Darum kommt der große Krieg
Darum kommt der große Krieg

Darum kommt der große Krieg

Flagge der Tuerkei / Quelle: Wikipedia, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AFlag_of_Turkey.svg Flagge der Tuerkei / Quelle: Wikipedia, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AFlag_of_Turkey.svg
Der Syrienkrieg als Vorspiel des Untergangs der Türkei: Nehmen die Großmächte sie aus dem globalen Machtspiel  und schrumpfen sie durch neue Staatsgebilde?

Fragt man sich nach den wahren Motiven des Abschusses der russischen SU-24 durch türkische Luftstreitkräfte in Syrien, so greift natürlich die Antwort viel zu kurz, dass der selbstherrliche Recep Tayyip Erdogan damit verhindern wollte, dass die Russen ihm sein Ölgeschäft mit dem IS kaputtbomben. Es ist kaum anzunehmen, dass er so dumm war, zu glauben, mit dem Abschuss eines einzigen Kampfflugzeugs Putin von seinem entschlossenen Kampf gegen den IS abbringen zu können.

Ohne amerikanische Unterstützung wäre ein direkter und tödlicher Angriff auf russisches Militär auch nicht möglich gewesen. Erdogan ist sicher nicht so naiv, dass er die auf der Hand liegenden Folgen eines offenen Angriffs gegen Russland für die Türkei nicht überblickt hat. Warum also nimmt er sie in Kauf? Was verspricht er sich davon? Ist sein Blick vernebelt? Oder ist er reingelegt worden?

Asymetrisch-totaler Krieg

Was sind also seine wirklichen Motive? Um diese Frage zu beantworten, muss man wohl wieder nach Washington und auf das ins Wanken geratene US-Imperium blicken. Wie ich bereits in meinem letzten Artikel schrieb (vergl. „Das westliche Imperium wankt“), fungieren meiner Ansicht nach sämtliche terroristische Gruppen von „Blackwater“ über al-Qaida bis hin zu Gladio und dem IS als kostengünstiges Kanonenfutter, um die verlorenen Einflusszonen der USA in der Welt durch asymmetrische Kriegsführung instabil zu halten. Das heißt, sie sollen die Staaten der nicht mehr unmittelbar als Einflussbereiche zu haltenden Regionen „brutalst möglich“ zu gescheiterten machen. Denn das US-Militär sieht sich am Pazifischen Ozean direkt mit China und Russland konfrontiert und muss sich deshalb – aber vor allem aus Überdehnungs- und Kostengründen – strategisch wie taktisch im asiatisch-pazifischen Raum auf seine eigene Westflanke konzentrieren.

In Betrachtung des atomaren Patts zwischen den West-  und Ostgroßmächten benötigt es seit dem Kalten Krieg eine asymmetrische und auch totale Kriegsmethode, also eine unter Bruch der Genfer Konvention und Haager Landkriegsordnung gegen die Zivilbevölkerung gerichtete. Ein weiterer Teil dieser Strategie ist es, aus den demokratischen Parlamentsarmeen Europas durch Abschaffung der Wehrpflicht stehende Hilfsheere des Imperiums zu machen. Ziel ist es, spartanische Helotentruppen aufzustellen und zu schnell beweglichen und auch im Geheimen agierenden Angriffsformationen zu formen. Denn mit konventioneller Kriegsführung, also mit dem zeit- wie kostenintensiven Aufmarsch von Volksverteidigungsarmeen, die jedoch nicht mal die Rückendeckung ihrer Völker haben, kommt das Imperium nicht gegen Russen, Chinesen, Iraner oder Inder an, die gewaltige und durchaus auch kriegswillige Soldatenmassen gegen US-und NATO-Bodentruppen stellen können.

Russland und China scheinen gerade erfolgreich dabei zu sein, gemeinsam die Luft -und Seeüberlegenheit des US-Imperiums im Nahen, Mittleren und Fernen Osten zu brechen und somit die angloamerikanischen Kolonialisten endgültig aus ganz Asien zu verdrängen. Dass dieser Verdrängungsakt letztlich nicht vor Mittel -und Westeuropa Halt machen wird, ist evident. Das wissen auch die US-Imperialisten, deren Statthalter immer stärker unter den Druck ihrer Völker geraten. Also muss das Imperium auch innerhalb der EU und der mit ihnen assoziierten Staaten, in denen sie nicht zur offenen Besetzung durch ihre dort stationierten Truppen übergehen können, zur asymmetrischen Kriegsführung übergehen. Dazu passt eine konzertierte Masseneinwanderung vom gegenwärtigen Ausmaß in die EU und besonders nach Deutschland natürlich kongenial. Somit überrascht es auch nicht, dass sich die Hinweise häufen, dass die sogenannten NGOs des Soros-Netzwerks hierbei ihre Hände im Spiel haben.

„Amerikas Schweinehunde“

Durch die veröffentlichte Aufklärungsarbeit der Russen, die freilich auch geschickt eigene Propaganda unter die Fakten mischt, erhalten wir nun einen kleinen Einblick, wie dieser asymmetrische Krieg gegen die Völker der Welt seitens der NATO in Syrien und im Irak geführt wird und wie Russland darauf reagiert: Inzwischen ist auch der US-Administration sonnenklar, dass das amerikanische Jahrhundert vorbei ist und die USA sich die Welt und ihre Ressourcen mindestens mit Russland und China teilen müssen. Nun kommt es für sie also darauf an, sich wenigstens in Afghanistan zu halten und die Russen zu hofieren, um sie langfristig gegen China ausspielen zu können. Denn das Schlimmste, was den USA und der Wallstreet passieren kann, ist, dass China mit Hilfe Russlands sein äußerst profitables Projekt Seidenstraße bis nach Europa durchsetzt.

Doch was auch geschehen wird: Die Weltmacht kann nicht mehr durch die „einzige Weltmacht“ (Breszinsky) erreicht, geschweige denn ausgeübt werden, sondern seitens der USA nur noch durch einen Keil, der zwischen Russland und China sowie Russland und die EU gestoßen werden muss.

Russland könnte hier als Hauptlieferant von Öl, Gas und zahlreichen Bodenschätzen eine zentrale Rolle einnehmen. Als industriell unterentwickeltes Land muss es jedoch vorsichtig sein, um nicht zwischen China und den USA und deren europäische Einflusssphäre aufgerieben zu werden. Putins Ziel muss es also sein, Chinesen und Europäer als natürliche Partner für einen gemeinsamen Kampf gegen das US-Imperium zu gewinnen.

Und wo steht die Türkei in dieser Gemengelage? Bei der Einschätzung der gegenwärtigen Lage Erdogans muss man beachten, dass auch das US-Imperium keine Freunde hat, sondern nur Interessen. Es ist also keineswegs mit dem neuen Sultan der Türkei befreundet. Als Nachbarstaat Syriens dient die Türkei lediglich als Brückenkopf der NATO in die islamische Welt und als Mittel zur Destabilisierung Europas. Das sind die Türken übrigens schon seit den Borgia-Päpsten.

Die dem Wahhabismus wie der Muslimbrüderschaft zuneigende Regierung Erdogan war geradezu prädestiniert, die illegale Finanzierung und Versorgung der NATO-Terrorgruppe IS (als etwas anderes kann man sie jetzt kaum noch bezeichnen, solange die Türkei in der NATO ist) in Syrien an Ort und Stelle zu übernehmen. Zur Belohnung gab es neben einer versprochenen Gebietszone im Norden Syriens, in der man die PKK wirksamer bekämpfen kann, offenbar irakisches und syrisches Öl, das neben Drogen den IS bzw. Dash, also Amerikas „Schweinehunde“ (O-Ton Eisenhower), finanzieren -und mit Waffen versorgen sollte.

Wie es aussieht, durfte die fromme Familie Erdogan sich in geheimer Absprache den Mehrwert einstreichen. Das war den Russen natürlich seit Jahren bekannt und sie hielten dennoch still. Deshalb dachte sich der Familienpate von Ankara wohl auch nichts dabei, dem Irak wie Syrien skrupellos die Bodenschätze – und wenn man schon mal dabei ist, auch die archäologischen Kunstschätze zu rauben und in der Welt zu verhökern.

Destabilisierung der Türkei

Voraussetzung für seine inzwischen beinahe unumschränkte Macht war, die überwiegend von säkularen Türken, sunnitischen Moslems, schiitischen Alawiten und multireligiösen wie säkularen Kurden bewohnte und von Kemal Atatürks Militärordnung geprägte Türkei von innen heraus zu destabilisieren. Dazu musste man demokratische Strukturen zerstören und über demokratische Wahlen ein „moderates“ islamistisches Regime einrichten. Das wiederum bedeutete, dass der streng laizistische Staat Türkei von den Muslimbrüdern bekämpft und beseitigt werden musste.

Mit Erbakan, Gülen und Erdogan sowie der Terrorgruppe Graue Wölfe, war es dem US-Imperium und Briten seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts kontinuierlich gelungen, die staatstragende türkische Armee als Garant des laizistischen Systems Atatürk fast vollständig zu entmachten. Deren Offiziere waren leider dumm genug, dies mit sich geschehen zu lassen, indem sie den nationalistischen Kurs gegen die PKK-Kurden anheizten. Statt entschlossen gegen die Islamisten im eigenen Land vorzugehen, um ihre eigene Macht zu halten, statt den Kurden eine weitgehende Autonomie zuzugestehen, verkämpften sie sich im Sumpf der osmanischen Kraftmeierei gegen die PKK und die Völker des Nahen und Mittleren Ostens in der Hoffnung, nach dem Zerfall der Sowjetunion das Osmanische Reich wieder erstehen lassen zu können und zu diesem Zweck die Turkvölker der ehemaligen Sowjetrepubliken zu missbrauchen.

Auch im Kampf gegen die Kurden im eigenen Land stand lange eine asymmetrische Kriegstruppe wie die PKK gegen ein schwerfälliges Heer, dass sich dann auch darauf beschränken musste, die kurdische Zivilbevölkerung zu drangsalieren und weiter gegen sich aufzubringen, ohne dass es der Kampfkraft dieser Truppen des PKK-Führers Öcalans auch nur im Geringsten geschadet hätte; nicht mal, als der PKK-Chef selbst vom Mossad entführt und auf einer türkischen Insel inhaftiert wurde. Die Irak-Kriege von George und George W. Bush taten schließlich ihr Übriges, um die Frage nach der Eigenstaatlichkeit der Kurden durch den „befreiten“ Nordirak zu einer der drängendsten Fragen des gesamten Nahen Ostens und der territorialen Integrität der Türkei zu machen.

So erhielt das Imperium ein hervorragendes Druckmittel gegen seine „Verbündeten“ in Ankara. Denn weder die westlichen noch die östlichen Großmächte oder Israel, das sich eng mit den Kurden des Nordirak verbündet hat, sind an einer starken Türkei in der Region interessiert. Insofern könnte der Abschuss des SU-24 Kampfflugzeuges der Russen der Startschuss in einen innertürkischen Bürgerkrieg bedeuten, welcher die letzten Reste des Osmanischen Reiches Namens „Türkei“ weiter auf das einstige historische Kerngebiet der Osmanen reduzieren soll.

Geheimer Plan der US-Imperialisten?

Demnach würden Russland und die USA um die Neuaufteilung der Türkei konkurrieren, wobei dann nach kreuzritterlich heroischer Sichtweise der Malteser-NATO und der russischen Byzantiner auch das europäische Istanbul als einstiges Konstantinopel nach jahrhundertelanger Besetzung durch den Islam entweder über den NATO-Staat Griechenland, also dem westlichen „Römischen Reich“ bzw. „Abendland“ inklusive Angloamerika, oder über das orthodox geprägte Griechenland Russland, dem oströmischen Reich, dem christlichen Morgenland, das seit den Tagen Katharinas II. davon träumt, den Kontrahenten zufallen würde – je nachdem, wer von den Beiden auf dem Balkan das Rennen macht.

Da das Imperium seine Strategien natürlich auch langfristig ausrichtet, könnten die frühzeitige Schwächung Griechenlands durch die Troika (immerhin ein russischer Begriff im EU-Vokabular) und die gegenwärtige Übernahme des von Serbien abgespaltenen Montenegro durch die NATO zu Lasten des russischen Einflusses auf dem Balkan und in Griechenland ebenfalls in diese Richtung deuten.

Aber wem nutzt denn nun der Abschuss der russischen SU-24? Erdogan sicher nicht. Putin hatte mit ihm ja Großes in Bezug auf die Southstream-Pipeline in die EU vor und baute in der Türkei Atomkraftwerke. Dass das US-Imperium daran interessiert ist, einen Keil zwischen Putin und Erdogan zu treiben, scheint zwar naheliegend, sofern man diese Pipeline nach Europa torpedieren und den Bosporus für russische Kriegsschiffe blockieren will. Aber dazu müsste Putin laut internationalem Seerecht der Türkei den Krieg erklären. Erst dann können die Türken mit einem kriegerischen Akt reagieren und den Russen die Durchfahrt versperren.

Da Putin dies nicht tun wird, müsste es Erdogan tun, aber auf welcher internationaler Rechtsbasis? Schließlich hat er ja Russland angegriffen und nicht umgekehrt. Dass er sich hierbei also nicht mal auf den NATO-Beistandspakt berufen kann, zeigt auch, dass die Transatlantiker gar nicht gewillt sind, von sich aus diese Karte zu ziehen. Sie lassen Erdogan auflaufen.

Die Russen aber spielen nun eine ganz andere als die rote Kriegskarte. Sie stellen Erdogan und seine Familie als offensichtliche Unterstützer der barbarischen Kopfabschneider und Kehlendurchschneider in Syrien, Irak und auch der Ukraine durch unwiderlegbare Beweise an den Weltpranger. Damit ist der türkische Präsident zu einem echten Paria der internationalen Staatengemeinschaft geworden. Und die EU, die eben gerade ihre Sanktionen gegen Russland auf Geheiß des Imperiums verlängert, hängt wenigstens moralisch voll mit drin, was diese Maßnahmen wirksam delegitimiert.

Saudi-Arabiens Könige und Prinzen und Katars Scheichs als Terrorpaten ziehen sich durch Erdogans tiefen Fall geschickt aus der Schusslinie, während sie allerdings im jemenitischen Morast versinken. Das muss auch dem US-Imperium klar gewesen sein, als es Riad ermutigte, den Jemen anzugreifen, um den Iran in Schach zu halten und Erdogan vermutlich animierte, die SU-24 abzuschießen.

Pläne für eine Rumpftürkei?

Warum aber würde Washington damit dulden, dass Russland aus diesem mehr als entlarvenden Verbrechen Erdogans ordentlich Kapital schlagen kann? Besteht hier womöglich ein geheimer Plan der US-Imperialisten und Israels, aufgrund höherer Einsicht die angestrebte Weltdominanz vorläufig aufzugeben und gemeinsam mit Russland eine neue Aufteilung der Einflußsphären im arabischen Raum anzustreben, welche im gemeinsamen Interesse die Türkei als geopolitischen Mitspieler im Nahen und Mittleren Osten hinausdrängt? Erwägen Pentagonstrategen, die weiter denken können, als die machtgierigen Neocons, daran, Russland wieder stärker an sich zu binden, ihm mehr Macht auf dem eurasischen Kontinent zuzugestehen, um es aus Chinas Umarmung zu lösen? Kissingers jüngste Äußerungen über die Zusammenarbeit mit Russland in Syrien könnten darauf hinweisen.

Warum die im Östlichen Mittelmeer und der Ägäis kürzlich entdeckten Öl-und Gasvorkommen und jene im Nordirak mit Ankara teilen? Fährt nicht auch Israel besser mit einem eigenständigen aber schwachen und uneinigen kurdischen Staat und einer schwachen Rumpftürkei? Ist es nicht auch Politik des US-Imperiums auf dem Weg zur einzigen Weltmacht seit eh und je, nach Vorbild des Britischen Weltreichs starke Staaten in kleinere, politisch schwache und somit leicht beherrschbare aufzuteilen, wie es dies z.B. in Jugoslawien getan hat?

Warum sollte also das US-Imperium davor zurückschrecken, hinter den Kulissen zusammen mit den Russen aus der gegenwärtigen Türkei eine kleine Rumpftürkei zu machen, die wie jene von 1920 lediglich noch Zugang zum Schwarzen Meer hat – im Osten begrenzt durch ein vergrößertes Armenien und ein neu zu schaffendes Kurdistan – im Norden durch eine Internationale Zone vom Bosporus und Istanbul abgeschnitten, das vielleicht wieder zum griechischen Konstantinopel wird – im Westen (West-Thrakien und Ägäis) von Griechenland übernommen und im Süden weiterhin von Syrien und neuerdings von Kurdistan begrenzt? Zypern wieder vereint als griechische Insel?

Die USA, Israel, Russland und die EU würden davon profitieren, die von der Muslimbrüderschaft der Türkischen Freimaurerei seit Beginn des 20. Jahrhunderts mehr als gebeutelten arabischen Staaten würden jubeln und ganz neu wäre dieser Aufteilungsplan ja auch nicht.

Doch um einen Staat wie die Türkei zu zerschlagen, dazu braucht es eine Legitimation, einen brauchbaren Anlass. Was kann es da Besseres geben, als die weltöffentliche Beschuldigung, der türkische Staatsapparat habe sich als ein Hort des internationalen Terrorimus herausgestellt? Wer weiß, was da jetzt noch alles ausgegraben wird?

Bei dieser Betrachtungsweise würde es auch Sinn machen, dass Putin, obwohl er leicht im Alleingang den IS in dessen Steinzeit zurückbomben könnte, mit den USA auch England und Frankreich als ehemalige Mandatsmächte mit einbezieht, ja sogar einlädt. Sinn ergibt auch, warum der Westen einschließlich Israel es nicht mehr als vorrangiges Ziel ansehen, Assad von der Macht zu entfernen. Jetzt könnte es schon bald Erdogans Türkei erwischen.

Erdogan dachte, dass er die NATO auf seiner Seite hat. Er fühlte sich so mächtig, dass sogar Merkel vor ihm im Staub kriecht, damit er seine Migrationswaffe wieder in den Halfter steckt. Er dachte, dass er mit voller Rückendeckung der Neocons arbeitet, wenn er dem IS das Öl abnimmt und es durch türkische, israelische und japanische Mafiosi auf dem Weltmarkt vertreiben lässt, um die Terroristen des Imperiums mit allem zu versorgen, was sie brauchen.

Aber denen war nach dem Eintritt Russlands in den syrischen Konflikt klar, dass das Geschäft nun nicht mehr laufen würde und der IS seine Zukunft hinter sich hat. Israel und Japan können sich jetzt sogar hinstellen und entrüstet behaupten, dass die Türkei sie getäuscht hat und sie doch nie im Leben gestohlenes Öl kaufen würden.

Der Westen lässt die Propaganda ausfallen

Israel kann den Zerfall der Regionalmacht Türkei sicher problemlos verschmerzen. Für Russland würde eine zerschlagene Rumpftürkei auch weitaus mehr Sicherheit an seiner Südflanke bedeuten, die zum großen Teil von Turkvölkern bewohnt wird, mit denen jeder künftige Herrscher der Türkei liebäugeln wird. So wundert es auch nicht, dass Israel unmittelbar nach dem Abschuss der SU-24 betonte, dass seine Luftwaffe mit der russischen Seite problemlos zusammen arbeitet, obwohl sie doch immerhin den Israel so verhaßten Assad damit stützt.

Griechenland beschwert sich über tausende von Luftraumverletzungen durch die Türkei. Obama, Cameron und Stoltenberg faseln nur verschwiemelt vom Selbstverteidigungsrecht der Türken, ohne aber die türkische Version zu bestätigen, nach der die Russen den türkischen Luftraum verletzt hätten. Die Propagandamaschine des Westens bleibt ausgeschaltet. China ist mit einem Flugzeugträger vor Ort, ebenso wie Frankreich, dessen Schiffsgigant von deutschen Kriegsschiffen gedeckt werden soll.

Was für einen militärischen Sinn macht das Ganze aber, wenn es nur um den IS in Syrien ginge, wo Russland in Zusammenarbeit mit dem Iran und der Hisbolla und den syrischen Bodentruppen Assads alles im Griff hat und die Tage des IS dort auch ohne diesen martialischen Aufzug des Westens gezählt sind? Die Russen hätten auch die Mittel (wie sie beeindruckend demonstriert haben), jeden Flug seitens westlicher Militärmächte über das syrische Territorium elektronisch zu unterbinden, wenn sie es denn tun wollten. Dabei wäre schließlich das Völkerrecht auf Ihrer Seite. Soll hier womöglich weniger das Syrien Assads, als vielmehr die Türkei Erdogans als Förderstaat des Terrorismus reingelegt und eingedämmt werden?

Inzwischen haben die USA die Türkei jedenfalls gezwungen, ihre Grenzen zu Syrien umgehend zu schließen. Damit ist das Aus ihrer eigenen IS-Söldner zwar besiegelt, aber die waren ohnehin nicht mehr zu retten nach dem Eingreifen der Russen. Vielleicht baut man ihnen noch eine goldene Brücke, indem man sie gegen die Türkei oder Saudi-Arabien lenkt und sie dort verwendet, um diese Staaten zu destabilisieren, was bei einer islamistischen Erdogan-Regierung genausowenig ein Problem ist, wie bei der saudischen Königsfamilie. In der Türkei gehen sie sich ja auch schon mit der islamistischen Gülenbewegung an den Bart des Propheten und in Saudi-Arabien wird der neue König und seine Prinzengarde sicher auch bald die Suppe auslöffeln müssen, die sie anderen Staaten mit ihrem Terrorpersonal und ihren Petrodollars eingebrockt haben.

Vorspiel zum Untergang

Für die säkularen Türken und die Jemeniten könnte das eine ungemütliche Zeit werden. Wenn Merkel und Juncker dem Erdogan versprechen, die Visafreiheit nach Europa einzuführen, dann könnten schon bald viele religiös nicht gebundene Türken wenigstens vorübergehend zu Hunderttausenden in der EU Zuflucht suchen, und Erdogan hätte erst mal einen inneren Feind weniger. Aber das wird ihm und seine islamistischen Machtkonkurrenten wenig nützen. Seine Macht wird mit seinem öffentlichen Ansehen als Unterstützer und Profiteur des islamistischen Terrors sinken und mit ihm der Einfluss der Türkei im internationalen Maßstab. Die Saudis können ohnehin kaum noch tiefer sinken. Ebenso wenig die Katarer Ölscheichs. Deren Ende ist mit dem nahenden Ende des US-Imperiums in Asien und der damit einhergehenden Ablösung des Petrodollars ohnehin besiegelt.

Erweist sich damit der Syrienkrieg nur als ein Vorspiel zum Untergang der bisherigen Türkei, wie wir sie kennen? Wird sie von den Großmächten aus dem globalen Machtspiel genommen und territorial durch neue Staatsgebilde geschrumpft? Prophezeihen uns deshalb deutsche Verteidigungspolitiker schon jetzt, dass der Merkel-Einsatz der Bundeswehr „in Syrien“ vielleicht zehn Jahre dauern könnte?

Wir werden sehen! Der großprächtige Kalif von Ankara dürfte aber schon weit vorher ausgespielt haben. Ich möchte fast wetten, der in den USA im Exil lebende Intimfeind Erdogans, Gülen, wird bereits die Koffer zur Heimreise in die Türkei packen, wo seine Anhänger ihn sehnlichst erwarten.