Rassisten und Manipulateure
Rassisten und Manipulateure

Rassisten und Manipulateure

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Rassismus wird heute inflationär als Kampfbegriff verwendet. Dabei wird das manipulierbare Denken der von den Medien eingelullten Bevölkerung gezielt ausgenutzt.

Neben vielen anderen Begriffen wird auch „Rassismus“ heute inflationär als Kampfbegriff verwendet, um andere Menschen öffentlich zu diskreditieren. Der Vorwurf kann in der Sache zutreffen, vielfach tut er es nicht. Der Begriff wird unscharf und mit willkürlichen Bedeutungen gebraucht. Es ist daher angezeigt, ihn genau zu untersuchen.

Zunächst ist vorweg eine erkenntnistheoretische Unterscheidung zu treffen, die zur Klärung des konkreten Begriffs „Rassismus“ benötigt wird. Wir müssen grundsätzlich zwei Arten von Begriffen unterscheiden: Erkenntnis-Begriffe und handlungsleitende Begriffe. Erkenntnis-Begriffe setzen eine wahrnehmbare Realität voraus, die mit der Erkenntnis durchdrungen und auf den Begriff gebracht werden soll. Hier handelt es sich um die wissenschaftliche Erforschung dessen, was ist bzw. war, um die Erkenntnis der Wirklichkeit. Die wahrnehmbare Realität ist zuerst da, dann werden die dazugehörigen Begriffe gewonnen.

Handlungsleitende Begriffe dagegen sind bei ihrer Bildung nicht Begriffe einer bestehenden Realität, sondern die ihnen entsprechende Realität soll durch sie erst geschaffen, bzw. verändert werden. Hier ist der Begriff zuerst da und dann die ihm entsprechende wahrnehmbare Erscheinung.

Ein schillernder Begriff

Die ärztliche Diagnose einer Krankheit z. B. besteht aus Erkenntnis-Begriffen. Diese beziehen sich auf eine bestehende Wirklichkeit. Sie sind moralisch nicht bewertbar, sondern wahr oder falsch. Das ärztliche oder vom Patienten selbst entwickelte Therapiekonzept setzt sich aus Handlungsbegriffen für eine angestrebte gesundheitliche Wirklichkeit zusammen. Diese unterliegen der moralischen Beurteilung: dilettantisch, schlecht, gut, unzureichend, usw.

Ein Erkenntnis-Begriff, der sich auf das Gewordene bezieht, kann nicht zugleich ein handlungsleitender Begriff sein. Dem Erkenntnis-Begriff ist nicht eingeschrieben, wie nun zu handeln ist. Er kann nur der Anlass sein, in freier Weise unter Berücksichtigung dieser Erkenntnis, aber auch noch vieler anderer, einen Handlungsbegriff zu bilden. Ein Automatismus würde jede Freiheit des Menschen ausschließen. Im obigen Beispiel folgen aus der Feststellung einer Erkrankung nicht zwingend ganz bestimmte therapeutische Handlungsbegriffe. Da bietet sich eine Vielfalt therapeutischer Ansätze an.

„Rassismus“ ist ebenfalls ein handlungsleitender Begriff. Er bezeichnet moralisch abwertend eine negative Einstellung, Verhaltens- und Handlungsweise eines Menschen anderen Menschen gegenüber, die einer anderen Rasse angehören. Zur Rechtfertigung zieht dieser ihm geeignet erscheinende tatsächliche oder scheinbare Erkenntnis-Begriffe über Menschenrassen – oder wie man unterschiedliche Leibesformen von Menschengruppen auch immer bezeichnen will – heran und gibt vor, seine rassistische Haltung lasse sich davon zwingend ableiten.

Dass der Übergang vom Erkenntnis-Begriff zum handlungsleitenden Begriff nicht zwingend ist, übersehen auch die meisten Kritiker und Erforscher des „Rassismus“. Daher erhält der Begriff des Rassismus, von dem eine Fülle verschiedenster Definitionen kursiert, etwas Schillerndes, da handlungsleitende Begriffe und Erkenntnis-Begriffe in ihrer grundsätzlichen Verschiedenheit nicht durchschaut, beide miteinander vermischt werden und zumeist die Mischung unzulässigerweise als „Rassismus“ bezeichnet wird.

