Die Selbstzerstörung der USA
Die Selbstzerstörung der USA

Die Selbstzerstörung der USA

 Die USA haben ihr politisches System pervertiert. Sie sind  zum Land der Geldpfuscher geworden, das seine Jugend vernachlässigt und alle Welt über sich selbst täuscht.

Sie pumpen Geld (bis Oktober)[1]. Sie pumpen Fracking-Öl[2]. Und jetzt pumpen sie auch immer mehr Wasser. In Kalifornien. Wegen der anhaltenden Dürre. Ob ein Zusammenhang mit dem Klimawandel besteht, oder nicht: Es herrscht Ausnahmezustand. Amerika quetscht seine Menschen, seine Böden und seine Druckmaschinen aus, als gäbe es kein morgen. Und das hat einen guten Grund. Amerika hat nicht mehr viele Reserven.

Die wenigen, die man noch ausbeuten kann, werden fieberhaft und skrupellos abgesaugt. Das sind die frenetischen Maßnahmen am Ende der Fahnenstange. Dabei stellen sich noch einmal kurze Erfolge ein: Die USA überholen Saudi Arabien bei der Ölproduktion. Sie überflügeln Russland als größten Gasproduzenten. Plötzlich ist das Land Ölexporteur und baut seine horrenden Defizite in der Handelsbilanz mit wichtigen Ländern ab.

Doch das ist einfach nur Zeitgewinn. Von der Substanz leben kann niemand auf Dauer. Auch nicht eine einst so reiche Nation. Jetzt bezweifeln nicht mehr alleine die BRICS-Länder Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, dass der Dollar als führende Reservewährung im Grunde schon abgedankt hat.

Anfang vom Ende

Am Sonntag stellte auch Frankreichs Finanzminister Michel Sapin ein Misstrauensvotum gegen den Dollar. Er rief zu einer Neuordnung beim Abrechnen des Welthandels auf. „Wir Europäer verkaufen uns gegenseitig Güter und berechnen das in Dollar. Ist das notwendig? Ich glaube nicht“, lautete die unüberhörbare Breitseite aus Paris.

Aus der Wirtschaft erklingen ähnliche Stimmen: Christophe de Margerie, der CEO von Total – Frankreichs größtem Unternehmen – findet, „Firmen wie unsere verkaufen viel auf Dollarbasis, aber wir wollen nicht immer mit den US-Regeln zu tun haben“.

So zurückhaltend klingt das in der Sprache von Topmanagern international aufgestellter Firmen, die ein paar Lektionen über Diplomatie bekommen haben. Auf deutsch heißt dieser Satz von Margerie: „Fuck the USA, wir wollen künftig in unseren eigenen Währungen abrechnen.“ So brechen den USA Freunde und Kapitalflüsse weg. Das ist der Anfang vom Ende.

Was fehlt, um dem Greenback endgültig das Genick zu brechen, ist das Äquivalent eines Mörserangriffs wie der, der im Halbfinale der Fußballweltmeisterschaft binnen sechs Minuten Brasilien versenkte. Es könnte die Entdeckung sein, dass die USA wirklich kein deutsches Gold mehr in den Fed-Kellern in Manhattan haben. Oder, dass die Defizite im öffentlichen Pensionssystem zu groß geworden sind. Oder, dass ein größeres Gläubigerland umfangreich US-Anleihen abstößt.

Millionen-Heer vernachlässigter Jugendlicher

Die USA könnten dagegen halten. Sie könnten versuchen, die lange Zeit schleichende – sich aber jetzt beschleunigende Erosion ihrer Substanz und ihres einstigen Vermögens aufzuhalten: durch Bildung, durch mehr Ersparnisse, durch ein weniger korruptes Finanzsystem, durch bessere Anreize für die verzweifelte Mittelschicht, die ihren Glauben an den „American Dream“ verloren hat.

Die USA hätten vor langer Zeit damit beginnen müssen. Haben sie aber nicht. Und was sie am leichtesten hätten fördern können, das vernachlässigen sie: Das Fördern von Talenten und gut ausgebildeten jungen Menschen. Sie sind es gewöhnt, dass sie als riesiger Magnet fungieren und Millionen von asiatischen und europäischen Forschern, Ingenieuren und Akademikern anziehen.

Doch die bleiben jetzt immer öfter in Asien, wo sie Perspektiven und gut bezahlte Jobs finden. Zurück bleibt ein Millionen-Heer vernachlässigter und miserabel ausgebildeter Jugendlicher zwischen Chicago, Houston und Seattle, das ohne Taschenrechner oft nicht einmal einen Kassensturz vom Kleingeld in der Hosentasche machen kann, geschweige denn weiß, welche Faktoren auf Zinsen einwirken.

Machenschaften der Geldpfuscher

Warum auch, wenn die Fed sowieso an der Stellschraube sitzt und keinen mehr fragt.

CNN Money berichtet[3] von einer Studie der OECD mit vielsagendem Ergebnis: Chinesische Teenager in Shanghai wissen mehr über Geld als ihre amerikanischen Peers. Die Jugendlichen in den USA landeten bei diesem international angelegten Vergleichstest – bei dem es um Wissen über Steuern, Zinsen und Banken ging – im Mittelfeld bei Litauen und Russland.

Wie soll ein solches Land die wirtschaftliche Vormachtstellung verteidigen und die Wall Street als Zentrum der globalen Finanzwelt erhalten? Eigentlich nur noch durch Betrug und Manipulation. Das ist der Grund, warum wir in jenem Land, dessen Vertreter alle Welt ständig mit erhobenem Zeigefinger zur Erhaltung freier Märkte ermahnen, keine frei gebildeten Preise mehr sehen: Nicht für Zinsen, nicht für Wechselkurse oder Gold-Notierungen.

Der Zeitpunkt naht jedoch, an dem der Markt sich einen strategisch wichtigen Preis aus den Fängen der Manipulierer zurück erobern wird: Es ist der Wechselkurs und die Werthaltigkeit des Dollars. Noch winkt die Fed mit höheren Zinsen am Horizont, manipuliert das Gold nach unten und zieht alle Strippen die sie kann, um den Greenback vor einem schmerzhaften Kursrückgang zu bewahren.

Pervertiertes System

Aber je mehr sich Amerikas Geldpuscher bemühen und an die Decke strecken, desto auffälliger wird ihre Verzweiflung für jedermann zu sehen sein. Und irgendwann – quasi über Nacht – kommt dann das, was man in den USA einen „Bank Run“ nennt.

Die USA haben ihr eigenes politisches System und ihre Demokratie pervertiert, um sich vor Terroristen zu schützen. Sie vergiften ihren eigenen Boden, um das letzte Öl heraus zu pumpen. Und sie überschwemmen die Welt mit Liquidität, um den Anschein zu erwecken, dass sie nach der Finanzkrise auf dem Wege der Besserung sind.

Aber sie haben völlig vergessen, dass sie die Welt nicht ewig täuschen können.

 

Anmerkungen

[1] Money News, „Fed Agrees to End QE in October, Splits on Signals for Rate Hike“: http://www.moneynews.com/StreetTalk/Fed-QE-Signal-Rate/2014/07/09/id/581678/

[2] Reuters-Video, „Drought-stricken farmers desperate for new water wells“: http://www.reuters.com/video/2014/07/09/drought-stricken-farmers-desperate-for-n?videoId=320367948&videoChannel=1&channelName=Top+News

[3] CNN Money, „Chinese teens beat U.S. peers in money smarts“: http://money.cnn.com/2014/07/09/pf/financial-literacy-teens/index.html?iid=HP_River

 

Über Markus Gaertner

Markus Gaertner war über viele Jahre freier Wirtschafts-Korrespondent mit Sitz in Vancouver. Heute arbeitet er für den Kopp-Verlag. Weitere Artikel