Auferstehen aus Ruinen?
Auferstehen aus Ruinen?

Auferstehen aus Ruinen?

„Der Crash ist die Lösung“ schreiben Matthias Weik und Marc Friedrich in ihrem Buch. Aber können wir wirklich sicher sein, dass nicht Diktatur und Krieg aus den Ruinen kriechen?

Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit,
Und neues Leben blüht aus den Ruinen.
Friedrich Schiller, „Wilhelm Tell“

Die Autoren Marc Friedrich und Matthias Weik haben mit ihrem ersten Buch „Der größte Raubzug der Geschichte“ einen Bestseller geschrieben. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2013 in Deutschland. Nun haben sie ihr zweites Buch veröffentlicht, und natürlich ist das Interesse groß, ob dieses Nachfolgewerk auf eine ähnlich große Resonanz bei den Lesern stoßen wird wie ihr erstes Buch. Man kann die beiden in viele Schubladen stecken: Ökonomen, Finanzexperten, Schwarzseher, Redner oder Bestsellerautoren. Meiner Meinung nach wird man ihnen wohl am besten gerecht, wenn man sie als Querdenker bezeichnet, die im Einheitsbrei der Mainstream-Ökonomie eine gänzlich andere und politisch überhaupt nicht korrekte Gegenmeinung zum Ausdruck bringen.

Matthias Weik studierte internationale Betriebswirtschaft in Aalen und Australien. Sein Kindergartenfreund Marc Friedrich studierte internationale Betriebswirtschaftslehre und hat 2001 in Argentinien einen Staatsbankrott und dessen Folgen am eigenen Leib erlebt. Die beiden Autoren betreiben eine Firma zur Vermögenssicherung, sind Honorarberater und halten Seminare und Fachvorträge zum Thema „Vermögenssicherung“ ab.

Es kommen schwere Zeiten

Fast will es scheinen, dass die beiden Schwaben mit dem Titel ihres neuen Buches „Der Crash ist die Lösung“ eine Umschreibung der am Anfang zitierten Verse des schwäbischen Klassikers Friedrich Schiller für das 21. Jahrhundert finden wollten. Mit dem Untertitel „Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“ machen sie jedenfalls klar, dass ihrer Meinung nach schwere Zeiten auf unsere Gesellschaft zukommen werden, vor allem auf die Menschen der Mittelschicht. Das Finanzsystem ist gescheitert, wir befinden uns aus Sicht der Autoren in einer Endzeit. Die Frage ist nicht, ob der endgültige Zusammenbruch kommt, sondern wann. Dies im Gedächtnis zu behalten, ist für das Verständnis des neuen Sachbuchs und der Ziele, die Weik und Friedrich damit verfolgen, unerlässlich. Und die Höllenfahrt unseres Finanzsystems muss nicht völlig vergebens sein, so behaupten die Autoren, es kann auch zu einer Chance werden. Erst wenn das Alte völlig zusammengefallen ist, kann etwas Neues aus den Ruinen erwachsen.

Der Begriff „finaler Kollaps“ bezieht sich vor allem auf unser Finanz- und Währungssystem und kann in diesem Zusammenhang auch schon bei einem der bedeutendsten Ökonomen der Österreichischen Schule, Ludwig von Mises, nachgelesen werden. Der schrieb, dass man den „finalen Kollaps“ eines durch Kreditexpansion ausgelösten Booms nicht vermeiden könne. Gebe man diese nicht freiwillig auf, werde es unvermeidlich zu einer Wirtschaftskrise zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems kommen.

Diese Sichtweise ist sicherlich auch in das Buch eingeflossen, aber die beiden Autoren sind, soweit ersichtlich, keine „Austrians“, also keine reinen Vertreter deren Theorien. Das kann man schon daran erkennen, dass die Deregulierung der nationalen und internationalen Finanzmärkte seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts scharf kritisiert wird und von den Autoren als eine der Ursachen für die Finanzkrise angesehen werden. Neben der Chicagoer Schule Milton Friedmans wird auch der „Austrian“ Friedrich August Hayek mit seinen „marktradikalen Lehren“ als Vordenker der Deregulierung genannt (Der Crash ist die Lösung, in der Folge „CidL“, S. 21). Die Autoren sind hier klare Verfechter von gesetzlichen Vorgaben und Einschränkungen der Finanzmärkte (siehe dann auch ihre Lösungsvorschläge für eine Bankenwelt nach dem Crash).