So hieß es vor einigen Jahren auf der sich ständig verändernden freien Online-Enzyklopädie „Wikipedia“:

„(1)Rassismus teilt die Menschheit in Gruppen oder Rassen ein, die als homogen betrachtet werden und unterstellt diesen eine kollektive Identität sowie unveränderliche Merkmale und Charakterzüge. (2) Anhand dieser Einteilung bewertet der Rassismus die Menschen, hierarchisiert sie oder stellt sie als miteinander unvereinbar und konkurrierend dar. (3) Die Menschen werden nicht oder nur nachrangig als Individuen beurteilt und behandelt, sondern als Stellvertreter pseudoverwandtschaftlicher Gruppen. (4) Dabei werden die der jeweiligen Gruppe zugeschriebenen kollektiven Eigenschaften, so genannte Stereotype, auf sie projiziert. (5) Rassistische Theorien und Argumentationsmuster dienen der Rechtfertigung von Diskriminierung und Feindseligkeiten, der Kanalisierung negativer Emotionen und fördern das Überlegenheitsgefühl von Mitgliedern einer Gruppe.“

Nicht die Ideologie selbst ist rassistisch

Satz (1) bringt schon die absurde Definition, dass bestimmte Erkenntnis-Begriffe über Menschenrassen, deren Wahrheit indirekt bestritten wird, „Rassismus“ seien. Erkenntnisse sind wahr oder falsch, und die Auseinandersetzung darüber muss auf der wissenschaftlichen Ebene stattfinden. Niemals darf von einem außerhalb der freien Wissenschaft stehenden Richterstuhl die Wahrheitsfrage entschieden werden, um damit genehme Richtungen zu dogmatisieren und missliebige zu disqualifizieren und auszuschalten.

In  den Sätzen (2) – (4) ist von Bewertungen, Beurteilungen und Behandlungen die Rede, die auf der Grundlage der Erkenntnis-Begriffe vorgenommen werden. Dies ist erst der entscheidende Punkt, wo vom Erkenntnis-Begriff zum eigentlichen moralischen oder handlungsleitenden Begriff des Rassismus übergegangen wird.

In Satz (5) werden wieder Theorien, also Erkenntnis-Begriffe, „rassistisch“ genannt, da sie der Rechtfertigung rassistischen Handelns dienen. Wieder liegt dem die unausgesprochene absurde Voraussetzung zugrunde, dass bestimmte Erkenntnis-Begriffe zwingend zu einem bestimmten handlungsleitenden Begriff, hier zu dem des Rassismus führten.

Natürlich gibt es auch Theorien und Lehren über Menschenrassen, die im Kleide scheinbarer wissenschaftlicher Erkenntnis-Begriffe daherkommen, in Wahrheit aber aus rassistischem Interesse eine teilweise verfälschende Sichtweise bieten oder ganz aus solchen Intentionen zusammengebastelt sind und die man deshalb als Ideologien bezeichnen kann. Aber auch Ideologien bestehen  aus – wenn auch fiktiven – Erkenntnis-Begriffen, die sich formal auf die bestehende Wirklichkeit und nicht auf eine zu realisierende Handlung beziehen. Sie müssen daher auf der wissenschaftlichen Ebene entlarvt werden.

Rassistisch ist nicht die Ideologie selbst, sondern die Handlung, pseudowissenschaftliche Erkenntnisse zu konstruieren, die der schon bestehenden rassistischen Verhaltensweise den Anschein geben, durch wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt zu sein.

Auch der „Brockhaus“ vermischt beide Begriffsarten. Er definiert Rassismus als

„(1)Gesamtheit der Theorien und politischen Lehren, die versuchen, kulturelle Fähigkeiten und Entwicklungslinien der menschlichen Geschichte nicht auf politische und soziale, sondern auf biologisch-anthropologische Ursachen zurückzuführen; (2) im engeren Sinn alle Lehren, die aus solchen Zusammenhängen eine Über- beziehungsweise Unterlegenheit einer menschlichen „Rasse“ gegenüber einer anderen behaupten, um Herrschaftsverhältnisse zu rechtfertigen und/oder Menschen für objektiv andere (z.B. politische oder wirtschaftliche) Interessen zu mobilisieren.“

Tatsächliche oder fiktive Unterschiede

In Satz (1) werden wieder bestimmte Erkenntnis-Begriffe unausgesprochen als falsch vorausgesetzt und unzulässigerweise als Rassismus bezeichnet. Ob sie richtig oder falsch sind, bedarf der wissenschaftlichen Auseinandersetzung. Erst Satz (2) kommt  auf  den Übergang von den Erkenntnis-Begriffen zur Haltung einer Überlegenheit und Höherwertigkeit der Menschen einer Rasse über die einer anderen, also zu moralischen Begriffen, die zur Unterordnung und Herrschaft führen, worauf  erst der Begriff Rassismus anwendbar ist.

Aus den gängigen Rassismus-Definitionen tritt wohltuend die des Soziologen Albert Memmi hervor, der von vorneherein auf die zielgerichtete Wertung, Einstellung und Handlung, also auf den moralischen oder Handlungsbegriff abhebt. Das bloße Aufzeigen einer Verschiedenheit zwischen Menschengruppen, also der Hinweis mit Erkenntnis-Begriffen auf eine bestehende Wirklichkeit, stellt, so Memmi, für sich allein genommen noch keinen Rassismus dar.

„Der Rassismus liegt nicht in der Feststellung eines Unterschieds, sondern in dessen Verwendung gegen einen anderen. …Der Rassismus ist die Wertung (…) Der Rassismus beginnt erst mit der Interpretation der Unterschiede. …Erst im Kontext des Rassismus nimmt diese Betonung des Unterschieds eine besondere Bedeutung an (…)“ (Albert Memmi; Rassismus, Hamburg 1992, S. 214, 37, 166)

Memmi unterscheidet klar zwischen feststellenden Erkenntnis-Begriffen, gleichgültig ob wahr oder fiktiv, die als Wirklichkeits-Beschreibungen nicht rassistisch sein können, und moralischen oder Handlungs-Begriffen. So kommt er zu seiner zusammenfassenden Definition:

„Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden des Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen.“

Methode des Denkverbots

Ein Beispiel, wie die Rassismus-Keule auch gezielt gegen Wissenschaftler geschwungen wird, um politisch ein Denk- und Forschungsverbot durchzusetzen, ist der Vorgang um den amerikanischen Nobelpreisträger James Watson im Jahr 2007. Er hatte sich Anfang Oktober bei der Vorstellung eines neuen Buches die Aussage erlaubt: Was die Intelligenz verschiedener Ethnien angehe, sollten „wir nicht von vornherein annehmen, dass wir alle gleich sind“.

In einem Interview mit der englischen „Sunday Times“ einige Tage später sagte er: Er sehe die Zukunft Afrikas äußerst pessimistisch, denn „all unsere Sozialpolitik basiert auf der Annahme, dass ihre Intelligenz dieselbe ist wie unsere – obwohl alle Tests sagen, dass dies nicht wirklich so ist“.

Eine Flut empörter Rassismus-Vorwürfe prasselte über die Medien auf ihn herein, die dazu führte, dass er von seinen Ämtern suspendiert wurde. Er hatte nur von Erkenntnis-Ergebnissen gesprochen, die auf wissenschaftlichen Untersuchungen beruhen. Man setzte sich nicht auf der wissenschaftlichen  Ebene mit ihnen auseinander, um sie gegebenenfalls zu widerlegen, sondern belegte sie sofort mit dem moralischen Begriff des Rassismus.

Diese Angriffe haben Methode, die bei den entscheidenden Machern der „öffentlichen Meinung“ im Hintergrund ganz sicher nicht aus einem unklaren Denken kommt, das Erkenntnis-Begriffe von handlungsleitenden nicht unterscheiden könnte. Das manipulierbare Denken der am Informationstropf der Medien hängenden schlafenden Bevölkerung wird ausgenutzt, um unerwünschte wissenschaftliche Forschungen diffamieren und ausschalten zu können.

Über Herbert Ludwig

Herbert Ludwig war viele Jahre Lehrer an einer Freien Waldorfschule. Er befasst sich schwerpunktmäßig mit den inneren und äußeren Bedingungen der Entwicklung des Menschen zur Freiheit und mit den Hintergründen der „europäischen Integrationsbewegung“, woraus seine Schrift „EU oder Europa?“ und Artikel auf seiner Webseite hervorgegangen sind Kontakt: Webseite | Weitere Artikel