Rohstoffpreis und Kriegsgefahr

„Frankfurt Stock Exchange“ von Pythagomath - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC-BY-SA 4.0 über Wikimedia Commons - http-::commons.wikimedia.org:wiki:File-Frankfurt_Stock_Exchange.jpg#mediaviewer:File-Frankfurt_Stock_Exchange „Frankfurt Stock Exchange“ von Pythagomath - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC-BY-SA 4.0 über Wikimedia Commons - http-::commons.wikimedia.org:wiki:File-Frankfurt_Stock_Exchange.jpg#mediaviewer:File-Frankfurt_Stock_Exchange
Geoplitische Krisen enden immer in einem Rohstoffpreishoch und einem inflationsbereinigten Aktientief. Was aktuelle Krisen über einen drohenden Krieg sagen, beschreibt Uwe Bergold*

Jede säkulare Rohstoff-Hausse geht unzertrennbar mit Geldentwertung (Inflation) und geopolitischen Unruhen (Krieg) einher. Die Wirtschaftsgeschichte der vergangenen 250 Jahre ist voll mit Beispielen davon (siehe hierzu bitte Abb. 1). Im letzten Drittel eines jeden Rohstoffzyklus kommt es zur größten Kriegsdynamik.

Aufgrund der sich zuspitzenden Geopolitik (Konflikte in der Ukraine, Irak, Syrien und Jemen) sollen die Entwicklung der Rohstoffpreise innerhalb dieser Kriegszyklen unter die Lupe genommen werden. Dass Krieg und Frieden mit Wirtschafts- und Börsen-(Rohstoff-)Zyklen zusammenhängen, wurde von vielen schon immer geahnt. Wie sehr dies stimmt, wird in Abbildung 1 ersichtlich. Alle 30 bis 40 Jahre (säkulare Zyklik) erreicht die Wirtschaft ihren Wachstumszenit (zuletzt im Jahr 2000). Nach zirka 20 Jahren Prosperität mit zunehmender Produktivität ist ein hoher Sättigungsgrad erreicht und es kommt zur Wirtschaftskontraktion.

Global Resources Invest GmbH & Co. KG Abb.1

Massiv zuspitzende Geopolitik

Im Rahmen der Fiskal- und Geldpolitik wird versucht, diesen Absturz zu verhindern und inflationär die Wirtschaft am Laufen zu halten (monetäre Illusion). Über die erst kontrollierte, kommt es später zur unkontrollierten Geldmengenausweitung. Dies führt dazu, dass anstatt eines deflationären Kollapses, alle Anlageklassen inflationär zumindest nominal oben gehalten oder unter hoher Volatilität sogar nominal weiter steigen. Real, also inflationsbereinigt, fallen jedoch alle zinstragenden Anlageklassen zirka 20 Jahre bis zum nächsten säkularen Tief (bei gleichzeitigem Gold- und Rohstoff-Hoch). Dann beginnt ein strategischer Expansionszyklus von Neuem.

Langfristig profitiert die Anlageklasse Rohstoffe am meisten von der expansiven Geldpolitik, da – wie bereits erwähnt – in dieser Zeit die zinstragenden Anlageklassen inflationsbereinigt Kapital vernichten. Seit dem Jahr 2000 (letztes säkulares Wirtschaftshoch) sind der DAX, der REXP und der Deutsche Immobilien-Index inflationsbereinigt im Minus. Alles was in den vergangenen 15 Jahren ablief, könnte man – aufgrund der strukturellen Geldentwertung – unter monetärer Illusion bezeichnen.

Langfristig korrelieren nur Gold und Rohstoffe positiv zur Inflation. Je näher sich eine säkulare Rohstoff-Hausse dem Ende zubewegt, desto dynamischer werden die Ausschläge.

Extreme Rohstoffpreisanstiege

Verursacht wurden diese extremen Rohstoffpreisanstiege am Ende jeder Hausse durch sich immer massiv zuspitzende Geopolitik. Interessanterweise stiegen einige Male Rohstoffpreise sogar noch nach dem Ende des Krieges eine Weile weiter. Betrachtet man die vergangenen 250 Jahre, so kann man zirka alle 30 bis 40 Jahre ein säkulares und alle 70 bis 80 Jahre ein Drei-Generationen-Rohstoffpreishoch, inklusive einem Kriegsende, feststellen:

  • Säkulares und gleichzeitig Generationen-Rohstoffpreishoch 1779, während des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs 1775 bis 1783:
 Massenenteignung in Amerika über die Papierwährung „Continentals“ (Massenenteignung in Europa über die Papierwährung „Assignaten“)
  • Säkulares Rohstoffpreishoch 1814, zwei Jahre nach dem USA-England-Krieg 1812 (Napoleonische Kriege in Europa 1808 bis 1813)
  • Säkulares und gleichzeitig Generationen-Rohstoffpreishoch 1864, während des Amerikanischen Sezessionskriegs 1861 bis 1865:
(Preußisch-Österreichischer Krieg 1866 und Deutsch-Französischer Krieg 1870/71) Massenenteignung in Amerika über die Papierwährung „Greenback“
  • Säkulares Rohstoffpreishoch 1920, zwei Jahre nach dem I. Weltkrieg 1914 bis 1918: (Extreme Inflationierung durch die Aufhebung der Golddeckung in fast ganz Europa)
  • Säkulares und gleichzeitig Generationen-Rohstoffpreishoch 1951, sechs Jahre nach dem II. Weltkrieg 1939 bis 1945:
Massenenteignung in Amerika durch die Abwertung des US-Dollars über 40 Prozent gegenüber Gold 1933 
(Extreme Inflationierung durch die Aufhebung der Golddeckung in fast ganz Europa)
  • Säkulares Rohstoffpreishoch 1980, fünf Jahre nach dem Vietnamkrieg 1964 bis 1975: Extreme Inflationierung durch die Aufhebung des Gold-Devisenstandards
  • Säkulares und gleichzeitig Generationen-Rohstoffpreishoch 202?, während oder ? 
Jahre nach dem ?-Krieg:
Massenenteignung durch globales QE (Politik der Notenpresse)

Stimmungsparadoxon

Da sich Geschichte nie wiederholt, jedoch immer reimt, kann man davon ausgehen, dass wir – nach der Preiskorrektur der vergangenen vier Jahre – am Beginn des letzten säkularen Rohstoff-Hausse-Drittels stehen (siehe hierzu bitte roten Kreis in Abbildung 1), mit ähnlichen Begleitumständen, wie sie in der Geschichte immer wieder auftraten. Krisen enden immer in einem Rohstoffpreishoch, inflationsbereinigtem Aktientief und extremer Negativstimmung.

Global Resources Invest GmbH & Co. KG Abb.2

Betrachtet man die Goldpreisentwicklung seit dem Jahrtausendwechsel in Euro, so zeigt sich hier wieder einmal ein phänomenales Stimmungsparadoxon. Es gibt keine Anlageklasse, welche sich in den vergangenen 15 Jahren besser entwickelte als Gold (+360 Prozent seit dem strategischen Tief, inkl. Korrektur). Trotzdem herrscht eine Negativstimmung zum Gold, als wenn es eine jahrzehntelange Baisse hinter sich hätte. Dabei notiert der Goldpreis in Euro gerade einmal 21 Prozent unter seinem Allzeithoch. Auch seit dem taktischen Tief im Dezember 2013 stieg Gold in Euro bereits wieder um +24 Prozent .

*Uwe Bergold ist Gesellschafter der Global Resources Invest GmbH & Co. KG und Geschäftsführer der GR Asset Management GmbH