Welthistorische Anklage des Westens

Flagge des Islmamischen Staates / Quelle: By Yo (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons Flagge des Islmamischen Staates / Quelle: By Yo (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons
Der Westen will Syriens Präsident Assad stürzen. Er nimmt dabei die größte humanitäre Katastrophe unserer Zeit in Kauf. Eine Strategie voller Blut und Lügen.

Täglich verbreiten die westlichen Propaganda-Medien, Assad und sein Regime trügen die alleinige Verantwortung für mehr als 200.000 Tote, Millionen Flüchtlinge und die Zerstörung Syriens. Als schrecklicher Gewaltherrscher und Unterdrücker des Volkes habe er die zunächst friedlichen Demonstrationen mit Gewalt niedergeschlagen und verhindere durch einen fortgesetzten barbarischen Krieg gegen die „Opposition“ in seinem Land eine friedliche Lösung. Die moralisch gerechtfertigte Forderung des demokratischen Westens sei: Der Diktator müsse gestürzt und der „gemäßigten Opposition“ in diesem „Bürgerkrieg“ zur Macht verholfen werden. – Versuchen wir, hinter diese Propaganda-Kulisse zu blicken.

Gewachsene Feudalstrukturen in der arabischen Welt

Zunächst gilt festzustellen: Es gibt keine Lebensverhältnisse in Syrien, für die man Begriffe einer Demokratie im westlichen Sinne, die dem Anspruch nach auf der Selbstbestimmung der freien Individualität beruht, gebrauchen könnte. Der Begriff „Opposition“ ist daher irreführend. In der ganzen arabischen Welt herrschen gewachsene feudalstaatliche Strukturen, die auf Clan, Stamm und Konfession beruhen. Diese ringen mit- und gegeneinander um die Macht in einem Staate, dessen Grenzen zumeist von den früheren Kolonialmächten gezogen wurden. Und wer die Macht blutig erkämpft hat, betrachtet diesen Staat und seine Ressourcen in erster Linie als seinen Privatbesitz.

Dem Einzelnen kommt gegenüber der Familie, dem Clan und dem Stamm keine Unabhängigkeit zu. Er ist ihr unselbständiger Bestandteil und ihrer Autorität untergeordnet. Dieses gesellschaftlich durchgängige Autoritätsverhältnis wird noch durch das Unterwerfungsgebot des Islam unter einen höchsten Willen ungeheuer verstärkt.[1] In all dem ist begründet, dass es kaum ein selbständiges Bürgertum gibt, das Träger einer Demokratie sein könnte. Ein erfahrener Nahost-Korrespondent konstatiert:

„Die Identität des Einzelnen ist in der Regel Teil der jeweiligen Gruppenidentität. Ein Individualismus, wie er im Westen gelebt wird, unter den Bedingungen von Mobilität und Moderne, kann sich im Kontext einer blockierten gesellschaftlichen Entwicklung kaum entfalten, geschweige denn durchsetzen. … Konfessionalismus und Stammesdenken gehen häufig einher mit Intoleranz und Gewaltbereitschaft gegenüber Angehörigen anderer und rivalisierender Gruppen. Macht wird nicht verstanden als ein Mechanismus zum Ausgleich unterschiedlicher Interessen, sondern als totalitäres Mittel zum Zweck, anderen den eigenen Willen aufzuzwingen oder aber sie zu vernichten. Das gilt für säkulare Despoten vom Schlage eines Saddam Hussein oder Baschar al-Assad ebenso wie für radikale Islamisten. Sie suchen nicht den Kompromiss, sondern den Endsieg. Das tun die jeweiligen Gegner allerdings auch – deren Mentalitäten unterscheiden sich nicht notwendigerweise von jenen der Machthaber.“[2]

Mit Hafiz al-Assad, dem Vater des jetzigen Präsidenten Baschar al-Assad, kam 1970 der Assad-Clan an die Macht, welcher der Minderheit der Alawiten angehört, einer schiitischen Sekte, die etwa 12 % der Bevölkerung ausmacht, von der 60 – 75 % Sunniten sind. Alawitische Offiziere dominieren seit der französischen Mandatszeit das Militär und die Sicherheitskräfte Syriens. Doch es herrschte Religionsfreiheit. Christen in Syrien wurden nicht wegen ihres Glaubens verfolgt: weder vom Staat noch von ihren islamischen Mitbürgern. Im Gegenteil! Diese bemühten sich stets, sie als wertvolle Kulturträger zu behalten. Dies wird in den Medien weitgehend unterschlagen. Die westliche Unterstützung der „gemäßigten Opposition“ suggeriert die Annahme, nach dem Sturz Assads würden sich in Syrien Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit im westlichen Sinne einstellen.

„Sehr wahrscheinlich ist das nicht, in Ermangelung eines tragfähigen Bürgertums. Stattdessen würden die Sunniten die Macht übernehmen, weil sie 60 % der Bevölkerung stellen. Weswegen sollten sie anders agieren als die Schiiten im Irak unter Maliki, nämlich Rache zu nehmen an jenen Teilen der Bevölkerung, die Assad unterstützen oder von seinem Regime profitieren? Im Ergebnis würde die eine konfessionelle Diktatur durch eine andere ersetzt, begleitet von erneuten Massakern und Gräueltaten, unter umgekehrten Vorzeichen. Und welche Sunniten wären in der Lage, die Macht in Damaskus zu ergreifen? Den militärischen Kräfteverhältnissen nach zu urteilen kämen dafür nur radikale Islamisten infrage, allen voran der „Islamische Staat“.[3]

Pläne der USA und ihrer Verbündeten

Zum Hintergrund des Geschehens sind als erstes die geostrategischen Pläne des US-Imperialismus ins Auge zu fassen, ohne deren Kenntnis keine weltpolitischen Ereignisse durchschaut werden können. Der Ex-Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark berichtete 2007 in einem Interview, ihm sei wenige Tage nach 9/11 im Pentagon ein Memory gezeigt worden, nach dem sieben ehemalige Partnerländer der UdSSR innerhalb von fünf Jahren angegriffen werden sollten: „Angefangen mit dem Irak, dann Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan und schlussendlich Iran.“ [4] Und in einem Interview mit dem Wiener „Standard“ am 22.5.2011 sagte Clark auf die Frage, was geschehe, wenn in Syrien die (gerade begonnenen) Dinge außer Kontrolle geraten:

„Bashar al-Assad könnte das gleiche Schicksal wie Gaddafi ereilen, wenn er jetzt nicht seine Armee und Sicherheitskräfte unter Kontrolle bringt. Die geostrategische Bedeutung Libyens machen Öl und Menschen aus. Im Fall Syrien ist das geostrategische Gewicht ein völlig anderes: Wenn Assad dort einen humanitären Anlass für eine Aktion gibt, könnte die Entscheidung dafür durchaus beschleunigt werden, weil der Wert eines Wandels in Syrien als sehr hoch eingeschätzt wird. Assad bewegt sich derzeit auf sehr dünnem Eis.”[5]

Der ehemalige französische Außenminister Roland Dumas ergänzte 2013 in einem Interview die Szenerie mit dem Planungs-Beitrag des Imperialismus-Komplizen Großbritannien. Zwei Jahre vor den Gewaltausbrüchen in Syrien, also 2009, hätten ihm britische Spitzenbeamte in London mitgeteilt, Großbritannien bereite die Organisation einer Invasion von Rebellen in Syrien vor. Er sagte wörtlich:

„Dieser Vorgang (in Syrien) geht weit zurück. Alles war vorbereitet, vorausberechnet und geplant … in dieser Region ist es wichtig zu wissen, dass das syrische Regime eine sehr anti-israelische Haltung hat. … Nach diesem Schema bewegt sich alles, was in der Region geschieht, und ich habe dies vom ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten, der mir sagte: ,Wir werden versuchen, wieder mit unseren Nachbarn auszukommen, aber diejenigen, die nicht mit uns einverstanden sind, werden vernichtet´“.[6]

Die enge Förderung und Unterstützung Israels durch Großbritannien und die USA ist ja bekannt. Willy Wimmer, langjähriger Sicherheitsexperte der CDU und Ex-Verteidigungs-Staatssekretär, bezieht auch Frankreich in die internationale Verschwörung ein. Er sagte in einem Interview vom 24.3.2013:

