Propaganda ist uns nicht zu teuer
Propaganda ist uns nicht zu teuer

Propaganda ist uns nicht zu teuer

Das ZDF in Mainz / Quelle: Wikipedia / User TobiToaster on de.wikipedia Das ZDF in Mainz / Quelle: Wikipedia / User TobiToaster on de.wikipedia
Zuwanderung? In allen Wirtschaftsbereichen gehen die Beschäftigtenzahlen zurück. Nur in Parteien, Verbänden, Gewerkschaften oder bei ARD und ZDF nehmen sie zu.

Die Bertelsmann-Stiftung beklagt eine zu geringe Zuwanderung. Dabei stützt sie sich auf eine Studie des Instituts TNS infratest:

„Die Auswirkungen des demographischen Wandels werden in der Bevölkerung jedoch unterschätzt. So glaubt mehr als jeder Vierte, Deutschland werde in den kommenden Jahrzehnten ohne Einwanderer gar nicht oder um maximal eine Million Menschen schrumpfen. Demgegenüber prognostiziert das Statistische Bundesamt bis 2060 ohne Zuwanderung einen Bevölkerungsrückgang um über 20 Millionen Menschen.“[1]

Sinkende Beschäftigungszahlen

Tatsächlich ist ein Werben um gut ausgebildete junge Zuwanderer ja nicht schlecht. Wir müssen uns allerdings fragen, wo der Bedarf an Arbeitskräften eigentlich herrührt. Und was die Zuwandrer machen sollen. In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Arbeiter in der Industrie zurückgegangen, ohne dass die Industrie kollabiert ist. Im Gegenteil die Aktienkurse sind gerade auf Rekordhöhe. Ebenso ist die Zahl der Landwirte rückläufig, ohne dass Hunger herrscht oder Äcker unbestellt sind. Auch das Handwerk hat keine wachsenden Beschäftigtenzahlen zu melden.

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat die Zahlen parat:[2] Die Zahl der Landwirte sank von 1991 bis 2013 um 530.000. Im produzierenden Gewerbe arbeiteten 1991 noch 11,02 Millionen Beschäftigte, 2013 waren es 7,82 Millionen. Im Bau ist die Beschäftigungszahl im gleichen Zeitraum um 490.000 gesunken, ohne dass man auf dem Wohnungsamt zehn Jahre warten muss, bis man eine Wohnung zugewiesen bekommt.

Nun kommen wir zum Pferdefuß: Im sonstigen Dienstleistungsbereich (außer Handel, Gastgewerbe und Verkehr) hat sich die Zahl der Arbeitnehmer in 22 Jahren von 12,46 Millionen auf 15,6 Millionen erhöht. Zu diesen sonstigen Dienstleistungen gehören so „wertvolle“ Bereiche wie Wirtschaftsverbände, Berufsorganisationen (Kammern), Arbeitnehmervereinigungen (Gewerkschaften), Stiftungen von Parteien und Vereinigungen, Lobbyorganisationen der Kultur, der Verbraucher und der Wirtschaft, Nichtregierungsorganisationen sowie Fernseh- und Rundfunkveranstalter.

Mehr Agitprop

Diese ganzen Organisationen will ich den jeweiligen Pressure Groups nicht neiden, sie sind aber fast alle mit Steuergeldförderung oder durch Zwangsmaßnahmen maßlos aufgeblasen. Deutschland leistet sich im europäischen Vergleich zum Beispiel den teuersten Propagandaapparat, der mit Zwangsgebühren ausfinanziert wird. ARD und ZDF sind pro Kopf der Bevölkerung weit teurer als vergleichbare Einrichtungen in Kleinstaaten wie Dänemark oder Österreich.

Durch Bürokratie aufgebauscht sind auch Krankenversicherungen, Kassenärztliche Vereinigungen, der Zoll (der mittlerweile auch Stundenzettel kontrolliert), die Knappschaft, die mangels Bergbau den Niedriglohnbereich verwaltet, die Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung.

Unternehmensberatung, PR-Beratung, Werbeagenturen, Messeveranstalter und Kongressveranstalter werden heutzutage zunehmend durch die öffentliche Hand beschäftigt. Wer hat nicht schon die zahlreichen Werbemaßnahmen der Ministerien und Kammern zur Kenntnis genommen und deren Hochglanzbroschüren ungelesen in den Papierkorb geschmissen? Wer kennt nicht die vom Steuerzahler geförderten Messestände mit langbeinigen Hostessen?

In den Hochschulen treiben Genderprofessorinnen ihr Unwesen[3] und durch die Schulen tingeln die ersten Sextanten. Bundesweit gibt es mittlerweile etwa 20.000 Gleichstellungsbeauftragtinnen. Unnütze Jobs werden auch im Bereich der politischen Bildung und beim Kampf gegen Rechts geschaffen. Wenn man vernünftige Politik machen würde, könnte man sich die ineffiziente Verschleuderung von Arbeitskraft für Agitations- und Propagandajobs sparen.

Das Beispiel der Kanzlerin

Auch der politische Betrieb ist aufgepusht. Parlamente könnten verkleinert werden und die Zahl der Wasserträger im Fraktionsbereich reduziert werden. Wenn es nicht mehr so viele Fachreferenten für die Fraktionen gäbe, müssten die Parteien bei der Kandidatenkür mehr auf Qualität achten und Fachpolitiker mit Spezialkenntnissen aufstellen. Schlimmstes Beispiel für absolute Ahnungslosigkeit war kürzlich eine junge Quotendame aus der engeren SPD-Führung, die nicht einmal das Basiswissen hatte, dass Arbeitnehmer ihre Stundenzettel selbst ausfüllen müssen.

Durch Entpolitisierung und Entbürokratisierung könnten in Deutschland locker zwei Millionen Arbeitskräfte für gesellschaftlich nützliche Arbeiten freigesetzt werden. Man muss nicht wieder nach Gastarbeitern rufen, sondern Verwaltung und Politikbetrieb straffen. Unsere Kanzlerin war allerdings früher Agitprop-Sekretärin. Das hängt an.

In den 60er Jahren wurden die Wünsche der Industrie erhört und Arbeiter ins Land geholt. Ab dem Ende der 60er Jahre gab es eine wachsende Arbeitslosigkeit, weil die Betriebe rationalisierten und automatisierten. Die Geschichte zeigt, dass nicht jeder Wunsch nach zusätzlichen Arbeitskräften ungeprüft erhört werden sollte. Auch hier gilt: Dreimal messen, einmal abschneiden.

Anekdote vom Zigeunerkönig

Gerade sind am Jahresanfang etwa 300.000 Asylbewerber angekommen.[4] Nun hat das Asylthema rechtlich eigentlich nichts mit dem Arbeitsmarkt zu tun. Asylbewerber dürfen ja offiziell nicht arbeiten. Da die abgelehnten Bewerber nicht abgeschoben werden, ist faktisch jedoch ein Zusammenhang da.

Jetzt müsste die Bundesregierung eigentlich etwa 200.000 Stellen im geringqualifizierten Bereich schaffen.  Bewährt hat sich hier immer das Bauwesen. Für 200.000 zusätzliche Beschäftigte benötigt man etwa ein Investitionsvolumen von 24 Milliarden Euro pro Jahr. Jetzt müsste Geld vom Agitprop- und Politikbetrieb in das Bauwesen umgeschaufelt werden, wenn man es mit der Willkommenskultur ernst meinen würde. Für den Ersatz maroder Straßen und Brücken wäre die Ausgabe sogar sinnvoll. Der Bundeshaushalt sieht das bisher nicht vor.

Bundesfinanzminister Schäuble reagiert einfach nicht auf den Asylantenstrom. Schäuble denkt vielleicht an folgende Anekdote, die allerdings aus den achtziger Jahren ist und in eine andere Zeit gehört: Ein Zigeunerkönig ruft: „Ein Wunder, ich kann wieder gehen!“. „Wie ist das Wunder geschehen?“, wird er gefragt und antwortet: „Mir ist der Mercedes gestohlen worden!“

 

Anmerkungen

[1]Wie steht es um Deutschlands Willkommenskultur?“, Bertelsmann-Stiftung, Januar 2015

[2]Erwerbstätige nach Wirtschaftszweigen“, Bundeszentrale für politische Bildung, 2013

[3] Grinario, „Die Sprachsäuberer des Mainstreams“, GEOLITICO vom 14. Januar 2015

[4] Wolfgang Prabel, „Verfolgte und andere Asylbewerber“, GEOLITICO vom 26. Februar 2015

Über Wolfgang Prabel

Wolfgang Prabel über sich: "Ich sehe die Welt der Nachrichten aus dem Blickwinkel des Ingenieurs und rechne gerne nach, was uns die Medien auftischen. Manchmal mit seltsamen Methoden, sind halt Überschläge... Bin Kommunalpolitiker, Ingenieur, Blogger. Ich bin weder schön noch eitel. Darum gibt es kein Bild." Kontakt: Webseite | Weitere Artikel