Unternehmer ohne Nachfolger
Unternehmer ohne Nachfolger

Unternehmer ohne Nachfolger

Rund 71.000 Unternehmer stehen vor der Nachfolgefrage. Und mehr als 40 Prozent der Seniorunternehmer finden „nicht den passenden neuen Chef“, stellt die DIHK fest.

Der Mittelstand ist die Stütze der deutschen Wirtschaft. Kleine und mittelständische Unternehmen beschäftigen über 15 Millionen Mitarbeiter. Damit ist der Mittelstand der größte Arbeitgeber. Und doch leiden immer mehr dieser erfolgreichen Unternehmen unter einem Existenzproblem.

„Im Jahr 2013 verzeichneten die Industrie- und Handelskammern erstmals mehr übergabewillige Altinhaber als Juniorunternehmer“, sagt der Präsident der Deutschen Industrie- und Handwerkskammer (DIHK), Eric Schweitzer. Er stützt sich dabei auf die Resultate des diesjährigen DIHK-Reports zur Unternehmensnachfolge, der eine erschreckende Erkenntnis brachte: „Noch nie gab es so viele Seniorunternehmer und so wenige mögliche Nachfolger“, sagt Schweitzer.

Wer ist der passende neue Chef?

Vor allem die Demografie und rückläufiges Interesse an der unternehmerischen Selbstständigkeit erschwerten die Nachfolgersuche zunehmend. Immer mehr Unternehmer erreichten das Ruhestandsalter, während viele qualifizierte Personen gerade in Zeiten des Fachkräftemangels eine gut dotierte abhängige Beschäftigung der Selbstständigkeit vorzögen. Darum fänden mehr als 40 Prozent der Seniorunternehmer „nicht den passenden neuen Chef“.

Besonders rar seien qualifizierte Übernehmer in der Industrie. Hier kommen der DIHK-Erhebung zufolge rein rechnerisch fünf Alteigentümer auf einen möglichen Nachfolger.   Nach Einschätzung des DIHK schrecken vor allem hoher Kapital- und Modernisierungsbedarf viele Übernehmer ab.

Gestützt werden die Erkenntnisse des DIHK vom Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM). Ihren Nachforschungen zufolge stehen Jahr für Jahr in Deutschland rund 71.000 Unternehmer vor der Nachfolgefrage. Gingen in den neunziger Jahren noch drei von vier Firmen vom Senior auf dessen Kinder über, so sind es heute weniger als die Hälfte.

Kriterien für Unternehmensnachfolgen

Bei der Klärung dessen, was unter einer Unternehmensnachfolge zu verstehen ist, spiele nicht alleine ein Wechsel im Eigentum, sondern auch in der Leitung eines Unternehmens eine Rolle, schreibt das IfM in einer Untersuchung zu Unternehmensnachfolgen von 2010 bis 2014.

Unternehmensnachfolgen könnten demnach nur in eigentümer- oder familiengeführten Unternehmen auftreten. Ein Eigentümer- bzw. Familienunternehmen sei dann gegeben, wenn bis zu zwei natürliche Personen o der ihren Familienangehörigen mindestens 50Prozent der Anteile eines Unternehmen halten und diese natürlichen Personen zugleich der Geschäftsführung des Unternehmens angehörten. Zweites konstituierendes Merkmal sei der Übergang der Leitung des Unternehmens. Eine gleichzeitige Übergabe des Eigentums sei dabei nicht zwingend erforderlich. Ein bloßer Übergang des Eigentums ohne gleichzeitigen Leitungswechsel stelle allerdings keine Unternehmensnachfolge, sondern eine Übernahme dar.

Nicht jedes übergabereife Unternehmen verfüge über die Voraussetzung, einen Übernehmer zu finden und damit übernahmewürdig zu sein. Die Übernahme- würdigkeit knüpfe an der ökonomischen Attraktivität eines Unternehmens an. Diese ergebe sich etwa daraus, dass „es über ein am Markt eingeführtes Produkt, einen festen Kundenstamm oder eine gute Lage verfügt“. Aus diesen Kriterien leiteten sich die die zukünftigen Erfolgsaussichten eines Unternehmens ab, von denen ein potenzieller Nachfolger seine Entscheidung üblicherweise abhängig machen sollte.