Arbeitsmark auf dem Zenit
Arbeitsmark auf dem Zenit

Arbeitsmark auf dem Zenit

Auch in Deutschland trübt sch die wirtschaftliche Stimmung ein. Die Erwerbsquote hat ihren Höhepunkt erreicht. Neue Jobs entstehen nur noch in wenigen Branchen.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft trübt sich nach einer Phase der Erholung wieder ein. Sowohl Wirtschaftsforscher als auch die Bundesregierung gehen davon aus, dass sich die Zuwachsraten bei den Beschäftigungszahlen im Jahr 2015 deutlich abschwächen werden.

Eckart Tuchtfeld von der Commerzbank sagte unlängst in einem Interview, die Ukraine-Krise habe „stärkere Schleifspuren“ in der deutschen Wirtschaft hinterlassen. Seiner Einschätzung nach sind es vor allem die europäischen Volkswirtschaften, die Anlass zur Sorge geben. Befürchtungen, Deutschland könnte in eine Rezession abrutschen, halten jedoch nur wenige Volkswirte für begründet. Heiko Peters von der Deutschen Bank sieht durch die höheren Löhne, die gute Arbeitsmarktlage und den privaten Konsum eine “solide Entwicklung”.

Zumindest was den Privatkonsum anbelangt, kann man hier nur schwer widersprechen: Unternehmen wie BMW stehen nach wie vor glänzend da und haben wenig Probleme, ihre Produkte an den Mann zu bringen. Dies ist auch daran zu erkennen, dass auf Jobportalen zahlreiche BMW Jobs München zu finden sind.

Die Erwerbsquote ist so hoch wie nie zuvor

Dass die Zahl der Arbeitssuchenden zum jetzigen Zeitpunkt nicht höher ist, hat vor allem damit zu tun, dass sich die Erwerbsquote derzeit auf einem Allzeithoch befindet. Offiziellen Zahlen zufolge gehen inzwischen rund 43 Millionen Menschen einer Erwerbstätigkeit nach. Neue Jobs werden vor allem in den Branchen Verkehr und Handel sowie im Gastgewerbe geschaffen. Auch in der Land- und Forstwirtschaft ist ein überdurchschnittlicher Beschäftigungszuwachs zu verzeichnen.

Ein weiterer Grund für die hohe Erwerbsquote ist der starke Zuzug nach Deutschland. Obgleich für 2014 noch keine gesicherten Zahlen vorliegen, ist davon auszugehen, dass die im Jahr 2013 erzielte Rekordmarke von 400.000 Migranten deutlich übertroffen wird. Für die meisten Menschen lohnt sich die Einwanderung in die Bundesrepublik finanziell, das sie hier im Schnitt doppelt so viel verdienen wie in ihren Heimatländern.

Welche Auswirkungen hat der Mindestlohn?

Ukraine-Krise hin oder her – die Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes wird im Jahr 2015 in hohem Maße davon abhängen, wie sich die Einführung des Mindestlohns auf die Gesamtwirtschaft auswirkt. Der DZ-Bank-Experte Richard Holstein prognostiziert für den Anfang des kommenden Jahres einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Ab Mitte 2015 werde die Konjunktur dann aber wieder anziehen, was sich positiv auf dem Arbeitsmarkt niederschlagen werde.

Der Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Joachim Möller, äußerte sich in einem Interview mit der „Berliner Zeitung“ ebenfalls optimistisch. Dem Institut lägen bisher keine Hinweise auf einen zusätzlichen Stellenabbau vor. Der BA-Chef Frank-Jürgen Weise sagte gegenüber dem Nachrichtenmagazin “Focus”, er glaube nicht, dass massenhaft Stellen verloren gehen. Lediglich in Ostdeutschland sowie in den Dienstleistungsbranchen würden Stellen möglicherweise nicht mehr besetzt, weil die Lohnerhöhung nur schwer an die Kunden weitergegeben werden könne.

Probleme sieht der BA-Chef im Minijob-Bereich, in dem künftig eine maximale Arbeitszeit von 53 Stunden pro Monat gilt. Die vorhandene Arbeit müsste unter Umständen auf mehr Schultern als bisher verteilt werden. Konkrete Auswirkungen des Mindestlohns, so Weise, könne man aber erst in einigen Jahren benennen.