Staat und Teufel

Eine eventuelle Nähe zu eher libertären Positionen könnte man eventuell auch durch das einstimmende Leitzitat am Anfang des neuen Buches vermuten, es ist einem Werk der amerikanischen Schriftstellerin und Philosophin des freien Marktes Ayn Rand entnommen ist. Deren Roman „Atlas shrugged“ (in deutsch auch als „Der Streik“ erschienen) ist eine seltsame Mischung aus ökonomisch-politischem Thriller, libertärer Utopie und philosophischer Abhandlung. In „Atlas shrugged“, frei übertragen etwa „Atlas wirft hin“, räumt die Elite, durch immer größere Eingriffe des Staates in die Wirtschaftsaktivitäten mürbe gemacht, gewaltlos alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Positionen und führt so einen beschleunigten ökonomischen Zusammenbruch herbei. Eine der Hauptpersonen des Romans lässt Ayn Rand in einer langen Rede eine vehemente Anklage gegen staatliche Umverteilung und Bevormundung führen, darunter sind auch folgende Worte, die von Weik und Friedrich anfangs zitiert werden:

„Geld ist das Barometer der Moral einer Gesellschaft. Wenn Sie sehen, dass Geschäfte nicht mehr freiwillig abgeschlossen werden, sondern unter Zwang, dass man um produzieren zu können, die Genehmigung von Leuten braucht, die nichts produzieren, dass das Geld denen zufließt, die nicht mit Gütern, sondern mit Vergünstigungen handeln, dass Menschen durch Bestechung und Beziehungen reich werden, nicht durch Arbeit, dass die Gesetze Sie nicht vor diesen Leuten schützen, sondern diese Leute vor Ihnen, dass Korruption belohnt und Ehrlichkeit bestraft wird, dann wissen Sie, dass Ihre Gesellschaft vor dem Untergang steht.“

Für Ayn Rand sind Einmischungen des Staates in jegliche Bereiche der Wirtschaft per se des Teufels. Das ist aber, wie oben schon erwähnt, nicht unbedingt die Meinung unserer Autoren, die als Grund dafür, dass sich unser Finanzsystem auf der Fahrt in den Untergang befindet, eher zu wenig Regulierung sehen. In diesem Leitzitat ist aber mit „Moral“ ein Thema angesprochen, dass den Autoren ebenfalls sehr wichtig ist, so dass hier eher ein Zusammenhang mit einer Gesellschaft besteht, deren aktuelle Entwicklung einen immer weiteren Verlust an Moral und Anstand aufzeigt.

„Der Absturz wird gewaltig sein“

Weik und Friedrich fragen sich, wie weit die Politik der Vertragsbrüche, Halb- und Unwahrheiten in Sachen Finanzkrise eigentlich noch geführt werden soll. Eigentlich, so schreibt das Autorengespann am Anfang des Buches, hätten sie nicht die Absicht gehabt, ein zweites Buch zu schreiben, aber die unglaublichen Ereignisse und Entwicklungen seit 2012 sowie das Versagen von Politik und Finanzwirtschaft zwängen sie regelrecht dazu (CidL, S. 17), um die zahllosen Lügen, Betrügereien, Abzock- und Enteignungsarten der „Verantwortlichen“ (das ist die schmeichelhafte Bezeichnung der Autoren für die Funktions- und Machtelite des Finanzmarkts, der Wirtschaft und der Politik) aufzudecken.

Die beiden Autoren haben keine Illusionen mehr, es könnte den Regierungen und den hochbezahlten Managern der Finanzwelt noch auf irgendeiner Weise gelingen, das Ruder herumzuwerfen, ja sie haben eher die Überzeugung, dass man es – um im Bilde zu bleiben – auf der Brücke gar nicht mehr herumreißen will:

„Wir erleben, seit 2008 einen epochalen Wandel! Weltwirtschaft und globales Finanzsystem sind aus den Fugen geraten. Ohne einen grundlegenden Paradigmenwechsel rasen wir nahezu ungebremst auf einen Abgrund zu. Alle ahnen dunkel, dass der Absturz gewaltig sein wird. Aber nur wenige haben eine etwas genauere Vorstellung davon, auf welchem Grund wir am Ende aufschlagen werden. In diesem Buch analysieren wir, wer da eigentlich am Steuer sitzt. Warum diese Leute fahren wie die Irren. Wo die Reise unserer Meinung nach hinführen wird.“ (CidL, S. 11)

Bis jetzt wurde durch Herumdoktern an den Symptomen nur versucht, Zeit zu gewinnen und eine „Dauerkrise“ weiter in die Zukunft zu schieben. Und so bekennen die Autoren, dass auf sie als Ökonomen die bisher durchgeführten Versuche zur Lösung der Finanzkrise und ihrer verheerenden Auswirkungen wie ein endloser Horrorfilm wirke (CidL, S. 14.). Nötig sei aber eine tiefgreifende Reform des Bank- und Finanzwesens an Haupt- und Gliedern, es gebe aber keine Lösung innerhalb des bestehenden Systems. Aber genau deshalb passiert gar nichts, und der Crash rückt immer näher. Denn eine Systemänderung ist für die „Verantwortlichen“ einfach undenkbar. Und so kommen die Autoren zu ihren unerbittlichen Einschätzungen:

„Der Crash wird kommen. Wir sind keine Hellseher, sondern Ökonomen. Daher wissen wir nicht, wann er kommt und wie viele Krisen in welchen Teilsystemen des Finanzsystems ihm noch vorausgehen werden. Aber dass er kommt, ist keine dunkle Prophetie. Der finale Kollaps ist eine logische Konsequenz unbestreitbarer wirtschaftlicher Grundregeln. Was wir momentan erleben, wird in die Geschichtsbücher eingehen. Noch nie war mehr ungedecktes Geld im System wie derzeit. Noch nie wurden die Bilanzen der Notenbanken stärker aufgebläht, und noch nie waren die Zinsen so niedrig. Wir alle wissen, dass man einen Ballon nicht ewig aufblasen kann. Irgendwann muss entweder Luft herausgelassen werden – oder der Ballon platzt. Unsere begründete Vermutung ist, dass es zum Luftablassen längst zu spät ist.“ (CidL, S. 17)

„Der Crash ist die Lösung! Das ist eine heftige Aussage. Aber wir zeigen auf, warum er im Endeffekt sogar gut und notwendig ist. Für die Finanzwelt, deren Macht gebrochen werden muss. Für die Gesellschaft, die wieder gerechter werden muss. Und für jeden Einzelnen, der in einer wahrhaft sozialen Marktwirtschaft vom vernünftigen Eigennutz aller profitieren soll, statt für den irrationalen Reichtum sehr weniger zur Kasse gebeten zu werden.“ (CidL, S. 19)

Bildung eines monetären Zwischenreichs

Die Zusammenfassung der Gründe für den unabwendbaren Zusammenbruch lautet wie folgt (CidL, S. 299 ff.):

  • Wir wirtschaften mit einem Papier- und Geldsystem ohne jegliche Deckung. Damit kann die Geldproduktion ins Unendliche gehen, ohne dass es eine reale Deckung dafür gibt.
  • Die Zentralbanken sind bei der Geldschöpfung längst entmachtet, denn die Geschäftsbanken schöpfen heute fast alles neue Geld.
  • Der Zins- und Zinseszins ist das Musterbeispiel eines exponentiellen Wachstums und darum zum Scheitern verurteilt. Es führt zu immer größeren Vermögen auf der einen Seite und immer größerer Verschuldung auf der anderen, bis der Schuldner nicht mehr zahlen kann. Spätestens dann bricht das System zusammen.
  • Ebenso ist die Erwartung eines ständigen exponentiellen Wirtschaftswachstums irreal.
  • Die Globalisierung begünstigt die weltweite Deregulierung der Märkte. Damit wurden und werden die Grundbedingungen jeglicher marktwirtschaftlicher Ordnungspolitik weggefegt. Außerdem ist die Folge eine globale Aufspaltung fast aller Wertschöpfungs- und Konsumketten, was zu einer immensen Ausweitung der Geldflüsse und zur Bildung eines monetären Zwischenreichs führte. Auf dieser Basis ist im Laufe der Zeit eine Monsterwelle aus „Derivaten“, meistens Wetten auf Marktbewegungen, geworden. Volumen 2013: 700 Billionen Dollar, das Zehnfache des Welt-BIP. In diesem Zwischenreich kann es zu nicht mehr beherrschbaren Kettenreaktionen kommen.
  • Es besteht keine Verbindung mehr zwischen Risiko und Haftung. Stattdessen werden die Risi-ken, also die Kosten bei Scheitern von Investitionen, auf die Allgemeinheit abgewälzt: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren. Das Resultat ist die Abschaffung der freien Marktwirtschaft.
  • Weitere „Brandbeschleuniger“: viel zu expansive Notenbankpolitik, kaum noch kontrollierter Lobbyismus, eine ungesunde Nähe zwischen Politik und Finanzindustrie, Gier, Maßlosigkeit und Überheblichkeit in der Bankenbranche.

Die Misere, in die die eben aufgeführten Faktoren geführt haben, wird im neuen Buch der beiden Schwaben genauer durchleuchtet. Das Buch hat acht Kapitel mit zahlreichen Unterkapiteln. Lässt man das Einführungskapitel einmal beiseite betreffen allein vier Kapitel die Analyse der gegenwärtigen Krise, ein Kapitel beschreibt die wahrscheinlichen „Lösungsansätze“, die die „Verantwortlichen“ sich für uns ausdenken könnten bzw. eventuell schon ausgedacht haben, ein weiteres Kapitel gibt Ratschläge zur Vermögenssicherung und im letzten Kapitel werden u.a. auch Alternativen zum bestehenden Finanzsystem skizziert.

In den Kamikazemodus umgeschaltet

In ihren vier Analyse-Kapiteln sprechen die Autoren folgende Themen an: die kranken Banken, der auf tönernen Füßen stehende Exportriese Deutschland, die brüchige Eurozone bzw. die EU mit ihren über-schuldeten und wirtschaftlich nicht wettbewerbsfähigen Staaten, die kritische Situation bei den wichtigsten außereuropäischen Marktteilnehmern (USA, China, Japan). Gerade aus dem letzten Analyseteil, dem 5. Kapitel, soll hier nur beispielhaft das Unterkapitel zum japanischen Patienten vorgestellt werden, da dieses Land uns in mancher Hinsicht viel voraus hat (und das ist leider nichts Positives).

Japan ist nur eine weitere mögliche Bruchstelle des globalen Finanzsystems, das, so zeigen die Autoren beharrlich auf, an Bruchstellen wirklich keinen Mangel hat. Eine Verschärfung der Krise in Japan würde nicht ohne Folgen bleiben. Spöttisch merken die Autoren an, dass Regierung und japanische Notenbank wohl seit Neuestem in den Kamikazemodus umgeschaltet hätten. Anders könne man die Tatsache, dass ein Land, das eine Staatsverschuldung (Stand März 2014) von jedes Maß übersteigenden 12 Billionen US-Dollar (= 238% des Bruttoinlandprodukts) aufweise, einen mittels weiterer Verschuldung und Abwertung des Yen gegenüber den anderen Währungen geprägten Wirtschaftskurs fahre.

Die „Abenomics“ genannte Wirtschaftspolitik hat nur zeitweilig Erfolg gebracht, Japans Wirtschaft kann durch Wachstum das Schuldenproblem nicht lösen und das Land bleibt das am höchsten verschuldete Land in der Welt. Das Ganze ist bis jetzt nicht völlig aus dem Ruder gelaufen, weil das Land zu 92 Prozent im Inland verschuldet ist: „Gegenwärtig akzeptieren die system- und obrigkeitstreuen Japaner noch einen durchschnittlichen Zinssatz von rund 1,3 Prozent und eine Rendite von etwa 0,7 Prozent.“ (CidL, S. 200). Angesichts der demographischen Entwicklung des Landes, die zu einer Überalterung führt, wird diese Inlandsverschuldung zukünftig nicht aufrecht zu erhalten sein. Das Fazit von Weik und Friedrich ist:

 „Japan steht vor einer rabenschwarzen Zukunft. Die Verschuldung nimmt immer abstrusere Ausmaße an und wird zwangsläufig zu einem wirtschaftlichen Kollaps führen. Zusätzlich fehlen junge Menschen, die das Land nach dem Crash wieder nach vorne bringen könnten. Schließlich sind die ökologischen und wirtscahftlichen Schäden des Desasters von Fukushima noch keineswegs abzusehen.“ (CidL, S. 201)

Wir alle werden Wohlstand verlieren

Im Kapitel 6 geht es dann ans Eingemachte, es geht um Enteignung, Zwangsabgaben und Inflation („Wir hoffen, Sie sitzen. Aber vielleicht haben Sie es ohnehin schon geahnt, und wir müssen Ihnen ‚nur‘ noch erklären, warum Ihre Ahnungen tatsächlich zutreffen“; CidL, S. 203):

„Erstens: Die Zeit der Rendite ist vorbei.
Zweitens: Wir alle werden Wohlstand verlieren – oder an andere abgeben müssen.“

Die Staaten und Notenbanken der Welt, so Weik und Friedrich, hätten seit 2008 das bestehende todgeweihte Finanzsystem vor dem sicheren Exitus bewahrt und sich selbst dafür durch Verschuldung an den Rand des finanziellen Kollapses manövriert. Die nächste große Banken- und Finanzkrise, die kommen werde, würden die Länder nicht mehr aus eigener Kraft stemmen können. Oder anders ausgedrückt: irgendwann muss die Rechnung ja bezahlt werden, irgendwann helfen keine Haftungen und weitere Aufschuldungen mehr, sondern es muss das Geld fließen oder die Schulden erlassen werden. Es geht nur noch darum, welchen Weg man einschlagen will, um die Bürger zu Kasse zu bitten und „dem System noch ein wenig mehr Lebenszeit zu ermöglichen“ (CidL, S. 210).

Um das Thema „Zwangsabgabe und Enteignung“ zu illustrieren, müssen Matthias Weik und Marc Friedrich nur die schon stattfindende Diskussion um Schuldensteuern und Vermögensabgaben schildern (CidL, S. 204 ff.):

  • Im Herbst 2013 bringt der IWF eine einmalige Schuldensteuer von 10 Prozent auf alle Vermögen (Sparvermögen, Wertpapiere und Immobilien) ins Gespräch.
  • Im Dezember 2013 empfehlen die Ökonomen Reinhart und Rogoff in einem IWF Arbeitspapier ein Bündel an Maßnahmen zur Lösung der Krise: höhere Inflation, Kapitalkontrollen, Schuldenschnitte, Zwangsabgaben, eine Steuer auf Ersparnisse. „Alle bisherigen Aktionen werden als nicht ausreichend beschrieben und die Autoren legen dar, dass es wesentlich radikalere und härtere Schritte erfordert, um eine Besserung herbeizuführen – und zwar weltweit!“ (CidL, S. 205).
  • In die gleiche Richtung wie der IWF im Herbst geht der Vorschlag der Bundesbank im Januar 2014 über eine Vermögensabgabe. Der Vorschlag ist hier noch auf die Vermögenden der Euro-Krisenstaaten bezogen.
  • Im Februar 2014 wird gemeldet, dass die EU-Kommission, um die Finanzierungslücke für Unternehmen zu schließen (da die Banken sich ja leider verweigern), über ein Gesetz nachdenkt, mit dem sich die Pensionsgelder der 500 Millionen EU-Bürger für langfristige Projekte anzapfen lassen. Weik und Friedrich fragen zu recht: „Darf man sich dem Zugriff auf die eigenen Pensionen verweigern? Wer trägt das Risiko, wenn die Investition schiefläuft?“ (CidL, S. 208).

