Die verschleierte Wahrheit
Die verschleierte Wahrheit

Die verschleierte Wahrheit

Zeitungsstapel © GEOLITICO Zeitungsstapel © GEOLITICO
Durch ständiges Wiederholen von Unwahrheiten bekämpft das System die Widerstandskraft der Bürger. So wurde im Volk ein realitätsfremdes Bewusstsein geschaffen.

Die Entscheidung kam den populistischen Linken, egal ob bei der Antifa oder in Teilen der CDU zur rechten Zeit: „Gutmensch“ ist also das Unwort des Jahres. Ausgerechnet dieser wunderbar präzise Begriff, der die psychologische Seite der Hintergründe der gegenwärtigen Katastrophe so treffend und anschaulich beschreibt.

Begrifflichkeiten sind aber wie die Kontrolle über die Information ein Teil der Macht, und da lässt das System nichts anbrennen. Wie in jeder ordentlichen Diktatur das Verschleiern der Wirklichkeit zur Kunstform gemacht wird, wird nun auch in unserer Übergangsgesellschaft der Schleier entrechteter Frauen bald zur Wirklichkeit gehören. Zu dieser Schleiertechnik haben wir nach den Vorfällen von Köln etliche Anschauungsbeispiele erhalten, von denen einige im Vergleich die Aktuelle Kamera des DDR-Regimes geradezu so wahrhaftig und unbestechlich wirken ließ wie eine Ziehung der Lottozahlen.

Gutmenschliche Feierbiester

Bevor wir zu diesen oft handfesten Methoden der medialen und politischen Schleiertänzer kommen, noch ein kurzer Blick auf das Unwort des Jahres, das schon viel über den Geist und die Methoden der sich so von jedem Verdacht freisprechen wollenden Gutmenschen verrät. 1644 Einsendungen gab es in diesem Jahr für die von der Uni Darmstadt verliehene negative Auszeichnung, doch die Entscheidung traf eine dreiköpfige Jury von „Fachleuten“. Mal wieder demokratischer Schein und autokratische Wirklichkeit. Schon 2014 war die Jury im Dienst der gutmenschlichen Sache unterwegs und denunzierte den entlarvenden Begriff „Lügenpresse“, 2013 war es „Sozialtourismus“ und 2012 „Opfer-Abo“.

Wo immer neue Begriffe für Probleme unserer Gesellschaft auftauchen, sollen sie, koste es, was es wolle, aus dem Sprachschatz wieder entfernt werden. Damit tut die steuerfinanzierte Universität dreist genau das Gegenteil ihres erklärten Anspruchs:

„Die Aktion will für Sprache sensibilisieren und auf undifferenzierten, verschleiernden oder diffamierenden Gebrauch aufmerksam machen.“

Wen wundert es dann noch, dass das Pendant des Unworts, nämlich das aktuelle – positiv besetzte – Wort des Jahres, „Flüchtlinge“ lautet. Verschleiern ist aber nicht an Sprache gebunden, auch wenn es oft darüber transportiert wird. Wenn also in Köln Menschen ihrer Taschen und ihrer Würde beraubt wurden, kann man sicher sein, dass gutmenschliche Feierbiester sich wenig für die konkreten Opfer und Täter interessieren, sondern schon bald eine Demo „Gegen Sexismus und Rassismus“ am Start haben.

Abstrakt statt Fakt. Hoffnung gibt, dass dann mit 1000 Teilnehmern fast weniger Leute kamen, als staatsfinanzierte Initiativen inklusive WDR und Gewerkschaften aufgerufen hatten. Immerhin gab dies den Medien Gelegenheit, Bilder von friedlichen Plakateschwenkern in den Kontrast zu einer parallelen Pegida-Demo herzustellen, die auch einige durchaus unangenehme Hooligan-Mitläufer hatte und deshalb (?)vom urplötzlich dann doch verfügbaren Polizeiapparat terrorisiert werden „musste“.

Selbstverständnis der Medien

Die Information, dass die anlassgebenden Böller womöglich auch von Journalisten, Provokateuren und Antifa geworfen wurden, bleibt dann der Gegenöffentlichkeit vorbehalten. Den Gipfel medialer Dekadenz erklomm das ZDF, das über Twitter seine dort sicher nicht allzu häufig vertretenen Zuschauer fragte:

„Wie sollte @heuteplus über die Übergriffe in der Silvesternacht in Köln berichten?“

Wie bitte? Kann jetzt über die Wirklichkeit oder gar die Wahrheit demokratisch abgestimmt werden oder kann über den Umgang damit sogar die Peergroup der Twitter-Nutzer entscheiden? Welche Alternativen zur Wahrheit sollte es im Selbstverständnis der Medien denn geben? Was maßen sich (nicht nur) diese Journalisten an, sich so zum bewussten Manipulator der Konsumenten zu krönen?

Weder der Druck ihrer Vorgesetzten noch die Vorstellung, mit der Vermittlung eigener Interpretationen der Welt dieser helfen zu können, und schon gar nicht der Wunsch, mit angepassten Berichten Karriere zu machen, rechtfertigt dieses Tun. Und dennoch werden Informationen gefiltert, verfälscht, und es wird ohne jede Scham gelogen – natürlich nur mit den besten Absichten. Längst hat die Mehrheit in dieser neuen Generation des Journalismus vergessen, wie der ursprüngliche Auftrag demokratischer Medien lautete, nämlich über möglichst objektive Informationen das Volk in die Lage zu versetzen, Demokratie mitzugestalten.

Die FAZ hatte schon im vergangenen November mit Blick auf die öffentlich-rechtlichen Funkmedien die manipulativen Methoden beschrieben[1]:

„Schon sehen wir Bilder von einer Aufnahmeeinrichtung, die im Augenblick offenbar nicht belegt ist, schon hören wir, dass der Flüchtlingsandrang abgenommen habe – was heißt: An einem Tag kamen einmal nicht mehr als sechstausend Menschen auf einmal –, schon spielen Zahlen, auf welche sich die Bundeskanzlerin und die SPD partout nicht einlassen wollen, keine Rolle mehr. Das Problem allerdings wächst weiter, nur nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, das die Filterblase des politischen Betriebs so lange mit aufbläst, bis der Ballon irgendwann einmal platzt und Angela Merkels Politik der Grenzenlosigkeit in eine Kapitulation mündet.“

„Wo bleibt die Staatsferne?“, fragt der Feuilletonchef von FAZ-online, Michael Hanfeld, weiter und erinnert, dass man wohl bei ARD und ZDF zu gut wisse, wem sie die Milliarden für ihre Programmgestaltung zu verdanken haben. Staatsferne aber bemesse sich „nicht nur an der Zahl staatlicher Vertreter in den Aufsichtsgremien, die das Bundesverfassungsgericht unlängst am Beispiel des ZDF reduziert hat. Sie bemisst sich auch und vor allem am journalistischen Selbstverständnis, an einem Informationsprogramm, das erkennbar unabhängig ist und auf Distanz zur Politik achtet. Das gelingt in vielen Fällen, bricht sich aber an dem ‚Willkommens-Journalismus‘, den die Sender im Augenblick betreiben.“

Eine de facto Einheitspartei

Wen wundert es, dass sich die ARD- Führung daraufhin an den FAZ-Herausgeber wandte mit der Bitte, den unbotmäßigen Autor einzunorden. „Geschichtsvergessen und maßlos“ sei der Kommentar, „überzogen“, „unverhältnismäßig“ und zudem „einer seriösen Zeitung unwürdig“. Da scheint ein wunder Punkt getroffen.

Denn der neue Auftrag lautet Manipulation, wobei die Medien sich mit den Institutionen des Staates und seiner Politiker in bester schlechter Gesellschaft befinden. Wenn die Polizeiführung am Neujahrstag wohl wissend, was sich zugetragen hatte, vor die Öffentlichkeit tritt und ohne rot zu werden behauptet, die Einsatzlage an Silvester sei „entspannt“ gewesen, dann ist das kein Ausrutscher mehr und nicht nur ein Beweis für die Korruptheit vieler Institutionen, sondern auch ein trauriger Hinweis darauf, dass sich unser demokratischer Rechtsstaat in der Auflösung befindet. Nicht nur zum Thema Polizeiverschweigen ist deshalb demnächst wohl auch ein eigener Post erforderlich.

Die Politik, die letztlich das ganze Drama zu verantworten hat, stellt sich beim Verschleiern noch lange nicht so geschickt an wie die Medien, sondern muss auf ihre inzwischen unanfechtbare Machtposition einer de facto Einheitspartei vertrauen. Das wirkt dann schon mal geradezu lächerlich, wie die berüchtigte Empfehlung der Kölner Oberbürgermeisterin, Frauen sollten einfach eine Armlänge Abstand von Männern halten, doch ändert das weder etwas an der Politik noch an den Verhältnissen. Trotzdem schön, dass dieser Versuch, den Opfern die Schuld zuzuweisen, sowohl in den Rock als auch in die Hose ging.

Dahinter lauert aber die Garde der geschickteren Betrüger, die nun aufgrund der Vorkommnisse eilig dabei sind, die Gesetze zu ändern – allerdings nicht unter Berücksichtigung der jüngsten migrantösen Gewalttaten oder der für uns unakzeptablen Rechtsvorstellungen weniger zivilisierterKulturen[2]. Nein, nun geht es gegen die deutschen Männer, weil die nicht über den Flüchtlingsbonus verfügen und ja schließlich auch hin und wieder Frauen anfassen.

Kausale Denkweisen sind der natürliche Feind einer ideologisch-irrealen Politik. Deshalb kann ein SPD-Vorsitzender Gabriel unwidersprochen einfach die Logik umkehren und sagen:

„Je länger der Streit in der Union andauert, desto mehr Menschen werden sich von der Politik abwenden und desto mehr werden die Rechtsradikalen an Boden gewinnen.“

Nicht eine falsche Politik lässt also Rechtsradikale zum Problem werden, sondern ein Streit in der Union. Man spürt aber an solch hilflosen Äußerungen, dass die ideologischen Konstruktionen der Herrschenden schon aufgrund des Ansturms der Realitäten zu wackeln beginnen, oder kurz gesagt, dass Lügen kurze Beine haben.

Um von der eigentlichen Problematik abzulenken, wird nicht nur das Mittel der direkten oder indirekten Unterstellung, sondern ohne Skrupel auch das der Verleumdung gewählt. Wenn Menschen ihrer Fassungslosigkeit ob des Geschehens mit Demonstrationen oder gar politischem Engagement Ausdruck verleihen, werden sie diffamiert. Durch ständiges Wiederholen von Unwahrheiten hat es das System geschafft, Misstrauen gegen den Widerstand tief in den Köpfen zu verankern. Die Daueroffensive der Medien hat inzwischen im Volk ein realitätsfremdes Bewusstsein geschaffen, so dass sich viele Menschen, die eigentlich die Merkelsche Flüchtlingspolitik skeptisch betrachten, von der AfD oder von Pegida distanzieren, ohne zu wissen, wer das eigentlich ist und was die konkret tun.

Ökonomische Interessen

Verleumdung beginnt schon bei Begriffen wie „rechtskonservativ“, das sich gut als Unwort des Jahres geeignet hätte, da es letztlich in der Wahrnehmung Konservative mit Nazis zu verschmelzen trachtet. Jede Kritik an den Verhältnissen wird mit dem wirklichen Unwort „fremdenfeindlich“ beiseite gewischt. Fatal ist es, wenn sogar ein noch relativ weltoffenes Medium wie der Cicero den Bericht einer jungen Syrerin veröffentlicht, in dem diese Deutschland als Paradies für Frauen schildert, die muslimischen Länder dazu in den Gegensatz setzt und als einzige negative Erfahrung betrunkene Afrikaner am Alexanderplatz nennt, aber das ganze unter die meinungsbildende Überschrift stellt „Meine Erfahrungen mit Sexismus in Deutschland“[3].

Und wenn alles nicht hilft, wählt man die auch im Ehekrieg bewährte Methode, nicht auf Argumente einzugehen, sondern in die Gegenoffensive zu gehen. So wird geredet über die Gewalt deutscher Männer gegen Frauen und gefährliche rechtsradikale Tendenzen, damit das Geschehen von Köln schnell wieder aus dem Bewusstsein verschwindet. Das wird es aber schon deshalb nicht, weil es in der Sache liegend immer mehr solcher Vorkommnisse geben wird.

Vor dem Hintergrund dieses Lügenimperiums ist es umso schlimmer, wenn die moralische Integrität des sich entwickelnden Widerstands gleich wieder durch Verschwörungstheoretiker gebrochen wird, die aus politischer Verzweiflung und intellektueller Notdurft überall ominöse steuernde Kräfte wittern. Hier auf GEOLITICO meinte ein Kommentator, der Bombenalarm in München kurz vor den Kölner Ausschreitungen sei vom Verfassungsschutz inszeniert worden, damit die staatlich gesteuerten Migranten in anderen Städten ungehindert Chaos stiften konnten. Wer so paranoid phantasiert, tut der Opposition und seiner eigenen geistigen Gesundheit keinen Gefallen.

Natürlich sind die „Flüchtlinge“ nicht massenhaft nach Deutschland gelockt worden, weil Gutmenschen es so wollten, sondern weil ökonomische Interessen dahinterstehen. Aber zu den nicht an Vorsatz oder Erkenntnisse gebundenen Strukturen des Niedergangs gehört es eben, dass es hierzulande auch sehr viele und sehr einflussreiche Gutmenschen und eine entsprechende Geisteshaltung gibt. Ebenso ist es ein essentieller Unterschied, ob Merkel in ihrer Politik der offenen Grenzen und des Lockens weiterer Massen die Interessen ihrer postkapitalistischen Parteispendengeber und/oder der für sie denkenden Denkfabriken vertritt oder ob ominöse finstere Agenturen an einer neuen Weltordnung schrauben sollen. Vielleicht gibt es ja solche Agenturen, vielleicht drehen sie auch an irgendwelchen Schrauben – aber ohne die ökonomischen und psychologischen Strukturen eines zusammenbrechenden Zusammenlebens gäbe es solche Schrauben erst gar nicht.

 

Amerkungen

[1] http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/merkel-in-der-fluechtlingskrise-willkommens-journalismus-bis-zum-abwinken-13896405.html

[2] http://www.faz.net/-gpg-8c7vm

[3] http://www.cicero.de/weltbuehne/frauenfeindlichkeit-deutschland-mein-leben-als-junge-muslima-berlin/60330

Über Konrad Kustos

Kustos studierte Germanistik, Geografie und Publizistik an der Freien Universität und promovierte über das Spannungsfeld zwischen Unterhaltungsliteratur und Literaturliteratur. Viele Jahre arbeitete er als Journalist in leitenden Positionen bei großen Berliner Tageszeitungen. Der Schwerpunkt seiner publizistischen Arbeit lag bei der Architektur und dem Aufbau der neuen Hauptstadt nach der Wende von 1989. Als roter Faden durch seine Arbeit zieht sich die Verteidigung des Normalbürgers gegen elitäre Denkweisen sowie der Versuch, Ideologien zu enttarnen. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel