Fernsehen als Staatsreligion

Chance auf eine GEZ-Befreiung? Braun-Fernsehgeraet HF 1, 1958, Pinakothek der Moderne, Muenchen / Quelle: Wikipedia; Foto: Oliver Kurmis; Illustration (©) GEOLITICO Chance auf eine GEZ-Befreiung? Braun-Fernsehgeraet HF 1, 1958, Pinakothek der Moderne, Muenchen / Quelle: Wikipedia; Foto: Oliver Kurmis; Illustration (©) GEOLITICO
Fernsehen ist Staatsreligion mit „Kirchensteuer“ und allem drum und dran. Aber: Etwa die Hälfte der Deutschen streikt bereits beim Fernsehen. Ohne sehen sie besser.

Fernsehen ist in Deutschland Staatsreligion. Wie wäre es sonst zu erklären, dass man dafür eine Art Kirchensteuer, die GEZ zahlen muss? Die römische und die protestantische Kirche haben immerhin die Einsicht, dass man austreten kann. Die Staatsreligion von ARD und ZDF ist dagegen dogmatisch, intolerant und signalisiert den Leuten, dass sie eben keine Bürger, sondern Staatssklaven sind.

Aber wie viele Gläubige hat das Fernsehen eigentlich?  Etwa 70 Millionen Deutsche sind im Fernsehalter. Exemplarisch haben am 7. Dezember 2015 ferngesehen:

17:15  Uhr         16,0 Mio = 22,9 %
18:00 Uhr          21,2 Mio = 30,3 %
19:00 Uhr          25,3 Mio = 36,1 %
20:00 Uhr          30,6 Mio = 43,7 %
21:15 Uhr          32,0 Mio = 45,7 %
22:15 Uhr          21,9 Mio = 31,3 %

Politisierende Quasselshows

An der „Heiligen Messe“ der „Heute“-Nachrichten beteiligten sich 4,03 Millionen Zuschauer = 5,8 %, am „Tagesschau“ – Hochamt 4,81 Millionen = 6,9 %. Natürlich gibt es noch Spätnachrichten, aber da gehen die Normalen schon ins Bett, weil sie am kommenden Tag wieder um sechs Uhr rausmüssen, um das Geld für die GEZ-Zwangsgebühren zu verdienen. Zusammengezählt sehen etwa 13 % der fernsehfähigen Bevölkerung die beiden tendenziösen Nachrichtensendungen des zwangsfinanzierten Systems.

Nicht besser sieht es bei den politisierenden Quasselshows aus. Jauch hatte im Durchschnitt 4,6 Millionen Zuseher, was 6,6 % sind. „Hart aber fair“ lag mit etwa 3,2 Millionen deutlich drunter.  Von Maybrit Illner wurde nur der Marktanteil veröffentlicht, ebenso wie von Anne Will. Er liegt zwischen 10 und 12 %. Beide jungen Damen erreichen mit einer Sendung also etwa 3,5 % der Leute im fernsehfähigen Alter.

Zum Vergleich: „Bauer sucht Frau“ hat zu vernünftigen Sendezeiten gegen 21 Uhr immer um die 6 Millionen Zuschauer = 8,6 %.

Die Deutschen und ihre zugereisten Gäste sind intelligenter, als man unter dem Eindruck der Propaganda der Öffentlich-Rechtlichen denkt. Über die Hälfte streikt beim Fernsehen ganz. Von den Leuten mit viereckigen Augen sehen gut zwei Drittel das Privatfernsehen. Sicher, auch in Sendungen aus dem Container oder aus dem Dschungelcamp wird Zeitgeist transportiert.

Fast nur noch Propaganda

Filmklassiker werden mit Filmfördergeldern neu abgedreht, weil in den Erstproduktionen geraucht wird oder weil kein Transgender darin vorkommt. Eine bauhausverdorbene Botschafterin der Möbelindustrie drängelt geschmacklich unsicheren Personen aus dem Volk Wackelmöbel auf und streicht deren Wände pink.

Ehemalige B- und C-Promis müssen in halsbrecherischen und ekelerregenden Situationen das inzwischen sehr in die Jahre gekommene Kreuzberger Kulturniveau verkörpern. Fernsehen hat keinen Bildungsanspruch mehr und ist fast nur noch Propaganda.

Christian Morgenstern hatte vor hundert Jahren schon eine diffuse Ahnung von den Defiziten geschlechtlicher Eindeutigkeit, vom Zeitgeist und vom Nichtsehen:

„Korf – man kennt ihn wohl genügend –, Korf begibt sich nach Berlin, einem Zug der Zeit sich fügend.

In Berlin empfängt man ihn… Zwar erblickt man ihn nicht leiblich, denn wie ja schon dargeziehn,

ist er weder männ- noch weiblich, sondern schlechterdings ein Geist, dessen Nichtsehn unausbleiblich.“

Ja, das Nichtsehn überwiegt auch beim zwangsfinanzierten Fernsehen, und das ist gut so. Denn Nichtsehen hat beim Fernsehen mit Blindheit nichts zu tun.

Über Wolfgang Prabel

Wolfgang Prabel über sich: "Ich sehe die Welt der Nachrichten aus dem Blickwinkel des Ingenieurs und rechne gerne nach, was uns die Medien auftischen. Manchmal mit seltsamen Methoden, sind halt Überschläge... Bin Kommunalpolitiker, Ingenieur, Blogger. Ich bin weder schön noch eitel. Darum gibt es kein Bild." Kontakt: Webseite | Weitere Artikel