Deutschland wird totalitär

Reichsparteitag 1935 in Nuernberg / Quelle: Wikipedia, Public Domain / Overview of the mass roll call of SA, SS, and NSKK troops. Nuremberg, November 9, 1935. (National Archives Gift Collection) NARA FILE #: 200-GR-12 WAR & CONFLICT BOOK #: 983
Wir sind auf dem Weg in ein System, das auf einer Konzeption eines Europas aufbaut, die klammheimlich zu einer Großideologie wurde. Die Zukunft Deutschlands ist keine freie!

Die Überschrift zu diesem Essay ist starker Tobac und mag auf den ersten Blick übertrieben und verdreht erscheinen, gar als völlig unangemessen. Die Befürchtung, Deutschland könnte totalitär werden, ist auf die Zukunft ausgerichtet.

Deutlich einfacher ist es, retrospektiv eine abgeschlossene Entwicklung, die in eine nationale Katastrophe bereits mündete zu bewerten und zu analysieren. Ungleich schwieriger ist jeder Versuch einer Vorausschau, zumal dann, wenn man mitten in den sich entfaltenden Ereignissen sitzt, die eine kohärente Deutung verlangen. Das Allmähliche der Entwicklung und das Andauern unabgeschlossener Vorgänge erfordern das Suchen nach validen Anhaltspunkten. Anders scheint eine Gesamtschau prospektiv unmöglich.

Der von Hermann Lübbe vorgelegte politische Essay aus dem Jahre 1983[1] setzt Maßstäbe für die Beurteilung der Wirksamkeit von Großideologien! Und Lübbes hervorragender Essay dient hier als Vergleichsmaßstab für die seit einigen Jahren sich abzeichnende Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland und damit auch in Europa.

Auf dem Weg in die Unfreiheit

Ist das „politischen Projekt Europa“ eine verkappte Großideologie? Und ist insbesondere Deutschland der Protagonist der totalen Verwirklichung von romantisch verklärten, heute nicht mehr hinterfragten Ideen und Konzepten aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, die Idee der Pan-Europäer mit dem Ziel der „Vereinigten Staaten von Europa“? [2]/[3] Ist Horkheimers Konzeption der „instrumentellen Vernunft“, die er in seiner Monographie „Eclipse of Reason“ 1947[4] vorgelegt hat, auch hier bedeutsam und aktuell? Wir denken ja!

„Instrumentelle Vernunft“ prüft nur die Angemessenheit von Verfahren an Zielen – ob die Ziele selbst vernünftig und angemessen sind, ist dabei irrelevant. Das Ziel die „Vereinigten Staaten von Europa“ zu gründen, würde nach dieser Theorie nie wieder in seiner Vernunft oder Angemessenheit diskutiert – es wurde ja diskutiert. Dass das vor vielen, vielen Jahren und nur als Vision geschah, kümmert politische Visionäre auch nach Jahrzehnten nicht mehr. Jetzt schwebt jene alte Vision weiterhin als Ziel politischer Aktion über allen politischen Entscheidungen in Deutschland.

Dinge ändern sind jedoch! Wenn die vor langer Zeit abstrakt formulierten Ziele aber unverändert bleiben und nicht in Frage gestellt werden – obwohl sie womöglich auf falschen Überlegungen, auf längst überholten Gegebenheiten, auf verzerrenden und prätentiösen Narrativen[5] beruhen, dann sind wir auf dem Weg in die Unfreiheit, in ein totalitäres System, welches auf einer als alternativlos bezeichneten Konzeption eines Europas baut, welches klammheimlich zu einer Großideologie wurde – womöglich vergleichswürdig mit dem Kommunismus und dem Nationalsozialismus. Und dann sind wir nicht nur auf dem Weg in ein totalitäres System, sondern auf dem Weg in eine nationale Katastrophe größten Ausmaßes.

Doch der Reihe nach.

Merkels Rolle

Das „politische Projekt“ der Vereinigten Staaten von Europa ist nicht isoliert von dem Konzept der Globalisierung zu betrachten, wie es von amerikanischen Geopolitikern vorgedacht, in US-Think Tanks ventiliert und insbesondere deutschen Politikern eingetrichtert wurde. Die diesbezüglichen handlungsleitenden Überlegungen gerieren sich augenscheinlich als die Vorstellung einer geschichtlichen Notwendigkeit von Gesetzen, wie sich der geschichtliche Ablauf in der Zukunft angeblich vollziehen wird. Wer sagt denn, dass es so kommen muss wie vorgedacht? Kennen die Protagonisten solcher Konzepte eigentlich Sir Karl Poppers Ausführungen zum Historizismus, der das Irrende der Überzeugung, dass sich historische Prozesse nur in einer theoretisch vorgedachten Linie entfalten, entlarvt hat?

Zentral in der gegenwärtigen Geopolitik sind aus westlicher Sicht zwei miteinander verwobene Ziele: Die Etablierung der Vereinigten Staaten von Europa und die Globalisierung. Zwei Konzepte, die konstruktivistisch[6] im Sinne des „political engineering“ erdacht sind und die insbesondere von deutschen Politikern so behandelt werden, als wäre der Gang der Geschichte damit vorgezeichnet und unabänderlich.

Merkel gehört zu solchen Protagonisten; sie scheint jedoch intellektuell überfordert zu sein, die Konsequenzen ihrer Politik im Rahmen des von ihr vertretenen Paradigmas abzuschätzen. Denn Merkel ist dabei, kaltherzig und völlig skrupellos dem eigenen Volk gegenüber solche angeblich von der Globalisierung geforderten Entwicklungen zu forcieren.

Wir sagen das „eigene Volk“, also die Deutschen. Und hier kommt der Knackpunkt: Die Deutschen spielen in Merkels Kalkül keine Rolle, da sie einer solchen Entität übergeordneten postnationalistischen Konzepten bedenkenlos huldigt. Einer ihrer vernehmlich mit falschem Pathos claqueurenden Sprachrohre ist der CDU-Politiker Rüttgers, der unlängst arrogant und historisch falsch behauptete, in Europa gäbe es keine Nationalstaaten mehr.[7]

Mit Freihandel hat das nichts zu tun!

Worauf ist das Augenmerk in der gegenwärtigen Entwicklung also zu richten? Die wahren Hintergründe der Motive, ob sie der Globalisierung geschuldet sind oder in dem Bestreben, die Vereinigten Staaten von Europa zu etablieren, spielen in diesem Beitrag keine Rolle. Nur den ach so wissenden Liberalen, die die Globalisierung für den neuen Freihandel halten, ohne die geopolitischen Konzeptionen im Hintergrund zu berücksichtigen oder zumindest wahrzunehmen, sei gesagt: Ja, Freihandel ist wichtig und gut – aber ist die Globalisierung Freihandel? Oder fährt Globalisierung unter falscher Flagge, nämlich der des Freihandels? Man sollte schon genau hinschauen, was TPP und TTIP bedeuten, und warum Merkel als glühende Globalistin diese Verträge unbedingt festzurren will! Mit Freihandel hat das nichts zu tun![8]/[9]

Die Entnationalisierung Deutschlands wird mit Vehemenz vorangetrieben. Bei Merkel und den sie unterstützenden US-Think Tanks wird es wohl „politische Führung“ heißen. Merkel sollte zur Kenntnis nehmen, was Vaclav Klaus in diesem Zusammenhang zu sagen hat.[10] Für die deutsche politische Elite sind solche Einwände und kritischen Hinweise ohne Belang. Und das hat Gründe.

Deutschland wird totalitär! Welche Beobachtungen lassen uns dieses harte Urteil erwägen? Es sind unsere Beobachtungen in den deutschen Medien und die politischen Ereignisse – es sind die moralisierenden Argumente der Politiker. Moralisierende Argumente sind prototypisch für totalitäre Systeme – auch wenn sie sich offiziell liberale und offene Gesellschaften nennen. Zur Illustration reicht es, Merkels moralisierende Ausführungen in dem jüngsten Anne-Will-Interview zu ihrer Flüchtlingspolitik zu verfolgen.[11] Merkel ficht es nicht an, nationales und europäisches Recht zu brechen, wo sie es für opportun hält, um ihre – dem Publikum verborgenen – politischen Vorstellungen durchzusetzen.

Das „Endziel“ entschuldigt alles

In totalitären Systemen ist eine Figur maßgeblich, damit das Spiel funktioniert – und das ist der Mitläufer.

„Politische Projekte“ bringen auch Mitläufer hervor! Die sogenannte „Eurorettung“ und alle damit in Zusammenhang stehenden Entscheidungen illustrieren diesen Umstand treffend. Und – genau wie bei den unsäglichen Verbrechen in den offiziell als „totalitär“ etikettierten Systemen – haben wir es hier mit einer Kombination beruflicher Könnerschaft und moralischer Gleichgültigkeit zu tun. Wer sich allerdings die Bundestagsabgeordneten anschaut, dem können bezüglich der „beruflichen Könnerschaft“ durchaus leise Zweifel beschleichen, aber die moralische Gleichgültigkeit, das Ausbleiben moralischer Reflexion – das lässt sich nur mit dem Rekurs auf die „instrumentelle Vernunft“ in einen sinnstiftenden Zusammenhang bringen.

