Putin spielt Sanktions-Schach
Putin spielt Sanktions-Schach

Putin spielt Sanktions-Schach

Putin bringt die USA mit der Bestellung von 16 Boeing-Flugzeugen in Verlegenheit. Und der Import-Stopp für Agrarerzeugnisse dürfte Europa teuer zu stehen kommen.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Einfuhr von Agrarerzeugnissen, Lebensmitteln und Rohstoffen aus Ländern verboten, die Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt haben. Das geht aus Putins am Mittwoch unterschriebenem Ukas hervor, teilte der Kreml mit.

Die Lebensmittelverbots-Liste soll Obst, Gemüse, Fleischerzeugnisse und weitere Lebensmittelarten enthalten. Laut dem Vorsitzenden des Duma-Ausschusses für Wirtschaftspolitik, Igor Rudenski, gilt das Verbot nur für Waren, die Russland selber produziert und auf ihren Import problemlos verzichten könnte. Gleichwohl, so ist aus Moskau zu hören[1], könnten gegebenenfalls Argentinien, Brasilien, Chile und Ecuador als Ersatzlieferanten in die Bresche springen.

Wie Du mir, so ich Dir!

Macht nix, könnte sich so mancher Sanktionstrommler denken … dann müssen eben die EU-Agrarförderungen angepasst werden – und falls die Budgets nicht ausreichen, kein Problem: Schließlich ist ja noch genügend Suppe da – auf den Konten fleißiger Sparer!

Ach ja, und falls dabei – natürlich völlig unbeabsichtigt – kleinere landwirtschaftliche Betriebe aufgeben müssen: So what? Die großen Spieler haben dann eben mehr „Futter“!
Vielleicht sollten wir sanktionslüsterne Polit-Puppets an ein bekanntes amerikanisches Sprichwort erinnern: „What goes around, comes around!“ (Wie Du mir, so ich Dir.)

Sollte sich die Sanktionsspirale weiter drehen, wird man die Bestätigung dieses Spruches mit großen, staunenden Kulleraugen bestaunen können!

Im Übrigen scheint der ‚phöse‘ Herr Putin den US-Sanktions-Strategen hinsichtlich Format und Witz meilenweit überlegen zu sein. Mit einem Auftrag von 16 Boeing-Dreamlinern samt Anzahlung könnte er im White House vermutlich für ein gewisses Maß an Verwirrung gesorgt haben.[2]

Die von den EU-Sanktionen betroffene russische Billigairline Dobrolet hat die Flugzeuge bei Boeing angefragt und bereits eine Vorvereinbarung zum Erwerb der 16 neuen Maschinen mit Boeing unterzeichnet, teilte der von der staatlichen russischen Fluglinie Aeroflot betriebene Billigflieger mit. Als Folge der Sanktionen war in der vergangenen Woche Dobrolets Leasing-Vertrag für Boeing-Flugzeuge geplatzt war. Daraufhin musste die Airline den Flugverkehr einstellen.

Nur geträumt?

Mit diesem klugen Schachzug zu den Sanktionen gegen die Billigfluglinie kann Putin nun fröhlich dabei zusehen, ob sich die im ‚Land of the free‘ wohlbekannte Ansage „Money talks!“ bewahrheitet, oder mit welchen semantischen Turnübungen die ‚great pretenders‘ aus dieser Nummer wieder herauszukommen versuchen werden.

Sollte der Deal nicht zustande kommen, so könnte man zumindest davon träumen – vielleicht in einem Dreamliner!
Ach ja, übrigens wurde seitens des Konzern-Managements noch keine offizielle Stellungnahme veröffentlicht. Vielleicht ist man noch am träumen?

 

Anmerkungen

[1] Radio Stimme Russlands, „Medwedjews Sprecherin: Lebensmittel-Verbotsliste liegt am Donnerstag vor“: http://german.ruvr.ru/news/2014_08_06/Medwedjews-Sprecherin-Lebensmittel-Verbotsliste-liegt-am-Donnerstag-vor-5080/

[2] Deutsche Wirtschafts Nachrichten, „Putin ärgert Obama und bestellt 16 neue Flugzeuge bei Boeing“

 

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