Realwirtschaft droht zu kippen
Realwirtschaft droht zu kippen

Realwirtschaft droht zu kippen

Wichtige Wachstumsindikatoren sind im roten Bereich. Sie weisen auf bedrohliche  wirtschaftliche Ungleichgewichte und eine unvermeidliche Anpassungskrise hin.

An den Finanzmärkten zeichnen sich gesunde Trends durch Uniformität aus. Bezogen auf die Aktienmärkte heißt das, dass nicht nur fast alle Sektoren an einer verlässlichen und tragfähigen Trendbewegung teilnehmen müssen, sondern auch eine Fülle verschiedener Indikatoren die dazu passenden Signale liefern muss. Kommt es hingegen zu auffälligen Divergenzen, das heißt zu gegenläufigen Entwicklungen von Indikatoren und Aktienindizes, dann steht gewöhnlich eine Trendwende bevor.

Die altehrwürdige Dow Theorie, die vor über 100 Jahren entwickelt wurde, basiert auf dieser wichtigen Beobachtung. Sie wurde Anfang des vorigen Jahrhunderts von Charles H. Dow im von ihm gegründeten Wall Street Journal im Rahmen seiner regelmäßigen Editorials schrittweise publiziert. Seither hat sie sich immer wieder bewährt und Anleger vor großen Kursverlusten bewahrt.

Seit sechs Monaten im Abwärtstrend

Konkret verfolgt die Dow Theorie den Kursverlauf des Dow Jones Industrial Average und des Dow Jones Transportation Average. Dahinter steht folgende Überlegung, die ökonomisch sinnvoll und nachvollziehbar ist: Solange die Konjunktur freundlich ist, werden sich sowohl die Industrie als auch das Transportwesen ungefähr im Gleichschritt entwickeln. Denn Güter, die produziert werden, müssen zum Verkauf auch transportiert werden. Laufen die beiden Sektoren bzw. die sie repräsentierenden Aktienindizes aber auseinander, dann geben sie damit das Signal, dass die Konjunktur in schweres Fahrwasser gerät, was gleichzeitig ein Warnsignal für die Börsen darstellt.

Auf dem folgenden Chart sehen Sie, dass sich der Dow Jones Industrial Average und der Dow Jones Transportation Average bereits seit einem halben Jahr nicht mehr im Gleichschritt bewegen. Während Ersterer sich seither noch in einem flachen Aufwärtstrend befindet und mehrere neue Hochs erreicht hat, geht es bei Letzterem bereits bergab. Von seinem Ende November 2014 erreichten Hoch ist der Transportation Average immerhin schon 8,5% gefallen.

Drohender Aktien-Crash

Die Dauer und das Ausmaß dieser negativen Divergenz sind sehr ausgeprägt. Außerdem zeigt der Transportindex eine potenzielle Topformation, deren Untergrenze bei 8.500 Punkten verläuft. Am Mittwoch, den 20. Mai 2015 hat er sogar unter dieser charttechnisch wichtigen Marke geschlossen und damit ein klares Verkaufssignal gegeben.

Damit reiht sich die Dow Theorie nahtlos in eine bereits sehr lange Reihe von Warnzeichen und Verkaufssignalen ein. Dass es an den Aktienmärkten bisher trotzdem noch nicht zu einem Crash gekommen ist, sollten Sie nicht als Entwarnung missverstehen. Im Gegenteil: Je länger die spekulativen Übertreibungen anhalten und je größer die realwirtschaftlichen Ungleichgewichte werden, desto heftiger fällt die unvermeidliche Anpassungskrise aus. Das war schon immer so und wird auch dieses Mal nicht anders sein.

Über Claus Vogt

Claus Vogt ist Gründer der Vermögensverwaltung Aequitas Capital Partners GmbH, einer auf vermögende Privatanleger und institutionelle Investoren spezialisierten Vermögensverwaltung. 2004 schrieb er zusammen mit Roland Leuschel das Buch "Das Greenspan Dossier". Gemeinsam schreiben sie nun den Börsenbrief „Krisensicher Investieren“. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel