Gewalt-Drohungen gegen Festerling

Heute tritt die Dresdner Oberbürgermeisterkandidatin Tatjana Festerling mit Geerd Wilders bei Pegida auf. Linke bedrohen sie. Der Staatsschutz ist eingeschaltet.

In den Niederlanden kämpft Geert Wilders gegen den Abstieg. Seine islamkritische Freiheitspartei (Partij voor de Vrijheid) verlor vier Wahlen in Folge. Die Staatsanwaltschaft bereitet einen neuen Prozess gegen ihn vor. In Dresden soll er heute Abend Pediga zum Wiederaufstieg verhelfen.

Seit der Führungskrise und der Pegida-Spaltung Ende Januar gingen die Teilnehmerzahlen bei den montäglichen „Abendspaziergängen“ in Dresden zunächst deutlich zurück. Erst beim letzten Mal kamen wieder rund 7000. „Wir sind sehr glücklich, dass Geert Wilders uns die Ehre erweist, und rechnen für diesen Abend mit 30.000 Teilnehmern“, sagt Pediga-Chef Lutz Bachmann.

„Keiner kann uns stoppen“

Wilders teilte mit, er freue sich, in Dresden sprechen zu dürfen. Er möchte „all diese Menschen unterstützen, die sich bewegen gegen die wachsende Islamisierung Europas und sich einsetzen für die Erhaltung der Werte unserer westlichen Kultur und Identität“.

Schon im Januar hatte er eine Grußadresse an Pegida geschickt und den Verein wissen lassen, dass er ihn „von Herzen“ unterstütze. Pediga und seine Partei teilten gemeinsame Ziele: „Ein freies Volk, ein freies Land, eine zivilisierte Gesellschaft und keine Islamisierung.“ Und er fügte hinzu: „Keiner kann uns stoppen.“

Das zumindest erhofft sich auch Tatjana Festerling, die der AfD den Rücken kehrte, Mitglied bei Pegida wurde und nun als unabhängige Einzelkandidatin zur Oberbürgermeisterwahl in Dresden antritt.[1] Auf die Frage, was sie mit Wilders verbindet, antwortet sie GEOLITICO: „Ich frage mich wie Geert Wilders, warum die säkularen moderaten Muslime nicht genau wie wir für die Freiheit auf die Straße gehen.“

Schärfer formuliert nur Wilders

Während Wilders in den Niederlanden um seine Reputation kämpft, verändert Festerling das politische Wirken von Pegida. Anders als Bachmann und seine Mitstreiter, die zwischen den „Spaziergängen“ eher unbeholfen ihre Statements abgeben, hält sie politische Reden. Sie agitiert ihre Zuhörer, indem sie ganz bewusst Emotionen schürt und, wie sie sagt, „scharf Klartext“ spricht.

„Wir wollen keine linksextreme gewalttätige Minderheit, die er Mehrheitsgesellschaft vorschreibt, wie sie zu denken, zu handeln und was sie zu zahlen hat“, rief sie bei einer Pegida-Veranstaltung am 30. März und fuhr fort: „Wir wollen hier auch keine dauerbeleidigten, dauerfordernden unverschämten Minderheiten aus islamischen Ländern, die uns mit ihrem Koran und ihren Sonderrechten auf die Nerven gehen.“

Schärfer formuliert derzeit nur Wilders, der vor einem Jahr seinen Anhängern in einer Kneipe in Den Haag die rhetorische Frage stellte: „Wollt Ihr mehr oder weniger Marokkaner in den Niederlanden?“ Prompt riefen diese: „Weniger, weniger“, worauf Wilders kühl versicherte: „Dann werden wir das regeln.“ Tausende Niederländer erstatteten daraufhin Strafanzeige gegen ihn wegen Aufhetzung und Rassismus.

Hass gegen Festerling

Tatjana Festerling muss nicht den Staatsanwalt, mittlerweile aber wohl Drohungen fürchten. Seit sie für Pegida auf die Bühne geht, gibt es Anschlagswarnungen gegen sie. Der Staatsschutz sei eingeschaltet und rate, die Drohungen, die vermutlich aus der linksextremistischen Szene kämen, ernst zu nehmen, sagt sie. Aus den Internetforen schlage ihr „fanatischer Hass“ entgegen.[2]

Der Grund für diese Drohungen sind Sätze wie diese: „Wir wollen hier keine Massen von muslimischen Männern, die das Bundesamt für Migration derzeit ins Land flutet und gezielt intakte Gemeinden in Sachsen destabilisiert“, sagt sie als Pegida-Rednerin und fragt: „Wer sind überhaupt diese Männer, die ihre Frauen und Kinder im Stich lassen und mit ihren Helfern aus der Migrationsindustrie jede Menge Forderungen stellen? Wurde überhaupt mal diskutiert, ob sie der Gesellschaft hier irgendetwas zurückgeben oder sich irgendwie nützlich machen können?“

Pegida als Widerstandsbewegung

Sie selbst sieht sich nicht als Politikerin, sondern als Bürgerin in einer „Widerstandsbewegung gegenüber einer nicht zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen unterscheidenden Parteien- und Meinungsherrschaft“. Festerling: „Wir können unmöglich auf unsere Gesundheitskarten sieben Milliarden Menschen einladen.“ Ein grundsätzliches Problem mit Ausländern habe sie aber nicht. Immerhin sei sie vor vielen Jahren in den von vielen Ausländern bewohnten Hamburger Stadtteil Sternschanze gezogen. „Ich mochte die Schanze als multikulturelles Viertel, es war bunt im besten Sinne“, sagt sie.

Allerdings habe sich das Viertel in den vergangenen Jahren verändert. „Diese Aggressionsbereitschaft, mit der ausländische Männer uns Frauen begegnen, dieses narzisstische Macho-Verhalten, das hat es früher auf der Straße nicht gegeben“, sagt Festerling. Auch in den ausländischen Familien nimmt sie einen Wandel wahr. Sie warte praktische jeden Tag auf die Vollverschleierung der Mädchen aus der türkischen Großfamilie nebenan.

Und von dem einstigen Flair des Viertels sei kaum etwas übrig gebelieben. „Das Straßenbild ist einfach nur versifft“, sagt sie und verweist auf den Berliner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky, der über Neukölln nichts anderes gesagt habe.

„Wie in Pakistan“

Als sie das Thema auf einer der vergangen Pegida-Demos aufnahm, klang das so: „Wir wollen keine Kopftücher in Schulen, ja, wir wollen nicht mal die nervige Diskussion darüber. (…) In vielen Stadtteilen sieht es auch wie in Pakistan.“

Dann wetterte sie wegen des in Baden-Württemberg geplanten Sexualkundeunterrichts an Grundschulen gegen den „Terror der schwul-lesbisch queren intersexuellen Minderheit, die unsere Kinder mit ihrem überzogenen Sexualscheiß schon in der Grundschule traumatisiert“, und schloss ihre Rede mit den Worten: „Aus dem schüchternen, immer etwas unsicheren Deutschen wird jetzt ein selbstbewusster, ein patriotischer und fordernder Bürger. Gewöhnt Euch schon mal dran!“

Für Wilders ist Pegida genau das Umfeld, das er sucht, seit ihm im eigenen Land keiner mehr die große Bühne bietet. Vor Pegida reichte er bereits dem Front National und der britischen Anti-Europa-Partei Ukip die Hand. Doch die reagierten eher zurückhaltend. Pegida hat diese Berührungsängste nicht.

 

Anmerkungen

[1] Vergl. Markus E. Wegner, „Festerling ist nicht nur Frontfrau“, GEOLITICO vom 10. April 2015

[2] vergl. Konrad Kustos, „Dummer Journalismus“, GEOLITICO vom 22. Februar 2015

Über Günther Lachmann

Günther Lachmann ist Journalist und Autor. In seinen Beiträgen befasst er sich unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel