Notenbanken schaffen Sozialismus
Notenbanken schaffen Sozialismus

Notenbanken schaffen Sozialismus

 Notenbanken erfüllen die Grundbedingung des Sozialismus: Große Teile des wirtschaftlichen Produktivkapitals wandern durch massenhaften Aktienkauf in staatliche Hände, schreiben Dagmar Metzger, Christian Bayer und Steffen Schäfer in der ReiheFREITAGSGEDANKEN”.

Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs‘ noch Esel auf, gerne zitierte Erich Honecker dieses angeblich von August Bebel stammende Bonmot. Zuletzt anlässlich des 40jährigen Bestehens des real existierenden Sozialismus in der DDR. Wenig später fiel die Mauer und nicht nur Francis Fukuyama nahm das Ende der Geschichte an. Der Sozialismus war aufgrund seiner Ineffizienz und seiner Unvereinbarkeit mit der natürlichen Wirtschaftsordnung zusammengebrochen. Doch, so heißt es bereits in der Bibel, lobe den Tag nicht am Morgen, denn Du weißt nicht, was der Abend bringt. Wer ist mit der heiligen Schrift nicht so hat, kennt sicherlich das schöne Sprichwort: Wer zuletzt lacht, lacht am besten…

So absurd es zunächst klingen mag, der Sozialismus ist weltweit – insbesondere im Westen – tatsächlich auf dem Vormarsch. Staatsquoten nahe an 50 Prozent (und vielerorts auch deutlich darüber) sprechen kaum die Sprache einer freiheitlich orientierten Marktwirtschaft. Der Kern unseres Wirtschaftens ist ohnehin schon seit langem zentralistisch und planwirtschaftlich, also im eigentlichen Sinne sozialistisch organisiert: unser Geldwesen.

Brisante Studie

Es sind die Zentralbanken, die sich zu einer essentiellen Bedrohung der Wirtschaft entwickelt haben. Kern des Problems ist dabei die Anmaßung der Institute, sie wüssten die richtige Höhe des Zinses. Diese Hybris ließ weltweit eine Blase nach der anderen entstehen beziehungsweise verhinderte die Korrektur der künstlichen Boomphasen. Gezielt verzögerten und schwächten die Notenbanken jene natürliche Marktreaktion und hielten so das Spiel der Fehlallokationen von Kapital und der Fehlanreize für Anleger am Laufen. Die Folge sind immer größere Blasen und immer stärkere Staatseingriffe.

Das Ergebnis ist eine völlig groteske Situation: Gemäß einer Studie, welche das renommierte Official Monetary and Financial Institutions Forum (OMFIF)[1]

 

jüngst veröffentlichte, halten insgesamt 400 staatliche Institutionen die unglaubliche Summe von 29,1 Billionen US-Dollar an Wertpapieranlagen. Sie halten damit ein Anlagevermögen, das etwa 40 Prozent der Weltjahresproduktion entspricht.

Zu den staatlichen Institutionen gehören natürlich auch die Sovereign Wealth Funds von Ländern, die weitaus besser wirtschaften als es gemeinhin die Länder der EU oder auch die USA tun – beispielsweise Singapur oder Norwegen, auch die Zentralbanken sind mit insgesamt 13,2 Billionen US-Dollar mit im „Investmentboot“, immerhin mehr als 45 Prozent der Gesamtsumme. Die Chinesische Zentralbank ist dabei führend, dicht gefolgt von den Japanern. Auf Platz vier aber kommt bereits die Schweizer Notenbank, und die US-amerikanische Fed nimmt den fünften Rang ein. Mehr und mehr dieser Wertpapieranlagen sind nicht mehr nur Staatsanleihen oder Gold, sondern Aktien.

Übernahme von Produktivvermögen

Einerseits betreiben die Notenbanken so nichts anderes als massive Kurspflege und halten mit ihren Zukäufen die Aktienindizes der Welt oben. Zur Freude der Investoren, die allerdings die Kursgewinne der vergangenen Jahre auch gut gebrauchen können: Schließlich liegen die Zinsen auf niedrigstem Niveau.

Absurderweise sind es zeitgleich genau diese niedrigen Mickerzinsen, die wiederum die Zentralbanken dazu treiben, noch mehr Aktien zu akkumulieren. Denn bisher nutzten die Zentralbanken ihre Möglichkeit der Geldschöpfung oft genug zur Währungsmanipulation – beste Beispiele hierfür sind die Schweiz und China. Die eigene Währung wurde durch Gelddrucken abgewertet bzw. an der Aufwertung gehindert, mit der frisch geschaffenen Liquidität wurden Fremdwährungen, zumeist in Form von Staatsanleihen gekauft. Diese Politik entwertete zwar die Sparguthaben der Bürger, bescherte aber den Notenbanken schöne Renditen, die sie in die jeweiligen Staatshaushalte abführten. Nun aber sind die Institute zu Opfern ihrer eigenen jahrelangen Niedrigzinspolitik geworden. Diese lässt nämlich auch die Renditen der Zentralbanken schrumpfen. Also begeben auch sie sich auf die Suche nach Anlagen mit höheren Renditen und drängen so in die Aktienmärkte.

Aus diesen beiden Motiven (Kursstützungen und Renditesuche) entsteht ein Teufelskreislauf: Die Zentralbanken befeuern mit ihrer unendlichen Liquidität die Überhitzung und Blasenbildung an den Aktienmärkten (nicht mehr nur indirekt durch die niedrigen Zinsen, sondern ganz direkt durch ihre eigenen Käufe) und sind, wenn die Blase zu platzen droht, erst recht gezwungen, noch mehr zu intervenieren und aufzukaufen, um den vollständigen Kollaps zu verhindern. Auf diese Weise wandert mehr und mehr echtes (Sach-)Vermögen in staatliche Hände, im Austausch für aus dem Nichts geschaffenes Geld. Die Übernahme von Produktivvermögen durch die öffentliche Hand aber ist ein wesentliches Merkmal des Sozialismus.

Die wahren Ochsen und Esel

Dass sich zu allem Überfluss auch noch jede Menge „Wirtschaftswissenschaftler“ finden, die dieses Spiel theoretisch untermauern, macht die Sache dann endgültig rund. Wer angesichts der Misswirtschaft und des damit einhergehendes Leids in Kuba, Nordkorea und den untergegangenen Staaten des Ostblocks ernsthaft behauptet, dass der Staat der bessere Unternehmer sei, ist ein Scharlatan – aber gerade die werden in der Regel vom Staat gut bezahlt.

Und so findet dann die Geschichte nicht ihr Ende, sondern nimmt nur eine weitere ironische Wendung: Die Ochsen und Esel finden sich in den Zentralbanken und in den Wirtschaftswissenschaften, und sie hemmen auch nicht den Lauf des Sozialismus, sondern verhelfen ihm im Gegenteil erst in den richtigen Schritt und Tritt. Wer genau hinhört, kann vermutlich das laute und herzhafte Lachen aus Erich Honeckers Gruft vernehmen.

 

 Anmerkung

[1] http://omfif.createsend1.com/t/ViewEmail/j/AD679A12EEB1FB26