Schwule zwischen AfD und Migranten
Schwule zwischen AfD und Migranten

Schwule zwischen AfD und Migranten

Der Der "rosa Winkel" war das Zeichen, mit dem die Nationalsozialisten Homosexuelle in den Konzentrationslagern in diffamierender Weise kennzeichneten. Foto: Franz Niggemann
Viele Homosexuelle fühlen sich durch die AfD an die Verfolgung durch die Nazis erinnert. Aber was ist mit homophoben Migranten? Kann die AfD da Verbündete sein? Ein Gastbeitrag von Franz Niggemann.

Die AfD hat im Jahre 2013 die Chance verpasst, als eine moderne, aufgeklärte Partei bei homosexuellen Menschen wahrgenommen zu werden. Leider, so möchte man ausführen!

Erinnern wir uns: Auf dem homosexuellen Motzstraßenfest in Berlin wurden im Jahr 2013 über 600 Unterschriften für die Wahlzulassung der AfD geworben. Die Presseerklärung der seinerzeitigen Berliner AfD[1] zielte auf einen pragmatischen, liberalen Umgang mit homosexuellen Menschen – so eben, wie es von einer modernen, freien Gesellschaft zu erwarten wäre. Aber es kam anders!

Die Vorgänge um die eilfertige, die Berliner AfD korrigierende Presseerklärung des damaligen Bundesvorstands[2] zum schwul-lesbischen Motzstraßenfest in Berlin war für viele Homosexuelle sicherlich eine kalte Dusche. Man darf durchaus die Frage stellen, ob das ein Anschlag auf den liberalen Flügel der AfD darstellte. Wer damals die Kommentare in den Sozialen Medien verfolgte, der konnte sich des Eindrucks einer deutlichen Homophobie bei Teilen der AfD nicht erwehren.

Verfolgung und Mord unter den Nationalsozialisten

Ist es da nicht verständlich, wenn die auf dem 2013er Motzstraßenfest bei vorwiegend Homosexuellen geworbenen Unterschriften im Nachgang als geradezu erschlichen etikettiert werden können?

Aber entscheidend ist die wichtige Frage: Gibt es die Homosexuellen? Und hier konzentriert sich die Schwarz-Weiß-Malerei. Wer politische Kampfbegriffe wie „die Homolobby“ oder die „Homosexualisierung der Gesellschaft“ in den Raum schmeißt, der forciert ganz bewusst eine Verquickung und Übergeneralisierung nicht zusammenhängender Gegenstandsbereiche – hier mit dem Gender-Mainstreaming! Es mag die „Homolobby“ seitens der Partei der Grünen um Volker Beck geben – aber das sind nicht die Homosexuellen!

Im Hintergrund kann man die Angstschwingungen derjenigen nachempfinden, die ein eher konservatives Familienbild zeichnen, man könne Menschen zu Homosexuellen erziehen. Erziehung ist ein sensibles Feld, und weil es eben nicht die Homosexuellen gibt, gibt es auch dort genügend nachdenkliche Menschen, die Gender-Mainstreaming in ähnlicher Weise problematisieren wie die AfD.

Wer aber die Überspitzung und Übertreibung der politischen Wortwahl überdehnt, wer in seinen Ausführungen übergeneralisiert und dahinter sogar eine Agenda vorantreibt, der darf sich nicht wundern, wenn die AfD als eine „gefährliche rechte“ Partei diffamiert wird. Und in diesem Zusammenhang ist das durchaus nachvollziehbar, wenn man die Geschichte der Verfolgung, der Drangsalierung und Ermordung homosexueller Menschen unter den Nationalsozialisten erinnert. Dass diese verbrecherischen Ereignisse für die Bevölkerungsgruppe der Homosexuellen ein Trauma sind, verkennen viele Konservative. Da scheint Empathie zu fehlen!

„Ein selbstverständlicher Bestandteil menschlicher Sexualität“

Homosexualität hat es immer gegeben. Und Homosexuelle wurden meistens verfolgt – oder sie waren gezwungen, sich zu verstecken. Und offenbar gibt es in Deutschland durchaus erzkonservative Stimmen[3], die genau das wieder fordern, nämlich dass sich Homosexuelle wieder verstecken sollen, damit sie in der Öffentlichkeit nicht mehr wahrnehmbar sind. Die schrillen schwul-lesbischen Feste, wie beispielsweise die CSD-Umzüge, scheinen doch einigen Konservativen ein Dorn im Auge zu sein. Sie erkennen hier eine Übertreibung, einen ungezügelten Hedonismus, der auf sie abstoßend wirkt. Das mag so sein, und hier darf auch diskriminiert werden. Aber die Love-Parade und ähnliche Veranstaltungen stehen dem nicht nach!

Man muss Homosexuelle nicht mögen! Genauso wenig muss man Dicke mögen, Grünäugige, Langhaarige oder wen auch immer. Auf persönlicher Ebene kann jeder diskriminieren, wie er will. Und es diskriminiert auf persönlicher Ebenen auch jeder Mensch, indem er seinen Vorlieben nachgibt. Aber der Staat darf es eben nicht!

Wie gesagt, Homosexualität hat es immer gegeben; und folgerichtig nahm die AfD Berlin auf ihrem Landesparteitag im März 2016 um 11.40 Uhr einen Antrag an, in dem es u.a. heißt: „Homosexualität ist für die AfD ein selbstverständlicher Bestandteil menschlicher Sexualität“.

Das ist eine wichtige Aussage, denn aktuell wurde die AfD vom anstehenden Motzstraßenfest 2016 unter dem Jubel rot-grüner homosexueller Aktivisten ausgeschlossen[4] – und damit eine bedeutende Anzahl Homosexueller gleich mit! Denn selbstverständlich gibt es viele aufgeklärte, selbständig denkende und unabhängige Homosexuelle, die sich ihre Meinungen und Einschätzungen selbst erarbeiten. Die erkennen, dass die AfD auch politische Themen auf die Tagesordnung setzt, die bei den anderen Parteien ignoriert werden. Ob es die Diskussionen über das Geldsystem, das Verhältnis zu Russland, TTIP, Bargeld, Euro oder die weitere Entwicklung der EU zum Zentralstaat sind: Alles Themen, die aufgeklärte Homosexuelle für ihre eigene Lebensplanung als wichtig wahrnehmen wie andere aufgeklärte Menschen auch.

AfD als Beschützer der Homosexuellen?

Die aktuelle Migrantenpolitik lässt bei diesen aufgeklärten, liberalen Homosexuellen die Alarmglocke schrillen. Denn es gibt ernstzunehmende Entwicklungen, die die Freizügigkeit der Homosexuellen nicht nur auf die Probe stellt, sondern massiv bedroht. Der „Tagesspiegel“ weist auf den mitgebrachten „Ehrenkodex“ der jungen männlichen Migranten hin, der sich als Hass gegen Schwule, Schwarze, Juden und Andersgläubige entlädt[5]. Da kann es kaum wundernehmen, wenn Homosexuelle, Schwarze oder Juden in Deutschland hier eine massive Gefahr wittern und sich fragen, welche Wurzeln diese inhumanen Blüten haben. Wer hier wegschaut, handelt politisch unverantwortlich!

Das muss man sich mal vorstellen: Da freuen sich Wirte des Nollendorf-Kiezes über den Ausschluss der AfD vom Motzstraßenfest und übersehen die für Homosexuelle bedrohliche Entwicklung. Diskussionen werden somit aus Gründen der „political correctness“ verhindert. Kann man es nicht als Arroganz werten, wenn hier versucht wird, für die Homosexuellen zu sprechen? Es gibt homosexuelle Geschäftsleute, Manager, Unternehmer – und darunter offenbar viele, die sich von den durch die AfD aufgeworfenen Themen angezogen fühlen! Die erkennen, dass die Richtung der EU, des Euros, etc. falsch ist! Die sich nicht vertreten fühlen vom moralistischen, meinungsbildenden rot-grünen Mainstream. Es sind eben diese Übertreibungen und Anmaßungen, die den Lebensumständen von Homosexuellen sicherlich keinen Gefallen tun werden.

Und somit sitzen die Homosexuellen jetzt zwischen allen Stühlen! Sie werden nicht vertreten von rot-grün und ihrer anscheinenden Kanzlerin, mit einer für alle Deutschen unverantwortlichen Politik! Womöglich werden Homosexuelle zukünftig wieder bedrängt werden – und zwar von denjenigen[6], die rechtswidrig ins Land eingeschleust wurden. Da sind die Verantwortlichen des Motzstraßenfestes an Naivität nicht zu toppen. Die AfD als einzige Partei mit Gewicht, die die Migrantenströme einschränken will, wird damit mittelbar zum Beschützer der Homosexuellen – und zwar nicht, weil die AfD rassistisch wäre, sondern feststellt, dass die Legitimität dieser Politik überaus zweifelhaft ist. Verkehrte Welt!

Wenn die Freiheit unter die Räder kommt

Schade für die AfD ist die von ihr vergebene Chance. Neue Parteien jenseits der im Bundestag vertretenen werden gebraucht. Vielleicht gehört die AfD dazu. Aber wenn die AfD eine moderne Partei sein will, dann sollte sie sich differenzierender bei gesellschaftspolitischen Positionen aufstellen, die schroffe, abstoßende Kontraste verhindern, ihren Markenkern gewissermaßen verjüngen.

Schade für diejenigen Homosexuellen, die nicht erkennen, dass die Migrationskrise wichtiger ist als das Adoptionsrecht für Homosexuelle[7]! Es ist eine Chance für die AfD, die sie nutzen sollte, weil es ihr politisch Rückenwind gäbe! Das sollten auch die Konservativen erkennen.

Homosexualität kommt in unserer Gesellschaft einfach vor. Damit sollte man liberal und offen umgehen. Homosexuelle sind nicht vorbildlich ob ihrer sexuellen Orientierung! Aber sie haben – wie alle anderen eben auch – ein Recht darauf, in Ruhe gelassen zu werden. Dazu sollte jeder stehen – genau wie bei allen anderen auch. Und dann wird alle Aufregung in diesem Zusammenhang einfach in sich zusammenfallen. Und um nichts anderes geht es.

Die Gesellschaft wandelt sich. Es ist nicht ausgeschlossen, dass in den anstehenden turbulenten Zeiten in Europa und Deutschland die Freiheit unter die Räder kommt. Und dann werden alle die Leidtragenden sein! Selbständig Denkende wissen, welche Prioritäten anstehen!

 

Anmerkungen

[1] http://www.afd-berlin.de/2013/06/auf-dem-schwul-lesbischen-motzstrassenfest-erhaelt-die-alternative-fuer-deutschland-viel-zuspruch/

[2] https://de-de.facebook.com/jungefreiheit/posts/10151968018494942

[3] http://www.welt.de/welt_print/debatte/article4876545/Der-Kult-um-die-Schwulen.html

[4] http://www.bz-berlin.de/berlin/tempelhof-schoeneberg/lesbisch-schwules-stadtfest-schmeisst-afd-raus

[5] http://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/konflikte-in-berliner-fluechtlingsheimen-aus-der-heimat-geflohen-hass-im-gepaeck/13017896.html

[6] http://www.huffingtonpost.de/david-berger/islam-homosexualitaet-schule-lesben-religion_b_6468588.html

[7] http://www.theeuropean.de/david-berger/10796-afd-erstarkt-in-landtagswahlen