Glücksspiel im Internet boomt
Glücksspiel im Internet boomt

Glücksspiel im Internet boomt

Im nächsten Jahr soll der Jahresumsatz der Glücksspiel-Branche im Internet bereits an 200 Milliarden Euro betragen.  Schleswig-Holstein lässt Online-Wettlizenzen zu.

Früher versammelte man sich an langen Winterabenden gern am heimischen Küchentisch zum Gesellschaftsspiel. Oder man ging ins Wirtshaus, um sich die Zeit beim Skat oder am Geldautomaten zu vertreiben. All das gibt es freilich heute auch noch. Doch im Zeitalter sich auflösender gesellschaftlicher Bindungen und der daraus resultierenden Zunahme individualisierter Lebensentwürfe gewinnt der virtuelle Glücksspielmarkt rasend an Bedeutung.

Die Marktforscher von Pricewaterhouse Coopers untersuchen die Glücksspielbranche seit Jahren. In ihrem jüngsten Bericht prognostizieren sie dem Glücksspiel im Internet einen Markt mit phantastischen Wachstumsraten. Im nächsten Jahr soll der Jahresumsatz der Branche bereits an 200 Milliarden Euro heranreichen. Allerwerden nicht alle an diesem Wachstum teilhaben. Denn in Deutschland ist Online-Glücksspiel immer noch verboten.

Schleswig-Holstein erlaubtWettlizenzen

Dieses Verbot ist der Grund dafür, dass deutsche Spieler sich ausländischen Anbietern wie etwa GamingClub.com/ch zuwenden, dort Clubmitglied werden und so auf ein breites Spieleangebot zugreifen können. Von den 16 deutschen Bundesländern hat sich jedoch eines für einen Sonderweg entschieden. Schleswig-Holstein erlaubt eine unbeschränkte Vergabe von Wettlizenzen. Damit lässt es Online-Casinospiele und Online-Poker zu. Ohne Grund geschieht das nicht: Weil die Veranstalter Pokerrunden 20 Prozent des Rohertrags abführen müssen, rechnet die Landesregierung mit Einnahmen durch das Glücksspiel in Höhe von bis zu 40 Millionen Euro.

Wer bei einem schleswig-holsteinischen Anbieter spielen will, muss sich an sdtrikte Regeln halten. Die sehen vor, dass die Online-Spieler vorab ihr Konto beim Glücksspielveranstalter per Kreditkarte oder Online-Zahlungsdienst wie zum Beispiel Paypal aufladen müssen. So werden die Spieleinsätze von diesem internen Veranstalterkonto abgebucht.

Glücksspiel unter Strafe?

„Der Online-Markt macht gegenwärtig mindestens zehn Prozent des gesamten Marktes von Glücks- und Geschicklichkeitsspielen in Deutschland aus“, sagen die Professoren Reiner Clement und Franz Peren vom Forschungsinstitut für Glücksspiel und Wetten in Sankt Augustin bei Bonn. Sie schätzen, dass die deutschen Spieler alleine fürs Pokern im Netz knapp 340 Millionen Euro im Jahr aus. Zum Vergleich: Online-Sportwetten machen 290 Millionen Euro Umsatz im Jahr liegt und wurde also inzwischen vom Pokern überholt.

So beliebt das Glücksspiel bei denen einen ist, so unbeliebt ist es bei anderen. Jeder vierte Deutsche will das Glücksspiel unter Strafe stellen. Und in Nordrhein-Westfalen patrouillierte nun gar eine nach englischem Vorbild gebildete „Scharia-Polizei“, die Menschen vom Gang in Spielhallten abbringen wollen. Und in Baden-Württemberg hat die grün-rote Landesregierung die Gesetze für Spielhalten deutlich verschärft.

Sowohl die „Scharia-Polizei“ als auch eine Politik, die die Zahl der Spielhallen verringert, wird die Spiele-Angebote im Internet allerdings nur noch attraktiver machen.