Der Crash und Putins Goldkäufe

Straßenschild der Wall Street. Quelle: Wikipedia / Foto: Vlad Lazarenko / Illustration: GEOLITICO Straßenschild der Wall Street. Quelle: Wikipedia / Foto: Vlad Lazarenko / Illustration: GEOLITICO
Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten trüben sich unübersehbar ein. „Es ist vorbei“, sagt Investorenlegende Jim Rodgers. Und Russland deckt sich mit Gold ein. Was passiert gerade?

Investorenlegende Jim Rodgers warnt vor dem finalen Crash. „Jeder sollte besorgt sein – und bereit“, sagt er in einem Interview mit FutureMoneyTrends[1]. Dem Finanzmarkt stehe ein größerer Zusammenbruch als 2008 bevor. „Und die Zentralbanken werden machtlos sein.“ Zwar hätten die Notenbanker noch nicht aufgegeben. „Sie denken, sie klüger sind als du und ich und der Markt“, sagt Rodgers und fügt hinzu: „Sie sind es nicht!“

Seit langem sei die drohende Katastrophe an der Entwicklung der Aktien-Märkte abzulesen. „Die Märkte erzählen mir, dass es vorbei ist“, sagt Rodgers. Die Börsen befänden sich im Sinkflug.

„Schauen Sie nicht nach unten“

Zum ersten Mal in der Geschichte machen sich Zentralbanken und Regierungen daran, all jene zu zerstören, die sparen und investieren. „Früher haben wir gelernt, Geld für die Zukunft zurückzulegen“, sagt er. Heute könne man sein Geld nirgendwo mehr sicher anlegen. Genau darin bestehe das Dilemma. Eine Gesellschaft brauche Leute, die sparen und Leute, die investieren. Mit deutlichen Worten warnt Rodgers vor der Abschaffung des Bargeldes. Den Regierungen gehe es um die Kontrolle der Menschen. „Das ist nicht gut für mich und nicht gut für dich“, sagt er in dem Interview.

Auch Citigroup-Manager Matt King zeichnet ein düsteres Bild. „Schauen Sie nicht nach unten, Sie könnten zu viel Negatives entdecken“, warnte er nun seine Zuhörer. King spricht von einer von Zentralbankern manipulierten Welt, die niemals Wachstum schaffen werde. „Das Gegenteil wird der Fall sein“, sagt er. Es gehe steil bergab.

Sogar bei deutschen Finanz-Managern graben sich mehr und mehr Sorgenfalten in die Stirn. „Die Aussichten haben sich eingetrübt“, räumt Union-Investment-Vorstand Jens Wilhelm ein. Grund sei die Entwicklung in den USA. „Der amerikanische Konjunkturzyklus hat das Beste hinter sich. Damit fehlt der Weltwirtschaft ein Zugpferd“, sagt Wilhelm. Die Börse reagiere nun auf die veränderten Fundamentaldaten. Das sei aber kein Grund zur Panik. „Wir haben es mit reduzierten Wachstumserwartungen, aber keiner Systemkrise zu tun“, sagt Wilhelm.

Russland deckt sich mit Gold ein

Wirklich? Im Zusammenhang mit diesen Befürchtungen fallen die enormen Goldkäufe der russischen Regierung ins Auge. Zwar stockt Moskau bereits seit 2005 seine Goldbestände auf. Doch so viel Gold wie im Januar hat Moskau schon lange nicht mehr gekauft. Um 20 Tonnen erhöhte die Regierung ihre Reserven. Der Bestand liegt nun bei mehr als 1300 Tonnen.

Die Frage nach dem Warum beantwortet Ian Bremmer, Chef des amerikanischen Analysehauses Eurasia, so: Russland wolle sich vom Dollar lossagen. Hintergrund wären demnach die Sanktionen des Westens. Sie machen es russischen Unternehmen unmöglich, auf den internationalen Märkten Kredite aufzunehmen, weil diese üblicherweise in Dollar gehandelt. Wegen der Sanktionen haben sich die russischen Devisenreserven deutlich verringert. Von 2014 auf 2015 sind sie um 23,08 Prozent auf 385,46 Milliarden US-Dollar (Stand vom 1. Januar 2015) geschrumpft.

Doch es gibt auch Stimmen, die einen direkten Zusammenhang zwischen den Goldkäufen und dem Finanzsystem sehen. Vielleicht glaubt Russlands Präsident Wladimir Putin einfach, dass Gold das beständigste Zahlungsmittel ist und vor allem eines, auf dem ein neues Finanzsystem basieren könnte.[2]

 

Anmerkungen

[1] www.youtube.com/watch?v=ItPl_xkZyg4

[2] http://moneyweek.com/merryns-blog/russia-is-on-a-gold-buying-spree-should-we-be-worried/