Ohne Bargeld keine Bitcoins
Ohne Bargeld keine Bitcoins

Ohne Bargeld keine Bitcoins

Zwei Euro EZB © GEOLITICO Zwei Euro EZB © GEOLITICO
Einige Liberale hoffen, dass bei einem Bargeldverbot die Kryptowährungen überleben könnten. Sie irren fatal. Geldwettbewerb wird es ohne Bargeld nicht geben.

Angesichts des sich verschärfenden Kampfs des Staates gegen das von ihm selbst als einziges legales Zahlungsmittel deklarierte Bargeld sind es nicht nur die Mahner, die ihre Stimme erheben. Gerade Befürworter der Hayekschen Idee des Geldwettbewerbs können einer möglichen Abschaffung des Bargeldes auch positive Aspekte abgewinnen.

Erst die staatliche Abschaffung des Bargelds werde, so ihr Argument, in stärkerem Maße dazu führen, dass sich die Menschen nach alternativen Zahlungsmitteln und Sparmöglichkeiten umsehen. Noch ist es möglich, anonym einzukaufen. Noch kann man sich auch gegen mögliche Negativzinsen durch verstärke Geldhortung wehren. Noch also besteht keine dringende Notwendigkeit, in der Frage nach Geldalternativen aktiv zu werden.

Gut fürs Organisierte Verbrechen

Hat der Staat aber erst einmal die letzte Fluchtmöglichkeit geschlossen, dann werden sich die Menschen plötzlich der staatlichen Repression bewusst und sich aktiv nach Möglichkeiten umsehen, das staatliche Bargeldverbot zu umgehen. Dann schlägt die wahre Stunde von Bitcoins, von Gold und Silber, von Regiogeldern, Zeitkonten, Tauschhandel und von anderen Zahlungssystemen und -methoden, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können und die erst im Marktprozess hervorgebracht werden, so ihre Überlegung.

Daran ist sicherlich richtig, dass die Menschen immer Lösungen suchen und Wege finden, staatliche Repressionen zu umgehen und auszuhebeln. Wo Preiskontrollen und Zwangsbewirtschaftung herrschen, geht der freie Markt in den Untergrund und wird zum „Schwarzmarkt“.

So war es beispielsweise während der Prohibition in den USA der Fall. Der Alkoholkonsum stieg, gerade in Ballungsräumen um New York und Chicago herum, rapide an. Die Zahl illegaler Kneipen, sogenannter „Speak Easy“, explodierte förmlich und der Alkoholschmuggel aus dem Ausland erblühte. Aber zeitgleich stiegen die Preise für Alkohol um ein Vielfaches, während die Qualität des produzierten Alkohols rapide sank – rund 10.000 Menschen starben wohl infolge des Konsums unsauber gebrannter Schnäpse.

Menschen, die außerhalb der Ballungsgebiete lebten, hatten wenig Chancen, Alkohol zu kaufen bzw. mussten dafür weite Wege in Kauf nehmen. Das organisierte Verbrechen übernahm Schutz- und Kontrollfunktionen und in der Folge stiegen die Kriminalitätsraten überall an. Mit anderen Worten: Die Opportunitätskosten für Alkohol stiegen in Folge des Verbots dramatisch.

Zugriff des Staates

Ähnlich wird es sich im Falle des Bargeldverbots verhalten. Wer glaubt, dass der Staat tatenlos zusehen wird, wenn sich die Bürger von seinem, dem staatlichen Zwangsgeld abwenden, der offenbart eine gefährliche Naivität. Vielmehr wird der Staat alle ihm zu Verfügung stehenden Mittel nutzen, um dann auch die letzten Schlupflöcher zu stopfen.

Im Zuge eines Bargeldverbots wird auch der Besitz oder zumindest der Handel mit Edelmetallen, wenn schon nicht verboten, dann auf jeden Fall deutlich eingeschränkt werden. Alternative Kryptowährungen wie Bitcoins dürften dann ebenfalls weiteren starken Repressalien unterworfen sein. Regiogelder und Tauschringe werden vermutlich strengen Dokumentationspflichten unterworfen und deren Mitglieder werden jede Transaktion rechtfertigen und gegebenenfalls auch versteuern müssen.

In allen Fällen dürfte bereits das Auffinden seiner Handelspartner zu einem Vabanquespiel werden, bei dem man schlimmstenfalls bereits mit einem Bein im Gefängnis steht. Last but not not least ist es nach einem beschlossenen Bargeldverbot auch zu spät. Wer dann noch versucht, sein nur mehr digital vorhandenes Geld in Gold und Silber zu tauschen, wird – so ein solcher Umtausch dann überhaupt noch möglich ist – ausnahmslos registriert werden.

Der Erwerb von Bitcoins und ähnlichem geht heute schon nicht spurlos von statten. Irgendwie müssen Euro, Dollar oder Yen schließlich in Bitcoins und Satoshis getauscht werden, wenn man die Coins nicht per Computer „schürft“. Dies geschieht aber zumeist mittels einer bequemen Überweisung. Zwar ist die so erworbene Blockchain dann völlig anonymisiert und auch ein anonymer Einkauf mit derselben möglich. Ob dies aber unter einem Bargeldverbot lange so bleiben wird, ist höchst fraglich.

Unter Verdacht

Viel wahrscheinlicher nämlich dürfte es sein, dass dann recht zeitnah entsprechende Gesetze verabschiedet werden, die zumindest die Betreiber von Bitcoin-Börsen oder Bitcoin-Wallets darauf verpflichten, ihre Kundendaten im Zweifelsfall offenzulegen – für alle übrigen Kyrptowährungen gelten diese dann natürlich genauso. Verdächtig ist dann im Zweifel bereits, wer eine entsprechende App herunterlädt.

Nein, ein Bargeldverbot öffnet uns keine Hintertür zu einem besseren Geldsystem dank plötzlich entfachtem Geldwettbewerb im Untergrund. Dieses muss auf einem anderen Wege erreicht werden. Die Abschaffung des Bargelds bedeutet nur das endgültige Aus für die bürgerlichen Freiheiten – ohne Wenn und Aber und ohne jede Hintertür.