Was Afrikaner nach Europa treibt
Was Afrikaner nach Europa treibt

Was Afrikaner nach Europa treibt

Fluechtlinge © GEOLITICO Fluechtlinge © GEOLITICO
Wir glauben die Motive derer zu kennen, die sich zu Hunderttausenden auf den Weg machen, um irgendwo auf der Welt etwas zu finden, was es zu Hause nicht gibt? Aber kennen wir sie tatsächlich?

Die Afrikaner, die sich in Calais und anderswo Zugang zu einem Land verschaffen wollen, das sie ganz offenbar nicht haben will, treffen bei einer großen deutschen Zeitung auf Verständnis, ja auf Sympathie. Die jungen Leute, heißt es dort, „wollen ihr Leben nicht in der Hoffnung zubringen, dass sich die Umstände in ihren Ländern allmählich verbessern. Sie wollen weg und nehmen auf der Suche nach einem besseren Leben Gefahren und Entbehrungen in Kauf“[1].

Vielleicht. Vielleicht denkt der eine oder andere von ihnen tatsächlich so, wer will das wissen? Wer kann schon allgemeinverbindlich über die Motive von Menschen urteilen, die sich zu Hunderttausenden auf den Weg gemacht haben, um irgendwo auf der Welt etwas zu finden, was es zu Hause nicht gibt? (vergl. GEOLITICO, „Flucht ins Schlaraffenland“)

Die andere Version

Der Vollständigkeit halber hier eine andere Version, auch diesmal ohne Anspruch auf Verbindlichkeit. Sie lautet etwa so: „Die jungen Afrikaner haben keine Lust, selbst dazu beizutragen, dass sich die Zustände in ihrer Heimat irgendwann einmal verbessern. Sie ziehen es vor, ihre Ersparnisse einem Schlepper in die Hand zu drücken, der verspricht, sie auf abenteuerlichen, aber durchweg illegalen Wegen dorthin zu bringen, wo man auch ohne Arbeit gut leben kann, besser zumindest als zu Hause. Dabei nehmen sie Gefahren und Entbehrungen nicht nur selbst in Kauf, sie muten sie auch anderen zu, indem sie Straßen blockieren, Passanten bedrohen, Behörden erpressen und das ihnen gewährte Gastrecht systematisch missbrauchen“.

Das ist, wie gesagt, eine Zweitversion. Wahrscheinlich gibt es noch weitere, dritte, vierte und fünfte Versionen. Nur sollte niemand so tun, als wüsste er genau und rechtsverbindlich, was junge Afrikaner nach Europa treibt.

Anmerkung

[1] Klaus-Dieter Frankenberger, „Im Tunnel“, FAZ.net vom 30. Juli 2015

Über Konrad Adam

Konrad Adam ist Journalist, Publizist und Politiker (AfD). Er war von 1979 bis 2007 Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sowie Chefkorrespondent und Kolumnist der Welt in Berlin. Zwischen April 2013 und Juli 2015 war er einer von drei Bundessprechern (Bundesvorsitzenden) der Alternative für Deutschland, zu deren Gründungsmitgliedern er zählt. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel