NPD-Wähler gehen kaum zur AfD

Der Erfolg der Alternative für Deutschland wirft die Frage auf: Zu wessen Lasten geht der Aufstieg der AfD? Denn wo es Gewinner gibt, sind auch Verlierer. Ein Gastbeitrag von Christian Lüth*.

Seit der Gründung der Partei im Frühjahr 2013 bis dato hat es kaum ein politisches Medium gegeben, dass nicht zu irgendeinem Zeitpunkt den Vergleich der AfD mit der NPD auf die ein oder andere Weise bemüht hätte. Zunächst wurde der inhaltliche Vergleich gezogen, bis das Anfang 2014 erarbeitete Europawahlprogramm, das sich unter anderem für die Westbindung, ein tolerantes Miteinander der Religionen und für den europäischen Binnenmarkt aussprach, nicht länger von den Medien ignoriert werden konnte.

Danach wurde von den Medien die Mitglieder unter die Lupe genommen bis der Vorstandsbeschluss von November 2013 an die Öffentlichkeit drang, der festlegte, dass ehemalige Mitglieder von rechtsradikalen Parteien nichts in der AfD zu suchen haben, sprich: Eine Aufnahme in die AfD unmöglich gemacht wurde. Nun soll zumindest die letzte vermeintliche Gemeinsamkeit mit den rechtsradikalen Parteien in manchen Medien aufrechterhalten werden: Die Wählerschaft.

Kreditwürdige Wähler

Anlässlich der Landtagswahlen im Osten Deutschlands wird nun landauf, landab in den Medien und von namhaften Politikwissenschaftlern behauptet, der Aufstieg der AfD stünde in direktem Zusammenhang mit dem Abstieg der NPD. Selbst der NPD-Vorstand fürchte, seine Wähler könnten zur AfD abwandern. Vor allem Wähler mit bürgerlichem Sozialprofil könnten dies tun. Schlecht für die NPD, heißt es, aber auch gut: Die AfD würde schließlich die Themen der NPD endlich salonfähig machen.

Aktuelle Wahlanalysen zeigen: Mitnichten, denn diese Schnittmengen in der Wählerschaft existieren gar nicht. Soziale Erhebungen des Institutes ISPRA beweisen, dass die Wählerstruktur der rechtsradikalen Parteien eher im Prekariat, also an den sozialen Brennpunkten und Randgebieten zu finden sind. Sie charakterisieren sich meist durch geringe Kreditwürdigkeit, unsolide Familienplanung und einem erhöhten Wechsel zwischen geringqualifizierten Jobs und Arbeitslosigkeit.

Ganz anders der Wähler, der eine hohe Bereitschaft aufweist, der AfD seine Stimme zu geben: Dieser ist meist überdurchschnittlich kreditwürdig, bürgerlich etabliert, politisch engagiert und Familienvater mit meist unbefristetem Arbeitsvertrag. Das passt nicht zusammen.

Distanz der NPD-Wähler

Darüber hinaus ergaben aktuelle Umfragen des Erfurter Meinungsforschungsinstitutes INSA, dass lediglich 1,5 Prozent der „Sonstigen Parteien“ – also  NPD, DVU, Rep, etc. – eine hohe Bereitschaft zeigten, ihre Stimme auch der AfD zu geben. Parallel dazu waren es nur 0,5 Prozent der NPD-Wählerschaft, die angaben, sich auch mit der AfD anfreunden zu können. Im Vergleich dazu könnten sich dies 2 Prozent der SPD-, 1,5 Prozent der Linken- und 1 Prozent der FDP-Wählerschaft vorstellen. Die NPD-Wähler sind also am geringsten von allen Parteien gefährdet, zur AfD überzulaufen.

Zu wessen Lasten geht nun der Aufstieg der AfD? Die aktuellen Debatten innerhalb der Union geben der INSA-Umfrage recht: Die CDU-Wähler führen die Gruppe der AfD-Affinen mit 5,5 Prozent an, in dem sie angaben, auch das ein oder andere Mal die AfD gewählt zu haben.

Erfolg bei Nichtwählern

Nicht umsonst hat die CDU-Spitze die AfD als ernstzunehmenden Gegner identifiziert und vor allem durch Gauweiler und Co. besonders im Europawahlkampf originäre AfD-Positionen wie Zuwanderung, innere Sicherheit oder Familie übernommen. Die AfD birgt durch ihre Positionen für die CDU auch ein großes Spaltungspotential. Von Roman Herzog über Erwin Teufel bis hin zur CDU-Mittelstandsvereinigung hat man sich gegen die von Merkel und Kauder propagierte Tabuisierung und für eine ernsthafte inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD öffentlich ausgesprochen.

Die Angst der CDU vor dem Potential der AfD hat aber noch einen weiteren Grund. Wie keine andere Partei und ganz anders als die CDU, deren Mitglieder überaltern und auszusterben drohen, ist es der AfD gelungen, Nichtwähler in Zeiten von politischer Frustration zu mobilisieren. Immerhin gaben auch 5,5 Prozent der Nichtwähler an, bei den nächsten Wahlen AfD wählen zu wollen. Rein rechnerisch verfügt die AfD also derzeit über rund 20 Prozent Wählerpotential. Das ist für eine Partei, die gerade mal 18 Monate existiert, eine Sensation. Das hat niemand schneller erkannt als die CDU.

*Christian Lüth ist Presseverantwortlicher des Bundesvorstandes der AfD.