Es wird fortlaufend Recht gebrochen, und niemand scheint es zu interessieren. Warum ist das so? Der Grund ist das geförderte Mitläufertum! Gewöhnliche Mitläuferkarrieren wehren die Bedrohung des Selbstkonzepts, die Bedrohung der Selbstachtung ab; sie bewahren sich ihre moralische Identität, indem sie beginnen zu glauben, dem sie nicht wagen zu widersprechen. Dieser Opportunismus ermöglicht es Mitläufern, die eigenen Vorteile – beispielsweise eines Bundestagsmandats – zu erhalten und zu mehren.

Der moralischen Herausforderung bei „politischen Projekten“ oder einer Politik, die auf Rechtsbruch basiert (… „koste es, was es wolle“, „alternativlos“) könnte auch mit der konsequenten Weigerung und der Inkaufnahme der damit assoziierten persönlichen Kosten wie dem Ende der politischen Karriere bei Abgeordneten, Verlust des Jobs (beispielsweise bei Journalisten) und dem Verzicht auf sonstige berufliche Karrieren begegnet werden.

Aber das ist die Ausnahme! Die Basis der CDU rebelliert gegen Merkels Flüchtlingspolitik – die opportunistischen Mitläufer in der Bundestagsfraktion sagen nichts! Wenn Kauder schnauzt und Konsequenzen androht, dann bleibt es ruhig, und es wird viel schlimmer: Die Wahrung der moralischen Integrität (insbesondere bei der „Eurorettung“) erfolgt durch die Internalisierung „ideologischer Fanatismen“ (Lübbe). Das „Endziel“, die ideologisch begleitete Vision, ist ausschlaggebend und entschuldigt alles.

Die gläubigen Idealisten und die Opportunisten intensivieren ihren Glaubenseifer bei „politischen Projekten“ oder dem Huldigen der Entscheidungen ihrer Vorturnerin, indem sie konfligierende Wahrnehmungen durch geeignete kognitive Verzerrungen in ihr Gegenteil verkehren – Festingers Theorie der Kognitiven Dissonanz erklärt diesen Zusammenhang überzeugend. Er zeigt die Wirksamkeit einer gemeinsam erzeugten Persuasionsblase anhand von Sekten, die beispielsweise selbst an die bevorstehende Landung von Raumschiffen glauben und deren Nichterscheinen immer wieder mit Hilfe ausgedachter Überlegungen „erklären“ können.

Der Realitätsverlust in Gruppen kann beängstigend sein![12] Der daraus womöglich entstehende Fanatismus, das starre Festhalten an falschen Überzeugungen, ist bei „politischen Projekten“ kein guter Ratgeber.

Die gesinnungsunterstützte „Wahrheit“

In Deutschland haben wir längst eine gesinnungsgeprägt erzeugte Medienöffentlichkeit. Die Rhetorik unterstützt und trommelt für die moralisierende Selbstlegimitation – ob es um die „Eurorettung“ geht, oder um die Flüchtlingspolitik oder die Bewertung der Vorgänge in der Ukraine; es geht um die Prägung einer gesinnungsunterstützenden „Wahrheit“, die sich quasi auf ein höheres Recht als die geltenden Rechte beruft, und damit ein Gradmesser für das Fortschreiten einer gesinnungsbeeinflussten Wirklichkeitsperzeption wird. Der politische Wirklichkeitssinn verliert seine Urteilskraft an einen politischen Glauben; und Gläubige leiden nie an einem Mangel an selbstreferenzierter moralischer Integrität.

Der Fanatismus insbesondere beim „politischen Projekt“ Europa erinnert an die Großideologie des Kommunismus im Osten! Vergessen wir nicht: Der „Aufbau des Sozialismus“ war ebenfalls ein „politisches Projekt“! Besonders bemerkenswert ist die Abstumpfung und Immunisierung von quasiideologisch motivierten Großprojekten gegen jedwede Kritik, da die politischen Konstrukte völlig verkrustet sind und zunehmend moralisch gerechtfertigt werden (… „der Euro ist das Friedensprojekt, ohne den der nächste Krieg immanent ist“…). Der falsche Weg wird bis zum Ende gegangen – eine Umkehr ist undenkbar.

Die Arroganz der Politiker zeigt sich in ihrem Bewusstsein, die Beurteilung von politischen Prozessen (beispielsweise der Globalisierung, des „politischen Projekts“ der VSE) auf eine tiefere Einsicht zu gründen, zu der das „einfache Volk“ nicht in der Lage ist. Deshalb immer das ermahnende, gönnerhafte Getue beispielsweise von Gauck:

„Man muss es den Menschen erklären. – Man muss es den Leuten besser erklären!“

Und gemeint ist damit, dass der „einfache Bürger“ zu blöde ist, Zusammenhänge herzustellen und Vorgänge zu bewerten, weil ihnen eben die „innere und tiefere Einsicht“ nicht vergönnt ist. Man denke hier an die Sprechblasen bei der Politik der „Eurorettung“, der Globalisierung, der Politik zu den Flüchtlingsströmen, der Standpunkt zur Entwicklung in der Ukraine, etc.

Als Sekundanten dieser Arroganz der Politiker treten die sogenannten Qualitätsmedien, vor allem die „großen“ Tageszeitungen und die öffentlich-rechtlichen Sender auf. Diese Arroganz wird – ganz aktuell – von einem Beitrag von Sebastian Turner in der ZEIT[13] illustriert, in dem er behauptet, die „Leitmedien [seien] die Gewinner des Medienwandels“. Er beschreibt in zeitgenössischem Marketingsprech die Rolle der Leitmedien als „Gatekeeper“, die darüber entscheiden, was „in der Gesellschaft nachhaltig verankert [wird] oder in randständigen Echoräumen verhallt“.

Die Leitartikel und Leitmeinungen – man sollte hier eher den profanen Begriff der Propaganda anführen, weil er ehrlicher ist – sind also die Vehikel zur Gesinnungsprägung der Medienrezipienten. Die nicht zur Gruppe des Bollwerks der großen Qualitätsmedien gehörenden Publikate dürfen allerdings vertrauensvoll auf die Urteilskraft und die Einsicht ersterer bauen und die Inhalte in ihren lokalen Blättchen, die „Leitmedien“ paraphrasierend, veröffentlichen.

Propaganda für die Elite

Hat sich Turner eigentlich einmal mit der Funktion der nationalsozialistischen Wochenzeitschrift „Das Reich“ befasst? Es war die Gründung eines repräsentativen, informativen und anspruchsvollen Organs, das die Staatspropaganda eben nicht so platt wie die Provinzblätter darstellte, sondern sprachlich gestelzt und wohlgesetzt, damit es die „intellektuelle“ Leserschaft gern läse. „Das Reich“ war das Aushängeschild der Nationalsozialisten. Immerhin hat Goebbels wöchentlich den Leitartikel geschrieben, der mit moralisierender Gesinnung und mit „schönen“ Worten die Politik der Nazis den gebildeteren Leuten schmackhaft machte. Diese Analogie wird Turner kaum erkennen!

Die Politiker und meisten Journalisten und Redakteure sitzen somit in einem Boot: es ist deren Klassenzugehörigkeit einer selbsternannten Elite, der qua „tieferer Einsicht“ in die Fortentwicklung der Dinge der Welt und deren „politische Projekte“ eine hervorgehobene Bedeutung zukommt. Und der Widerspruch derjenigen gegen das, was die Politiker und „mitläufernden“ Journalisten als wahr erkannt haben, hat keinen Argumentcharakter, sondern zeigt nur die Nichtzugehörigkeit zum Lager dieser selbsternannten Klasse.

Erstaunlicherweise gibt es für alle im Bundestag vertretenen Parteien eine identitätsstiftende Teilmenge eines Klassenbewusstseins, die sich in der Europolitik, bei der Flüchtlingsproblematik, etc. zeigt – die außerhalb dieser Schnittmenge beobachtbaren Merkmale sind das Feigenblatt für das angebliche Funktionieren unserer „Demokratie“, das Vortäuschen von Alternativen und Wahlmöglichkeiten. Kein Wunder, dass in den Medien jenseits des Mainstreams von den „Blockparteien“ gesprochen wird.

Und für diejenigen, die die Funktion dieser Klasse kritisieren, die die moralisierende Gesinnung nicht teilen, gibt es – wie früher bei den Großideologien auch – politische Schauprozesse. Heute sind sie verlagert in die Sozialen Medien und in die Talkshows im Fernsehen – ein eingeladener „Angeklagter“ wird in eine zweckdienliche, defensive moralische Verfassung gesetzt, choreographiert vom Moderator und sekundiert von den anderen erschienenen „Diskutanten“, die selbstverständlich mehrheitlich den „wahren“ (klassen-)politischen Standpunkt energisch vertreten.

Die Bekundung des moralischen Entsetzens, die Inszenierung moralisierender Betroffenheit, die Beleidigungen, das Vorführen, das Nicht-zu-Wort-kommen-lassen, das Verdrehen von Argumenten, die moralischen „Richtigstellungen“ – auf freiheitliche Menschen wirkt das beklemmend und abstoßend. Für Mitläufer und unbedarfte Rezipienten ist eine solche Aufführung die Bestätigung für die Richtigkeit der orthodoxen Überzeugungen „ihrer“ Klasse.

Umerziehung durch den Mainstream

Je höher der Aufwand zur Selbstrechtfertigung von Rechtsbrüchen und Ungereimtheiten wird, desto größer ist die Empörung, mit der auf diejenigen reagiert wird, die mit Worten und Taten klarstellen, dass sie sich nicht blenden lassen, sondern resistent gegen das Getrommel der Mainstreammedien weiterhin das als Unrecht erkennen, was ihr Common Sense dafür hält. Illustriert hier nur mit dem Hinweis auf die AfD, die PEGIDA und andere angebliche Nazis. Interessant ist hier die Beobachtung, dass insbesondere Anhänger der Partei Die Grünen besonders aktiv sind. Warum das so ist, ist eine spannende Frage und hängt womöglich mit der Re-Education der Deutschen im Gefolge der amerikanischen Besatzungspolitik ab 1945 zusammen.[14]

Durch die Medien wird hinterrücks ein Informationsmonopol errichtet, das die Deutung der Geschehnisse und politischen Ereignisse begleitet. Und besonders verwerflich und gefährlich ist die beobachtbare Liquidation institutioneller Gewaltenteilung (oder eben die freiwillige Konvergenz der Organe durch geteiltes Klassenbewusstsein in Bezug auf „politische Projekte“),sowie die politische Kontrolle – heute (noch) nicht mittels einer Geheimpolizei, sondern der Totalüberwachung der Bürger seitens NSA und BND, etc.

Das „Toleranzgesetz“ der EU und eine Art von „Gesinnungs-TÜV[15] sprechen Bände. Mit dem Ausmaß der Entfernung der Politiker und deren Mitläufern von der Weltkenntnis und Moral der freien Bürger wächst also ersterer Selbstrechtfertigungsbedarf. Früher gab es Umschulungslager; heute vollzieht sich die Umerziehung (noch) nicht in Lagern, sondern im Dauerfeuer der Mainstreammedien. Wenn das nicht reicht, könnten Lager wohl bald kommen.

Das Totalitäre Merkels zeigt sich ganz aktuell in der Flüchtlingsfrage! Sie geht dermaßen radikal und innerlich beseelt vor, völlig resistent gegenüber jeder Einflussnahme triftiger Argumente, dass wir uns fragen, ob das wieder das „deutsche Wesen“ ist, was die Anglo-Amerikaner den Deutschen austreiben wollten. Die Mitläufer Merkels, und insbesondere die grünen Claqueure, sind in ihren Ansichten dermaßen radikal, dass Donald Tusk augenscheinlich angst und bange wird, und er meint wohl hier korrigierend für die EU eingreifen zu müssen.[16] Diese Radikalität deutscher Politiker ist unerwünscht, egal, welche Motive hier womöglich verfolgt werden.[17]

Man stelle sich vor, Merkel litte an einer Borderline-Psychose. Ihr „entschlossener Protestantismus“10 sei einem religiösen Wahn geschuldet, der ihre Handlungen und Entscheidungen im Zusammenhang der Migranteninvasion begleitet. Ihre Quasi-Einladung an die Flüchtlinge, die selbstverständlich alle willkommen seien, ein überdrehter und ins Gegenteil gewendeter Akt der Nächstenliebe. Die Vorstellung also, dass Merkel zeitweise den Kontakt zur Realität verlöre und „innere Stimmen“ ihre Handlungen und Entscheidungen erzwängen. Wann würden die Mitläufer den Zusammenhang erkennen und handeln? Allein dieses Gedankenexperiment desavouiert insbesondere die CDU-Fraktionsmitglieder, von denen kein einziges den Mut hat, Merkel zu widersprechen! – Wir gehen im Übrigen (noch) nicht von einer Psychose aus. Allerdings können wir uns durchaus bei Merkel einflussnehmende Stimmen vorstellen; die kommen jedoch eher durchs Telefon aus Washington.

