Unser Umgang mit linker Gewalt

In Frankfurt griffen gewaltbereite Blockupy-Demonstranten ein Flüchtlingsheim an. Man stelle sich vor, das wäre bei Pegida passiert…

Wenn das bei einer Pegida-Demonstration passiert wäre: Vermummte gewaltbereite Demonstranten greifen ein Flüchtlingsheim an. Als die Pflastersteine fliegen, befinden sich 20 teils traumatisierte junge Flüchtlinge in dem Haus.

An anderer Stelle fliegen Steine auf die Geschäftsstelle der Stiftung Waisenhaus, in der nachmittags Kinder betreut werden. Beide Angriffe ereignen sich während der Blockupy-Krawalle aus Anlass der Einweihung der neuen EZB-Zentrale in Frankfurt, zu denen aus ganz Europa gewaltbereite Linksextremisten angereist waren.

Opfer einer Messerstecherei

Wie gesagt, wären die Angriffe im Zusammenhang mit einer Pegida-Demonstrationen erfolgt, hätte die Linke und die Medien sogleich eine Diskussionen über Ausländerhass der Demonstranten und mögliche Verbindungen ins rechtsextreme Lager losgetreten. Nach den Vorfällen jetzt in Frankfurt aber geschah nichts dergleichen.

Zwar beklagte sich der Kolpingverein, der das Flüchtlingsheim betreibt, über den Angriff. Aber das war den Medien bestenfalls eine Randnotiz wert. Wer im Internet nach dem Angriff während der Blockupy-Proteste sucht, wird nur wenig finden.

Als in Dresden zu Beginn des neuen Jahres ein Ausländer tot vor einer Flüchtlingsunterkunft aufgefunden wurde, richtete sich der Verdacht in den sozialen Medien sofort gegen Rechtsextreme. Und weil damals jeden Montag Zehntausende zu Pegida-Demonstrationen nach Dresden kamen, die Politik und Medien als fremdenfeindlich bezeichneten, wurde ohne zu zögern über einen Zusammenhang zwischem dem Tod des jungen Mannes und Pegida spekuliert. Später stellte sich heraus, dass der Mann Opfer einer Messerstecherei unter Ausländern geworden war.

Perfide Militanz

Ein Mitarbeiter der Stiftung Waisenhaus, der den Angriff jetzt in Frankfurt beobachtete, sagte später, auf ihn hätten die Angreifer nicht wie Rechtsextreme gewirkt. Er vermute, dass das Haus nur deshalb beschädigt wude, weil vor dem Haus zwei Polizeiautos parkten.

Vermutlich hat er recht. Aber dennoch: Wäre der Angriff auf das Frankfurter Flüchtingsheim nicht ein guter Anlass, auch mal über linke Gewalt zu debattieren? Über die perfide Militanz des schwarzen Blocks und den Hass der Linken auf die freiheitlich-demokratische Gesellschaft? Darüber, dass sie die Autos abfackeln, die sich so mancher Bürger hart erspart hat, und Polizisten verprügeln, die für Demokratie und Freiheit ihren Kopf hinhalten?

Auf dem Höhepunkt der Pegida-Demonstrationen ließen Politik und Medien nichts unversucht, friedliche Demonstranten zu stigmatisieren und damit an den gesellschaftlichen Rand zu drängen. Über mutmaßlich linke Gewalt wird geschwiegen – oder sie wird bagatellisiert. Kein Wunder, dass besorgte Bürger auf den Gedanken kommen, dass in diesem Land irgendetwas nicht mehr stimmt.

Über Günther Lachmann

Günther Lachmann ist Journalist und Autor. In seinen Beiträgen befasst er sich unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel