Petry spricht offen über Insolvenz
Petry spricht offen über Insolvenz

Petry spricht offen über Insolvenz

Die Co-Chefin der AFD, Frauke Petry, muss nach der Insolvenz ihres Unternehmens in die Privatinsolvenz. Das ist kein leichter Schritt, aber sie geht mutig damit um.

So gut es für sie in der Politik läuft, so schlecht lief es für die Co-Vorsitzende der AfD lange Zeit als Unternehmerin. Im Oktober letzten Jahres musste Frauke Petrys Leipziger Firma Purinvent GmbH Insolvenz anmelden. Jetzt läuft die Privatinsolvenz an. Sie selbst hofft jedoch, das Tief überwunden zu haben. Denn das Unternehmen soll unter neuem Namen als Purinvent System GmbH neu starten.

Dass es auch ein privates Insolvenzverfahren geben würde, hatte Petry bereits im März öffentlich angekündigt. Der Preis für die Firmenrettung bestehe „in der persönlichen Übernahme finanzieller Verpflichtungen aus persönlichen Bürgschaften für ihre alte Firma Purinvent“, schrieb sie. Und weiter: „Diese werden im Rahmen eines privaten Insolvenzverfahrens geregelt, nachdem ein für die Gläubigerbanken attraktives Vergleichsangebot aus nicht nachvollziehbaren Gründen von einer Gläubigerbank nicht angenommen wurde.“

Gerichtlicher Vergleich

Da sie mit ihrer Firmengründung „aktiv in Arbeitsplätze und umweltfreundliche Technologien“ investiert habe, sehe sie dem Verfahren gelassen entgegen. „Ich bin sicher, dass im Rahmen dessen eine akzeptable Lösung für beide Seiten gefunden wird. Was wir den Banken angeboten haben, stellt sie besser als etwaige Pfändungserlöse aus einer Regelinsolvenz“, so Petry.

Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine sogenannte Verbraucherinsolvenz, die dann in Kraft tritt, wenn eine Privatperson sich überschuldet hat. Bei Petry geht es um eine Privatinsolvenz als Folge der Unternehmensinsolvenz auf der Grundlage eines gerichtlichen Vergleichs mit den Kreditgebern.

Auf mein Privatleben hat das keinerlei Auswirkungen“ sagte Petry. Sie müsse weder auf Gehalt verzichten noch sonst irgendwelche Auflagen erfüllen. „Außerdem beziehe ich als Geschäftsführerin ein Gehalt, das unproblematisch ist“, sagte sie.

Bereits als der Konkurs ihres Unternehmens bekannt wurde, kamen Spekulationen über die politische Zukunft Petrys auf. Schließlich erwachse das Selbstverständnis der Alternative für Deutschland vor allem aus ihrer wirtschaftspolitischen Kompetenz, hieß es im liberalen Flügel.

Lucke hält an Petry fest

Doch Parteichef Bernd Lucke hielt auch im März noch an Petry fest, als klar war, dass ein privates Insolvenzverfahren folgen würde. Ausschlaggebend dürfte der politische Erfolg der sächsischen Landesvorsitzenden sein. Denn in Sachsen holte die euro-kritische Partei zuletzt bei der Europawahl in einigen Regionen zweistellige Ergebnisse. Auch der zweite AfD-Co-Vorsitzende Konrad Adam stärkt ihr den Rücken. „Unternehmerische Tätigkeit ist mit Risiken verbunden“, sagte Adam. „Warum sollte ich Frauke Petry einen Vorwurf machen, wenn sie den angestrebten Erfolg nicht gehabt hat?“

Petry muss für ihr Unternehmen in die Privathaftung gehen, obwohl Kapitalgesellschaften rechtlich nur mit ihrem Gesellschaftskapital haften. Sie erklärt das so: „Die Banken hebeln die GmbH-Haftung aus. Wenn ein mittelständischer Unternehmer einen Kredit braucht, bestehen sie darauf, dass er auch über die gesetzliche Haftung hinaus privat für seine Kredite bürgt.“

Nach dem Konkurs im Oktober letzten Jahres machte sich Petry auf die Suche nach neuen Investoren und fand ein von Mittelständlern gebildetes Konsortium, das mit ihr zusammen einen Neustart wagt. Petry bleibt alleinige Geschäftsführerin der im März neu gegründeten Purinvest System GmbH.

Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland

Purinvent produziert einen Kunststoff, der anstelle der sonst üblichen Luft in Gummireifen gefüllt wird. Auf diese Weise sind die Reifen gegen Beschädigungen durch herumliegendes Glas oder Metall geschützt. Vor allem in der Industrie und im Handwerk können durch beschädigte luftgefüllte Reifen schnell hohe Kosten entstehen, weil die Fahrzeuge dann nicht mehr einsetzbar sind.

Der von Purinvent hergestellte Kunststoff geht auf ein Patent zurück, das in den 90er-Jahren von Petrys Mutter angemeldet wurde, die wie ihre Tochter Chemikerin ist. Frauke Petry aktualisierte das Patent dann vor einigen Jahren und gründete die Firma. Für ihre Arbeit ist sie wiederholt ausgezeichnet worden. Sie erhielt den Sächsischen Gründerinnenpreis, den Darboven-Ideen-Förderpreis und 2012 gar den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

 

Über Günther Lachmann

Günther Lachmann ist Journalist und Autor. In seinen Beiträgen befasst er sich unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel