Verbraucher gefangen im Stromnetz
Verbraucher gefangen im Stromnetz

Verbraucher gefangen im Stromnetz

Stromerzeuger nutzen den Herbst gern, um Preiserhöhungen zum Januar vorzubereiten. Was aber kann der Verbaucher tun, der an den Stromverbund gebunden ist?

Gleich, ob Mieter oder Eigentümer, schon lange befindet sich der Mensch gefangen im Stromnetz. Auch wenn unterirdische Kabel und Überlandleitungen eher eine lose Schlinge darstellen, gibt es daraus kein Entkommen. Hauseigentümer haben den Vorteil, dass sie, die entsprechende Ausrichtung ihres Objektes vorausgesetzt, durch Solarzellen eine gewisse Autonomie haben und Eigenstrom erzeugen können.

Für alle anderen bedeutet Strom eine absolute Abhängigkeit von Erzeugern und Regierung. Das EEG, das Gesetz für erneuerbare Energien, sorgt nicht umsonst in der Gesellschaft für entsprechenden Zündstoff. Wer nicht mit Kohle oder Holz heizen kann, befindet sich in einer zusätzlichen Gefangenschaft. Viele derer, die mit Gas heizen und kochen, fürchten, dass Russland Gas als Druckmittel einsetzt, um seine Interessen, welcher Art auch immer, gegenüber dem Westen durchzusetzen.

Bildnachweis: Jörg Trampert / pixelio.de

Bildnachweis: Jörg Trampert / pixelio.de

Was tun, wenn die Versorger an der Preisschraube drehen?

Das vierte Quartal eines Jahres bedeutet für Verbraucher nicht nur, dass sie von allen Seiten mit günstigen Angeboten für die Autoversicherung überhäuft werden. Für die Stromerzeuger gilt diese Jahreszeit als gerne gesehener Zeitpunkt, die Strompreise zum 1. Januar heraufzusetzen. Austreten aus dem Stromverbund geht nicht, was bleibt, ist die Suche nach einer anderen Lösung.

Der erste Schritt bei steigenden Strompreisen geht in die Richtung eines Vergleichsportals. Die Tarifvielfalt der Anbieter ist inzwischen, seit dem Fall des Versorgermonopols breit gefächert. Es geht bei der Anbieterauswahl nicht mehr darum, Ökostrom oder keinen Ökostrom zu wählen. Zahlweise und Preisgarantie stehen gleichermaßen im Vordergrund. So hat die Stiftung Warentest im März 2013 gerade die günstigsten Anbieter analysiert. Das Ergebnis war, dass es sich durchaus lohnt, nicht nur auf den Preis zu schauen, sondern den Vertragsbedingungen ein besonderes Augenmerk zu widmen.

Unterschieden wird zwischen zwei Tarifmodellen, dem Basistarif und davon abweichenden Angeboten. Die Basistarife lasse bei einer Preiserhöhung eine Kündigung innerhalb von 14 Tagen zu. Andere Varianten, die mit teilweise deutlich günstigeren Konditionen locken, schließen dagegen unter Umständen eine Kündigung bei einer Preiserhöhung aus.

Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de

Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de

Einstmals war es ein lohnendes Geschäft, mit Solarzellen nicht nur den eigenen Strombedarf zu decken, sondern darüber hinaus die Überproduktion in die öffentlichen Netze einzuspeisen. Aufgrund der Preisgarantie für die Abnahme amortisierten sich die gläsernen Verschalungen auf den Hausdächern recht schnell, mancher private Erzeuger verzeichnete nach Abzug der Kosten für Finanzierung und Versicherung der Anlage sogar noch einen Überschuss. Als Wermutstropfen kam jedoch die Senkung der Einspeisevergütung, die manche Kalkulation für eine zu erstellende Solaranlage nicht mehr ganz so attraktiv dastehen ließ, zumal Solarzellen mit der Zeit an Leistung einbüßen.

Die Krux der Eigenstromerzeuger

Als Alternative zeichnen sich immer mehr Windräder ab, die mit einem Durchmesser von 80 cm durchaus geeignet sind, ebenfalls Strom für den Eigenverbrauch zu generieren. Stärker als bei Solarzellen macht jedoch der Standort den Unterschied zwischen einem rentablen und einem unrentablen Investment. Nicht jedes Garagendach ist für diese Variante der Stromerzeugung geeignet.

Neben der Absenkung der Einspeisevergütung sollte es aber für die Besitzer von Solaranlagen noch bitterer werden. Dem Versuch, den ständig steigenden Strompreisen und damit wachsender Besteuerung zu entkommen, stand plötzlich der Gedanke der Bundesregierung gegenüber, den selbst verbrauchten Anteil des erzeugten Stroms ebenfalls mit der EEG-Umlage zu belasten. Der Förderung alternativer Energien durch private Haushalte stand plötzlich die kontraproduktive Besteuerung gegenüber.

Erfreulicherweise machten die Verantwortlichen aber noch einen Rückzieher und verzichten zunächst darauf. Es bleibt zu hoffen, dass das ursprüngliche Vorhaben auch künftig nicht umgesetzt wird. Andernfalls entkommen Eigenheimbesitzer mit eigener Stromgewinnung zwar dem Preisdiktat der Anbieter, laufen aber direkt in die Steuerfalle, die am Ende die Attraktivität der Erzeugung regenerativer Energie durch private Haushalte zunichte macht.