Vollgeld bringt Staatsmonopolismus
Vollgeld bringt Staatsmonopolismus

Vollgeld bringt Staatsmonopolismus

Euro-Scheine © Karin Lachmann Euro-Scheine © Karin Lachmann
Aus dem angeblichen Befreiungsprogramm Vollgeld wird eine dekadente Elite aus Politik und Hochfinanz schnell das größte Versklavungsprogramm aller Zeiten machen, schreibt Dragão Nordestino.

Wie wir alle wissen, leben wir zwar auf einem perfekten Planeten, jedoch in weniger perfekten gesellschaftlich-hierarchischen Strukturen, welche vor allem Menschen mit starken Ellbogen und solchen, die wenig Empathie für andere aufbringen (um es freundlich zu sagen), zum gesellschaftlichen Aufstieg, sprich zu stattlichen Vermögen verhelfen.

Unter anderen von diesen Leuten wird nun darüber diskutiert, das bisherige Geldsystem durch sogenanntes Vollgeld zu ersetzen. In der Schweiz wurde eine Vollgeld-Initiative gestartet. Dieses Vollgeld soll also in eine Gesellschaft integriert werden, in welcher Gier, Machtstreben, Materialismus, usw. die dominanten Eigenschaften der oberen 20 Prozent sind, wie man in den letzten 20 Jahren ohne größere Unterbrechungen sehr genau beobachten konnte. Gesetze wurden ohne Bedenken gebrochen, um den Reichen und Superreichen noch mehr Gewinne zu verschaffen. Die Finanzpolitik wurde so organisiert, dass das schwer verdiente Einkommen der Kleinen Leute in noch schnellerem Tempo von Fleißig nach Unnütz verschoben werden konnte.

Gutmenschliche Wunschträume?

Vollgeld wird durch die Zentralbanken herausgegeben. Aber: Zentralbanken haben noch nie im Interesse der Kleinen Leute gehandelt. Zentralbanken oder staatliche Geldausgabestellen arbeiten im Interesse des Kapitals und der Industrie. In der Zwischenzeit hat das Verhalten der Zentralbanken dazu geführt, dass man nicht einmal mehr von Marktwirtschaft, geschweige denn, von sozialer Marktwirtschaft sprechen kann. Was wir heute haben, ist eine monopolistische Wirtschaft, die nach einer Untersuchung der ETH Zürich weltweit von nur 147 Konzernen kontrolliert wird.[1]
Die Forscher der ETH haben die Weltwirtschaft systemtheoretisch unter die Lupe genommen. Ihr Fazit: Ein paar Konzerne besitzen die Macht über den globalen Kapitalismus. Dies birgt große  Gefahren.

Eine dieser Gefahren ist, dass die Mächtigen Vollgeld dazu benutzen werden, um die monopolistische Wirtschaft noch weiter auszudehnen, also diese in eine staatsmonopolistische Wirtschaft weiterzuentwickeln. Ein ungeheurer Koloss würde geschaffen werden, der durch eine Verschmelzung von Staat, Industrie und Finanzoligarchie die Menschen vollends im Würgegriff hätte. Wer glaubt, dass das schon nicht passieren werde, der lebt meiner Meinung nach auf einem anderen Planeten. Der will offensichtlich nicht sehen, was aktuell auf der Erde, so alles geschieht.

Aber werden wir konkret: Was könnte passieren, wenn Vollgeld in die Hände der heute Mächtigen gerät, was meiner Meinung nach ganz eindeutig der Fall sein wird. Alles andere sind doch nette Wunschträume von gutmenschlichen Wolkenkuckucksheimbewohnern.

Heute ist nur Bargeld das gesetzliche Zahlungsmittel. Giralgeld und Sparkonten sind lediglich Versprechen auf das gesetzliche Zahlungsmittel. Im Vollgeldsystem – was für ein vielversprechendes Wort – ist Buchgeld, das auf Zahlungsverkehrskonten (Girokonten) liegt, nun ebenfalls das gesetzliches Zahlungsmittel. Dies hätte für das Bargeld einschneidende Konsequenzen.

Bis heute kann Bargeld nicht so ohne weiteres abgeschafft werden. Die Bürger würden ja sonst ohne gesetzliches Zahlungsmittel da stehen. Mit der Einführung von Vollgeld würde diese Situation jedoch radikal verändert. Ein rechtlicher Anspruch auf Herausgabe von Bargeld würde logischerweise entfallen, auch wenn dies natürlich nicht an die große Glocke gehängt wird. Wer jedoch das neue Vollgeld auf seinem Zahlungsverkehrskonto hat, hat bereits das gesetzliche Zahlungsmittel.

Letzte Hürde zur Abschaffung des Bargelds?

Wahrscheinlich würde die Bargeldabschaffung zur leichteren Gewöhnung nur stufenweise erfolgen. Wer noch Bargeld will, wird dann wohl behandelt wie ein Ewiggestriger, der halt eben sein Geld noch in der Hand halten möchte. Es ist anzunehmen, dass dies, wie wir ja in der Zwischenzeit gewöhnt sind, keinesfalls gratis wäre. Im Gegenteil dürfte ein netter Aufpreis auf die Bargeldbezug durchaus zur Regel werden. Auch im Hinblick auf die Bargeldherstellung und den Ersatz von beschädigtem Bargeld durch die Zentralbank („vierte Gewalt im Staat“) dürften kostspielige Veränderungen auf uns zukommen. Denn ganz ohne Zweifel würden diese Kosten im Vollgeldsystem auf den Bargeldbenutzer übertragen. Und so wird das Bargeld langsam aber sicher aus unserem Leben verschwinden – einfach auch deshalb, weil es teuer geworden ist. Eine Art Schwundbargeld.

Die staatsmonopolistische Wirtschaft wird dies erfreuen. Der zu hundert Prozent gläserne Bürger wird Wirklichkeit. Dieser wir nicht einmal mehr einen Kaugummi kaufen können, ohne von der Staatsmacht dabei beobachtet zu werden. Wenn dann irgendwann mal eine elektronische Stimme den Verzicht auf das zweite Päckchen Zigaretten oder das dritte Bier fordert, ja, dann wird so manchem klar werden, wem er mit dem Vollgeld Tür und Tor geöffnet hat. Vielleicht wird sogar sein Krankenkassenbeitrag wegen bewiesenen unseriösen Lebenswandels erhöht. Schöne neue Welt.

Ein Anspruch auf Bargeld, eine Garantie dafür ( Verfassung, Gesetzestext ), wird von der Vollgeldiniatitive nirgends thematisiert. Dabei wäre es doch absolut nötig dies zu tun.

Schutz von Sparkonten

Schon heute ist der Kleinsparerschutz ziemlich schlecht. Gerade mal 100.000,– Schweizer Franken werden garantiert. Selbst dieser Schutz für Kleinsparer fällt bei Vollgeld explizit weg. Warum auch sollte der Staat seinen Kleinsparerschutz aufrechterhalten? Jeder der sich vor Bail-in’s im Vollgeldsystem schützen möchte, kann seine Notgroschen schließlich auf ein teures Giro-Schwundgeldkonto (Giro-Vollgeldkonto) verfrachten.

Dazu kommt, dass die Banken auf Spargeldkonten vermutlich neue strenge Halteregeln einführen würden, denn sie müssten sich ja bei Übertragungen aufs Girokonto erstmal das gesetzliche Zahlungsmittel beschaffen. Also dürften Gutschriften oder Überweisungen wohl erst nach Kündigung und einer mehr oder weniger langen Wartefrist von 4 – 8 Wochen oder mehr getätigt werden. Sollen diese strengen „Haltefristen“ doch verhindern, dass zu viel Liquidität abließt, bevor die Bank sich diese anderswo beschaffen kann.

Wartefristen sind unerfreulich, vor allem dann wenn man dringend etwas bezahlen muss, jedoch nur noch genügend Geld auf dem Sparkonto zur Verfügung hat. Für die Banken sind solche Fristen wiederum ein nettes kleines Geschäft, denn sie können den ehrenwerten Kunden mit teuren Wartezeitkrediten zur Kasse bitten.

Steigende Zinsen

Außerdem ist damit zu rechnen, dass die Mächtigen aus Politik, Wirtschaft und der Finanzoligarchie das Vollgeldsystem dazu benutzen würden, kräftig an der Zinsschraube zu drehen. Im heutigen System müssen die Zentralbanken den Geschäftsbanken tiefe Zinsen anbieten, wenn sie nicht wollen, dass die Wirtschaft wegen Geldmangels einbricht. Denn trotz der von den Zentralbanken eingeleiteten riesigen Geldflut ist Geld in der Realwirtschaft eher knapp. Es verliert sich ganz einfach im größten Umverteilungsprogramm aller Zeiten – der Umverteilung von Fleißig nach Reich –Spielkasino der Finanzoligarchie.

Bei Vollgeld lässt die Zentralbank der Wirtschaft im ersten Schritt nur soviel Geld zu kommen, wie als nötig erachtet wird. Wenn sich aber die Zentralbank geringfügig oder auch schwerwiegender verrechnet, wird die Geld ausgebende Stelle des Staates gerne Kredit an die Geschäftsbanken geben. Da die Geschäftsbanken gar keine Wahl mehr haben und das zusätzliche Geld nur in den wenigsten Fällen für Kredite benötigen, sondern viel mehr um den ganz normalen Zahlungsverkehr abwickeln zu können, kann man durchaus davon ausgehen, dass diese Sonder- und Zusatzkrediten der Geldausgabestelle des Staates mit einem ziemlich hohen Zins belegt werden.

Die Geschäftsbanken und vor allem Sparkassen, Raiffeisenbanken oder Genossenschaftsbanken werden wohl diese Sonderkredite immer dann brauchen, wenn übermäßig viele Spargelder zu Giro-Schwundgeldkonten (Giro-Vollgeldkonto) – aus welchen Gründen auch immer – verschoben werden. Wenn Banken höhere Zinsen für ihre Kredite zahlen müssen, ist wohl kaum anzunehmen, dass sie diese nicht an Ihre Kunden weiterleiten werden. In der Folge dürften zum Leidwesen aller kleinen Kreditnehmer Hypothekenzinsen massiv ansteigen.

Bank-Pleiten und Bail-in

Nach der Argumentation der Vollgeldbefürworter ist der Sparer eigenverantwortlich für die Wahl seiner Bank. Im Grunde ist das ja richtig, allerdings fällt im Vollgeldregime auch noch die kleinste Sicherheit der Sparer weg, die sie jetzt noch haben. Geschützt sind im Vollgeldregime nämlich nur noch Zahlungsverkehrskonten, welche ja in gesetzliches Zahlungsmittel umgewandelt und von den Banken vermutlich gegen heftige Verwaltungskosten außerhalb der Bankbilanz geführt würden.

Was mich irgendwie zur Frage drängt, wo die meisten Menschen ihr hart erarbeitetes Geld aufbewahren. Auf Girokonten oder auf Sparkonten? Noch immer werde die meisten ihr Geld auf dem Sparkonto haben, nur wenige unterm Kopfkissen. Wie wir weiter oben festgestellt haben, wird Bargeld im Vollgeldregime höchstwahrscheinlich abgeschafft. Damit ist die Kopfkissen-Bank Vergangenheit. Was im Vollgedregime noch bleibt, ist das unsicherer gewordene Sparkonto, das gegen einen Bail-in aber unter Vollgeld nicht einmal mehr teilweise geschützt wäre.
Bankruns würde es ja im Vollgeldsystem nicht mehr geben, zumindest verspricht dies die Vollgeldiniatitive.  Bankruns auf Sparkonten würden jedoch unter dem Vollgeldregime viel wahrscheinlicher werden als heute. Denn immer, wenn große Mengen von Spargeldern von den Sparkonten auf die Giro-Vollgeldkonten fließen, muss sich die Bank refinanzieren, muss gesetzliches Zahlungsmittel anschaffen. Möglicherweise ist dies gerade für kleinere Banken nicht immer leicht zu bewerkstelligen.

Im Ergebnis würden die Refinanzierungskosten der Banken erheblich ansteigen. Diese Zusatzkosten würden die Geschäftsbanken wohl ohne mit der Wimper zu zucken auf die Kunden abwälzen. Auch Liquiditätsengpässe können da sehr leicht entstehen und vor allem kleinere Banken, in die Insolvenz treiben. Fazit: Im Vollgeldsystem würde das Risiko und im schlimmsten Fall die Insolvenz noch brutaler auf die Betroffenen verschoben, als dies heute schon der Fall ist. Am härtesten betroffen wären, wie auch heute schon, die kleinen Leute, also die 80 Prozent Kleinsparer.

Bleibt Vollgeld werthaltig?

Das durch die staatliche Geldausgabestelle aus der Luft geschöpfte gesetzliche Zahlungsmittel soll zinsfrei dem Staat zur Weiterverteilung überlassen werden. Zinsfrei ist die Staatsverschuldung bei der eigenen Zentralbank schon heute, denn der Staat erhält ja den Zins für die Kredite, über die Zins-Seigniorage wieder zurück: ein Nullsummenspiel. Wahlweise kann man gemäß den Vollgeldinitianten, dass durch die staatliche Geldausgabestelle aus der Luft geschöpfte gesetzliche Zahlungsmittel auch an die Bevölkerung verteilen. Wie nett, Milton Friedmans und Ben Bernankes vom Himmel regnendes Helikopter-Geld kommt auf die Zielgerade.

Ob Vollgeld letztlich überhaupt werthaltig bleiben würde, hängt doch von ziemlich vielen Faktoren ab. Was ist etwa, wenn große Mengen erzocktes Geld auf Vollgeld- Girokonten geparkt wird? Hätte das eine enorme Ausweitung des Bargeldes zur Folge, oder würde der Staat ein Geldaggregat einführen?

Wem nützt Vollgeld?

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Vollgeldsystem den reichsten 20 Prozent, die schon fast obszön anmutende Geldberge auf den Girokonten haben, mehr Sicherheit bietet. Deren Einlagen sind dann geschützt.

Was aber hat der größte Teil der Bevölkerung davon, die 80 Prozent? Er hat kaum nennenswerte Vorteile. Selbst unter günstigsten Umständen, will heißen, durch kluge, sozial und ethisch einwandfreie Handhabung des Vollgelsystems, werden die Kleinen Leute unter der Verschärfung der Risiken leiden, die bei Sparguthaben auftreten.

Kann man eine kluge, soziale, ethische und einwandfreie Handhabung des Vollgeldsystems überhaupt erwarten? Ich kann mir dies nicht vorstellen, nicht unter den gegebenen Umständen. Denn der Bürger hätte es ja mit den gleichen Leuten zu tun, die auch jetzt schon das Geldsystem beherrschen. Die den Souverän, das Volk, in den letzten Jahrzehnten aus Geld- und Machtgier an die Großindustrie und die Finanzoligarchie verraten haben. Wie sonst hätte eine monopolistische Wirtschaft entstehen können, die sage und schreibe, weltweit aus nur 147 Konzernen besteht ( siehe oben )?

Mit einer solchen Elite aus völlig empathielosen, eigensüchtigen, geld- und machtgierigen Subjekten will die Vollgeldiniatitive ein neues Geldsystem starten. Diese wird de facto aus den vorgenannten Gründen völlig korrumpiert sein und zu noch viel mehr Monopolismus und nicht mehr einzudämmenden Vetternwirtschaft führen. Aus dem angeblichen Befreiungsprogramm Vollgeld wird die dekadente Elite aus der Politik, Wirtschaft und Finanz, ziemlich schnell das größte Versklavungsprogramm aller Zeiten basteln. Wegbereiter des ganzen sind die Eigentümer und Hintermänner des internationalen Zentralbankwesens. Deshalb unterstützt ja auch der IWF, die verschiedensten Vollgeldinitiativen weltweit.

 

Anmerkung

[1] http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Wenn-147-Konzerne-die-ganze-Wirtschaft–kontrollieren-/story/24530287