Das Deflationsgespenst geht um

Droht der europäichen Wirtschaft eine gefährliche Abwärtsspirale? DIW-Präsident  Fratzscher warnt vor eine Deflation. EZB-Chef Draghi prophezeit den  Aufschwung.

Das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) fürchtet Deflationsgefahren für Europa. Darum hat DIW-Präsident Marcel Fratzscher in einem Gastbeitrag für die Zeitung „Die Welt“ ein milliardenschweres Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) gefordert. „Das Deflationsrisiko wird zu einem immer ernsteren Problem für die Euro-Zone“, schrieb Fratzscher.

In der Ökonomie bezeichnet die Deflation eine Abwärtsspirale aus sinkenden Verbraucherpreisen. Weil sie auf weiter sinkende Preise warten, treten Verbraucher und Unternehmen in einen Käufer- und Investitionsstreik. Das würgt die Konjunktur ab.

Draghi prophezeit Aufschwung

„Nicht nur, dass die aktuelle Inflationsrate von 0,8 Prozent weit unter dem Zielwert der EZB von knapp unter zwei Prozent liegt“, schrieb Fratzscher, der vor seiner Zeit beim DIW selbst bei der EZB gearbeitet hat. Noch viel besorgniserregender sei der Vertrauensverlust der Finanzmärkte, ob die Notenbank diese Marke in den nächsten Jahren erreichen könne.

Anders als Fratzscher hatte EZB-Präsident Mario Draghi Sorgen vor einer Deflation gedämpft und einen allmählichen Konjunkturaufschwung in der Eurozone prognostiziert. Die Inflation im Euroraum werde allerdings niedrig bleiben und bis 2016 nur auf 1,5 Prozent steigen.

Fratzscher wiederum wies auf die Entwicklungen in den Deutschlands Nachbarländern hin. Bei fast einem Drittel der Güter sänken die Preise bereits in Ländern wie Spanien, Italien und Frankreich. Daher sei es höchste Zeit zu handeln, denn sonst drohe Europa in einen gefährlichen Abwärtsstrudel aus sinkenden Preisen und sinkender Nachfrage zu geraten.

Fed als Vorbild für die EZB

Von einer Deflation gehen die entgegengesetzten direkten Effekte einer Inflation aus. Schuldner werden benachteiligt, da ihre über Kredite finanzierten Sachgüter in Geldeinheiten gemessen an Wert verlieren, aber sie nach wie vor den gleichen anfangs festgesetzten monetären Wert begleichen müssen. Dagegen profitieren Besitzer von Geldvermögen von einer Deflation, da ihr Kapital nun – zinsbereinigt – einen höheren Wert hat als am Anfang der Periode.

Auch Besitzer von Goldmünzen profitieren von der Deflation – und die Nachfrage nach Anlagegold steigt. Der Goldsatz „Wiener Philharmoniker“ der Münze Österreich AG gehört aktuell zu den weltweit begehrtesten Goldmünzen. (Bildquelle: Muenzkurier)

In seinem Beitrag pläiderte Fratzscher dafür, die EZB solle nach dem Vorbild der US-Notenbank Fed über den Kauf von Staatsanleihen und privaten Anleihen Geld in die Märkte pumpen. Denkbar wäre ein Volumen von monatlich 60 Milliarden Euro. Auch wichtige Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF) warnen angesichts des geringen Preisauftriebs vor Problemen für die Länder der Eurozone.

 

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