Entreißt den Islam der Scharia

Frauengebetsraum der Berliner Khadija-Moschee / Quelle: By Ceddyfresse (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons; https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AFrauengebetsraum_Khadija-Moschee.jpg Frauengebetsraum der Berliner Khadija-Moschee / Quelle: By Ceddyfresse (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons; https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AFrauengebetsraum_Khadija-Moschee.jpg
Angesichts der Flüchtlingsströme nach Europa muss es gelingen, den Islam radikal zu entpolitisieren, ihn der Scharia zu entreißen. Doch wollen das die Einwanderer?

Im Jahr 2006 wurde die Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 16. September in Ägypten verboten.[1] Darin enthalten sei eine Beleidigung des Islams, so lautete der Vorwurf in einem Erlass des damaligen Informationsministers Anas al-Feki. In einem Artikel sei behauptet worden, daß die islamische Religion mit dem Schwert verbreitet worden sei und der islamische Prophet Mohammed ein Prophet des Bösen sei. Den beanstandeten Artikel hatte der Althistoriker Egon Flaig geschrieben, der zu diesem Zeitpunkt eine planmäßige Professorenstelle an der Universität Greifswald innehatte. Seit 2014 ist Flaig als emeritierter Althistoriker im Ruhestand.

In seinem Beitrag[2] zitierte er den Gründer der ägyptischen Muslimbruderschaft, Hassan Al banna, der offen die „Rückeroberung“ früherer islamischer Gebiete wie Andalusien, Sizilien, Süditalien, den Balkan, und die griechischen Inseln propagierte. Solche geopolitischen Ziele würden offenbar zum Allgemeingut einer als „moderat“ eingestuften muslimischen Bewegung gehören. Und so fragt Egon Flaig in seinem Essay in der FAZ, ob denn der Islam, der solche im Grunde religionsfremde Elemente enthält, als Religion wie jede andere bezeichnet werden kann. Diese Frage verneint er klar, denn nach klassischer Lehre bestehe für die muslimische Weltgemeinschaft die Pflicht, gegen die Ungläubigen Krieg zu führen, bis diese sich bekehren oder sich unterwerfen würden:

„Dieser Krieg heißt Dschihad. Lautete der Missionsauftrag Jesu, alle Völker zu bekehren, ihnen aber ihre politische Ordnung zu lassen, so besteht das Ziel des Islam darin, alle Nichtmuslime politisch zu unterwerfen, ihnen aber ihre Religion zu lassen, falls es Buchreligionen sind. Der allgemeine Befehl Gottes zum Dschihad wird entnommen aus Sure 9, 29. Gewiß, winzige pazifistische Strömungen im Islam haben diese Interpretation nicht akzeptiert. Die Schiiten akzeptieren sie zwar, verlangen aber, daß ein echter Imam die muslimische Gemeinschaft anführt (und auf einen solchen warten sie schon mehr als dreizehn Jahrhunderte), daher gilt für sie vorläufig nur der defensive Dschihad, also falls die muslimische Gemeinschaft angegriffen wird.

Dagegen haben die andere Strömungen, etwa die sogenannten charidschitischen, die Aussage von Sure 9, 29 radikalisiert: Sie sehen im Dschihad eine individuelle Pflicht jedes tauglichen Muslim, welche als sechste Säule neben den anderen fünf kardinalen Pflichten steht. Konsequenz dieser Lehre: Wenn jeder entweder an der kollektiven Kriegführung gegen die Ungläubigen teilnehmen muß oder – falls die muslimische Gemeinschaft dafür momentan zu schwach ist – allein, gruppenweise auf eigene Faust kriegerisch agieren muß, dann sind Attentate und Terroranschläge das Richtige.

(…).

Christliche Theologen versuchten – angesichts einer Pluralität von Staaten – zu definieren, was ein „gerechter“ Krieg war und was nicht; Kriege einzig um des Glaubens willen galten überwiegend nicht als gerecht. Für muslimische Gelehrte ist hingegen das „Haus des Islam“ eine politische Einheit, welche keinen inneren Krieg duldet; darum ist allein der Krieg zur Unterwerfung der Ungläubigen legitim gewesen und obendrein Pflicht, (…).“

Wider die politische Etikette

Wofür, für welche politische Ordnung, so fragt Flaig, hätten denn die Muslime ihre Heiligen Kriege geführt?

„Für die Scharia. Eine politische Ordnung, die erstens Herren und Unterworfene streng absondert, zweitens die politische und soziale Ordnung der menschlichen Verfügung weitgehend entzieht. Bleiben wir beim ersten Aspekt: In der Scharia sind die Muslime die Herren, die Anhänger anderer Buchreligionen – Christen, Juden, Parsen, Buddhisten – Unterworfene, „Dhimmi“; dabei handelte es sich nicht um religiöse Minderheiten, sondern um gewaltige Mehrheiten, vor allem in Syrien, in Anatolien, oder um die Christen Nordafrikas.

Die Unterworfenen durften keine Waffen tragen, sie waren wehrunfähig, somit keine vollwertigen Männer. Christen und Juden mußten besondere Farben oder Kleidungsstücke tragen (diese Diskriminierung führte zum Judenstern), um als „Dhimmi“ kenntlich zu sein; sie durften nicht auf Pferden reiten, sondern nur auf Eseln, damit sie ständig an ihre Erniedrigung erinnert wurden; sie zahlten einen Tribut (Jizya), den sie persönlich entrichteten, wobei sie einen Schlag an den Kopf erhielten. Sie mußten sich von Muslimen schlagen lassen, ohne sich wehren zu dürfen; schlug ein „Dhimmi“ zurück, dann wurde ihm die Hand abgehackt, oder er wurde hingerichtet. Die Zeugenaussage eines „Dhimmi“ galt nicht gegen Muslime; diese brauchten für Vergehen an einem „Dhimmi“ nur halbe Strafe zu tragen; und wegen eines solchen Unterworfenen konnten sie nie hingerichtet werden. Umgekehrt waren grausamste Hinrichtungsarten überwiegend den „Dhimmi“ vorbehalten.“

Eine Religion, die die politische und soziale Ordnung der menschlichen Verfügung entzieht? Keine Trennung von Staat und Kirche im Islam? Strenge Absonderung von Herren und Unterworfenen? Hier hat ein Historiker überhaupt nicht die politische Etikette beachtet und zu sehr darauf beharrt, dass Fakten nun einmal Fakten sind. Die schonungslose und offene Schilderung der historischen Tatsachen in seinem Essay hatte zum Verbot der entsprechenden Ausgabe der FAZ in Agypten geführt. Man fragt sich, warum es inder arabischen Welt offenbar immer noch ein Tabu ist, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen. Liegt es vielleicht daran, dass es hier nicht nur um die Vergangenheit geht, sondern auch um die Gegenwart und vor allem um die Zukunft?

Scharia in Deutschland

Egon Flaig jedenfalls sieht im Scharia-Islam eine der schlimmsten Gefahren für Demokratie und Menschenrechte im 21. Jahrhundert. In einem Beitrag von 2012 im Focus Online-Portal z. B. hat Flaig noch einmal klargestellt, dass er den Islam in seiner heutigen Form für eine gefährlich politische Ideologie hält, die ohne Weiteres mit der nationalsozialistischen Rassenlehre gleichgesetzt werden kann:[3]

„Wie der Nationalsozialismus die Menschen in Herrenmenschen und Untermenschen auf rassischer Basis spaltete, so hat die Scharia ein religiöses Apartheid-System geschaffen, welches je nach Epoche und Region variierte. Ferner verlangt die Scharia, dieses System über die Welt auszudehnen, nötigenfalls durch den Dschihad. Der Scharia-Islam darf getrost als Islamofaschismus bezeichnet werden, als der momentan gefährlichste Rechtsradikalismus der Welt. Niemals hat dieser Islam zu Europa gehört. Unsere europäische Kultur vermochte sich nur zu bilden, weil sie sich mehr als 1000 Jahre gegen die ständigen Invasionen, Eroberungen und Angriffe der islamischen Sultanate und Emirate gewehrt und sich behauptet hat.“

Wer sich noch nicht im Klaren darüber ist, wie wirkmächtig die Scharia auch in der Gegenwart und hier in Deutschland ist, sollte den Spiegel-Bestseller „Scharia in Deutschland“ der österreichischen Publizistin mit pakistanischen Wurzeln Sabatina James lesen. Sabatina James verweigerte sich einer Zwangsverheiratung mit ihrem Cousin, die ihre islamischen Eltern vorgesehen hatten, nahm eine neue Identität an und lebt heute aufgrund der gegen sie gerichteten Todesdrohungen ihrer Familie unter Polizeischutz. Nach den Gesetzen der Scharia kann sie nicht auf die geringste Gnade hoffen, da sie sich außerdem noch zum Christentum bekehrt hat. Als Konvertitin ist sie nach dem Scharia-Recht dem Tod verfallen.

In ihrem neuesten Buch wird geschildert, wie die religiösen, für gläubige Moslems absolut verbindlichen Gesetze des Islam das staatliche Recht des jeweiligen Wohnlandes außer Kraft setzen:

„Am offensichtlichsten wird die Unverträglichkeit der Lehren Mohammeds mit einer auf Selbstbestimmung beruhenden gesellschaft in der Scharia, einem Rechtssystem, das keine Trennung von Religion und Staat kennt und das Leben der islamischen Gemeinschaft in allen Bereichen zu ordnen versucht. Islamisten halten sich streng an diese Regeln und sehen es als Pflicht an, alle Regierungen der Scharia, also dem religiösen Gesetz Allahs, zu unterwerfen.“[4]

Als ein Beispiel für die schleichende Islamisierung unserer Gesellschaft führt James das rechtlich kaum mehr in den Griff zu bekommende Gebaren der arabischen Clans an. Hier kann mit Fug und Recht schon von einer muslimischen Paralleljustiz gesprochen werden:

„Mustafa O., der gerade auf Bewährung ist, gehört zu einem arabischen Clan, der sich die familiären Hartz-IV-Bezüge regelmäßig mit Schutzgelderpressung, Zuhälterei und Drogenhandel aufstocken soll. Weil Fuat S. seine Schulden nicht zurückzahlen kann, schlagen Mustafa O. und seine Brüder ihn zusammen. Fuat S. kommt mit zertrümmerten Händen und Knien ins Krankenhaus.“[5]

Erst sagt das Opfer gegenüber der deutschen Polizei aus und beschuldigt im wesentlichen Mustafa O. Aber jetzt passiert etwas, was mit dem Rechtssystem, wie es sich in der europäischen Kultur seit der Aufklärung entwickelt hat, nicht mehr das Geringste zu tun hat: Die Clans bringen das Scharia-Recht ins Spiel. Ein islamischer „Friedensrichter“ tritt auf den Plan. Die beteiligten Familien handeln unter seiner Leitung einen Kompromiss aus, zwischen ihnen wird „Frieden“ geschlossen.

„Vor Gericht zeigte sich dann, dass das Scharia-Recht die deutsche Rechtsprechung vollständig aushebelte. Es sabotierte quasi die Arbeit von Polizei und Justiz. Denn vor dem Richter machte Fuat S. nun von seinem Recht zur Aussageverweigerung Gebrauch.“[6]

„Die Umgründung Europas auf die Religion“

Wer diese islamische Friedensschlichtung als „Bereicherung“ unserer Kultur ansieht, kennt zum einen unser Rechtssystem nicht mehr, das schwere Körperverletzung als Straftatsbestand ansieht, der unabhängig von einer zivilrechtlichen Klage verfolgt werden muss. Er hat außerdem nicht begriffen, dass eine sich ausbreitende moslemische Paralleljustiz bei den nach der Scharia lebenden Moslems in immer größeren Maß dazu führen wird, die Staftaten, verübt durch Moslems gegenüber Nichtmoslems, zu bagatellisieren. Denn letztendlich haben die nach europäischem Recht vorgehenden Behörden nach dem Scharia-Recht keinerlei Legitmation für einen gläubigen Moslem.

Beenden wir diesen kleinen Ausflug in die deutsche Realität, es sollte aber klar geworden sein, dass Egon Flaig nicht von irgendeiner abstrakten Gefahr gesprochen hatte, als er in FAZ und Focus vor dem Scharia-Islam warnte.

In seinem 2013 veröffentlichten Buch „Gegen den Strom – Für eine säkulare Republik Europa“, in dem auch sein erweiterter Aufsatz aus der FAZ unter dem Titel „Der gefährlichste Rechtsextremismus der Gegenwart“ veröffentlicht wurde, kritisiert Flaig in dem Beitrag „Die Umgründung Europas auf die Religion“ weiterhin und unerbittlich eine Religion, die keine Trennung von Staat und Kirche kennt und deshalb mit den republikanischen Errungenschaften der europäischen Kultur, in der das mehr oder weniger zur Basis des friedlichen Miteinanders gehört, gar nichts anfangen kann:

„Die Scharia negiert die zivischen Gemeinwesen der europäischen Welt, den Bürgerbegriff radikal löschend, um die Einwohner gemäß ihren Religionen in lauter Parallelgesellschaften aufzusplittern. Da die Gelehrten des Scharia-Islam diese Unvereinbarkeit seit über 1000 Jahren betonen, fragt sich, was unsere Demokratie zu tun beabsichtigt, wenn Muslime sich auf die Religionsfreiheit berufen, um seelenruhig auf einen Gottesstaat hinzuarbeiten. Verträgt es die autonome Republik, wenn die Gesinnung einer entschlossenen Minderheit die republikanischen Fundamente zerstört?

Multikulturalistische Intellektuelle üben sich im Leugnen von Unvereinbarkeiten und im Schönreden von deren blutigen Folgen.“[7]

Bitter beklagt Flaig die Blindheit der europäischen Eliten gegenüber der sich anbahnenden Entwicklung. Das hat ihm sicherlich vor allem in seinem Heimatland Deutschland keine Freunde gebracht.

Zum Zeitpunkt seiner FAZ-Kritik musste Flaig seine Äußerungen nicht zurücknehmen oder wurde in den vorzeitgen Ruhestand versetzt. Man muss sich tatsächlich die Frage stellen, ob er heute, befände er sich noch in Amt und Würden so glimpflich davonkäme. Denn wir leben in einem veränderten Deutschland, in dem offene Kritik an am real existierenden Islam, dem die meisten der neuen Zuwanderer anhängen, sowie an einer angeblich alternativlosen Währungs-, Europa- und Flüchtlingspolitik schnell dazu führen kann, als Undemokrat und Propagandist rassistischer und menschenverachtender Ansichten denunziert zu werden.

Islamische Reformkräfte in der Minderheit

Schon bei seiner Emeritierung 2014 fehlte es nicht an studentischen Protesten gegen den „neu-rechten Kulturkämpfer“. Aber so einfach ist es eben nicht, einen Wissenschaftler als undemokratisch und menschenverachtend abzustempeln, der eine „Weltgeschichte der Sklaverei“ und eines kulturgeschichtlichen Buches über die Entstehung der Mehrheitsentscheidung in Europa geschrieben hat. Man kann nur hoffen, dass Egon Flaig trotz einer politischen Kultur der Durchhalteparolen und der vorgegebenen Alternativlosigkeit sich nicht beirren lässt und sich weiter zur Brisanz der stattfindenden Veränderungen äußern wird.

Flaig ist Wissenschaftler und kein Fanatiker, so dass er nicht blind ist für Versuche, den Islam zu reformieren. Alles wird darauf ankommen, dass es den islamischen Reformern gelingt, den Islam radikal zu entpolitisieren. Nur dann könnten auch Muslime zu wirklichen Bürgern in ihren jeweiligen Heimatländern werden. Bei aller harten und berechtigten Kritik am Scharia-Islam der Gegenwart ist für Egon Flaig der Weg in den clash of civilizations noch nicht zwingend:[8]

„Es gibt islamische Strömungen, die nicht der Scharia folgen, und es gibt den Scharia-Islam. Der Unterschied ist fundamental für die Chancen von Demokratie und Menschenrechten.“

Die Zukunft wird zeigen, ob diese Hoffnung, der Egon Flaig mit solchen Gedanken Ausdruck gibt, sich erfüllen wird. Die Reformkräfte innerhalb des Islams repräsentieren nicht die Mehrheit in ihren jeweiligen Gesellschaften. Die islamischen Einwanderungsgruppen in den westlichen Gesellschaften scheinen sich eher von solchen Reformen abzuwenden. Es ist deshalb, was Deutschland angeht, eher damit zu rechnen, dass die verhängnisvolle Politik der völligen Grenzöffnung und ungesteuerten Einwanderung aus den Gebieten des Scharia-Islams nun jede Chance einer islamischen Reform im Winde verwehen lässt.

 

Anmerkungen

[1] http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/wegen-islamkritik-ausgaben-von-f-a-z-und-figaro-in-aegypten-verboten-1355591.html

[2] http://www.faz.net/frankfurter-allgemeine-zeitung/essay-der-islam-will-die-welteroberung-1354009.html

[3] http://www.focus.de/magazin/archiv/nur-ein-islam-ohne-scharia-kann-zu-europa-gehoeren-eine-klarstellung-von-egon-flaig_aid_771871.html

[4] Sabatina James, Scharia in Deutschland, München 2015, S. 114

[5] Scharia in Deutschland, S. 26

[6] a.a.O.

[7] Egon Flaig, Gegen den Strom, S. 189

[8] http://www.focus.de/magazin/archiv/nur-ein-islam-ohne-scharia-kann-zu-europa-gehoeren-eine-klarstellung-von-egon-flaig_aid_771871.html