Ablasshandel mit Foodwatch & Co.

Foodwatch, Greenpeace, BUND, NABU, Attac oder auch Amnesty sind auch Lobbyverbände in eigener Sache. Sie leben von Skandalen – und davon, dass sie Bürger manipulieren.

Vor einigen Tagen war ich mit Geschäftspartnern zum Abendessen verabredet. Die Anwesenden waren allesamt liberale bis wertkonservative Menschen. Menschen, denen ich für gewöhnlich einen klaren Blick auf die Realität unterstelle. Bei der Diskussion, was man bestellen solle, waren sich aber auf einmal alle einig, dass der Thunfisch keinesfalls ok sei. Grund: radioaktive Belastung. Auf meine Nachfrage gab man die Angst vor gesundheitsschädlichen Stoffen an, insbesondere die hohe Belastung von Meerestieren mit radioaktivem Material durch Fukushima.

Diese Belastung existiert nachweislich nicht. Panik um den Verzehr von Fisch nach dem Reaktorunfall von Fukushima wurde im vergangenen Jahr von interessierten Kreisen durch selektive Zitate aus einer Studie geschürt. Tatsächlich zeigt die besagte Studie der Universität Hawaii genau das Gegenteil: Seit dem Unfall ist die Cäsiumbelastung von Thunfisch bereits wieder im Sinken begriffen.[1] Eine handelsübliche Büchse Thunfisch strahlt demnach nur 1/20 so stark wie eine gewöhnliche Banane aufgrund ihrer natürlichen Radioaktivität. Dass auch meist klar denkende Menschen, von denen man es früher nie erwartet hätte, drei Jahre nach Fukushima noch immer solchen Märchen aufsitzen, ist ein überwältigender Erfolg der Anti-Atomlobby.

„Legale Täuschungen“

Auch abseits der emotional nachvollziehbaren Angst vor Nuklearabfällen ist zu beobachten, dass mit steigendem Eifer immer heftiger über die schlechte Qualität „industriell“ erzeugter Nahrungsmittel diskutiert wird, während dem Leiter des Bundesinstituts für Risikobewertung zufolge „unsere Lebensmittel so sicher wie nie zuvor“ sind. Nichtregierungsorganisationen (NGO) wie Foodwatch, Greenpeace oder Oxfam malen regelmäßig Schreckensszenarios an die Wand, und viele Journalisten übernehmen die marktschreierischen Anschuldigungen ungeprüft und verbreiten sie weiter.

Doch es gibt auch einige Kollegen, die sich gegen diesen Trend stellen. Der freie Journalist Jan-Philipp Hein etwa nimmt in seinem Artikel „Nur noch kurz die Welt retten“ treffend Foodwatch aufs Korn. Die Organisation hatte Danone doch tatsächlich wegen sogenannter „legaler Täuschungen“ attackiert. Hein identifiziert auch ein Hauptproblem im Umgang mit den von NGOs gelieferten Informationen:

„Sogenannte Nichtregierungsorganisationen (NGOs) genießen bei uns Journalisten in vielen Fällen ein beinahe grenzenloses Vertrauen. Greenpeace, der BUND, der NABU, Attac, die Friedensbewegung, Amnesty, die Internationalen Ärzte zur Verhinderung des Atomkriegs, Human Rights Watch, PETA oder wie sie sonst alle heißen, haben extrem kurze Drähte zu den Medien.“[2]

Andere für Geld schlechtreden

Das Geschäftsmodell von Gruppen wie Foodwatch ist es, Geld damit zu verdienen, andere schlecht zu machen. Und Journalisten unterstützen sie dabei nach Kräften. Sie verhalten sich wie der Hirtenjunge Äsops, der ohne Anlass „Wolf!“ schrie. Das Risiko, dann nicht mehr ernst genommen zu werden, wenn es wirklich mal darauf ankommt, nehmen sie dabei billigend in Kauf. Der mit weitem Abstand schlimmste und gefährlichste Lebensmittelskandal jüngerer Zeit war übrigens der EHEC-Skandal 2012, der nicht etwa von der Industrie ausging, sondern von einem kleinen Biobetrieb. Hier gab es interessanterweise keinen großen Aufschrei zu Biobetrieben an sich.

Keine Frage. Die Ziele, um die es Greenpeace, Foodwatch & Co zu tun ist, klingen gerecht. Sie rühren an das menschliche Mitgefühl. Man rettet die Wale oder den Wald, schützt süße Robbenbabys und verhindert, dass kleine Kinder Gift im Brei schlucken. Wer traut sich da schon mit skeptischer Miene zu fragen: „Ist alles wirklich so schlimm?“, oder: „Welche Belege gibt es dafür denn?“ Die enge Bindung eines überproportional großen Anteils von Journalisten an die Grünen trägt sicher auch nicht zu einem kritischen Klima gegenüber NGOs bei. Doch dass Greenpeace, Foodwatch & Co regelmäßig als die Vertreter des Guten schlechthin akzeptiert werden, ist gefährlich.

NGOs sind Lobbyverbände

Zu Nahrungs- und Umweltthemen gibt es schon heute kaum noch eine Pluralität der Meinung in den großen Medien. Auch und gerade die Öffentlich-Rechtlichen tragen dazu bei, wenn sie Aktivisten wie Michael Sailer vom Öko-Institut e.V. oder Heinz Smital, der bei Greenpeace engagiert ist, regelmäßig als unabhängige „Nuklearexperten“ und nicht als Sprecher ihrer jeweiligen Vereine auftreten lassen. Analoges ist für Vertreter von Foodwatch und Oxfam als „Nahrungsexperten“ zu beobachten. NGOs sind Nichtregierungsorganisationen, d.h. Lobbyverbände, das sollte man sich immer wieder in Erinnerung rufen. Sie vertreten die Interessen ihrer Mitglieder und Beschäftigten (und werden trotz des großen N im Namen nicht selten auch staatlich gefördert). NGOs stehen moralisch nicht a priori über den Lobbygruppen von Wirtschaftsunternehmen.

Aber vertreten Greenpeace, Foodwatch & Co nicht wenigstens genuin menschenfreundliche, am Gemeinwohl orientierte Interessen? Auch darüber könnte man streiten. Nicht unterschlagen werden sollte in jedem Fall, dass auch das „egoistische“ Unternehmerinteresse das Gemeinwohl im Blick haben kann, hinsichtlich der Tatsache, dass Menschen Beschäftigung finden und Erträge erwirtschaftet werden, welche die Grundlage für die Entrichtung von Steuern sind. Guten Gewissens bezweifeln darf man hingegen, dass die kurzsichtige Kampagne von Greenpeace gegen den goldenen Reis, oder PETAs Gleichsetzung von Mensch und Tier, die in der Kampagne „Der Holocaust auf Ihrem Teller“[3] gipfelte, tatsächlich das Etikett gemeinwohlorientiert verdienen.

Greenpeace & Co. sind längst Weltkonzerne

Gesteht man ihnen dieses Etikett aber zu, stellt sich sofort die Frage nach der demokratischen Legitimation. Wer hat Greenpeace, Foodwatch & Co überhaupt autorisiert, für uns alle zu sprechen? Wer kontrolliert die Kontrolleure? Foodwatch beispielsweise wurde von Ritter Sport mit 250.000 Euro anschubfinanziert. Wer legt solche Verflechtungen offen? Was ist, wenn NGOs mächtiger werden als diejenigen, deren Macht sie etwas entgegensetzen wollten?

In Wirklichkeit sind natürlich die großen NGOs längst selbst zu weltumspannenden Konzernen mit einem Milliardenumsatz geworden. Greenpeace etwa akquirierte in den vergangenen Jahren jeweils mehr als 40 Millionen Euro an Spendengeldern allein in Deutschland, und die radikale Tierrechtsvereinigung PETA noch immer mehrere Millionen. Das funktioniert nur, weil sich diese Organisationen zu quasi religiösen Institutionen entwickelt haben. Der sporadische Spender erwirbt bei der NGO seines Vertrauens einen Ablassbrief wie früher der Sünder bei der katholischen Kirche. Nun kann man sich gut fühlen, man hat etwas für die gerechte Sache getan. Wie fanatische Gläubiger agieren dann die aktiven Anhänger ihrer jeweiligen Vereinigung. Mit missionarischem Eifer wird gefochten und debattiert, man weiß sich sicher auf der Seite des Guten.

Das Geschäft mit der Angst

Dieser Nimbus macht es beinahe unmöglich, mit Kritik durchzudringen. NGOs sind sakrosankt. Am besten läuft ihr Geschäft, wenn die Gläubigen sich dem Weltuntergang nahe fühlen. Aus diesem Grund haben Greenpeace, Foodwatch & Co ein notwendiges Eigeninteresse daran, die Angst aufrechtzuerhalten und neue Missstände zu definieren. Es geht ihnen auch um den Selbsterhalt, um das Auskommen ihrer Beschäftigten und Führungskräfte. Bis heute konnte keine revolutionäre Partei oder Organisation sich je eingestehen, dass die eigenen Ziele erreicht sind und man überflüssig geworden ist. Niemand schafft sich gerne selbst ab. Mit den modernen Weltverbesserern ist es wie mit einer Steuer. Einmal eingeführt, wird man sie nicht mehr los.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Lobbyismus ist in einer Demokratie unvermeidbar, sogar wünschenswert. Gruppen oder Einzelpersonen versuchen, durch Lobbyismus Mehrheiten im Parlament oder im Volk zu gewinnen. Lobbyismus ist ein Grundbestandteil demokratischer Streitkultur. Um aber Mauscheleien und Klüngeleien im Hinterzimmer vorzubeugen, sollten die Mechanismen des Lobbyismus transparent gemacht werden. Im Hinblick auf offensichtliche Wirtschaftsinteressen wird das auch und gerade von Vertretern der NGOs eingefordert.

Dauernde Skandalisierung macht blind

Erinnert sich noch jemand daran, wie im Jahre 2009 unter anderem von der „taz“ und von Greenpeace ein Strategiepapier der Atomlobby öffentlich gemacht wurde, in dem Pläne zur effektiven Werbung für Atomenergie dargelegt waren? Ein Riesenskandal! Wie können die nur? Meedia titelte: „Wie die Atom-Lobby die Presse dirigierte“[4], und die „taz“ schrieb: „Bezahlte Wissenschaftler, instrumentalisierte Frauen(!)“[5]. Und all die Aufregung, weil eine Lobbygruppe genau das machte, was man von ihr erwartet: für ihre Sache werben. Doch dass die Bevölkerung informiert wurde, wie die Atomlobby arbeitet, ist eigentlich gar nicht zu beanstanden. Vielmehr sollte die Presse allen Lobbygruppen distanziert gegenüberstehen. Und das schließt Interessengruppen wie Greenpeace, Foodwatch & Co ausdrücklich mit ein.

Denn nichts behindert derzeit eine unvoreingenommene Diskussion über Lobbyismus und dessen Grenzen derart, wie die beinahe religiöse Überhöhung einiger NGOs zu den Gralshütern eines überparteilichen Wohls. Und letztendlich schadet diese Verklärung sogar noch einem vernünftigen Umgang mit den tatsächlich von Zeit zu Zeit auftretenden Umweltkatastrophen und Verunreinigungen von Lebensmitteln. Dauernde Skandalisierung erzeugt ein Klima der Angst und macht im Laufe der Zeit blind für wirkliche Bedrohung. Eine offene Debatte dagegen könnte helfen, den Blick zu schärfen, tatsächliche Missstände ausfindig zu machen, aber sich auch einzugestehen, in wie vielen Bereichen es uns wirklich gut geht. Das müsste auch im Interesse aller NGO-Aktivisten sein, denen noch die Sache, für die sie einmal eingetreten sind, am Herzen liegt. Aktivismus ist nichts Schlechtes. Lobbyismus ist nichts Schlechtes. Ein Lobbyismus aber, der als Heilslehre daherkommt und sich unfehlbar gibt wie der Papst, ist verheerend.

 

Anmerkungen

[1] Real Clear Science, „Bananas More Radioactive Thand Fukushima Tuna“: http://www.realclearscience.com/journal_club/2013/06/05/bananas_more_dangerous_than_fukushima_tuna_106549.html

[2] Jan-Philipp Hein, „Nur noch kurz die Welt retten“, SVZ.de: http://www.svz.de/nachrichten/deutschland-welt/meinung/nur-noch-kurz-die-welt-retten-id5335241.html

[3] „Der Holocuast auf Ihrem Teller“: https://www.google.de/search?q=Der+Holocaust+auf+deinem+Teller&client=firefox-a&hs=eF2&rls=org.mozilla:de:official&channel=fflb&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ei=SU4EU8a4D4iVtAb_pYHoAg&ved=0CAkQ_AUoAQ&biw=960&bih=665

[4] Meedia, „Wie die Atomlobby die Presse dirigierte“: http://meedia.de/2011/10/28/wie-die-atom-lobby-die-presse-dirigierte/

[5] taz, „Die Geheimpapiere der Atomobby“: http://taz.de/taz-enthuellt/!80743/

Über Hasso Mansfeld

Hasso Mansfeld ist studierter Diplom-Agraringenieur und arbeitet als selbstständiger Unternehmensberater und Kommunikationsexperte. Für seine Ideen und Kampagnen wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem dreimal mit dem deutschen PR-Preis. Kontakt: Webseite | Facebook | Twitter | Weitere Artikel