Krise der Lebensversicherungen

Die Lebensversicherung lohnt sich als Altersvorsorgeprodukt immer weniger. Denn mit dem Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) wird nun auch noch der Garantiezins gekappt.

Lange Zeit galt die klassische Kapitallebensversicherung als verhältnismäßig stabile Geldanlage. Doch seit 2012 summieren sich die Klagen über purzelnde Überschussbeteiligungen bei Lebensversicherungen. Nach der Ratingagentur Standard & Poor’s sieht es mit der Gewinnbeteiligung von Versicherten auch in Zukunft trübe aus – 2013 erhielten Kunden im Branchenschnitt insgesamt 3,6 Prozent auf den Sparanteil ihrer Prämien.

Im Vorjahr waren es noch 3,9 Prozent. Doch schon da ging es mit der Überschussbeteiligung auf Talfahrt. Von 1994 bis 2000 betrug die Überschussbeteiligung noch 4 Prozent. In den besten Zeiten bekamen Versicherte Gutschriften von 6 bis 7 Prozent.

32 Lebensversicherer vor dem Aus

In diesem Jahr korrigierte ein knappes Dutzend Lebensversicherer die Überschussbeteiligung nach unten, darunter etwa ErgoDirekt, R+V und AXA. Die Reduktionen pendeln sich 2014 bei 0,2 bis 0,4 Prozentpunkte ein. Im Durchschnitt liegt die Ausschüttung 2014 bei 3,39 Prozent. Grund für die schmelzenden Überschussbeteiligungen ist die anhaltende Niedrigzinsphase, welche durch die Zinssenkungen der Notenbanken ausgelöst wurde.

Für einen Großteil der Lebensversicherer wird es infolgedessen schwerer, ihre Zinsversprechen an die Kunden zu halten. Das kann für viele von ihnen bis zur Insolvenz führen. Die Bundesbank warnte in der Anhörung zum Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG), dass bis zu 32 von den 85 deutschen Lebensversicherern in den nächsten Jahren akut gefährdet seien. Damit stünden rund 40 Prozent der Versicherer vor einem möglichen Aus.

Lebensversicherungen werden künftig weniger Rendite abwerfen

Die Finanzaufsicht BaFin erklärt die Lebensversicherung zum Auslaufmodell. Das Lebensversicherungsreformgesetz soll Abhilfe verschaffen. Die Änderung kam auf Empfehlung der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). Mit ihrem Inkrafttreten soll es zu einer Senkung des Garantiezinses kommen – ab dem 1. Januar 2015 wird es für Neukunden statt bisher 1,75 Prozent nur noch einen Garantiezins von 1,25 Prozent geben. Die garantierten Rendite werden für sie zwar deutlich geringer ausfallen, mit der Herabsetzung des Garantiezinses soll jedoch sichergestellt werden, dass die Versicherungen trotz Niedrigzinskrise am Kapitalmarkt ihr Leistungsversprechen für die gesamte Laufzeit der Lebensversicherungsverträge einhalten können.

Das LVRG könne laut Bundesbank zu einer Erhöhung der Risikotragfähigkeit und damit zur Stabilität des Lebensversicherungssektors beitragen. Die Reform der Lebensversicherung schließt weitere Maßnahmen ein, so werden Ausschüttungssperren für Dividenden eingeführt (Vorreiter ist die Württembergische) und die Beteiligung der Kunden an Risikogewinnen wird sich von 75 Prozent auf 90 Prozent erhöhen.

Sparen und Hinterbliebenenversorgung trennen

Für Kunden wird es sich ab 2015 bezahlt machen, genauer abzuwägen, welche Versicherungen sie eigentlich benötigen. Wer das Risiko nicht scheut, wird mit einer Lebensversicherung noch immer eine sichere Geldanlage finden. Geht es den Versicherten aber um den Hinterbliebenenschutz, den eine kapitalbildende Lebensversicherung über die Altersvorsorge hinaus bietet, sollten sie vorher überlegen, ob eine Risikolebensversicherung ausreicht. Auf Cosmosdirekt.de gibt es einen Versicherungsrechner, mit dem Kunden in Erfahrung bringen können, wie die Absicherung der Familie über eine solche nicht-kapitalbildende Versicherung aussieht.

Da eine Risikolebensversicherung deutlich günstiger als die konventionelle Lebensversicherung ist, können Kunden sogar Geld sparen und den Betrag in eine andere Altersvorsorge investieren. Ab dem nächsten Jahr wird der Trend wahrscheinlich verstärkt dahin gehen, Sparen und Hinterbliebenenversorgung zu trennen.