Varoufakis und die halbe Wahrheit
Varoufakis und die halbe Wahrheit

Varoufakis und die halbe Wahrheit

Der griechische Finanzminister Varoufakis sagt, das Geld der Deutschen sei futsch. Stimmt. Aber er verschweigt, wieviel Hilfsmilliarden Hellas verjubelt hat, schreiben schreiben Dagmar Metzger und Steffen Schäfer von der „Liberalen Vereinigung“.

Yanis Varoufakis hat absolut recht: Das Geld der deutschen Steuerzahler ist verloren. Daraus allerdings abzuleiten, dass nun noch einmal Geld Richtung Griechenland zu senden ist, ist – freundlich formuliert – hanebüchen. Varoufakis hatte in einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ erklärt, dass die Hilfszahlungen zum einen nicht Griechenland, sondern Banken und weiteren Finanzinstituten zugute kamen und zum anderen verloren seien.

Zeitgleich warnte der griechische Premierminister, Alexis Tsipras, in der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ davor, dass ein Austritt Griechenlands vermutlich auch einen Austritt Spaniens und Italiens aus der Eurozone zur Folge hätte und die Währungsgemeinschaft dann zerfallen würde.

Euro geordnet abwickeln!

Beide analysieren die Situation weitestgehend richtig, ziehen aber die falschen Schlussfolgerungen. Weiter Geld zu schicken, wird in Griechenland nichts zum Besseren wenden. Innerhalb der Währungsunion ist das Land dauerhaft auf Transferzahlungen der anderen Mitgliedsstaaten angewiesen. Dies gilt in ähnlicher Weise für Spanien, Italien und die übrigen Pleitestaaten der Eurosüdschiene.

Wenn Tsipras nun mit den Folgen eines möglichen Grexit droht, ist dies aus seiner Position heraus verständlich, aber nichts, wovor man sich fürchten muss. Denn die Eurozone wird früher oder später zerfallen. Wir müssen uns daran machen, die Gemeinschaftswährung geordnet abzuwickeln. Nur so können die Schäden und Kosten, die den Bürgern aus diesem verantwortungslosen Experiment erwachsen, zumindest begrenzt werden. Je früher dies geschieht, desto besser ist es für die Menschen innerhalb der EU.

In einem allerdings sagt Varoufakis die Unwahrheit. Griechenland hat das Geld, um welches es nun geht, nämlich sehr wohl erhalten. Allerdings nicht als Rettungsgelder, sondern ganz zu Beginn in Form eben jener Bankkredite, die im Zuge der Krise schließlich in den Büchern der Retter landeten.

Es mangelt an Einsicht

Anstatt diese Kredite jedoch zum Aufbau eines funktionierenden Staates zu verwenden, hat Hellas sie schlicht verjubelt. Dass Varoufakis diesen entscheidenden Punkt unterschlägt, lässt nichts Gutes ahnen. Auch der jetzigen griechischen Regierung mangelt es ganz offensichtlich an der Einsicht, weshalb das Land in die Krise fiel.

Nach wie vor suchen die Griechen die Schuld bei jemand anderem, entsprechend erwarten sie auch, dass jemand anderes am Ende die Rechnung zahlt. Unter diesen Vorrausetzungen wird es niemals zu echten, nachhaltigen Reformen in Griechenland kommen. Wenn dies denn der Wunsch des griechischen Volkes ist, ist dagegen freilich schwerlich etwas einzuwenden. Allerdings sollten wir es tunlichst vermeiden, weiterhin für die griechische Lebensart zu zahlen.