Zugriff auf die Altersvorsorge von Millionen

Seit 2013 ist bereits ein europäisches Gesetz zur CAC-Klausel (Collective Action Clause) installiert. Alle, die Staatsanleihen direkt als Anlageform gewählt haben oder die Lebensversicherungen, Rentenversicherungen, Rentensparverträge oder Anteile an konservativ aufgestellten Fonds besitzen, sind betroffen. Alle Staatsanleihen, die seit 2013 ausgegeben werden, enthalten diese Klausel über das kollektive Handeln. Die Klausel besagt: Alle Besitzer von Staatsanleihen können gegen ihren Willen im Notfall rückwirkend enteignet werden. Das heißt, falls die Euro-Rettung wieder so richtig in Schwung kommt, könnte die private Altersvorsorge von Millionen Menschen dabei völlig legal in Mitleidenschaft gezogen werden. Koste es, was es wolle … ….

Es ist jedenfalls auffallend, dass inzwischen so intensiv über alternative Wege der Schuldenbeseitigung durch Vermögenssteuern nachgedacht wird. Der Grund könnte auch darin liegen, dass einigermaßen klardenkende Ökonomen die Handlungsmöglichkeiten im bestehenden System als ausgereizt sehen, also im Grunde derselben Meinung sind wie unsere Autoren.

Eine in der Geschichte der Staatswesen immer wieder erprobte Enteignungsmaßnahme ist natürlich die Inflationierung der Währung. Allerdings sind die Dinge in einer global vernetzten Wirtschaft unübersichtlicher und komplexer als z. B. zur Zeit der Inflation im Deutschland der Zwanzigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Die Autoren schildern das „Dilemma der Notenbanken“ der entwickelten Staa-ten, die, um auch den kleinsten Wirtschaftseinbruch zu vermeiden, seit Jahren einen verhängnisvollen Kurs der dauernden Zinsverbilligung fahren, der das Finanzsystem mit Geld geflutet hat und damit auch gewährleistet hat, dass die Anleihen der Staaten weiter abgekauft wurden und sie sich weiter verschulden konnten. Jede Erhöhung der Zinsen würde die Wirtschaft abwürgen und auch die Möglichkeiten zur Schuldenaufnahme der Staaten, so dass durch Staatsbankrotte das Finanzsystem zusammenbrechen würde.

Notenbanken spekulieren auf Inflation

Weik und Friedrich neigen zu der Ansicht, dass die Notenbanken versuchen werden, die Verschuldung der Staaten durch weitere Inflationierung abzubauen, in der Hoffnung damit den großen Crash zu vermeiden. Diese Hoffnung – und das ist keine Überraschung für den Leser, der ihnen bis dahin gefolgt ist – teilen die Schwaben allerdings nicht. Zurzeit tobt noch der Meinungskampf darüber, wie die aktuell ohne Zweifel vorhandene negative Realverzinsung einzuschätzen ist. Die niedrigen Zinsen für konservativ angelegte Spargelder können nicht einmal mehr die niedrige offizielle Inflationsrate ausgleichen. Um hier noch einen Ausgleich zu schaffen müsste man in Risikoanlagen gehen. Allerdings misstrauen Weik und Friedrich der offiziell ermittelten Inflationsrate und halten die echte, nicht über statistische Tricks ermittelte Teuerungsrate für sehr viel höher:

„Ein Maßstab für die ‚echte Inflation‘ könnte vielleicht die Erhöhung der Diäten unserer Politiker der letzten Jahre sein. Obwohl die Kassen leer sind, wurden diese im Jahr 2012 um 3,8 Prozent, 2013 um 3,66 Prozent und im Februar 2014 um satte 10 Prozent auf nunmehr 9082 Euro pro Monat angehoben.“ (CidL, S. 224)

Es gibt also schon eine höhere Inflation, nur das könnte erst der der Anfang sein. Angesichts der aktuellen Geldflutpolitik der Notenbanken zur Rettung von Staaten und Banken halten die beiden Autoren einen Zusammenbruch der Währungen, der schließlich in eine Hyperinflation münden wird, für unvermeidbar:

„Wenn die Geldflut die Realwirtschaft dann doch unter Wasser setzt – und irgendwann muss und wird das passieren – dann ist auch beim Letzten das Vertrauen in die fatale monetäre Rettungspolitik zerstört. Alle Hoffnungen der Zentralbanken, sie könnten ihr billiges Geld irgendwann wieder ‚einsammeln‘, sind pure Illusion. Wir werden daher im Anschluss an eine deflationäre Phase eine Inflation erleben, die schließlich in einer Hyperinflation enden wird. Danach werden ein Währungsschnitt und eine Währungsreform durchgeführt. Wer Augen hat zu sehen, kann dies heute schon erkennen.“ (CidL, S. 216)

Alle Bürger werden enteignet…

Beim Thema „Währungsreform“ hätten die Autoren noch etwas deutlicher werden können, denn man kann noch in Ergänzung zu den Aussagen der Autoren anmerken: Nach einer Währungsreform, in der mit großer Wahrscheinlichkeit die Sparvermögen rasiert werden, werden dann Konzepte für den Zugriff auf sonstige Vermögenswerte auf den Tisch gelegt, wie sie – z. B. von IWF oder Bundesbank – schon weiter oben aufgeführt wurden. Denn Vermögen, die nicht der Geldentwertung anheim fallen, sind für den Staat dann als Objekt von Ausgleichsmaßnahmen und zur Befriedung der Gesamtsituation unerlässlich. Vielleicht nennt man das Ganze wie nach 1945 erneut Lastenausgleich oder erfindet kreativ neue Begriffe wie Sozialausgleichsbeitrag, Vermögensabgeltungszahlung, Entschuldungssteuer, Solidaritätsabgabe oder anders, aber es wird darauf hinauslaufen, dass alle Bürger mit Vermögenswerten in einer gewissen Form enteignet werden.

Für die Autoren ist ganz klar, dass die Bürger große Verluste erleiden werden, und wer sich nicht vorbereitet, könnte alles verlieren:

„Wenn Sie es schaffen, 50, 60 oder sogar 70 Prozent Ihres Vermögens über die Krise zu retten, werden Sie zu den Gewinnern gehören. 90 Prozent der Menschen oder sogar mehr werden 80, 90 und mehr Prozent ihrer Rücklagen verlieren, sofern sie in der einen oder anderen Form in Papierwerten angelegt sind. So war es in der Vergangenheit immer bei großen Wirtschaftskrisen, und so wird es auch dieses Mal der Fal sein. Einer muss schließlich die Zeche bezahlen. Bitte bedenken Sie immer: Nicht der Staat geht pleite, sondern seine Bürger. (…). Der eine wird mehr bezahlen müssen und der andere weniger, aber wir werden alle abgeben und unseren Beitrag leisten müssen – ob wir wollen oder nicht.“ (CidL, S. 211)

Fast 70 Seiten ihres Buches versuchen die Autoren im Kapitel 7, den Lesern deshalb Tipps zur Vermö-genssicherung zu geben. . Es werden viele Asset-Klassen angesprochen bis hin zum flüssigen Gold Schottlands, dem Whisky. Ob die Vorschläge für die eigene Vermögenssicherung taugen, diese Einschätzung muss der Leser selbst vornehmen. Nur die beiden ganz globalen Ratschläge der Autoren seien hier genannt: Keine Schulden machen, und von den Papierwerten hin zu den Sachwerten umschichten.

Als kleine Anmerkung zu diesem Teil des Buches wäre nur noch zu sagen, dass hier offensichtlich wird, Weik und Friedrich sind Finanzexperten, haben aber vom Pokern keine Ahnung. Aber das ist ja in Ordnung. Man muss ihnen deshalb auch nachsehen, dass im Zusammenhang mit der Schilderung des Klumpenrisikos bei Immobilien der Vergleich mit dem Pokerspiel misslingt, denn es ist im Falle eines normalen Kartendecks beim Pokern unmöglich, alle Chips auf ein Pärchen mit Kreuz-Zwei zu setzern (CidL, S. 266).

„Öffentlich-rechtliche Monetative“

Im abschließenden 8. Kapitel, das wie der Titel des Buches benannt wurde, wird diskutiert, welche grundlegende Maßnahmen durchgeführt werden müssten und welche Alternativkonzepte zum bestehenden System die Autoren bevorzugen würden. Als wichtige Schritte zu einem nachhaltigen Wirtschafts- und Finanzsystem „nach dem unvermeidlichen finalen Kollaps“ sehen Weik und Friedrich u. a. Folgendes an (CidL, S. 306 ff.): Die unkontrollierte Geldschöpfung sei zu verhindern. Die Notenbanken hätten zurzeit nur begrenzte Möglichkeiten, die Geldschöpfung zu steuern. Die unkontrollierte Giralgeldschöpfung aus dem Nichts durch private Banken müsse daher gestoppt werden. Die Autoren schlagen in diesem Zusammenhang als „vierte Gewalt“ neben Legislative, Exekutive und Judikative eine „öffentlich-rechtliche, strikt unabhängige, transparente, direkt oder indirekt gewählte ‚Monetative‘“ (CidL, S. 307) vor.

Banken müssten viel strenger reguliert werden. Die Eigenkapitalquoten von Banken müssten massiv erhöht werden, die Banken selbst außerdem drastisch geschrumpft werden. Durch gesetzliche Regelungen dürften Banken künftig nur noch eine Bilanzsumme haben, die sie gesamtwirtschaftlich nicht zum Problemfall werden lässt. Banken müssten außerdem, wie jedes Unternehmen, pleitegehen können, ein „Too big to fail“ dürfe es nicht mehr geben. Auch über die Einführung eines Trennbankensystems wäre nachzudenken. Eigenhandel und Leerverkäufe müssten den Banken schlicht verboten werden. Durch Eindämmung der Spekulationen über eine Finanztransaktionssteuer könnten die Banken weiters gezähmt werden. Und last but not least: Es habe sich aus Sicht der Autoren klar erwiesen, dass erfolgsabhängige Gehaltsbestandteile bei Spitzenmanagern ein Unternehmen nicht erfolgreicher machen, sondern es langfristig ruinieren würden. Das heißt, es müssen Boni, Abfindungen und Erfolgsprovisionen für Topmanager abgeschafft oder gedeckelt werden, nicht nur bei Banken.

Wer Risiken eingehe, müsse haften. Die Entscheidungsträger in Politik, Finanzbranche und Großunter-nehmen hätten in Zukunft die Folgen ihres Handelns persönlich tragen. Originalton der Autoren hierzu: „Wir sind felsenfest überzeugt, dass exzessive Spekulationen, riskante, fragwürdige Entscheidungen, Vetternwirtschaft und auch Steuergeldverschwendung größtenteils von ganz alleine verschwinden würden, wenn die Verantwortlichen mit Haus und Hof dafür gerade stehen müssten.“ (CidL, S. 310)

Wiederherstellung der Steuergerechtigkeit

Lobbys seien offenzulegen und zu kontrollieren. Ohne strenge Kontrollen untergrabe Lobbyismus die Demokratie. Wo Interessenvertretungen wahrgenommen wurden, muss das auch transparent gemacht werden. Spenden im Umfeld der Politik seien bis auf den letzten Cent offenzulegen. Indirekten Spenden über Privilegien und Vergünstigungen seien deshalb zu verbieten. Außerdem seien lange Sperrfristen beim Wechsel von der Politik in die Wirtschaft einzuhalten.

Das Steuersystem müsse vereinfacht und gerechter gemacht werden. Denn diese Aussage der Autoren ist leider wahr: „Mehr als die Hälfte aller steuerrechtlichen Bestimmungen der Welt sind in einer einzigen Sprache verfasst: Deutsch.“ (CidL, S. 312) Eine Vereinfachung des Steuersystems zur Wiederherstellung der Steuergerechtigkeit gehöre deshalb mit auf die Agenda für ein besseres Fi-nanzsystem.

Einen Marshallplan für Krisenstaaten müsse es geben, aber auch ein Abschied von der Weltwährung sei nötig. Die Autoren plädieren für einen Schuldenerlass mit anschließender Wiederaufbauhilfe für die Südeuropäischen Staaten. Auf jeden Fall – das wird schon in einem Vorkapitel klar – muss z. B. Griechenlands aus der Eurozone austreten, um wirtschaftlich überhaupt noch auf die Beine zu kommen. Die Frage, in welcher Währung welche Nord- oder Südstaaten der Eurozone sein werden, stellt sich für die Autoren nach dem „Big Bang“ allerdings gar nicht mehr, denn es ist für sie kaum vorstellbar, dass nach dem Zusammenbruch des Finanzsystems die Eurozone noch so aussieht, wie sie heute ist, bzw. dass sie überhaupt noch ist. Eine Rückkehr zu nationalen Währungen mit freien Wechselkursen ist für Weik und Friedrich unabdingbar. Nationale Währungen und eine strenge Regulierung des Devisenhandels, die Spekulation nicht zulässt, müsste die zügellose Globalisierung der Finanzmärkte ablösen.

Den Autoren ist klar, dass die moderne arbeitsteilige Wirtschaft ohne Kredit nicht funktionieren würde. Sie halten jede Art von Zinsverbot deshalb für völlig utopisch, allerdings sollte man sich Gedanken darüber machen, ob man den Zinseszins nicht begrenzen kann. Eine der der wichtigsten Forderung ist für Weik und Friedrich, die Ablösung des bisherigen Papiergeldsystems. Die Autoren plädieren für die Rückkehr zu einem von realen Werten gedeckten Geldsystem. Verschiedene Optionen böten sich da an: Golddeckung, Deckung durch rare Rohstoffe oder z. B. das Vollgeldsystem. Die Einführung eines neuen Goldstandards halten Weik und Friedrich in unserer arbeitsteiligen Wirtschaft allerdings nicht mehr für realistisch.

Vollgeldkonzept als eine Option für gedecktes Geld

Am Ende ihres Buchs angelangt, sehen die beiden Schwaben zwei Ideen als machbare Alternativen zum heute bestehenden Giralgeld-System an: das Vollgeldkonzept als eine Option für gedecktes Geld und das Konzept von Regionalwährungen. Hier lassen sie zwei Gastautoren (Prof. Dr. Mark Joob und Christian Gelleri) zu Wort kommen, um eine korrekte und profunde Beschreibung der Konzepte vorzustellen. Im Vollgeldsystem bringt allein die Zentralbank neues Geld in Umlauf, den Geschäftsbanken soll dies verboten werden: „Damit könnte das Geldsystem dem Profitstreben privater Finanzakteure entzogen werden (…).“ (CidL, S. 326). Regionalwährungen könnten als Komplementärwährungen vor allem zur Stärkung der Wirtschaftskraft ihres Verbreitungsgebiets dienen. Eine genauere Beschreibung der Konzepte wäre hier allerdings zu umfangreich.

Am Anfang dieses Beitrags wurde schon angemerkt, dass die Autoren das globale Finanzsystem in einer Endzeit sehen. Wie immer, wenn man das Alte im Absturz sieht und etwas Neues, das es ersetzen könnte oder sollte, zu umreißen versucht, ist die Beschreibung der schlimmen Wirklichkeit immer sehr viel dankbarer als die Schilderung eines eher ungefähren Bildes der Zukunft, in der dann all die guten Lösungskonzepte zum Tragen kommen, falls man sich entschließen könnte, sie umzusetzen.

Um ein Thema drücken die schwäbischen Autoren sich allerdings etwas herum. Sie sind positiv ausgerichtet, nachdem das Finanzsystem zusammengestürzt ist, kann es ja nur noch aufwärts gehen. Was ist, wenn der Crash unseres Geld- und Finanzsystems erfolgt, er aber gar nicht die Lösung ist, sondern zum noch größeren Problem wird? Was ist, wenn das Alte stürzt, der Untergang stattfindet, aber der Neuanfang misslingt, weil Panikreaktionen und unvorhergesehene Seiteneffekte ganz neue Situationen schaffen?

Eine Risikoabschätzung machen unsere Autoren natürlich nicht. Eventuell blüht nicht neues Leben, sondern es kriecht etwas anderes aus den Ruinen. Die Menschheit kennt einige Rezepte, um schlimme Dinge noch schlimmer zu machen: Radikalisierung, Diktatur, Krieg. Das ist kein Einwand gegen die Auffassung der Autoren, dass das Finanzsystem nicht mehr zu retten ist. Nur muss man ehrlicherweise auch zu geben, dass es nirgendwo eine Gewähr dafür gibt, dass die Sache wirklich gut ausgeht. Es ist Hoffnung, was die Autoren hier zum Ausdruck bringen, und wir können selbst nur hoffen, dass sie – sollte sich ihre Analyse bewahrheiten – auch mit ihrer positiven Einschätzung des Neuanfangs nach dem Crash richtig liegen.

„Besser heute als morgen den ‚Stecker‘ ziehen“

Gegen Schluss ihres Buches zeigen Weik und Friedrich auch, dass sie beim Thema „Der Crash ist die Lösung“ doch etwas unsicher sind, wie das Ganze denn einmal ablaufen soll:

„Es ist sinnvoller als jeder scheinbar schonende Aufschub. Wir sollten besser heute als morgen den ‚Stecker‘ ziehen und den Kollaps des Finanzsystems wenigstens kontrolliert herbeiführen. Der zügellose Turbokapitalismus ist am Ende. Es erfordert Mut und Weitsicht, um freiwillig eine radikale Trendumkehr herbeizuführen. Doch alles andere wäre Selbstmord auf Raten – aus Angst vor dem Tode.“ (CidL, S. 299)

Ein „kontrolliert“ herbeigeführter Kollaps soll es also am besten sein. Damit zeigen sie auf, dass ihnen die Unberechenbarkeit solcher Ereignisse nicht geheuer sein kann. Man muss aber auch fragen: Lässt sich ein Kollaps so kontrolliert abwickeln, wie die Sprengung eines alten Fabrikturms? Man darf seine Zweifel haben. Darüber hinaus: Vor einem herbeigeführten Abbruch des Alten, müsste ja erst die breite Einsicht darüber vorhanden sein, dass etwas Neues notwendig ist. Danach sieht es eher nicht aus. Und auch die Autoren schwanken in ihrer Einschätzung, wenn sie wenige Seiten später ihrer Befürchtung Ausdruck geben (CidL, S. 305), dass trotz der aktuellen unguten Entwicklung unseres Wirtschafts- und Finanzsystems „auch dieses Mal das notwendige Umdenken nicht freiwillig stattfinden, sondern durch ein katastrophales Ereignis erzwungen wird“.

"Der Crash ist die Lösung", Eichbornverlag, ISBN-10:3-8479-0554-6, 19,99 Euro

„Der Crash ist die Lösung“, Eichbornverlag, ISBN-10:3-8479-0554-6, 19,99 Euro

Mit den Überlegungen über einen kommenden Zusammenbruch setzen die Autoren andere Akzente als in ihrem ersten Buch. Dennoch führt „Der Crash ist die Lösung“ im Grunde strikt das erste Buch fort, es werden die neuesten Entwicklungen und Verirrungen im Finanz- und Wirtschaftssystem geschildert. Wer sich beständig mit der Materie beschäftigt, bekommt hier noch einmal eine gute Zusammenfassung der letzten Jahre. Die Leser, die sich neu in die Themen einlesen, bekommen eine sehr gute Einführung. Die Autoren geben mit dem Kapitel zur Vermögenssicherung wichtige Impulse an ihre Leser, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Sicherlich haben sie damit kein Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt der Krisenbücher, aber das flüssig geschrieben Buch ist unterhaltsamer als so manches andere.

Wer den Autoren nicht vollständig in ihrer rabenschwarzen Sicht auf die künftige Entwicklung des bestehenden Finanzsystems folgen will, muss es ja nicht tun und kann weiter auf einen glimpflichen Ausgang hoffen nach dem uralten Beruhigungsmantra, dass ja nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Zumindest wird kein Leser des Buches überrascht sein, wenn das nächste Mal in Politik und Bankenwelt wieder laut über eine Besteuerung von Spareinlagen oder eine Vermögenssteuer nachgedacht wird. Oder wenn Politiker plötzlich ganz neue Maßnahmen zur Stabilitätssicherung fordern, eventuell in Verbindung mit einer „kleinen“ Währungsreform. Wer das Buch gelesen hat, ist gewarnt.