„Es ist ja beileibe kein Geheimnis, dass am Anfang dieser tragischen Entwicklung in Syrien französische und britische Kräfte stehen, die das Feuer erst  mit entfacht haben, … Kräfte die in anderen Ländern Bürgerkriege anzetteln. (…) Sowohl Paris als auch London sind in den Anfang des Syrischen Bürgerkrieges tief verstrickt und noch tiefer verwickelt. (…) Wie beide Länder es auch im Fall von Libyen gemacht haben. (…) Das ist etwas, das nach meinem Dafürhalten am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag Folgen haben müsste. (…) Wir wissen ja auch, welches Engagement Saudi-Arabien an den Tag legt, wir wissen ja auch von Katar.“[7]

Gewalt und Terror provoziert

Schon diese Hintergründe legen nahe, dass es sich bei den Berichten über Demonstrationen einer friedlichen Opposition oder gar um einen Volksaufstand gegen Assad um westliche Propaganda handelt, um dahinter die wahren Vorgänge zu verbergen. Der indische Botschafter in Damaskus von 2009 bis 2012 schildert Syrien vor den Ereignissen als ein friedvolles Land ohne unterschwellige Spannungen. Assad sei beliebt gewesen, er habe die Unterstützung von 80 % der Syrer gehabt, also auch eines Großteils der Sunniten, was dazu beitrage, dass er noch immer an der Macht sei

„Es gibt keine angemessene interne Opposition und viele der Probleme in Syrien stammen aus ausländischen Quellen, die versuchen, sich eines ungelegenen Regimes zu entledigen.“

Bei anfänglichen Versuchen von Gruppen, im Februar 20011 in Damaskus über Wochenenden Demonstrationen zu organisieren, seien jeweils nur 20 bis 30 Leute gekommen.[8] Auch Michael Lüders bestätigt, dass, abgesehen von kleinen Gruppen, sich weder die religiösen Minderheiten noch die sunnitische Geschäftswelt zu irgendeinem Zeitpunkt diesem „Aufstand“ angeschlossen hätten. Lediglich verarmte Sunniten vom Land hätten in dem Bandenwesen der Milizen eine Alternative gesehen, wo sie meist einen Sold erhalten und raubend und plündernd ihren Lebensunterhalt sichern konnten.[9]

Die Demonstrationen waren von außen initiiert und seit Beginn von Männern durchsetzt, die mit unauffällig tragbaren Kurzgewehren bewaffnet waren. Sie provozierten mit Gewalt und Terror die Sicherheitskräfte und schossen auch auf Frauen und Kinder, um dies der angeblichen mörderischen Brutalität des Assad-Regimes anzulasten, so Hass gegen es zu erzeugen und die Menschen auf die Seite der „Aufständischen“ zu ziehen.[10]

„Wer die offiziellen Verlautbarungen des amerikanischen Außenministeriums aufmerksam studiert, stößt zum Beispiel am 11. Dezember 2012 auf einen Pressetext, in dem es heißt, dass bereits im Jahr 2011 Terrorgruppen in Syrien operierten. Eine dieser Gruppen, die al-Nusra-Front, habe allein seit November 2011 die Verantwortung für 600 Angriffe übernommen. … In derselben Pressemitteilung werden eine Reihe von radikal-islamischen Gruppen in Syrien aufgezählt, die per Executive Order zur Liste der «Foreign Terrorist Organizations» hinzugefügt werden.“[11]

Terrorgruppen fallen in Syrien 2011 nicht plötzlich vom Himmel. Es dauert Monate, wenn nicht Jahre, bis eine aufständische Truppe rekrutiert, bewaffnet und ausgebildet ist, bis sie Stützpunkte und Nachschubwege aufgebaut hat und in ihrem Operationsgebiet funktioniert.

„Laut Mitchell A. Orenstein (Prof., Slavic Department, University of Pennsylvania) finanzierte allein Katar aufständische Milizen in Syrien von 2011 bis 2013 mit etwa drei Milliarden Dollar. Es bot jedem Deserteur der syrischen Armee überdies 50’000 Dollar Belohnung. Die amerikanische CIA trainierte «Rebellen» im US-Stützpunkt in Katar, und der katarische TV-Sender Al Djazeera verbreitete die Stimmen der syrischen Opposition. … Wenn die Lage innert Kürze zu einem blutigen Bürgerkrieg eskalierte, dann lag das daran, dass die Regierung in Damaskus keinen anderen Ausweg mehr sah, als den Terrorgruppen mit massiven militärischen Schlägen zu begegnen. Damit tat sie genau das, was diese Gruppen beabsichtigt hatten. Der Plan war aufgegangen. Die Opposition konnte der Weltöffentlichkeit ein Regime vorführen, welches mit Artillerie und Luftwaffe ganze Stadtviertel unter Feuer nahm.“ (Siehe oben H. Scheben)

Die „Freie Syrische Armee“ (FSA) ist nach den Beobachtungen Michael Lüders „weniger eine Armee als vielmehr ein loser Zusammenschluss lokaler und regionaler Milizen ohne ein gemeinsames Oberkommando.“ Deren Kommandeure, im wesentlichen desertierte sunnitische Soldaten, führen weitgehend Krieg auf eigene Faust ohne nennenswerte Absprache. Rücksicht auf die Zivilbevölkerung nehmen sie nicht.[12] Im Gegenteil, ebenso wie die islamistischen Gruppen töten sie nach Berichten des christlichen Paters Hanna Ghoneim aus Damaskus schutzlose und unbewaffnete Zivilisten:

„Menschen werden von Rebellen getötet, entführt und gefoltert, von ihren Wohnungen vertrieben, ihre Häuser werden ausgeraubt, sie werden erpresst, Frauen vergewaltigt und Kinder missbraucht. Vielerorts werden Bombenanschläge verübt, Massaker finden statt, Häuser werden nach Bombenanschlägen geplündert und verwüstet. Ausländische Rebellen dringen im Namen des Islam in die Häuser der Zivilisten ein mit der Begründung: Sie möchten das Land von der Diktaturmacht befreien. Die Bewohner bekommen Angst und fliehen Hals über Kopf in einen sicheren Ort. […] Wer gegen die sogenannte „Freie Armee“ der Rebellen ist, wird kurzerhand von ihnen hingerichtet, enthauptet oder erschossen.“ [13]

Chaos an mehreren Fronten

So kann auch keine Rede davon sein, dass die FSA imstande gewesen wäre, in den von ihr kontrollierten Gebieten eine funktionierende Zivilverwaltung aufzubauen. Es herrschen Willkür und Chaos. Mit dem Erstarken islamistischer Gruppen wie der von Al-Qaida gesteuerten Nusra-Front und dem vom Irak eingesickerten „Islamischen Staat“ gerät sie immer mehr in die Defensive, und viele ihrer Kämpfer laufen zu diesen über, da sie von den US-Tankstellen am Golf finanziert werden und Geld verteilen können.

„Mittlerweile ist der Krieg dermaßen metastasiert, dass man besser … von mehreren bewaffneten Auseinandersetzungen und Frontlinien gleichzeitig spricht. Das britische Militär-Fachjournal „Janes Defense Weekly“ bezifferte die Zahl der Gruppen, Grüppchen, Banden, Milizen Ende 2013 auf mehr als 1000. Die Grenzen zwischen politisch motivierter Gewalt und gewöhnlicher Kriminalität, etwa Entführungen oder Raubüberfälle, verlaufen daher fließend. Abgesehen von den beiden größten Milizen, der Nusra-Front … und dem IS sind die meisten Kämpfer nicht ideologisch motiviert, sondern versuchen ihr eigenes Überleben zu organisieren. Oder sie verteidigten ihr Dorf, ihren Clan, ihre Gruppe.(…) Allein deswegen ist die Vorstellung, man könne, wie es die Amerikaner betreiben, Tausende „gemäßigte“ Oppositionelle militärisch ausbilden und sie gleichermaßen in den Kampf gegen den IS wie auch gegen Assad schicken, gelinde gesagt verwegen.“

Doch es geschieht im großen Maßstab. Zu welchem Ziel? Jedenfalls verdient die internationale Rüstungsindustrie immens daran. Am 24.3.2013 berichtete, erstaunlich, die „New York Times“:

„Mit Hilfe der CIA haben arabische Regierungen und die Türkei ihre militärische Unterstützung für oppositionelle Kämpfer in Syrien erheblich ausgeweitet. Das betrifft insbesondere die geheime Versorgung durch eine Luftbrücke, die den Nachschub an Waffen und Kriegsgerät für den Aufstand gegen …Assad sicherstellt. (…) Mehr als 160 Frachtflugzeuge des Militärs jordanischer, saudischer und katarischer Kennung sind mittlerweile auf dem Esenboga Flughafen bei Ankara und, in geringerem Umfang, auf anderen türkischen und jordanischen Flughäfen gelandet.“[14]

Hinzu kommt die vielfältige Unterstützung auf dem Landweg von dem Nato-Staat Türkei aus. Scheinheilig, aber entlarvend sagte der US-Vizepräsident Joe Biden 2014 in der Universität Harvard:

„Unser größtes Problem waren unsere eigenen Verbündeten. Die Türken, die Saudis, die Emirate waren so entschlossen, Assad zu stürzen und einen sunnitisch-schiitischen Stellvertreterkrieg zu starten, dass sie Hunderte Millionen US-Dollar und mehrere tausend Tonnen Waffen an jeden geliefert haben, der gegen Assad kämpfen wollte.“ Auf diese Weise seien auch Al-Nusra und Al Kaida ausgerüstet worden und «die Gotteskrieger, die aus allen Teilen der Welt kommen.“ (Zitiert nach H. Scheben)

Dabei erwähnte er natürlich nicht, dass diese „Verbündeten“ das ohne Zustimmung der USA nicht machen können und auch der CIA z.B. in Benghasi den Transport von libyschen Waffen zu den Terrorgruppen nach Syrien organisiert hat.

Die Ziele

Die schiitische Allianz zwischen Teheran, Damaskus und der vom Libanon aus gegen Israel operierenden Hisbollah zu zerschneiden, ist – in Absprache mit Israel – eines der wesentlichen Ziele des Westens, Saudi-Arabiens und Katars. Stürzt Assad, kämen die Sunniten an die Macht, die sich natürlich vom Iran ab- und dem Westen zuwenden würden. Und die „fruchtbare“ Spannung zwischen den Schiiten im Irak und den dann in Syrien herrschenden Sunniten wäre gewährleistet. Dagegen halten Moskau und Peking an Assad fest, damit Syrien nicht an den Westen fällt. Der Kampf zwischen Schiiten und den fundamentalistischen Sunniten von der Nusra-Front und dem IS ist also in der Tat ein Stellvertreter-Krieg. Der langjährige CIA-Mitarbeiter Ray McGovern ergänzt dieses Bild:

„Die Syrienpolitik der USA lässt sich übrigens sehr gut aus der Position Israels erklären, mit dem die USA ja stets auf einer Linie sind. Als israelische Regierungsvertreter vor zwei Jahren von Jodi Rudoren, der Chefin des Jerusalem-Büros der New York Times, gefragt wurden, welchen Ausgang sie sich für den Syrienkonflikt wünschten, haben sie geantwortet: ,Es mag etwas kaltherzig klingen, aber uns wäre gar kein Ausgang am liebsten.’ Die Journalisten fragte: ,Wie bitte?’ ,Ja, wie gesagt, es klingt sehr hart, aber solange die Schiiten und Sunniten ihre Konflikte in Syrien und der gesamten Region unter sich austragen und zu keinem Ergebnis kommen, ist Israel de facto sicherer und braucht keine Bedrohung von Seiten Syriens zu fürchten.’  Da zermartere ich mir das Hirn, um herauszufinden, welche Politik die USA in Syrien fahren – dabei ist das die beste und stimmigste Erklärung. Man mag es kaum glauben, aber dieses Interview wurde auch tatsächlich am 6. September in der New York Times abgedruckt, Sie können es nachlesen.“[15]

Und in einem Geheimpapier des DIA von 2012 wird die Entstehung eines salafistischen Kalifats in Syrien sogar als ‚strategische Chance’ bezeichnet, um Washingtons Ziele in der Region zu erreichen: Regimewechsel in Syrien und Zurückdrängung der ’schiitischen Expansion‘ beziehungsweise des Iran. Die schiitische Expansion hatte man aber zum Gegengewicht gerade im Irak gefördert. Und man fragt sich, was es zwischen dem US-Kriegshetzer John McCain und ISIS-Anführer Baghdadi im Mai 2014 in Syrien zu besprechen gab.[16]

