Wie Medien Informationen steuern
Wie Medien Informationen steuern

Wie Medien Informationen steuern

Zeitungsstapel © GEOLITICO Zeitungsstapel © GEOLITICO
Welches Selbstverständnis haben Journalisten, die nahöstliche Clanstrukturen verschweigen und die neue Dimension von Gewalt im deutschen Alltag nicht als Migrationsproblem benennen?

Die münsterländische Stadt Gronau, im nordrhein-westfälischen Kreis Borken gelegen, ist mit ihren ca. 47.000 Einwohnern beileibe keine Megacity. In letzter Zeit kam sie mit Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten „Gruppen“ in die Schlagzeilen. Hier ein kleiner Einblick in die Alltagsrealität einer mittleren deutschen Stadt

Am 02.11.2015 kam es in Gronau zu einem folgenschweren Vorfall. Die Zeitung der Region, die Westfälischen Nachrichten, berichtet wie folgt[1]:

„Am Montagnachmittag ist ein 46-jähriger Mann durch einen Schuss tödlich getroffen worden. Diesen Schuss hatte ein Polizist abgegeben, nachdem der 46-Jährige ihn mit einem Messer bedroht hatte. (…).

Der Schilderung von Polizei-Pressesprecher Frank Rentmeister zufolge wurde die Polizei um kurz nach 16.30 Uhr zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen auf offener Straße gerufen. In Höhe der Dinkelbrücke auf der Neustraße versuchten alarmierte Polizeibeamte schlichtend einzugreifen. Dabei bedrohte der 46-Jährige die Beamten mit einem Messer. Um sich zu verteidigen, zog einer der Beamten seine Dienstwaffe. Da sich der 46-Jährige davon nicht beeindrucken ließ, gab der bedrängte Beamte offenbar mehrere Schüsse ab. Einer davon traf den 46-Jährigen tödlich. (…).

Offenbar – dazu gab Rentmeister aber kein Statement ab – handelt es sich bei den beiden Gruppen um zwei Familien, die schon seit Jahren im Clinch miteinander liegen. Schon vor dem Streit in der Neustraße soll es in der Innenstadt eine Auseinandersetzung zwischen den beiden Gruppen gegeben haben. Auch während sich Rettungskräfte um das Leben des Opfers bemühten, wollten Angehörige offenbar zu ihm vordringen und mussten von der Polizei daran gehindert werden.“

Beschwerde der Türkischen Gemeinde

Die regionale Zeitung kann schon in ihrem ersten Bericht die Tatsache einer Auseinandersetzung zwischen Familien nicht verheimlichen, wobei Anlass oder Grund noch im Dunkeln bleiben. Am nächsten Tag wird dann der Hergang bis zum tragischen Ende näher erläutert[2]:

„Nach dem tödlichen Schuss aus einer Polizeiwaffe auf einen türkischstämmigen Angreifer in Gronau am Montag sind weitere Einzelheiten zu dem tragischen Vorfall bekannt geworden. Die türkisch-islamische Gemeinde Gronau kritisiert unterdessen den ,leichtfertigem Gebrauch der Dienstwaffe’.

Ein Streit zwischen einer 45-jährigen Frau und ihrem 46-jähriger Ex-Mann ist der tödlichen verlaufenen Auseinandersetzung am Montagnachmittag in Gronau vorausgegangen. Wie die Staatsanwaltschaft und die Polizei Münster am Dienstagmittag mitteilten, stritten sich die beiden gegen 15.30 Uhr derart laut und intensiv, dass Unbeteiligte die Polizei riefen. Die Beamten hätten den Streit zunächst geschlichtet und die Streitenden verwarnt. Doch eine Stunde später informierten Passanten eine Polizeistreife über eine Bedrohung mit einem Messer in der Innenstadt.

In dem Moment, in dem die Streife eintraf, sei der Ex-Mann mit einem Messer auf seinen 41-jährigen Cousin und einen daneben stehenden, 38-jährigen Polizisten losgegangen. Der Aufforderung des Beamten, stehenzubleiben, sei der Täter nicht gefolgt und weiter mit dem Messer auf den Cousin und den Beamten zugerannt. Daraufhin schoss der Polizist zwei Mal. Der erste Schuss durchschlug den rechten Oberarm des Täters. Dieser bewegte sich, mit dem Messer noch in der Hand, weiter auf den Beamten zu. Der zweite Schuss drang von hinten in die linke Schulter ein. Danach sei der Getroffene zusammengesackt.

Danach habe ein 26-jähriger Mann gegen den Kopf des auf dem am Boden liegenden Mannes getreten. Dabei handelt sich bei ihm um den ehemaligen Schwiegersohn. Der durch Schüsse und Tritte getroffene Gronauer türkischer Abstammung starb noch vor Ort. Der Streit zwischen den beiden Familien drohte weiter zu eskalieren, beide beleidigten und bedrohten sich so laut, dass ein 46-jähriger Polizist die Situation zu beruhigen versuchte, indem er zwei Mal in die Luft schoss.“

Dass die genaueren Umstände des Vorfalls noch untersucht werden müssen, ist selbstverständlich, es verwundert aber die sehr frühe Aussage und Festlegung der türkischen Gemeinde in Gronau über einen „leichtfertigen“ Waffeneinsatz. Der Tatsache aber, dass sich die türkische Gemeinde hier zu Wort gemeldet hat, ist es wohl zu verdanken, dass der Leser überhaupt über den Migrationshintergrund des Opfers informiert wurde.

Gesteuerte Informationen

In der überregionalen Presse wird dieses Detail weggelassen, so zum Beispiel auch im Focus Online. Unter dem Titel „Familienstreit eskaliert: Das steckt hinter dem tödlichen Polizeieinsatz in Gronau“ wird berichtet[3]:

„In der Innenstadt in Gronau gehen zwei Gruppen aufeinander los. Die Polizei will schlichten. Dann attackiert ein Mann die Beamten, Schüsse fallen. Jetzt zeigt sich: Es war der tragische Höhepunkt einer seit Jahren schwelenden Familienfehde.“

In vielen anderen Veröffentlichungen wird vor allem hervorgehoben, dass es sich um einen „Familienstreit“ zwischen einem Mann und seiner Ex-Frau gehandelt habe. Das Vorhandensein von weiteren Angehörigen verfeindeter Familien, die auch noch nach dem tödlichen Schuss weiter aufeinander losgehen wollten, wird, wenn überhaupt, nur sehr nebensächlich berichtet. Obwohl eigentlich klar sein müsste, dass es sich hier nicht unbedingt um eine typische Auseinandersetzung zwischen herkunftsdeutschen Familien handelt, wird der Migrationshintergrund dieses Vorfalls nicht erwähnt.

Das führt in den Leserkommentraren des zitierten Focus-Artikels zu vielen zynischen Kommentaren wie z. B. dem des Lesers „Martin Weber“, der schreibt[4]:

„Müller gegen Schulze? … Oder war es (wieder einmal) diese norwegische Großfamilie, die seit Jahren in Dauerfehde mit dem dänischen Familienclan liegt?“.

„Familienstreitereien“ jedenfalls gibt es in Gronau offenbar öfters. Wer z. B. unter den Stichworten „Gronau“ und „Familienstreit“ im Internet sucht, stößt auf einen weiteren Artikel in den Westfälischen Nachrichten unter dem Titel „Großeinsatz in der Innenstadt – Familienstreit drohte zu eskalieren“ vom 13.06.2015[5]. Was hier geschildert wird, lässt erahnen, warum schon länger und nicht erst unter dem Eindruck der Flüchtlingskrise, versucht wird, die Informationen über bestimmte Sachverhalte in Deutschland zu steuern. In den Westfälischen Nachrichten wird ein Großeinsatz der Polizei beschrieben:

„Nur mit einem massiven Aufgebot an Einsatzkräften ist es der Polizei am Samstag gelungen, die Eskalation eines Streits zwischen zwei Personengruppen – insgesamt 20 bis 30 Menschen – zu verhindern. Neben Beamten aus Gronau wurden auch Unterstützungskräfte aus den Kreisen Borken und Steinfurt sowie aus Niedersachsen eingesetzt. Zudem eilten niederländische Polizisten zu Hilfe.

Immer wieder suchten die verfeindeten Gruppen – nach Polizeiangaben zwei Clans aus Gronau und Ochtrup – die unmittelbare Auseinandersetzung. Polizisten gingen dazwischen, hielten die Parteien voneinander fern und versuchten, deeskalierend einzuwirken. Gleichwohl: Die Beamten hatten auch die Schlagstöcke griffbereit und drohten mit ihrem Einsatz. Brenzlig wurde es, als ein 27-Jähriger mit einem Messer auf die gegnerische Gruppe zustürmte. Er konnte entwaffnet werden, tauchte zunächst in der Menge unter, wurde aber später ermittelt.

Worum es bei dem Streit ging, konnte die Polizei am Wochenende nicht konkret sagen. Nur so viel: Auslöser des Tumults war ein Streit zwischen einem 22-jährigen Gronauer und dem 21-jährigen Betreiber einer Shisha-Bar in der Innenstadt. Beide Kontrahenten mobilisierten in der Folge Mitstreiter. Die ersten Polizeibeamten wurden gegen 17.30 Uhr in den Einsatz gerufen. (…).

Erst gegen 20 Uhr entspannte sich die Lage. Ein Grund: Die Polizei eskortierte die Ochtruper Gruppe in einem Fahrzeug-Konvoi in die Nachbarstadt zurück. Auch gab es ein Versöhnungsgespräch zwischen den beiden Familienoberhäuptern.“

Polizei als Prellbock der Politik

Auch hier wird mit keinem Wort erwähnt, wenngleich der Text eigentlich keine andere Schlussfolgerung zulässt, dass es sich um einen Vorfall mit Migrationshintergrund handelt. Es ist nur von „verfeindeten Gruppen“ die Rede. Nur aufgrund des beigefügten Bildmaterials kann man vermuten, dass zwei verfeindete Familien-Clans aus dem kleinasiatisch-nahöstlichen Kulturbereich aneinander geraten sind.

Die Verlautbarung der Kreispolizeibehörde Borken, die von einem „Tumult vor Shisha Bar“ spricht[6], überrascht fast schon in ihrer Offenheit, denn hier wird von „handgreiflichen Streitigkeiten zwischen zwei Familien mit Migrationshintergrund“ und von einem gewalttätigen „Aufeinandertreffen der beiden Clans“ geredet. Diese Formulierungen übernehmen die meisten Medien nicht.

Die beiden hier geschilderten Clan-Streitigkeiten in Gronau haben aller Wahrscheinlichkeit nach keinen Zusammenhang. Fast wünschte man, es würde einen geben, denn, da es sich um getrennte Vorgänge handelt, lassen sie ein großes Potenzial an gewalttätigen Konflikten zwischen Einwandergruppen auch in einer relativ kleinen Stadt wie Gronau vermuten. Die Polizei wird von der Politik als Prellbock eingesetzt, um eine verfehlte Einwanderungspolitik zu kaschieren. Mit dem erneuten Einwanderungsschub, dem Deutschland über die andauernde Flüchtlingskrise ausgesetzt ist, wird sich die Situation nicht nur in Gronau, sondern überall in Deutschland, nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Land, weiter verschärfen. Zumindest sollte die Politik so ehrlich sein, den Abbau beim Polizei-Personal zu stoppen und stattdessen spürbare Aufstockungen durchzuführen.

Als Letztes soll hier aber die Art der Berichterstattung über die „Familienstreitereien“ in den Medien angesprochen werden. In allen Medien bis hinunter in die Regionalzeitungen wird die Information unterdrückt, welche ethnische Herkunft die Beteiligten an solchen oder ähnlichen Vorfällen haben, obwohl relativ klar ist, dass nicht Familie Schulze mit Messern auf Familie Schmidt losgeht. Aus Gründen der Political Correctness wird bewusst verschwiegen, dass es oft Familienclans von Einwanderern sind, die nur noch mit äußerster Mühe von der Polizei dazu gezwungen werden können, sich an deutsches Recht und Gesetz zu halten.

Was ist rassistisch?

Die Berichterstattung ist damit nicht vollständig, wesentliche Informationen über die Hintergründe fehlen, auch wenn der lesende Bürger sich natürlich seinen Teil dabei denkt. Und es ist nun einmal eine wesentliche Information, wenn es in Deutschland durch die Migration aus den entsprechenden Kulturen wieder „Familien“ gibt, die mit dem Messer oder einer anderen Waffe in der Hand auf Außenstehende losgehen oder sie zumindest übel bedrohen, sobald sie von einem der Mitglieder zur Hilfe gerufen werden, das sich wie auch immer angegriffen sieht.

Meinen die Verleger von Zeitungen in Deutschland etwa, indem Teile des eigentlich zu Berichtenden nicht veröffentlicht werden, würde die Achtung für ihre Produkte steigen? Relevante Informationen werden nicht gebracht, deshalb sollte kein Zeitungsmacher einem Leser, der sich diesbezüglich beschwert, mit der Erklärung kommen, dass wäre nun einmal rassistisch. Einen Sachverhalt so zu berichten, wie er wirklich ist, kann nicht rassistisch sein.

Und die Journalisten? Gegen eine pauschale Verurteilung ihrer Arbeit, die der Vorwurf „Lügenpresse“ mit sich bringt, wehren sich Journalisten aus nachvollziehbaren Gründen. Aber welch ein Selbstverständnis von ihrer Arbeit haben sie eigentlich, wenn sie politisch korrekte und eben nicht an den vollständigen Fakten orientierte Berichte verfassen, die z. B. das Entstehen von nahöstlichen Clanstrukturen in deutschen Städten und die offensichtliche neue Dimension von Gewalt, die damit in den deutschen Alltag eingekehrt ist, nicht als Migrationsproblem benennen.

Sehen sie sich noch als unvoreingenommene Berichterstatter und Aufdecker von Missständen? Und müssten sie, wenn sie ganz ehrlich wären, nicht zugeben, dass die deutsche Presse in Bezug auf bestimmte Themen zumindest zu einer Verschweigenspresse geworden ist?

 

Anmerkungen

[1] http://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Borken/Gronau/2163886-Toedliche-Eskalation-in-Gronau-Polizist-erschiesst-Angreifer-in-der-Innenstadt

[2] http://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Borken/Gronau/2164490-Angreifer-von-zwei-Schuessen-getroffen-Kritik-an-leichtfertigem-Gebrauch-der-Dienstwaffe

[3] http://www.focus.de/regional/muenster/schuesse-in-gronau-familienstreit-eskaliert-das-steckt-hinter-dem-toedlichen-polizeieinsatz-in-gronau_id_5058589.html

[4] http://www.focus.de/regional/muenster/mueller-gegen-schulze-schuesse-in-gronau-kommentar_id_6995035.html

[5] http://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Borken/Gronau/2009559-Grosseinsatz-in-der-Innenstadt-Familienstreit-drohte-zu-eskalieren

[6] http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/24843/3046397