideal, das die Regierung kreieren will, wie NPR Berlin kommentiert.

Für die nahe Zukunft lässt sich festhalten, dass sicherlich viele russische Athleten an den diesjährigen Olympischen Spielen teilnehmen werden, wie es aber um nachfolgende Sport-Events wie die Fußballweltmeisterschaft steht, bleibt weiterhin ungewiss. 2010 fiel die Entscheidung, dass Russland Gastgeber für die nächste WM 2018 sein würde. Internationale Mannschaften, Wettfirmen wie Betway und die russische Regierung bereiten sich schon auf das Turnier vor; aber welche Auswirkungen wird der Doping-Skandal haben?

Die letzten Neuigkeiten auf der internationalen FIFA-Website sind ein positiver Bericht über ehrenamtliche Arbeit; an der Entscheidung für 2018 scheint sich also nichts geändert zu haben. Um die Pläne zu verwerfen müsste offenbar etwas Drastischeres geschehen. Aber dennoch wird der Skandal die WM mit Sicherheit auf die eine oder andere Art beeinflussen; das Turnier wird von Misstrauen gekennzeichnet sein und strenge Dopingkontrollen beinhalten.