Gigantisches mediales Lügengebäude

Bis heute werden die Ereignisse in Syrien medial als verzweifelter Aufstand eines Volkes gegen einen fürchterlichen Diktator dargestellt, der auf sein eigenes Volk schieße und friedliche Proteste mit Panzern und Flugzeugen ersticke, um sich an der Macht zu halten. Dabei wird mit allen Mitteln gelogen und verleumdet. Assad wurde und wird noch immer vorgeworfen, durch einen Giftgaseinsatz über tausend unschuldige Menschen getötet zu haben, womit er die von Obama gesetzte rote Linie überschritten hätte. Inzwischen steht fest, dass Terrorgruppen diesen ausgeführt haben, um die Invasion von US-Bodentruppen zu provozieren. Obama hat es wohlweislich unterlassen, nachdem ihn der militärische Geheimdienst DIA informiert hatte und Putin im Bilde war (vgl. H. Scheben).

Auch der Verbund der deutschen Politiker und Medien hält permanent dieses Lügengebäude zur Täuschung der Massen aufrecht und verbirgt, dass der Kampf des Westens, einschließlich Deutschlands, gegen den IS nur zum Schein stattfindet, denn er hat ihn zu strategischen Zwecken erst hervorgebracht. Am 2. Februar 2016 trafen sich die Außenminister aus 23 Ländern der sogenannten Anti-IS-Koalition in Rom. Der Islamische Staat soll mit allen Mitteln bekämpft und dauerhaft besiegt werden, wurde bekräftigt:

„Die Mitglieder dieser Koalition erkennen vollständig an, dass dieser Kampf langwierig ist. Wir werden den Druck hoch halten, indem wir den IS aus jedem Winkel drängen, seine Versuche unterbinden, anderswo Netzwerke aufzubauen, seine Finanzströme unterbrechen, seine Verbündeten bloßstellen.“[17]

Kann man sich eine größere Täuschung und Heuchelei vorstellen? Und wer sind die Leidtragenden? Nach bis heute über 200.000 Toten sind etwa zweieinhalb Millionen Menschen im Irak und elfeinhalb Millionen (62,5 % der Bevölkerung) innerhalb Syriens auf der Flucht. Fast vier Millionen Syrer suchen in den Nachbarländern und Europa Schutz. Die gesamte Region ist von einer der größten humanitären Katastrophen der heutigen Zeit betroffen. Eine ganze Generation wächst ohne Schulbildung und Perspektiven heran. Diese Menschen sind die welthistorische Anklage gegen die ungeheuren Verbrechen der USA und ihrer europäischen Vasallen.

 

Anmerkungen

[1] vergl. https://fassadenkratzer.wordpress.com/2015/06/12/islam-sippenbindung-und-europaische-geistesentwicklung/

[2] Michael Lüders: Wer den Wind sät, München 2015, S. 62

[3] a. a. O. S. 63

[4] https://syrienkrieg.wordpress.com/

[5] http://derstandard.at/1304552538489/STANDARD-Exklusivinterview-Ex-Nato-Militaerchef-haelt-Intervention-in-Syrien-fuer-moeglich

[6] www.youtube.com/watch?time_continue=1&v=UxhcFAu9Hmo

[7] https://www.youtube.com/watch?v=PD5ghia_ds4

[8] http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/01/16/indiens-botschafter-bestaetigt-krieg-in-syrien-wurde-von-aussen-angezettelt/

[9] a. a. O. S. 67, 68

[10] https://syrienkrieg.wordpress.com/

[11] http://www.infosperber.ch/Artikel/Politik/Syrien-ein-Krieg-um-Gas-und-Ol/

[12] a. a. O. S. 67, 68

[13] https://syrienkrieg.wordpress.com/

[14] a. a. O. S. 76

[15] http://www.kontext-tv.de/sendung/16102015/mcgovern-murray/syrien_is_fluechtende_usa

[16] http://alles-schallundrauch.blogspot.ch/2014/08/isis-ist-zu-100-eine-cia-operation.html

[17] http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2016/02/an-kerry-sie-haben-daesh-erschaffen.html

Über Herbert Ludwig

Herbert Ludwig war viele Jahre Lehrer an einer Freien Waldorfschule. Er befasst sich schwerpunktmäßig mit den inneren und äußeren Bedingungen der Entwicklung des Menschen zur Freiheit und mit den Hintergründen der „europäischen Integrationsbewegung“, woraus seine Schrift „EU oder Europa?“ und Artikel auf seiner Webseite hervorgegangen sind Kontakt: Webseite | Weitere Artikel