19 Belege für zerstörten Wohlstand
19 Belege für zerstörten Wohlstand

19 Belege für zerstörten Wohlstand

SPD-Chef Sigmar Gabriel © GEOLITICO SPD-Chef Sigmar Gabriel © GEOLITICO
Die SPD kämpft gegen Alkohol auf dem Fahrrad – die abgestürzte Mittelschicht gegen die Armut. Drohen in Deutschland amerikanische Verhältnisse? Der IWF rät zu Notfallplänen.

Im Kampf gegen ihre wachsende Bedeutungslosigkeit hat die SPD ein neues Thema entdeckt: Alkohol am Fahrradlenker. Die Sozialdemokraten wollen, dass niemand mehr betrunken oder auch nur angetrunken Fahrrad fährt. Zu diesem Zweck soll die 1,1-Promille-Grenze her, fordern die SPD-Verkehrspolitiker im Bundestag. Noch sind 1,6 Promille erlaubt, was nach Ansicht der Sozialdemokraten geradezu skandalös ist. Und wenn sie ihr Alkohol-Verbot am Fahrradlenker durchgesetzt haben, wird selbiges für Fußgänger wohl auch nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Als wenn die Sozialdemokraten sonst keine Sorgen hätten. Wie wär’s mit ein bisschen Wirtschafts- und Sozialpolitik? Schließlich setzt sich die Spaltung der Gesellschaft in Arme und Reiche ungebremst fort. Die Daten des Statistischen Bundesamts sprechen da eine deutliche Sprache. Demnach verfügten 2013 die obersten zehn Prozent der Haushalte über 51,9 Prozent des Nettovermögens – die untere Hälfte nur über 1 Prozent. Zum Vergleich: 1998 hatten die reichsten zehn Prozent nur 45,1 Prozent, die unteren 50 Prozent 2,9 Prozent des Vermögens. Die deutsche Gesellschaft zerfällt, obwohl beinahe Vollbeschäftigung herrscht, droht den meisten Altersarmut.

Die nächste große Krise

Was auf die Deutschen zukommt, können sie heute schon in den USA besichtigen. Dort ist der Zerfall der Gesellschaft schon viel weiter fortgeschritten. In den offiziellen Arbeitslosenstatistiken tauchen Millionen Menschen gar nicht mehr auf, die seit der Finanzkrise von 2008 ihre gesamt Existenz verloren haben. Noch immer leben 45 Millionen Menschen in 23 Millionen Haushalten von Essensmarken[1].

Und schon rückt die nächste großen Wirtschaftskrise näher. In allen Branchen gehen die Umsätze zurück. Im Januar sank der Gesamtumsatz saison- und preisbereinigt um 0,4 Prozent auf 1,2 Billionen US-Dollar. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Rückgang um 1,4 Prozent, schreibt Wolf Richter[2]. Sowohl die US-Notenbank FED als auch die Experten der Regierung hatten das Gegenteil prognostiziert.

Michael Snyders „Economic-Collaps“- Blog listete nun 19 sichere Hinweise dafür auf, dass US-Familien ökonomisch zerstört werden[3]:

  1. Die ärmsten 40 Prozent aller Amerikaner müssen jetzt mehr als 50 Prozent ihres Einkommens nur für Lebensmittel und Wohnen ausgeben.
  2. Amerikaner, die kein Haus besitzen, zahlen mehr als ein Drittel ihres Einkommens für die Miete.
  3. Der Preis fürs Schulessen ist an vielen öffentlichen Schulen auf 3 Dollar gestiegen.
  4. Das 2002 von McDonalds eingeführte „Dollar-Menü“ für einen Dollar heißt nun „Dollar Menue & More“ enthält nun Elemente, die 5 Dollar kosten.
  5. Der Preis für Rindfleisch hat sich seit 2009 verdoppelt.
  6. 1986 gingen in Familien mit berufstätigen Müttern für Kinderbetreuungskosten 6,3 Prozent des Haushaltseinkommens drauf, heute sind es 7,2 Prozent.
  7. Obwohl bis zu 200.000 Jobs geschaffen wurden, sanken die Einkommen von 80 Prozent der US-Bürger um bis zu 3,5 Prozent von 2014 auf 2015. Die Einkommen der reichen 20 Prozent stiegen im Schnitt um mindestens 1 Prozent.
  8. Mehr als die Hälfte der US-Beschäftigten verdient weniger als 30.000 Dollar im Jahr.
  9. Bereinigt um die Inflation, sank das mittlere Haushaltseinkommen um fast 5.000 Dollar seit 2007.
  10. Nach Angaben der New York Times ist der „typische amerikanische Haushalt“ heute 36 Prozent weniger wert als vor zehn Jahren.
  11. 47 Prozent aller Amerikaner sparen nicht einen einzigen Cent ihres Gehalts.
  12. Eine Umfrage ergab, dass 62 Prozent aller Amerikaner von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck leben.
  13. Das US-Bildungsministerium berichtet, dass 33 Prozent aller Akademiker ihre Studentendarlehen nicht mehr zurückzahlen können.
  14. Über 43 Millionen Amerikaner können ihre Arztrechnung nicht mehr bezahlen.
  15. Seit sieben Jahren ist die Rate der Wohnungseigentümer in den USA rückläufig. Sie ist so niedrig wie vor 20 Jahren.
  16. In jedem der vergangenen sechs Jahren haben mehr Unternehmen dichtgemacht als neue geschaffen wurden. Vor 2008 war dies noch nie zuvor in der US-Geschichte so.
  17. 65 Prozent aller Haushalte mit Kindern sind von Hilfe des Staates abhängig.
  18. Wenn Sie keine Schulden haben, und Sie haben 10 Dollar in der Brieftasche, sind Sie reicher als 25 Prozent aller Amerikaner.
  19. Der durchschnittliche Amerikaner arbeitet vom 1. Januar bis 24. April nur für den Staat: für Bundes-, Landes- und lokale Steuern. Erst dann bleibt von seinem Einkommen etwas für ihn.

Millionen Flüchtlinge

All das ist in den „Zentralen der Weltwirtschaft“ bekannt. Nicht ohne Grund warnte im Februar der IWF, die Globale Wirtschaft sei „sehr anfällig“. Solche Sätze sind nicht ungewöhnlich, doch dann sprach der IWF eine bemerkenswerte Warnung aus: Er drängte die Vereinigten Staaten und anderen Regierungen zur Erarbeitung von Notfallplänen, um das Wachstum anzukurbeln. IWF-Ökonom Maurice Obstfeld sagte wörtlich:

„Politiker weltweit sollten nicht darauf verzichten, Vorkehrungen dafür zu treffen, dass die möglichen erheblichen Verschlechterungen eintreffen.“

Arme wie Verbrecher behandelt

Und was macht die schwarz-rote Bundesregierung? Sie holt Millionen Flüchtlinge ins Land, ohne auch nur die geringste Ahnung davon zu haben, wie sie diese in die Gesellschaft integrieren und wie sie deren Integration finanzieren will. Ihr Notfall ist das in einer turbulenten Nachtsitzung verhandelte Integrationsgesetz. Aber wo bleibt das Konzept für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung?

Was es heißt, wenn sich die sozialen Konflikte in Deutschland und Europa weiterhin nach US-Vorbild entwickeln – und danach sieht es aus, können die SPD-Vordenker schon mal in der Washington Post nachlesen. Die titelt:

„Die Armen werden überall wie Verbrecher behandelt, sogar im Supermarkt…“[4]

Aber die Sozialdemokraten denken lieber über die Promillegrenze für Radfahrer nach…

 

Anmerkungen

[1] http://www.fns.usda.gov/sites/default/files/datastatistics/keydata-january-2016.pdf

[2] http://wolfstreet.com/2016/04/13/economy-runs-aground-total-business-sales-fall-inventories-at-crisis-level-jobs-threatened/

[3] http://theeconomiccollapseblog.com/archives/19-signs-that-american-families-are-being-economically-destroyed

[4] https://www.washingtonpost.com/posteverything/wp/2015/04/01/the-poor-are-treated-like-criminals-everywhere-even-at-the-grocery-store/

Über Thomas Castorp

Thomas (Hans) Castorp blickt vom Zauberberg herab auf die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Fragenstellungen. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel