Frauenlust auf Krankenschein
Frauenlust auf Krankenschein

Frauenlust auf Krankenschein

Muster einer deutschen Gesundheitskarte / Quelle: Wikipedia, public domain, „Elektronische Gesundheitskarte 2011“ von Lumu (talk) - Eigenes WerkVorlage: Bundesministerium für Gesundheit; selbst erstellt nach dem Foto File:Elektronische Gesundheitskarte CeBIT 2011.JPG. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Elektronische_Gesundheitskarte_2011.svg#/media/File:Elektronische_Gesundheitskarte_2011.svg Muster einer deutschen Gesundheitskarte / Quelle: Wikipedia, public domain, „Elektronische Gesundheitskarte 2011“ von Lumu (talk) - Eigenes WerkVorlage: Bundesministerium für Gesundheit; selbst erstellt nach dem Foto File:Elektronische Gesundheitskarte CeBIT 2011.JPG. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Elektronische_Gesundheitskarte_2011.svg#/media/File:Elektronische_Gesundheitskarte_2011.svg
Neben Viagra gibt es nun die Lustpille für Frauen. Wäre es angesichts solcher Entwicklungen nicht an der Zeit, endlich die Intelligenzpillenforschung zu forcieren?

Vor einigen Monaten, als die wundersame Volksvermehrung noch nicht so richtig abzusehen war, hatte die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig nicht nur die übliche Schlagseite, sondern auch eine kleine Schlagzeile. Sie will die finanzielle Unterstützung für eine künstliche Befruchtung, die bislang nur Verheirateten vorbehalten ist, auch Paaren ohne Trauschein zukommen lassen. Sie selbst hat das ja nicht nötig, denn erstens ist sie verheiratet und zweitens gerade schwanger, aber, wie wir wissen, kümmern sich unsere Politiker und natürlich erst recht unsere Politikerinnen vorbildlich um all die Dinge, die die Wenigsten interessieren.

Dass sich nach Verwirklichung ihrer Pläne auch Singles diese Förderung besorgen würden, hat sie entweder nicht bedacht oder es ist ihr egal oder eben sogar gewollt. Dabei wäre dieser Versuch, das Volk um neue billige Arbeitskräfte und teure Konsumenten aufzustocken, indem man Kinder in sozial instabile Beziehungen oder eben Nicht- Beziehungen hineingebären lässt, gar nicht nötig gewesen, denn die Pharma-Industrie erledigt das demnächst viel effektiver: Flibanserin ist auf dem Markt, um die Lust der Frauen zu stärken. Das wird lustig.

Hoffnung notgeiler Männer

Seit Oktober soll die Droge nun in den USA zugelassen sein und dort als „Viagra für Frauen“ unter dem Namen Addyi vermarktet werden. Eigentlich ist es ein ursprünglich von Deutschen entwickeltes Anti-Depressionsmittel, das nun die jahrhundertealte Hoffnung notgeiler Männer nährt, man könne dem Interesse der Angetrauten oder der Angebeteten bei der Befriedigung der eigenen Bedürfnisse mit einem Wundermittel nachhelfen. Sozusagen KO-Tropfen im Lego-Maßstab.

In Deutschland, so kommentierten hiesige Mediziner den drohenden Lustgewinn, sei jede dritte Frau von einer Störung ihrer Libido betroffen. Störung? Offensichtlich wird im Rahmen einer ganz normalen biologischen Schwankungsbreite plötzlich eine Behandlungsbedürftigkeit konstruiert. In welchen Einheiten messen denn diese Mediziner des Niedergangs eigentlich eine Libidostörung? Und wie ermitteln sie diese? Mit ihren fragwürdigen psychiatrischen Gutachten oder mit ihren noch fragwürdigeren Hormontests? Oder werden gleich die Männer befragt? Wie auch immer, endlich gibt es eine Möglichkeit, zwischenmenschliche Probleme in einer Paarbeziehung mit der chemischen Keule wegzuprügeln.

Nehmen wir doch einfach mal theoretisch an, die Frau habe ein gutes Interesse daran oder zumindest ein Recht darauf, einfach keine Lust zu haben. Vielleicht will sie nur nicht schon wieder einen schwitzenden Kerl auf sich rumturnen haben und sich an ihr abarbeiten lassen. Vielleicht hat ihre Natur ihr eingegeben, ihre Fortpflanzungsaufgaben schon ausreichend erledigt zu haben oder dass diese in einer überbevölkerten Welt des Niedergangs wenig Priorität haben. Aber selbst wenn sie durch negative Erfahrung traumatisiert und tatsächlich psychisch geschädigt sein sollte, rechtfertigt dies außer in begründeten Ausnahmen nicht, mit psychogenen Drogen in ihre Persönlichkeit einzugreifen oder sie eingreifen zu lassen.

