Draghi schafft die Planwirtschaft
Draghi schafft die Planwirtschaft

Draghi schafft die Planwirtschaft

EZB-Chef Draghi hebelt die Marktwirtschaft aus. Und die Massenmedien unterstützen diese Politik, für die unsere in der DDR groß gewordene Kanzlerin den Begriff der „Alternativlosigkeit“ geprägt hat.

Während der Pressekonferenz im Anschluss an die EZB-Sitzung vom 5. Juni 2014 sagte EZB-Präsident – und Ex-Goldman Sachs-Mitarbeiter – Mario Draghi mit dem für ihn typischen Gesichtsausdruck, den einige als süffisant, andere hingegen als verschlagen bezeichnen, folgenden offensichtlichen Unsinn:

„It’s completely wrong to suggest we want to expropriate savers.”

(Es ist völlig falsch zu behaupten, dass wir Sparer enteignen wollen.)

Wie so oft in den vergangenen Jahren habe ich damit einmal mehr einen sehr guten Grund, das von Jean-Claude Juncker in seiner Zeit als Euro-Gruppenchef im April 2011 öffentlich ausgesprochene Credo der EU-Elite zu zitieren:

„Wenn es ernst wird, muss man lügen.“

Ja, es handelt sich dabei um denselben Jean-Claude Juncker, der jetzt zum EU-Kommissionspräsidenten gemacht werden soll. Um denselben Jean-Claude Juncker, der Angela Merkels Vertrauen genießt und ihre volle Unterstützung hat.

Wir leben in wahrhaft verkommenen Zeiten.

Draghi und seine Gelddrucker-Gang

Aber vielleicht tue ich Herrn Draghi ja Unrecht. Vielleicht möchte er uns ja durch die Blume eine ganz andere Botschaft übermitteln. Vielleicht wollen er und seine Zentralbankkollegen die Sparer ja wirklich nicht enteignen, sondern werden von dunklen Mächten, die wir Normalsterblichen nicht sehen können, dazu gezwungen. In diesem Fall hätten wir es natürlich nicht mit einer dreisten Lüge zu tun, sondern mit einer Notlüge – und einem schweren Fall von Verfolgungswahn.

Für Sparer und Anleger spielt es allerdings keine Rolle, was Draghi und seine Gelddrucker-Gang antreibt. Sie müssen sich einzig und allein um die Folgen seiner Politik sorgen. Und diese Folgen werden verheerend sein. Das hat inzwischen sogar Jürgen Stark erkannt, der ehemalige Chefvolkswirt der EZB. So schrieb er am 3. Juni dieses Jahres in der FAZ:

„Der Zins hat bereits seine Signal- und Steuerfunktion verloren. Die Finanzmärkte sind durch die Zentralbankinterventionen und die gegebenen Garantien völlig verzerrt. Risiken werden nicht mehr richtig abgebildet.“

Mit anderen Worten, die Zentralbankbürokraten haben erneut eine gewaltige Spekulationsblase, eine umfassende Blasenökonomie geschaffen. Und was nach dem Platzen der Blase passieren wird, das kennen wir ja schon aus den Jahren 2000 bis 2003 und 2007 bis 2009. Allerdings sind die Ungleichgewichte und Fehlentwicklungen heute noch wesentlich größer als damals. Deshalb muss man befürchten, dass auch die unvermeidliche Anpassungs- und Bereinigungskrise heftiger ausfallen wird als damals.

Blutrünstige Vampire und Bürokraten

Schön, dass sogar ehemalige Zentralbanker das inzwischen so sehen. Allerdings wagen sie es noch immer nicht, den Gedanken konsequent zu Ende zu denken. Wenn sie das täten, müssten sie nämlich die Abschaffung des Zentralbankwesens und des untrennbar mit diesem verbundenen staatlichen Geldmonopols fordern. Vor blutrünstigen Vampiren kann man sich angeblich mit silbernen Gewehrkugeln schützen. Vor wild gewordenen Zentralbankbürokraten schützt man sich am besten mit Gold.

Die Massenmedien feiern das Erreichen der 10.000 Punkte-Marke im DAX fast wie den Sieg der Fußball-Weltmeisterschaft. Dabei ist die Zahl der Aktionäre in Deutschland verschwindend gering. Nach den frustrierenden Erfahrungen am Neuen Markt und mit der Telekom-Aktie haben zahlreiche Anleger dem Aktienmarkt für immer abgeschworen und sich scheinbar sichereren Anlageformen zugewendet. Dank Draghis Nullzinspolitik erhalten sie inzwischen aber keine Zinsen mehr. Nach Inflation und Steuern erleiden sie sogar schmerzhafte Verluste.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist das Sparen die Basis jedes Wirtschaftsaufschwungs. Und aus der Sicht des Einzelnen ist es Vorsorge für Unwägbarkeiten des Lebens und für das Alter. Dank Draghi und Konsorten wird das Sparen seit einigen Jahren aber systematisch bestraft. Die Folgen dieser Politik liegen auf der Hand: Altersarmut und wirtschaftlicher Niedergang.

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Marktwirtschaft schuf Wohlstand   

Draghis Nullzinspolitik geht auf Kosten der Zukunft. Sie belastet die große Mehrheit der Bevölkerung auf unzumutbare Weise. Das alles nur, um Großbanken zu retten, die aufgeblähte und absurd überbezahlte EU-Bürokratie zu erhalten und überschuldete Staaten vor den Folgen ihrer verantwortungslosen Schuldenpolitik zu schützen. Viel wichtiger noch: Draghi und Konsorten sind dabei, die Grundpfeiler der Marktwirtschaft zu zerstören und ein umfassendes planwirtschaftliches Wirtschaftssystem zu schaffen.

Ein Sturm der Entrüstung bleibt dennoch aus. Die Massenmedien unterstützen diese Politik, für die unsere in der DDR groß gewordene Kanzlerin den Begriff der „Alternativlosigkeit“ geprägt hat, mit dem sie jede Diskussion ersticken will. Dabei müsste doch gerade sie schon aufgrund ihrer Herkunft wissen, dass es zum Sozialismus eine sehr verlockende Alternative gibt. Und wir im Westen sollten uns daran erinnern, dass diese Alternative, die Marktwirtschaft, den großenWohlstand breiter Schichten überhaupt erst möglich gemacht hat.

Verkaufssignale für die Aktienmärkte häufen sich

Während die Medien die Spekulationsblase an den Aktienmärkten völlig unkritisch feiern, mehren sich die Zeichen, die für ein baldiges Platzen der Blase sprechen. Der DAX hat auf die sehr weitreichenden Maßnahmen der EZB sehr verhalten reagiert und nicht mit der von vielen erwarteten fulminanten Rally. Ein Börsenhändler kommentierte die Entscheidung der EZB mit folgenden Worten:

„Draghi schießt aus vollen Rohren. Das ist mehr als die Dicke Berta. Es muss schlimm um die Euro-Zone stehen, wenn so viel Geld reingepumpt werden muss.“

Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.

Über Claus Vogt

Claus Vogt ist Gründer der Vermögensverwaltung Aequitas Capital Partners GmbH, einer auf vermögende Privatanleger und institutionelle Investoren spezialisierten Vermögensverwaltung. 2004 schrieb er zusammen mit Roland Leuschel das Buch "Das Greenspan Dossier". Gemeinsam schreiben sie nun den Börsenbrief „Krisensicher Investieren“. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel