Wenn der ORF-Wolf „zwitschert“
Wenn der ORF-Wolf „zwitschert“

Wenn der ORF-Wolf „zwitschert“

Twitter-Meldung von Armin Wolf / Quelle: Twitter; zu finden unter: https://twitter.com/arminwolf/status/664849557164044288 Twitter-Meldung von Armin Wolf / Quelle: Twitter; zu finden unter: https://twitter.com/arminwolf/status/664849557164044288
Unter der Flagge des links-grünen Zeitgeistes wird auch von österreichischen TV-Journalisten die Realität in eine vermeintlich „allein seligmachende Wahrheit“ umgebogen.

Empfänger des österreichischen Fernsehens kennen Armin Wolf. Dass der Hauptmoderator der Sendung „Zeit im Bild 2“ (ZiB2) und stellvertretende Chefredakteur des ORF-Fernsehens edlen Geblüts ist, weiß indes kaum jemand. Ebensowenig ist bekannt, dass er, wäre es nach dem Untergang der Monarchie nicht zur republikanischen Entleibung österreichischer Adelsnomenklatur gekommen, daher eigentlich den Namen Armin Wolf Edler von Glanvell führen dürfte. Hat er doch in einem am 19. August 2014 erschienenen Interview gegenüber dem Südtiroler Onlinemagazin „Barfuss“ unumwunden bekannt, er sei Urenkel des Viktor Wolf Edlen von Glanvell.

Dieser Wolf von Glanvell, Sohn des k.k. Majors Ignaz Wolf, der 1878 nobiliert worden war und dessen Abkömmlinge bis zum Untergang des Habsburgerreiches die Standesbezeichnung Edle von Glanvell führten, hatte sich mehr als passionierter Alpinist einen Namen gemacht denn als Grazer Kirchenrechtler, der er von seiner Profession her war. An die 150 Erstbesteigungen, vornehmlich in den Dolomiten, zeugen davon. 1905 stürzte er am Hochschwab ab und kam dabei zu Tode – im besten Mannesalter von knapp 34 Lenzen.

„Mediale Hinrichtung einer Abgeordneten“

Nachfahre Armin Wolf ist traditionellem Tirolertum abhold, wie er in besagtem Interview bekundete. In die Berge geht er nicht. Von Absturz ist er daher nicht bedroht. In der „größten Medien-Orgel des Landes“, wie der legendäre ORF-General Gerd Bacher sein Haus einst nannte, hat Wolf stattdessen einen steilen Aufstieg hinter sich. Einen Aufstieg, der just unter den Bedingungen der (nicht allein in Österreich geltenden) Maßstäbe des politischen (Gesinnungs-)Journalismus wohl noch lange nicht zu Ende ist. Gilt Armin Wolf doch als „Starmoderator“: die von ihm gestellten inquisitorischen Fragen – sein „Markenzeichen“ – sind für die einen Quell der Bewunderung, für andere hingegen Ausdruck begnadeten Selbstdarstellertums mit nicht eben seltenen Zügen unbändigen ideologischen Eiferns.

Auf der Sozialnetzwerk-Seite Facebook, auf der er sich (bezeichnenderweise mit gegendertem Binnen-I) als „JournalistIn“ vorstellt, hat Wolf weit mehr als Hunderttausend Anhänger, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter folgen ihm an die Zweihunderttausend Fans. Damit gehört er nicht nur zu den österreichischen Twitter-Königen, Wolf ist auch selbst ein unablässsiger „Zwitscherer“. Dabei handelt er sich nicht selten ein, was in Social-Network-Kreisen neudeutsch „Shitstorm“ genannt wird.

So ließ sich etwa Johannes Voggenhuber, ehedem Parlamentarier der österreichischen Grünen, unlängst auf Facebook zu Wolfs Interview mit der (aus der FPÖ ausgeschlossenen) Nationalratsabgeordneten Susanne Winter vernehmen:

„Ich bin gegen Lynchjustiz. Und daher finde ich auch die in ,Zeit im Bild’ von Herrn Armin Wolf lustvoll inszenierte mediale Hinrichtung der Abgeordneten zum Nationalrat, Susanne Winter, abstoßend, unmoralisch und journalistisch nicht zu rechtfertigen. Ob aus ,gerechter Empörung’ oder zum Gaudium der Menge, ist mir egal. Da überrascht es auch nicht mehr, das dass Interview von sachlichen Fehlern, dröhnend vorgetragen, nur so strotzt. Die Frage, ,was hat ein Mensch wie Sie im Parlament verloren’ aber überschreitet jede Grenze.“

Andere entrüsteten sich auf Facebook verständlicherweise über Wolfs pietätlosen Vergleich

„Es kommen immer noch mehr Menschen bei Autounfällen in Europa ums Leben als bei Terroranschlägen.“

Geharnischte Kritik zog Wolf indes mit einer gänzlich unangebrachten, geschichtsverfälschenden Aussage auf sich. Auf Twitter hatte er die Schlagzeile „Internationales Terrornetzwerk in Südtirol aufgedeckt. Ein Fundamentalist soll Kämpfer in Meran rekrutiert haben“ (aus der Tageszeitung „Die Presse“) mit der nassforschen Bemerkung „Die Headline könnte allerdings auch von 1961 sein. #Feuernacht“  (vergl. „Ein Partisane in der ,Lügenpresse'“)kommentiert.

Haltloser Vergleich

Man muss dieser haltlosen Unverschämtheit nicht unbedingt „Lernen S’ a bisserl Geschichte“, eine der am meisten zitierten Sentenzen Bruno Kreiskys, entgegenhalten. Doch sollte sich der (nach Studien in Politologie, Soziologie und Zeitgeschichte) promovierte Wolf schon selbst ein wenig mehr historische Reflexion abverlangen, bevor er mal eben kurz mit stereotypen Antifa-„Weisheiten“ drauflos twittert.

Denn der auf Suggestion zielende Vergleich der Männer des „Befreiungsausschusses Südtirol“ (BAS) mit Mitgliedern einer in Meran dingfest gemachten IS-Zelle – und damit indirekt mit islamistischen Terrorbanden – ist ungeheuerlich und gänzlich haltlos. Wolf mag, wie hinterher gegenüber der Tageszeitung „Dolomiten“ dargetan, diesen Vergleich noch so sehr in Abrede stellen; die in der „Feuernacht“ 1961 wirkenden Südtiroler Freiheitskämpfer hat er gleichwohl mit islamistischen Terrornetzwerken auf eine Ebene gestellt.

Nicht allein, dass Wolf mit diesem Vergleich auf die schiefe Ebene geraten ist, zumal da er damit die von Dschihadisten begangenen Terroranschläge bagatellisiert und verniedlicht hat. Darüber hinaus schwingt in der ganzen Schlichtheit seines dahingeworfenen Twitter-Gezwitschers Spott für deren Opfer mit. Dies ist umso schändlicher, als der Islamisten-Terror jedweder Richtung und Provenienz skrupellos und ohne Rücksicht auf eigene Verluste sowie fremde Menschenleben seine auf Verbreitung von Angst und Schrecken zielenden bestialischen Taten dort verübt, wo Tod und Verderben am effektivsten herbeigeführt werden können. Gerade die weit über Frankreich hinaus ins schmerzliche Bewusstsein von Millionen gerückten Attentate sollten dies jedermann vor Augen geführt haben.

Die Tiroler Freiheitskämpfer hingegen – dem BAS gehörten Aktivisten beidseits des Brenners an – , brachten ihre Sprengsätze vornehmlich dort an und zündeten sie zu Zeiten, da möglichst wenig Gefahr für Menschen bestand. Das Tun der BAS-Leute geschah nicht aus religiöser Verblendung und/oder gar Rechtfertigung. Ihr Ziel war nicht die Errichtung irgendeiner wie auch immer gearteten Herrschaft. Weder vergewaltigten sie, noch köpften sie, noch massakrierten sie.  Auch versprach keine heilige Schrift einem BAS-Mann für den Fall des Todes den Empfang im Paradies durch 72 Jungfrauen, wie er im Kampf gefallenen Gotteskriegern im Koran zugesagt ist.

„Wir haben gejubelt“

Nein, die BAS-Aktivisten erhoben sich gegen die auch nach dem Zweiten Weltkrieg ungehemmt fortgeführte Entnationalisierungspolitik und staatliche Willkür Roms im südlichen Landesteil Tirols. Das Land unterm Brenner war von Italien nach dem Ersten Weltkrieg annektiert und ihm 1919 im Vertrag von St. Germain als Belohnung für den 1915 erfolgten politisch-militärischen Seitenwechsel zugesprochen worden. Den Aktivisten, die sich seit den 1950er Jahren um den im Südtiroler Frangart beheimateten Greisler und Kleinbauern Sepp Kerschbaumer versammelt hatten, war es darum zu tun gewesen, die Weltöffentlichkeit durch spektakuläre Anschläge auf italienische Einrichtungen respektive Zeugnisse des Faschismus auf die fatale Rechtlosigkeit, ja Unterdrückung hinzuweisen, in der das „demokratische“ Italien die angestammte Bevölkerung des Landstrichs hielt, um sie, wie zuvor unter der Herrschaft des „Duce“, durch Assimilation zu italianisieren.

Es wäre dem zutiefst vom christlichen Glauben durchdrungenen Kerschbaumer auch nie in den Sinn gekommen, Taten gegen Menschen zu planen und/oder ins Werk zu setzen. So sprengten beispielsweise die Nordtiroler BAS-Mitglieder Kurt Welser und Heinrich Klier am 30. Januar 1961 das schwerbewachte Reiterstandbild des Benito Mussolini vor dem Elektrizitätswerk bei Waidbruck im Eisacktal in die Luft. „Aluminium-Duce“ kam dabei zu Schaden.

Und zusammen mit dem weiblichen BAS-Mitglied Dr. Herlinde Molling organisierte Welser den Sprengstoff(transport) für die zwar nicht so wirksamen wie erhofft, dafür aber symbolisch umso bedeutenderen Anschläge der Männer um Kerschbaumer in der sogenannten Feuernacht vom 11. auf den 12. Juni 1961, in der rund vierzig Hochspannungsmasten gefällt wurden, welche lediglich die Stromversorgung, vornehmlich der Industriebetriebe im Bozner Becken, vorübergehend unterbrachen. Was den mehrmaligen ORF-Generalintendanten Gerd Bacher einst im Rückblick zur freudigen Feststellung veranlasste: „Wir haben gejubelt“.

Der Vergessenheit entrissen

Man sollte nun meinen, jemandem wie Wolf müsste es doch zu denken geben, dass Bacher einst im (Nordtiroler Zweig des) BAS aktiv war. Ebenso der mit ihm befreundete Verleger Fritz Molden, der den BAS logistisch, finanziell und – wie Bacher – auch publizistisch unterstützte. Insbesondere aus Anlass von beider Ableben war dies in Aussendungen der „Kameradschaft ehemaliger Südtiroler Freiheitskämpfer“, des Südtiroler Heimatbundes (SHB) sowie des Südtiroler Schützenbundes (SSB) und nicht zuletzt in einschlägigen Publikationsorganen bekanntgemacht und damit der Vergessenheit entrissen worden.

Aber über derlei „Ewiggestriges“ geht der „Edle“ Armin Wolf (von Glanvell) geflissentlich hinweg, wenn er unter der Flagge des links-grünen Zeitgeistes im Mainstream zwitschert – in der Überzeugung, die anderen mit seinen vermeintlich „allein seligmachenden“ Wahrheiten zu beglücken.