Die Perversion der Nächstenliebe
Die Perversion der Nächstenliebe

Die Perversion der Nächstenliebe

Demonstranten halten die Flagge hoch, die Flüchtlinge willkommen heißt © GEOLITICO Demonstranten halten die Flagge hoch, die Flüchtlinge willkommen heißt © GEOLITICO
Wo alles entstellt wird, kommen die schönen, christlich oder sozialistisch unterfütterten Tugenden Hilfsbereitschaft, Solidarität und Caritas nicht ungeschoren davon. Sie werden kommerzialisiert und missbraucht.

Vorhersehbare Übel rechtzeitig zu bekämpfen, ist nicht nur irgendeine, sondern die erste und wichtigste Aufgabe der Politik. Und genau hier versagt die Bundesregierung, versagt die herrschende Kaste, versagen Arbeitgeber und Gewerkschaften, Kirchen und Verbände, Medien und Behörden in einem Ausmaß, das sich keiner von uns noch vor wenigen Wochen hätte vorstellen können.

Von den Bürgern, deren Vertrauen sie erbeten, aber missbraucht und verraten haben, zur Rede gestellt, flüchten sich Leute, die es zum Unglück in die Politik verschlagen hat, in Ausreden wie die, sie hätten nichts gewusst, seien von der Entwicklung überrascht, vom Ansturm der Massen überrannt worden: so neulich erst, einer von vielen, der heillos überforderte CDU-Politiker Armin Laschet. Aber selbst diese, für einen „verantwortlich“ genannten Politiker denkbar blamable Auskunft ist falsch.

Dramatischer Zeitenwechsel

„Der Auswanderungsdruck aus den Ländern der Dritten Welt mit ihrem explosiven Bevölkerungswachstum wird sich angesichts von Elend, Hunger und Hoffnungslosigkeit um ein Vielfaches steigern. Die aktivsten Gruppen werden mit dem Mut, der Hartnäckigkeit und der Verschlagenheit der äußersten Verzweiflung auszubrechen suchen. Sie werden auf allen Wegen, mit allen Mitteln, unter allen Gefahren in endlosen Massen herandrängen – überallhin, wo es nur um ein Geringes besser zu sein scheint als in ihrer Heimat“.

Das schrieb Martin Neuffer, SPD-Mitglied zu einer Zeit, als die SPD noch eine honorige Partei war, und NDR-Intendant zu einer Zeit, als solche Posten noch mit fähigen Leuten besetzt wurden, im Jahre 1982. Man muss nur an Lutz Marmor, den gegenwärtigen Intendanten, und Sigmar Gabriel, den gegenwärtigen Parteivorsitzeden denken, um zu begreifen, dass diese Zeit endgültig vorbei ist.

Monatelang konnten wir Abend für Abend in der Tageschau sehen, wie seeuntüchtige Boote, von menschverachtenden Menschenhändlern auf den Weg gebracht, über das Mittelmeer in Richtung Lampedusa steuerten. Jahrelang flohen die Syrer über die nahe Grenze in die benachbarte Türkei, um dort Schutz vor den Gotteskriegern zu suchen, die ihre Heimat in eine Wüstenei verwandelten.

Mindestens ebenso lang müssen auf Afghanistans schwarzen Märkten wohlorganisierte Banden von Schleppern und Schleusern unterwegs gewesen sein, um den Menschen gegen horrende Preise gefälschte Visa und gestohlene Pässe zu verkaufen. Von alldem haben die Diplomaten, die es ja auch in Kabul geben soll, und die Bundestagsabgeordneten, die auf ihren Reisen auch mal gern in Kundus vorbeischauen wollten, offenbar nichts gemerkt. Wozu haben wir solche Diplomaten, wozu solche Volksvertreter, und wozu Politiker wie Armin Laschet?

„Wir helfen den Falschen“

Wozu eine Kanzlerin, die auf handfeste Nöte mit albernen Durchhalte-Parolen reagiert? Wozu einen Innenminister, der nebenbei, aus Torheit oder Unvermögen Menschen in aller Welt dazu einlädt, zu Hundertausenden nach Deutschland zu kommen? Wozu einen Flüchtlingsamt-Präsidenten, der den Massenzustrom von jungen Männern, die sich weigern, das ihnen kostenlos gebotene Essen aus Frauenhand entgegenzunehmen, weil Frauen, wie sie sagen, unrein seien – wozu einen Präsidenten, der so etwas für einen Gewinn, ja eine Bereicherung unseres Kulturkreises hält? „Wir helfen den Falschen, den Starken und den Reichen“, hat eine kluge Frau, natürlich keine deutsche, neulich festgestellt.

Und damit wären wir im Zentrum des Skandals, bei der Perversion der Nächstenliebe, jener Eigenschaft also, auf die sich die nach Tausenden zählenden Mitarbeiter der blühenden Asyl- und Flüchtlingsindustrie so gern berufen. Wir auch. Wir wollen denen helfen, die Hilfe verdienen, tun das ja auch gewollt oder ungewollt, indem wir die gewaltigen Mittel aufbringen, die nötig sind, um das Land, so gut es eben geht, vor dem Chaos zu bewahren.

Nicht die Schutzbedürftigen, nicht die in Not geratenen Menschen sind es, die unseren Widerstand und unseren Widerwillen hervorrufen. Was uns empört, ist die viel größere Masse derer, die sich ein Recht anmaßen, das ihnen nicht zusteht – und die mindestens ebenso große Zahl der sogenannten Hilfsorganisation, die sich ihre Nächstenliebe gut bezahlen lassen und aus der Not der anderen ein blühendes Geschäft machen.

Die Wurzel des Übels

Wo alles entstellt wird, kommt die Hilfsbereitschaft, die Nächstenliebe, die Solidarität, die Caritas und wie die schönen, christlich oder sozialistisch unterfütterten Tugenden sonst noch heißen, nicht ungeschoren davon. Sie werden kommerzialisiert, entstellt und missbraucht.

Konrad Adam / Quelle: Privat

Konrad Adam / Quelle: Privat

Die betagte Rentnerin, die jahrzehntelang Miete, Steuern und Sozialabgaben entrichtet hat, wird aus der Wohnung gewiesen und auf Hartz-IV gesetzt. Und wenn sie dann bei Aldi oder Lidl sich ihr bescheidenes Mittag-Essen zusammenkauft, kann sie beobachten, wie der Asylbewerber von nebenan mit 500-Euro-Scheinen bezahlt – sofern er es nicht vorzieht, den beladenen Einkaufswagen ohne zu bezahlen an der Kasse vorbei zu schieben. Eingreifen, oder Widerspruch sind zwecklos, zumindest unzweckmäßig, weil mit dem Risiko verbunden, als Fremdenfeind, Rassist usw. öffentlich angeprangert wo nicht gar angegriffen zu werden.

Letzte Frage, da ja immer wieder dazu aufgerufen wird, das Übel an der Wurzel zu bekämpfen: Wer soll das eigentlich tun, wenn diejenigen, die das könnten, die kräftigen und gesunden jungen Männer, zum Kampf gegen das Übel nicht mehr antreten können, wahrscheinlich auch nicht wollen, weil sie ein Land entdeckt haben, in dem man ohne zu arbeiten gut leben kann?

Über Konrad Adam

Konrad Adam ist Journalist, Publizist und Politiker (AfD). Er war von 1979 bis 2007 Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sowie Chefkorrespondent und Kolumnist der Welt in Berlin. Zwischen April 2013 und Juli 2015 war er einer von drei Bundessprechern (Bundesvorsitzenden) der Alternative für Deutschland, zu deren Gründungsmitgliedern er zählt. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel