100 Liter Wasser für 1 Liter Milch
100 Liter Wasser für 1 Liter Milch

100 Liter Wasser für 1 Liter Milch

Enthornte Rinder / Quelle Wikipedia; By Photo by Scott Bauer (US Department of Agriculture, Agricultural Research Service). [Public domain], via Wikimedia Commons Enthornte Rinder / Quelle Wikipedia; By Photo by Scott Bauer (US Department of Agriculture, Agricultural Research Service). [Public domain], via Wikimedia Commons
Die sind irre, die Saudis: Sie halten 50.000 Milchkühe in der Wüste! Und dann verbrauchen sie auch noch das Wasser von US-Farmern. Der Wochenrückblick im „Sonntagspanorama“.

Liebe Leserinnen und Leser, heutzutage macht wirklich jeder das, was er will: Apfelweinwirte schenken Bier und Cola aus, und Saudi-Arabien duscht 50.000 Milchkühe unter der Sprinkleranlage. Die Anlage der größten Molkerei der Welt verbraucht 100 Liter Wasser, um einen Liter „Wüstenmilch“ zu produzieren. Ein Tag ohne Futterlieferung oder Wasserversorgung und die meisten Kühe würden sterben.[1]

Warum der Wahnsinn? Ziel Saudi-Arabiens war es, den Wüstenstaat zum Selbstversorger zu machen. Neben der größten Milchfarm der Welt legte das saudische Königshaus auch gigantische Weizenfelder in der Wüste an. Die Strategie machte das Königreich zeitweise zum sechstgrößten Weizenproduzenten der Welt. In den 1990er Jahren verbrauchten die saudischen Farmer dafür ganze 5 Billionen Gallonen oder rund 19 Billionen Liter Wasser pro Jahr.

Saudis verbrauchen Wasser von US-Farmern

Als Konsequenz haben sich Saudi-Arabiens unterirdische Wasserreservoirs innerhalb nur einer Generation zu mehr als vier Fünftel geleert. Die saudische Regierung zieht die Notbremse aus der Ausbeutung der heimischen Wasserressourcen und verbietet den Anbau von Futterpflanzen und Weizen komplett.

Woher die Agrarflächen nehmen, wenn nicht durch Landgrabbing?“, denkt sich Almarai, der Betreiber der größten Kuhfarm der Welt und kauft mit staatlicher Förderung massenhaft Agrarflächen in den USA. US-Farmer gehen auf die Barrikaden: „Almarai baut das Heu für seine Kühe ausgerechnet in Regionen an, die selbst mit Trockenheit und Wassermangel zu kämpfen haben.“ Kalifornien kämpft seit vier Jahren  mit einer Jahrhundert-Dürre,  die die Wirtschaft des Staates nach offiziellen Schätzungen bereits 2,74 Milliarden Dollar gekostet hat.

Holly Irwin, Sprecherin einer lokalen Farmervereinigung in Arizona sagt:

„Wir lassen sie hier rüberkommen und unsere Ressourcen aufbrauchen. Das ist sehr frustrierend für mich, insbesondere wenn Anwohner zu mir kommen und mir erzählen, dass ihre Brunnen austrocknen und sie tiefer Bohren müssen, um an Wasser zu gelangen. Es ist für diese Leute sehr teuer, neue Brunnen zu bohren.“[2]

Die internationale Entwicklungsorganisation Oxfam schätzt, dass in Entwicklungsländern seit 2001 über 220 Millionen Hektar Land von ausländischen Investoren aufgekauft wurde oder gepachtet wird, um es gewinnbringend agrarisch auszubeuten. Ein Fläche, die ungefähr derjenigen Westeuropas entspricht

Gegen zu viel Wasser kämpft Lagos, die größte Stadt Nigerias.

„In Syrien bekämpfen sich rund 2500 verschiedene Gruppen.“

Das sagt der Graphic-Novel-Zeichner Hamid Sulaiman, der zu Beginn der syrischen Revolution im Jahr 2011 nach Paris floh. Weiter:

„Meine Graphic Novel Freedom Hospital ist weniger für Syrer gemacht. Meine syrischen Freunde sagten mir aber, dass sie das Buch gerne gelesen haben. Das freut mich natürlich, denn der Bürgerkrieg in Syrien ist nicht nur für Außenstehende absurd geworden. Der Krieg ist seit langer Zeit auch für mich unübersichtlich geworden. In Syrien bekämpfen sich rund 2500 verschiedene Gruppen, und teilweise gehören Feinde ähnlichen politischen Strömungen an. In einer Stadt herrscht dann der eine Krieg und ein paar Kilometer weiter ein anderer. Hisbollah gegen Hasara gegen Assad-Truppen gegen den Islamischen Staat gegen Al-Kaida und so weiter. Jede Partei ist davon überzeugt, auf der richtigen Seite zu stehen.“[3]

Mehr als sich aus dem syrischen Konflikt herausziehen bzw. die Füße still halten, kann man nicht tun. Das gilt von Obama bis Putin.

Schwarzes-Schaf / Quelle: Claus Folger

Schwarzes-Schaf / Quelle: Claus Folger

Das schwarze Schaf der Woche

Wir brauchen die Kooperation mit anderen Geheimdiensten wie der NSA, da ein Land wie Deutschland weltumfassende Informationen von China über Afrika bis Russland benötigt. Wir wollen wissen, wo eine Hungerkatastrophe oder Wassermangel womöglich eine neue Flüchtlingswelle auslösen. Diese Nachrichten kann kein Staat allein beschaffen, nicht einmal die Amerikaner. Deshalb sollen wir auch mit unserer Abhöranlage in Bad Aibling oder mit dem Frankfurter Internet-Knotenpunkt helfen.
Hansjörg Geiger, der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes, kann gegenüber Die Zeit die einem Geheimdienstler eigene Hybris nicht ablegen.

Eine Abhöranlage, um herauszufinden, wo Wassermangel eine neue Flüchtlingswelle auslöst? Über Hungerkatastrophen kann man sich auch mit Videotext sehr gut auf dem Laufenden halten. [Mal abgesehen von der Tatsache, dass sich Verhungernde und Verdurstende keine Schlepper leisten können und es auch nicht so sein soll, dass wir (nur) denen gegenüber eine Humanitätspflicht haben, die es mit einem Schlepper hierher geschafft haben.]

Israels Ex-Staatspräsident Schimon Peres (92) erklärte neulich gegenüber dem „Süddeutsche Zeitung Magazin“, dass ein von seinen Mitarbeitern zusammengestellter Pressespiegel ihn heute viel besser informiert, als es früher der israelische Geheimdienst Mossad tat, den er zum Ende seiner Amtszeit 2014 noch „als besten Geheimdienst der Welt“ bezeichnete.

Zeitung lesen ist überhaupt eine gute Idee. Die FAZ schätzt, dass bei den für Jordanien tätigen Hilfsorganisationen nur etwa 30 % der Mittel bei den Bedürftigen ankommen. Von rund 900 Millionen Hilfsgelder 2014 seien allein 200 Millionen Euro in die Gehälter der ca. 500 westlichen und ca. 4000 bis 6000 nationalen Mitarbeitern gegangen. Dazu noch Mieten, Flüge, Verpflegung usw. Die Zeitung zitiert einen in diesem Bereich tätigen Jordanier, nach dem der Arbeitsmarkt für Mitarbeiter internationaler Organisationen in Jordanien leergefegt ist.

Weißes-Schaf Quelle: Claus Folger

Weißes-Schaf Quelle: Claus Folger

Das weise Schaf der Woche

„Noch niemals hat mich auf der Straße jemand aufgefordert, für Kernwaffen Geld zu spenden. Aber unzählige Male haben mich Menschen mit Sammelbüchsen um eine Spende für Arme, Kranke, Alte und Kinder gebeten. Offenbar deshalb, weil die Regierungen für Waffen stets genug Geld zur Verfügung haben.“ (Sir Peter Ustinov)

„Ende Oktober 2015 stimmte das Abgeordnetenhaus in Brasilien für ein neues Waffengesetz, das den Besitz und Handel von Waffen erheblich erleichtern sollte. Das Gesetz sah zudem die Verringerung des Mindestalters für den Besitz von Schusswaffen von bisher 25 auf 21 Jahre vor und sollte Vorbestraften und Angeklagten den Waffenbesitz erlauben, was nach geltendem Recht nicht möglich ist. Ebenso müssten die Waffenbesitzer nicht mehr wie bisher alle drei Jahre ihren Waffenschein erneuern. Die Erlaubnis wäre unbegrenzt gültig gewesen. Das Gesetz scheiterte, da Dilma Rousseff – die Präsidentin auf Abruf – damals ihr Veto einlegte“, schreibt amerika21.de.

Die Frankfurter Rundschau meint: „BBB, das setzen die Fernsehzuschauer mit ‚Big Brother Brasil‘ gleich. Aber im Parlament steht es auch für ‚boi, bala, biblia‘ – Rind, Kugel, Bibel. Also die Agrar-, die Waffenlobby- und die Lobby der christlichen Fundamentalisten. Ihnen allen passt Rousseff nicht.“ (vergl. GEOLITICO: „Brasiliens faschistoides Putschkartell“)

Die Agrarlobby stört sich an der Landvergabe an indigene Völker und möchte am liebsten den ganzen Regenwald abholzen. „Gerodet wird all dieser Wald in Brasilien, um nicht nur Viehweiden zu schaffen, sondern auch Kaffee, Orangen, Zuckerrohr und nicht zuletzt Soja in großen Mengen für den Weltmarkt zu produzieren. Über 20 Millionen Hektar Sojaanbauflächen hat Brasilien – das ist mehr als die Hälfte der Fläche Deutschlands. Soja wird vor allem als Viehfutter exportiert. Allein für den Fleischkonsum in Deutschland werden in Brasilien für jeden Deutschen 300 Quadratmeter Land bewirtschaftet“, schreibt WWF Deutschland.

Über biblia, das dritte B, informiert Sie der Lektüretipp der Woche.

Mein Lektüretipp der Woche:

Brasilien befindet sich auf bestem Weg zum Gottesstaat. Die evangelikalen Gemeinden wachsen rasant, schreibt die „Evangelische Allianz in Deutschland“.[4]

Postskriptum:

Und jetzt ist auch noch Margot Honecker tot! Sie lebt aber in EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker weiter, der die angekündigte Abriegelung des Brenner-Passes durch Österreich als „politische Katastrophe“ bezeichnet.

Merke: Die DDR war niemals ein Unrechtsstaat und die Türkei ist immer eine blühende Demokratie!

 

Anmerkungen

[1] Quelle: wir-sind-tierarzt.de

[2] http://staseve.eu/umwelt-saudi-arabien-sichert-sich-in-den-usa-riesige-ackerflaechen

[3] Quelle: Zeit Magazin

[4] http://www.ead.de/nachrichten/nachrichten/einzelansicht/article/brasilien-die-evangelikalen-gemeinden-wachsen-rasant.html