Der Religionskrieg und die Saudis
Der Religionskrieg und die Saudis

Der Religionskrieg und die Saudis

Saudis und der Iran sind die Todfeinde der islamischen Welt. Sie rüsten Armeen auf und finanzieren Terror. Neuester Kriegsschauplatz ist der Jemen. Religion als kriegstreibende Kraft.

Glaubenskriege haben einst in Europas Erde mit Blut getränkt. Jetzt wird Arabien und damit die islamische Welt von Glaubenskreigen heimgesucht. In Syrien und Irak metzeln die Schergen des Islamischen Staats (IS) nicht nur ihre schiitischen Glaubensbrüder, sondern auch jene Sunniten, die sich dem Salafismus des IS verweigern (siehe GEOLITICO „So schuf der Westen den IS-Terror“).

Aktuell sind saudi-arabische Truppen sind in den Jemen einmarschiert. Ihr Angriffsziel sind die zu den Zaiditen zählenden Huthis, die wiederum eine Strömung innerhalb des schiitischen Islams sind. Nach Ansicht der wahhabitischen Rechtsgelehrten in Saudi-Arabien aber sind Schiiten keine wahren Muslime, damit also auch die Huthi nicht, die etwa ein Drittel der jemenitischen Bevölkerung ausmachen und seit ihrem Aufstand gegen das Regime von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi die vier größten Städte des Landeskontrollieren.

Mit ihrem Reichtum finanzieren die Saudis seit langem nicht nur den Kampf Sunniten gegen Schiiten, sondern auch den Terrorismus gegen den Westen. Ein Großteil des Geldes für die Kriegsmaschinerie des IS stammt ebenfalls aus Saudi-Arabien.

Auf der anderen Seite steht der schiitische Iran. Die Mullahs in Teheran finanzieren nicht nur den Terror der Hizbollah und der Hamas, sondern eben auch den Vormarsch der Huthis im Jemen und revolutionäre Gruppen in Irak (siehe GEOLITICO „Nicht der Islam brachte Ägypten an den Rand der Anarchie“).

Über die kriegerische Kraft der Religionen schreibt GEOLITICO-Autor Herbert Ludwig:

“Ist es nicht sonderbar, dass die Menschen so gern für ihre Religion fechten und so ungern nach ihren Vorschriften leben?”   Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799)

 

Die drei monotheistischen Religionen Islam, Christentum und Judentum führen auch in der Gegenwart kein nur stilles kulturbildendes Dasein, wie es eigentlich dem inneren Wesen der Religion entsprechen sollte, sondern wirken stark motivierend und antreibend in den staatlich-militärischen Komplex der Macht- und Gewaltausübung hinein.

Religiös gefärbter Patriotismus

Der Islam kennt von seinem Anspruch auf Totalhingabe an den Willen Gottes keine Trennung zwischen privatem und öffentlichem Leben. Daraus folgt nicht zwingend die verfassungsrechtliche Einheit von Staat und Religion, sie ist aber von fundamentalistischen Richtungen nach dem historischen Vorbild des Kalifats immer angestrebt und vielfach realisiert worden. Damit verbindet sich das, was unter „Heiligem Krieg“ für die Verteidigung und Ausbreitung des Islam verstanden wird, wobei das Wort „dschihad“ im Kontext eigentlich »dschihad fi‑s‑sabil Allah« heißt, was „Anstrengung auf dem Wege Gottes“ bedeutet, also das Bemühen um die eigene moralische Läuterung, den Kampf gegen den „eigenen inneren Schweinehund“.

Doch der Begriff gewinnt unter Bezug auf isoliert genommene Koranstellen, die zur Verfolgung und Tötung der Ungläubigen auffordern, eine nach außen gewendete Gewaltdynamik, welche heute wieder ungeheure Ausmaße angenommen hat.[1]

Auch in den USA kommt der christlichen Religion im Alltag und in der Politik eine Bedeutung zu, die europäischen Nationen fremd ist. Zwar sind verfassungsrechtlich Staat und Kirchen streng getrennt, Politik und Religion jedoch keineswegs voneinander isolierte Sphären. Sie durchdringen sich zu einem religiös gefärbten Patriotismus, der die Bürger zu einer von Gott geschützten und geführten Nation, einer „one nation under god“, vereinigt.

„Das Israel unserer Zeit“

Dieses Verhältnis zu Gott wird als das eines besonders auserwählten Volkes gedeutet, „das Israel unserer Zeit“, dem von Gott die besondere geschichtliche Mission zuerteilt sei, ein Modell für Freiheit, Gleichheit und Demokratie zu errichten, „nicht nur für Amerika allein, sondern für die ganze Menschheit“. Daraus steigt immer wieder der missionarisch-kämpferische Gedanke des Kreuzzuges für diese Ideale auf, mit dem das „selbstlose“ militärische Eingreifen in aller Welt vielfach motiviert wird.[2]

Das Judentum strebt als ethnisch gebundene Religion keine Ausbreitung und Missionierung, sondern in gewissen Strömungen seine Zusammenführung an. Die Juden lebten seit 2000 Jahren in alle Welt zerstreut, hielten aber überall an ihrem ethnischen, religiösen und kulturellen Zusammenhalt fest, was sie als gesellschaftliche Außenseiter immer wieder zum Ziel von Verfolgungen werden ließ.

Im 19. Jahrhundert regte sich in einer wachsenden Zahl von Juden die Sehnsucht nach einer geschützten Heimstatt für das Judentum im Land der Väter. Zion, der Name für den Tempelberg in Jerusalem, im babylonischen Exil (6. Jh. v. Chr.) zum Synonym für die Zukunftshoffnungen des Judentums geworden, wurde wieder Symbol und Ziel der zionistischen Bewegung, die sich mit der Idee eines jüdischen Nationalstaates verband und mit Hilfe Großbritanniens und der UN durch teilweise Vertreibung der dort ansässigen Palästinenser den Staat Israel gründete.

An dessen Beginn stand also auch hier die Verbindung der Religion mit der militärischen und staatlichen Gewalt. Und Erhalt und weitere staatliche Ausdehnung erzeugen immer wieder neu die Notwendigkeit ihres Einsatzes.

So sehen wir, wie es in der Gegenwart kaum einen militärischen Konflikt in der Welt gibt, in dem nicht religiöse Motive eine wesentliche Rolle spielen. Was liegt dem zugrunde?

Anspruch auf Wahrheit

Jede Religion erhebt natürlicherweise den Anspruch, wahr und gültig zu sein. Die Menschen werden in einen bestimmten Gemeinschaftszusammenhang geboren, finden die Religion ihrer Vorfahren vor und wachsen durch  Autorität und Vorbild ihrer Eltern und Großeltern erlebend in sie hinein. Wie sollten sie auf den Gedanken kommen, dass das, was die vertrauten und geliebten Menschen an festen Überzeugungen und frommen Handlungen vorleben und lehren, nicht wahr sei und eine andere Religion an die Stelle treten sollte?

Selbst wenn sie als Erwachsene alle anderen Religionen gründlich studieren, miteinander und mit der eigenen vergleichen und zu der Erkenntnis kommen, die eigene oder auch eine andere sei die rechte, bleibt der Anspruch auf Wahrheit bestehen. Denn das Denken kann gar nicht anders, als das, was es erkannt hat, als wahr geltend zu machen. Auch wer generell dem Denken die Möglichkeit bestreitet, die Wahrheit erkennen zu können, macht diese Behauptung ebenfalls mit dem Denken als wahr geltend – und hebt damit ihren Inhalt selber auf. Natürlich sind Irrtümer im Denken möglich. Aber der Irrtum setzt wieder die Wahrheit voraus und fällt in ihrem Lichte in sich zusammen.

Nun wäre es möglich, eine bestimmte Religion als für sich selbst, für das eigene Volk und seinen Kulturkreis als die richtige zu erkennen und anderen Religionen ebenfalls ihre relative Berechtigung für ein bestimmtes Volk in einer bestimmte Zeit zuzugestehen, also alle Religionen im Entwicklungsgange der Menschheit als verschiedene Wege zur Wiederverbindung (re-ligio) mit Gott oder der göttlichen Welt zu begreifen, die in einem sich ergänzenden Zusammenhang stehen und vielleicht auch letztlich zu einer höheren Einheit führen.

Doch ein Wahrheits-Fanatismus verführt dazu, mit Absolutheitsanspruch die jeweils eigene Religion nicht nur als wahr, sondern als universell alleine wahr und gültig und die anderen Religionen infolgedessen als Irrlehren anzusehen, die es im Auftrag Gottes und für das Seelenheil der anderen Menschen selbst zu bekämpfen gelte. Wenn dies eine geistige Auseinandersetzung bliebe, in der unter gegenseitiger Achtung um die rechte Erkenntnis gerungen wird, würde sich noch vieles relativieren und zu wechselseitiger Toleranz führen können.

Das Unheil entsteht dann, wenn die Angehörigen der anderen Religionen mit Gewalt zu ihrem Heil gezwungen, bzw. bei den Juden Israels die Heimstatt für die eigene Religion auf Kosten anderer mit Gewalt etabliert werden soll. Letzteres wird von sehr vielen orthodoxen Juden in der Welt auch für falsch gehalten, die der zionistischen Strömung mangelnde Demut und Ergebenheit in die rechten Wege Gottes vorhalten.[3]

Der innere Kampf

Religion als das Streben nach Wiederverbindung mit der Welt Gottes, setzt die Trennung von ihr voraus. Die Vertreibung infolge des Sündenfalles, die in bildhafter Form Ausgangspunkt aller Religionen ist, bedeutete den Abstieg aus der paradiesischen Reinheit in die irdische Welt der Versuchungen und moralischen Abirrungen. Religion ist insofern der Weg, die Unreinheiten und moralischen Verschlechterungen des eigenen Wesens zu überwinden, zu läutern und wieder die helfende Nähe der göttlichen Welt zu erreichen.

Das Entscheidende einer Religion ist daher nicht, was sie lehrt, sondern was sie durch die Übung dieser Religion im Menschen real an Wandlungen bewirkt. Die Lehre hat dazu eine hinführende und bewusstseinsbildende Aufgabe.

Das Wesen der Religion ist also der innere willentlich übende Weg der Läuterung und moralischen Vervollkommnung zu Gott. Dem stellen sich aber ständig innere Widerstände und Hindernisse entgegen. Sie zu überwinden, fordert einen immerwährenden Kampf gegen den „eigenen inneren Schweinehund“, das niedere egoistische Selbst des bequemen Alltagsmenschen. Und das ist der Punkt, an dem sich die Geister scheiden.

„Achse des Bösen“

Wird diesem inneren Kampf nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet, wird ihm ausgewichen und gerät der „eigene innere Schweinehund“ aus dem Blick, so wendet sich der Blick nach außen und sieht den „Schweinehund“ in den Ungläubigen, die dem „falschen Glauben“ anhängen und den einzig wahren Glauben verschmähen, sieht ihn in anderen Völkern und Staaten, der „Achse des Bösen“, die die Menschheit bedrohe, oder in den nichtjüdischen Arabern, die nicht einsehen wollen, dass sie dem uralten biblischen Anspruch des Judentums auf das palästinensische Land zu weichen haben.

Äußerer Kampf und Krieg ist das furchtbare Zeichen dafür, dass der notwendige Kampf im eigenen Inneren versäumt und auf ein falsches Schlachtfeld verlagert wird, wo sich die egoistischen Zerstörungskräfte, anstatt im eigenen Innern überwunden zu werden, ungehindert austoben können und sich wechselseitig verstärken.

Welche Illusion ist es zu glauben, dass man Angehörige anderer Religionen durch Gewalt und Unterwerfung von der Wahrheit seiner Religion überzeugen könnte? Man handelt der eigenen Religion als innerem Weg, das Böse in sich zu überwinden, vollkommen zuwider, indem man es nach außen gegen andere wendet. Man folgt in Wahrheit nicht dem Gott seiner Religion, den man sucht, sondern dem Bösen in sich, das man in anderen zu bekämpfen vorgibt.

Lessings „Nathan der Weise“

  1. E. Lessing hat die Frage nach der wahren Religion in seinem Drama „Nathan der Weise“ wunderbar thematisiert. Er versetzt die Handlung in das Jerusalem des dritten Kreuzzuges, als Sultan Saladin die Macht über die Heilige Stadt innehat und gerade ein Waffenstillstand herrscht. Die drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam stehen sich hier mit ihrem jeweiligen Anspruch, die allein wahre Religion zu sein, gerade an dem Ort gegenüber, der für jede von ihnen religiös höchst bedeutsam und darum unaufgebbar ist.

Lessing verkörpert seine Auffassungen in die Gestalt des weisen Juden Nathan, der Saladin auf dessen Frage nach der allein wahren Religion bedeutet, dass die Religionen zwar äußerlich unterscheidbar, aber die auf Treu und Glauben in ihnen aufgewachsenen und darin lebenden Menschen gewöhnlich nicht imstande seien, die inneren Gründe der verschiedenen Religionen und deren Wahrheitsgehalt erkennen zu können.

Nathan bringt seine Ansicht und Lösung des Problems in das Bild einer Ring-Parabel: Ein Mann besaß einen wertvollen Ring, der die Eigenschaft hatte, seinen Träger „vor Gott und Menschen angenehm“ zu machen, wenn der Besitzer „in dieser Zuversicht ihn trug“. Der Ring wurde über Generationen vom Vater stets an jenen Sohn vererbt, den er am meisten liebte.

Doch einmal trat der Fall ein, dass ein Vater drei Söhne hatte, die ihm alle gleichermaßen lieb und teuer waren. Deshalb ließ er von einem Künstler zwei exakte Duplikate des Ringes herstellen und vermachte jedem seiner Söhne einen der Ringe als den echten. Die Söhne gerieten nach dem Tode des Vaters natürlich in Streit. Denn jeder beanspruchte, „der Fürst des Hauses“ zu sein. Schließlich zogen sie vor Gericht, um klären zu lassen, welcher Ring der echte sei.

Der Richter aber, außerstande dies zu ermitteln, erinnerte die drei Söhne daran, dass der echte Ring ja die Eigenschaft habe, den Träger „vor Gott und Menschen beliebt und angenehm zu machen“. Offenbar sei diese Wirkung aber bei keinem der drei eingetreten. Der echte Ring müsse daher schon dem Vater verloren gegangen sein. So gab der Richter den Rat: Im Glauben, dass sein Ring der echte sei, solle jeder der Brüder mit den anderen um die Wette eifern, „die Kraft des Steins in seinem Ring an Tag zu legen“, indem er dieser Kraft durch Streben nach „vorurteilsfreier Liebe, nach Sanftmut, herzlicher Verträglichkeit, Wohltun und innigster Ergebenheit in Gott“ zu Hilfe komme. „Und wenn sich dann der Steine Kräfte bei euren Kindes-Kindeskindern äußern: So lad ich über tausend tausend Jahre sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen als ich und sprechen.“

Grundkraft der Liebe

Gott steht als Vater am Anfang und als Richter am Ende der menschlichen Entwicklung, und entscheidend ist, was die Menschen unter der Hilfe der Religion aus sich gemacht haben. Nathan verweist also die Religionen auf ihr eigenes Wesen zurück: ein innerer Weg der moralischen Wandlung und Veredelung des Menschen zu sein, um der göttlichen Welt wieder nahe zu kommen. Nur darin könne sich ihre Fruchtbarkeit und Echtheit erweisen, nicht in äußerem Überzeugungsstreit und Kampf.

Im konkreten Leben stehen sich niemals das Christentum und der Islam oder das Judentum gegenüber. Immer sind es reale Menschen, die sich begegnen. „Sind Christ und Jude eher Christ und Jude als Mensch?“ fragt Nathan.

Das Wichtige ist nicht, welche Religion sie in ihren Köpfen tragen, sondern was von dieser Religion in ihnen als reine Menschlichkeit lebt und sich in ihren Handlungen offenbart und realisiert. Die Grundkraft der Schöpfung, die alles Leben durchdringt und trägt, ist die Liebe. Kein Mensch könnte am Leben sein, wenn ihn nicht die Liebe anderer Menschen wärmte und bildete. Es ist diese elementar zwischen Menschen webende Kraft, die in Gestalt der herzlichen Verträglichkeit, des Sanftmuts und des Wohltuns im Grunde jeder Mensch in der Begegnung mit anderen unbewusst erwartet und unbeachtet von allem Trennenden auch zu geben bereit ist. Und es ist Ausdruck höchster Menschlichkeit, wenn ein Mensch sie auch dann gibt, wenn er zuvor nur Hass und Vernichtung am eigenen Leibe erfahren hat.

In dem Drama gibt sich eines Tages ein christlicher Klosterbruder Nathan gegenüber als der Reiter zu erkennen, der ihm vor achtzehn Jahren ein durch die Kriegswirren verwaistes wenige Wochen altes Christenmädchen in seine Obhut gab. Nathan hatte es wie seine eigene Tochter aufgezogen, doch – den argwöhnischen Christen in Jerusalem unbekannt – selbstlos nicht im jüdischen, sondern in christlichem Glauben unterrichten lassen. „Der frommen Einfalt“ des Klosterbruders vertraut er nun an, in welcher Lebenssituation er sich damals befunden hatte. Erst wenige Tage zuvor hatten die Christen in einem Pogrom auch seine „Frau mit sieben hoffnungsvollen Söhnen“ umgebracht.

„Ein bessrer Christ war nie!“

„Als ihr kamt, hatt´ ich drei Tag´ und Nächt´ in Asch´ und Staub vor Gott gelegen und geweint. – Geweint? Beiher mit Gott auch wohl gerechtet, gezürnt, getobt, mich und die Welt verwünscht, der Christenheit den unversöhnlichsten Hass geschworen. – Doch nun kam die Vernunft allmählich wieder, sie sprach mit sanfter Stimm´: Und doch ist Gott! Doch war auch Gottes Ratschluss das! Wohlan! Komm übe, was du längst begriffen hast, was sicherlich zu üben schwerer nicht als zu begreifen ist, wenn du nur willst. Steh auf! – Ich stand und rief zu Gott: Ich will! Willst du nur, dass ich will! – Indem stiegt ihr vom Pferd und überreichtet mir das Kind. (…) Ich nahm das Kind, trug´s auf mein Lager, küsst´ es, warf mich auf die Knie und schluchzte: Gott! Auf sieben doch nun schon eines wieder!“ –  Tief ergriffen ruft der Klosterbruder aus: „Nathan! Nathan! Ihr seid ein Christ! – Bei Gott, Ihr seid ein Christ! Ein bessrer Christ war nie!“ Und Nathan antwortet ihm: „Wohl uns, denn was mich Euch zum Christen macht, das macht Euch mir zum Juden!“ –

Tiefe, vollkommene Menschlichkeit ist das übende Ziel aller Religionen, in dem sie sich letztlich treffen und vereinigen. Und wenn das Christentum Recht hat, dass in Christus der Gott der schöpferischen Liebe vollkommener Mensch geworden ist, dann bestünde die Vereinigung der Religionen darin – nicht, dass sie mit der jetzigen christlichen Religion zusammenfließen – sondern, dass die Menschen aller Religionen den Christus  – wie immer sie ihn dann nennen – in sich erleben als die reale Kraft der Leben tragenden Liebe und vollkommenen Menschlichkeit. Doch auch darüber entscheidet nicht die theoretische Überzeugung, sondern es muss sich in der strebenden Entwicklung der Menschen selbst erweisen.

Anmerkungen

[1] Vgl.: Ahmed Ginaidi: „Heiliger Krieg“ aus islamischer Sicht und die Erscheinung des   Fundamentalismus: http://www.cremisan.de/cms/upload/pdf/artikel-community/teil2/2.11.Heiliger_Krieg.pdf

[2] Vgl. Klaus Stüwe: Politik und Religion in den USA, Stimmen der Zeit, 11/2008, S. 723-733: http://www.con-spiration.de/texte/2008/stuewe.html

[3] Vgl. Wikipedia „Jüdischer Antizionismus“, abgerufen 19.12.14

Über Herbert Ludwig

Herbert Ludwig war viele Jahre Lehrer an einer Freien Waldorfschule. Er befasst sich schwerpunktmäßig mit den inneren und äußeren Bedingungen der Entwicklung des Menschen zur Freiheit und mit den Hintergründen der „europäischen Integrationsbewegung“, woraus seine Schrift „EU oder Europa?“ und Artikel auf seiner Webseite hervorgegangen sind Kontakt: Webseite | Weitere Artikel