Glücksuche im Online Casino
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Glücksuche im Online Casino

Kartenspieler / Quelle: Von Paul Cézanne, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=132870 Kartenspieler / Quelle: Von Paul Cézanne, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=132870
Glücksspiel im Online Casino ist auch in Deutschland ein riesiger Markt. Allein für Sportwetten geben sie Milliarden aus. Aber was bekommen sie wieder raus?

Wer sich heute am Glücksspiel beteiligen will, muss seine Kreuze auf dem Tippzettel nicht mehr in einer schmuddeligen Trinkhalle machen oder sich beim Brötchenverkäufer mit dem Lottoschein in der Hand in die Schlange vor der Kasse stellen. Heute können Glücksspieler am heimischen Schreibtisch spielen.

Doch so mancher Spieler übersieht dabei gern, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist, schon gar nicht, wenn es um Glücksspiel geht. Anbieter, deren Seiten auch von Deutschland aus aufgerufen werden können, haben oft keine Lizenz für Glücksspiel in Deutschland.

Die Deutschen setzen einiges aufs Spiel

Böse Erfahrungen machte im vergangenen Jahr ein Malermeister aus München. Er spielte online Black Jack bei einem Anbieter in Gibraltar. Er gewann 201.500 Euro, und verlor 120.930 Euro. Unterm Strich blieben ihm also 80.570 Euro – dachte er jedenfalls. Denn die Sicherheitsbehörden kamen ihm auf die Schliche. Und so musste er sich vor Gericht wegen verbotenen Glücksspiels verantworten[1].

Letztlich musste der Malermeister die 80.570 Euro an den deutschen Fiskus zahlen. Die erste strafrechtliche Verurteilung eines Spielers in Deutschland, seit vor sieben Jahren der erste Glücksspielstaatsvertrag eingeführt wurde (Az.: 1115 Cs 254 Js 176411/13) gilt als Präzedenzfall und sollte allen Spielern eine Warnung sein.

Glücksspiel ist ein gewaltiger Markt. Und die Deutschen sind bereit, einiges aufs Spiel zu setzen. „Im nicht regulierten Glücksspielmarkt in Deutschland im Jahr 2010 betrugen die Spieleinsätze bei Online-Casinos 872 Millionen Euro“, ermittelte das Statistikportal Statisktika[2].

Für Online-Sportwetten gaben die Spieler in dem Jahr sage und schreibe 1,4 Milliarden Euro aus. Und Online-Games schlagen nochmal mit 166 Millionen Euro zu Buche. International liegt Deutschland damit hinter den USA auf Platz zwei. Kein Wunder also, dass die deutschen Spieler von den Anbietern heiß umworben werden.

Rechtlich ist das Glücksspiel in Deutschland im Glücksspielstaatsvertrag von 2011 geregelt.[3] Darin sind fünf Ziele festgeschrieben. Oberstes Ziel des Vertrages ist es, „das Entstehen von Glücksspielsucht und Wettsucht zu verhindern und die Voraussetzungen für eine wirksame Suchtbekämpfung zu schaffen“.

Schutz vor Kriminalität

Erreicht werden soll dies „durch ein begrenztes, eine geeignete Alternative zum nicht erlaubten Glücksspiel darstellendes Glücksspielangebot“. Damit will der Gesetzgeber zum einen das Glücksspiel in geordnete und überwachte Bahnen lenken, zum anderen der Ausbreitung von unerlaubten Glücksspielen in Schwarzmärkten entgegenwirken. Es will sicherstellen, dass Glücksspiele ordnungsgemäß durchgeführt, die Spieler vor betrügerischen Machenschaften geschützt, die mit Glücksspielen verbundene Folge- und Begleitkriminalität abgewehrt werden.

Und natürlich geht es dem Gesetzgeber darum, Gefahren für die Integrität des sportlichen Wettbewerbs beim Veranstalten und Vermitteln von Sportwetten vorzubeugen. „Um diese Ziele zu erreichen, sind differenzierte Maßnahmen für die einzelnen Glücksspielformen vorgesehen, um deren spezifischen Sucht-, Betrugs-, Manipulations- und Kriminalitätsgefährdungspotentialen Rechnung zu tragen“, heißt es im Gesetz.

Verstoß gegen das Grundgesetz?

Nach Ansicht des Münsteraner Verfassungsrechtlers Hans Dieter Jarass verstößt der Glücksspielstaatsvertrag jedoch gegen geltendes EU-Recht und das Grundgesetz.

Das im Staatsvertrag garantierte staatliche Monopol zur Veranstaltung von Lotterien beeinträchtige die in EU‐Verträgen gewährleistete Dienstleistungs‐ und Niederlassungs­freiheit. Die Einrichtung eines Lotteriemonopols unterliege „erhöhten Rechtfertigungs­anforderungen“. Diese seien in Deutsch­land aber nicht gegeben, so Jarass[4].

Für die Spieler ändern diese Einwände jedoch nichts: Sie müssen wissen, dass nicht jedes Online Casino in Deutschland zugelassen ist. Jeder Spieler sollte also zunächst in die Nutzungsbedingungen der Casinos schauen. Dort findet her den Hinweis darauf, ob der Anbieter eine Lizenz für Deutschland hat oder nicht. Dann weiß er, ob er die Finger davon lassen soll, um sich einen Schaden wie jenen des Malermeistes aus München zu ersparen.

 

Anmerkungen

[1] http://www.welt.de/finanzen/verbraucher/article136041203/Staat-darf-Gewinn-von-Online-Zockern-kassieren.html

[2] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/262305/umfrage/spieleinsaetze-im-nicht-regulierten-gluecksspielmarkt-in-deutschland/

[3] http://revosax.sachsen.de/vorschrift_gesamt/12481.html

[4] https://www.redeker.de/main-V2.php/de/news/pm20150611.html