Kehrseite der Russland-Sanktionen
Kehrseite der Russland-Sanktionen

Kehrseite der Russland-Sanktionen

Die USA wollen mit Sanktionen die russische Wirtschaft treffen. Obama war wohl nicht bewusst, wie sehr solche Strafen auf die westliche Wirtschaft zurückschlagen.

Offenbar widersetzt sich die kanadische Regierung in Ottawa dem Dirigenten im Oval Office hinsichtlich lauthals geforderter Wirtschafts-Sanktionen gegen das „böse“ Russland. Aus Rücksicht auf kanadische Wirtschaftsinteressen sollen zwei russische Konzernchefs von Sanktionen wegen der Ukraine-Krise ausgenommen werden. Dabei handelt es sich um den Chef des Rüstungs- und Industriekonzerns Rostec, Sergej Tschemessow, und den Vorstandsvorsitzenden des Ölkonzerns Rosneft, Igor Setschin.
Einer Reuters-Meldung zufolge begründete ein Regierungsmitarbeiter diesen Schritt:

Unser Ziel ist es, Russland zu bestrafen und nicht kanadische Firmen.“[1]

Rosneft ist mit etwa 30 Prozent an einem Exxon Mobil Ölfeld in der westlichen Provinz von Alberta beteiligt, während Rostec gemeinsam mit dem kanadischen Bombardier-Konzern ein Flugzeug-Montagewerk betreibt, an dem Aufträge in Milliardenhöhe und somit auch kanadische Arbeitsplätze hängen.

Ein Unglück kommt selten allein

Was nun, Herr Obama? Beide Konzerne sind nun mal keine Frittenbuden, wie man sicher auch in Washington weiß.
Bei Rostec handelt es sich um eine Holding mit ca. 663 Unternehmen, mehr als einer Million Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 963 Milliarden Rubel (etwa 24 Milliarden € – Stand 12/2012). Der Konzern ist sehr breit aufgestellt.[2]
Tja, und Rosneft ist ein erfolgreicher Ölmulti, ebenfalls mit zahlreichen Geschäftsfeldern und seit seinem Zusammenschluss mit Gazprom (2004) ein überaus einflussreicher international operierender Konzern.

Da ein Unglück selten alleine kommt, darf man sich in D.C. jetzt auch noch über die mutigen Österreicher ärgern, die doch tatsächlich dem South-Stream Pipeline Projekt, welches jenseits der Ukraine angelegt wird, final zugestimmt haben.
Witzigerweise sind hierzu auch von dem bisherigen ambitionierten South-Stream-Verhinderer Günther Oettinger ganz neue Töne zu hören:[3]

“Die Pipeline ist für mich kein Problem, wir wollen sie nicht blockieren, sie hat aber auch keine Priorität.”

„Gas nicht als Waffen einsezten“

Ob die EU letztlich den Bau der Pipeline absegnen werde, sei noch offen. Er sei der Ansicht, dass Gas im laufenden Konflikt mit Russland um die Ukraine nicht als Waffe eingesetzt werden dürfe.

Und so ganz nebenbei spricht sich nun auch neben der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer der zyprische Präsident Nikos Anastasiadis gegen Wirtschafts-Sanktionen aus.

Bleibt zu hoffen, dass Hirn vom Himmel fällt, vorzugsweise im ‘Land of the free’, und sich Herr Obama weiterer Trommel-Wirbel erspart bleibt.

 

 

[1] Reuters, „Canada trimmed Russia sanctions to protect business interests“: http://uk.reuters.com/article/2014/05/16/ukraine-crisis-sanctions-canada-idUKL1N0NZ0RX20140516

 

 

[2] OWC Verlag für Außenwirtschaft, „Staatsholding Rostec: Immer mehr ausländische Technologiepartner“: http://www.owc.de/2013/03/06/staatsholding-rostec-immer-mehr-auslaendische-technologiepartner/

 

[3] Die Welt, „EU bremst Pipeline-Verhandlungen mit Moskau“: http://www.welt.de/wirtschaft/article125605615/EU-bremst-Pipeline-Verhandlungen-mit-Moskau.html

 

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