Wenn das Vaterland als gestrig erscheint

In Anbetracht der unheilvollen Entwicklung der aktuell forcierten „politischen Projekte“, deren moralische Überhöhung jedwede Korrektur- oder auch eine erforderliche Abbruchmöglichkeit verhindert, fragen wir uns, wo der von ideologischer Indoktrination frei gebliebene politische Widerstand freier Bürger bleibt? Vor allem von denjenigen, die die eingeschlagene politische Entwicklung mit den Begleiterscheinungen der Verschmelzung der Gewalten anstelle einer erforderlichen Gewaltenteilung als Indikatoren für das Abgleiten in eine fürchterliche Katastrophe des eigenen Vaterlands erkennen? Schon der Begriff „Vaterland“ mag vielen abstrus und gewöhnungsbedürftig erscheinen – vor allem denjenigen, die den Begriff der Nation ablehnen und negativ konnotieren, weil ein solches Konzept dem moralisch überhöhten „politischen Projekt“ der „Vereinigten Staaten von Europa“ als minderwertig, störend und gestrig erscheint. Da sollten die deutschen Politiker aber dringend einmal die Franzosen, die Italiener, die Polen, die Spanier, etc. befragen, was sie vom Begriff „Nation“ halten – es zeigt das falsche, die deutschen Politiker charakterisierende Klassenbewusstsein „richtiger“, „wahrer“ und „guter“ Europäer, die lieber Deutschland zerstören, als ihren Irrtum zu begreifen. Selbst die Globalisierer der US-Elite verzichten nicht auf die Selbstkennzeichnung der USA als „exceptional nation“.

Es ist nicht entscheidend, welchen Politikbereich man genauer anschaut: Die Zukunft Deutschlands ist keine freie! Die nicht indoktrinierten freien Bürger sind aufgerufen, intensiv nachzudenken. Unsere Freiheit steht auf dem Spiel, und sie ist auch unser Einsatz!

 

Anmerkungen

[1] Lübbe, Hermann (1983): Politischer Moralismus. Der Triumpf der Gesinnung über die Urteilskraft, Berlin: Siedler.

[2] Vergl. hierzu: Coudenhove-Kalergi, Richard Nicolaus (1922), Adel, Leipzig: Verlag der Neue Geist.

[3] Siehe dazu auch: http://www.geolitico.de/2014/03/26/europa-ist-ein-machtprojekt/

[4] http://www.social-sciences-and-humanities.com/PDF/eclipseofreason.pdf

Oder: Horkheimer, Max (1967): Zur Kritik der instrumentellen Vernunft, Frankfurt: Fischer.

[5] http://www.geolitico.de/2015/08/26/wie-politiker-uns-maerchen-erzaehlen/

[6] Demnächst auf GEOLITICO ein Artikel zum Konstruktivismus von Morgenstern & Ohrendolch

[7] http://www.focus.de/politik/experten/ruettgers/gastbeitrag-von-juergen-ruettgers-warum-reden-wir-immer-noch-ueber-nationalstaaten-die-gibt-es-in-europa-nicht-mehr_id_4970987.html

[8] http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/10/07/oekonom-stiglitz-usa-wollen-mit-ttip-die-weltwirtschaft-steuern/

[9] http://www.zerohedge.com/news/2015-10-07/no-more-free-trade-treaties-its-time-genuine-free-trade

[10] http://www.deutscherarbeitgeberverband.de/aktuelles/2015_10_05_dav_aktuelles_interview-vaclav-klaus.html

[11] http://www.welt.de/politik/deutschland/article147354708/Nicht-in-unserer-Macht-wie-viele-nach-Deutschland-kommen.html

[12] Popitz, Heinrich (2006): Soziale Normen. Frankfurt: Suhrkamp. S. 175ff.

[13] http://www.turner.de/images/pdf/ZEIT_2015_40_00011.pdf

[14] Dazu demnächst auf GEOLITICO ein Beitrag von Morgenstern & Ohrendolch

[15] http://www.geolitico.de/2015/10/04/jetzt-kommt-der-gesinnungs-tuev/

[16] http://www.welt.de/politik/ausland/article146767288/Tusk-warnt-vor-Millionen-Fluechtlingen-in-Europa.html

[17] http://www.geolitico.de/2015/09/22/ein-verstoerendes-gewalt-szenario/