Direkt in die Psyche

Während Viagra körperliche Probleme abschwellen lässt, und nur ab und zu mal einen klitzekleinen Herzinfarkt verursacht, setzt das Pendant für Frauen direkt an der Psyche an. Dabei werden mit Dopamin und Serotonin die für unser Menschsein entscheidenden Botenstoffe im Gehirn angegriffen. So beeinflusst Flibanserin die Freisetzung von Neurotransmittern im Gehirn, die an der Steuerung von Sexualfunktionen beteiligt sind. Es hemmt einerseits die Freisetzung des sexhemmenden Serotonins und steigert andererseits die Freisetzung der sexsteigernden Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin. Das Medikament muss täglich eingenommen werden, um der Patientin die Möglichkeit zu geben, nach einigen Wochen im Fall der Fälle möglicherweise bereit sein zu wollen.

Wer mit Psychopharmaka Erfahrungen hat, weiß, dass sie eine starke bewusstseins- und wesensverändernde Wirkung haben, die oft schlimmer ist, als das Problem, für das sie eingesetzt werden. Bei Flibanserin wird dieses Risiko also für eine wenig mehr als theoretische Verbesserung in Kauf genommen.

Und damit nicht genug. Als Nebenwirkungen werden in den Medien, die sich newsgeil auf das Thema stürzten, immerhin beschrieben: In mehr als 10% Schwindel, niedriger Blutdruck und Übelkeit, des weiteren Mundtrockenheit, Ohnmacht, Angstzustände, Bauchschmerzen, Verstopfung, Schlaflosigkeit, nächtlicher Harndrang, Stressgefühle und Herzstolpern.

Sinnigerweise werden diese Nebenwirkungen durch die Antibabypille (und andere Medikamente), vor allem aber durch den guten alten Stimmungsaufheller Alkohol noch verstärkt. Zwei weitere Studien befürchten nach Mäuseversuchen zudem ein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Und schließlich wird das Unfall- und Verletzungsrisiko wegen der sedierenden Nebenwirkungen von Flibanserin erhöht.

4,4 Mal im Monat Sex

Dafür wirkt das Mittel, wenn überhaupt, auch nur marginal so, wie es soll. In Zahlen und nach Studien tut es das bei nur 10% der Frauen, und es erhöht die Zahl der monatlichen Geschlechtsverkehre dann um 0,5- bis einmal. Laut der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA gab es im Schnitt 4,4 Mal im Monat befriedigenden Sex gegenüber der Placebogruppe mit 3,7 Mal.

In den zwei wichtigsten Studien konnte zwar diese wenn auch nur statistische Überlegenheit der sexuellen Befriedigung gezeigt werden, jedoch überhaupt keine Verbesserung des Sexualverlangens. Dabei werden doch genau darauf die Männer abzielen, die ihre Frauen unter Andeuten oder Androhen von Konsequenzen zum Einnehmen dieser Psychodroge „motivieren“ werden. Insgesamt ist das ziemlich wenig Lust für ein großes Risiko.

Alles in allem könnte man ohne weiteres von einer legalisierten Vergewaltigungsdroge sprechen. Die geistige und körperliche Gesundheit der Frauen wird so dem Zeitgeist geopfert, selbst wenn diese in Einzelfällen die Entscheidung sogar selber treffen sollten. Der mediale Druck ebenso wie der Druck der Gruppe, sexuell aktiv und erfolgreich sein zu müssen, wird dieses Mittel ebenso zum Renner machen wie die überzogene Lust der dekadenten Gesellschaft auch in der Lust den Kick zu erhöhen.

Druck von Frauenrechtsgruppen

Soweit, so schlimm, doch nun kommt der Knaller: Die FDA, die noch 2013 das Medikament als problematisch zurückgewiesen hatte, musste sich anscheinend dem Druck von Frauenrechtsgruppen beugen. Diese hatten ihr Sexismus vorgeworfen, weil sie Viagra zugelassen habe, nicht aber Flibanserin. Selbsternannte Frauenvertreterinnen, die vor lauter politischer Verwirrtheit die Nachteile der Droge nicht erkennen können oder wollen, haben in der Niedergangsgesellschaft eine derartige Macht.

Eine Macht, die sich exakt gegen jene richtet, die sie zu vertreten vorgeben. Wäre es angesichts dessen nicht an der Zeit, endlich die Intelligenzpillenforschung zu forcieren? Meinetwegen und gerne, wenn es so gewünscht wird, auch vorerst nur für Frauen.

 

Über Konrad Kustos

Kustos studierte Germanistik, Geografie und Publizistik an der Freien Universität und promovierte über das Spannungsfeld zwischen Unterhaltungsliteratur und Literaturliteratur. Viele Jahre arbeitete er als Journalist in leitenden Positionen bei großen Berliner Tageszeitungen. Der Schwerpunkt seiner publizistischen Arbeit lag bei der Architektur und dem Aufbau der neuen Hauptstadt nach der Wende von 1989. Als roter Faden durch seine Arbeit zieht sich die Verteidigung des Normalbürgers gegen elitäre Denkweisen sowie der Versuch, Ideologien zu enttarnen. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel