Grieche will föderales Europa

Sein Auftritt löste großen Wirbel aus: Mit seiner neuen Partei „Der Fluss“ will Stavros Theodorakis ein neues Europa schaffen. Die Jugend setzt große Hoffnungen in ihn.

Der in Griechenland bekannte Fernsehjournalist und Autor, Stavros Theodorakis, hat mit einer neuen Partei einigen Wirbel ausgelöst. Seine Partei To Potami (Der Fluss), mit der er zur Europawahl antreten will, ist von der Linken inspiriert, pro europäisch, progressiv, und will „die Logik und das Gesetz“ verteidigen.

Stavros Theodorakis hat bereits seine Arbeit für den großen TV-Sender MEGA und die Tageszeitung Ta Nea (Die Nachrichten) aufgegeben. Außerdem zieht er sich aus dem von ihm selbst vor acht Jahren gegründeten und sehr erfolgreichen Meinungsportal protagon.gr zurück. Die Entscheidung, den Journalismus zu verlassen, sei ihm nach 25 Jahren in dem Beruf nicht leicht gefallen, sagte er. Aber nur so könne er sich ganz auf seine neue Herausforderung konzentrieren. Nun gab er seine erste Pressekonferenz mit To Potami, die anschließend heftig diskutiert wurde.

An Land gespült

Wer ist Stavros, und warum sorgt er für einen solchen Wirbel? Er wurde 1963 in Chania auf Kreta geboren und wuchs in Athen auf. Trotz der Schwierigkeiten ine einer von Seilschaften geprägten Medienlandschaft, gelang es ihm erfolgreiche Beiträge in Zeitungen und Radiosendern zu veröffentlichen. Bekannt wurde er jedoch durch seine TV-Dokumentation „Die Protagonisten“ und durch sein pluralistisches Meinungs- und Nachrichten Portal protagon.gr, das inzwischen eines der beliebtesten Portale in Griechenland ist.

Vor wenigen Tagen veröffentlichte er ein Manifest, das auf alle Probleme eingeht, mit dem Griechenland konfrontiert ist. Das Besondere an diesem Manifest ist, er hat es nicht in der Sprache der Politik, sondern der Bürger geschrieben. „Unsere Feinde sind die Populisten , die Nationalisten , die Euroskeptiker. Europa ist unsere Familie und unseres Haus“, schreibt er in seiner Erklärung. Nicht wenige wundern sich über seinen Wechsel in die Politik. Er wirkt ein bisschen, wie ein Fisch, der an Land gespült wurde, und nun erklären muss, wie es dazu kam.

„Es ist nicht meine Idee“, sagt er. „Aber die Leute, mit denen ich jeden Tag spreche, stellen immer noch dieselbe Frage: Was sollen wir tun? Sie haben gelesen, was ich geschrieben oder im Fernsehen gezeigt habe. Sie sind ratlos angesichts der Schlagzeilen und der Entscheidungen der Regierung und der politischen Machtkämpfe. Alles weist auf ein tödliches Ende hin. Also, die Idee gehört Euch allen.“

Für ein föderales Europa

Theodorakis will sich und seine neue Partei bewusst nicht ideologisch verorten lassen. Er sagt: „Der Fluss stiehlt Ideen von der Linken und der liberalen Rechten. Wir machen aber keine Experimente.“ Als er die Fragen der Journalisten beantwortete, erschien er als Fundamental-Europäer. „Die EU sollte unser Land werden“, sagte er und warb für ein „föderales Europa, dem wir unsere Befugnisse übertragen“. Wörtlich sagte er: „Ich verstehe nicht, warum es überhaupt noch nationale Armeen geben sollte. Es gibt keine nationale Grenzen, sondern nur  europäische.“

Er gab viele Antworten, nur die Frage, mit wem er im Europäischen Parlament zusammenarbeiten will, die beantwortete er nicht. Er sagte nur, es gebe „ein Problem mit den drei größten europäischen Gruppen, die die bürokratische Elite verteidigten. „Wir kooperieren mit denjenigen, die die großen Themen auf den Tisch bringen.“ Er selbst will nicht ins Europaparlament, wegen der vielen Fremdsprachen. „Also werde ich in Griechenland bleiben“, sagte er.

Hoffnung der jungen Leute

Die Nachricht von der Gründung einer neuen Partei zündete in der politischen Arena wie eine Bombe. Viele Parlamentarier übten scharfe Kritik dem Projekt und behaupteten, dass Theodorakis ahnungslos in einem schwierigen Umfeld antrete. Andere wiederum sagen, die Partei werde nicht mehr als ein kurzes Feuerwerk sein, so wie die Bewegung der 58, die einfach so verpuffte.

„Viel Glück für die Show, die er jetzt in eine Partei verwandeln will“, sagte  Evangelos Venizelos, der Außenminister und Vizepräsident. Aber es gibt auch andere Meinungen, vor allem unter den jungen Leuten. Sie erwarten etwas Neues, Reines und politisch Unkonventionelles.

Mit dem Slogan „Politik  ohne politische Geschichte“ stößt die neue Formation bereits auf großes Interesse in den sozialen Medien. Er scheint einen strategischen Vorteil zu haben, weil auch die meisten konventionellen Medien die Pläne für seine Partei aufgriffen. Die Internetseite der Partei hat schon fast 22.000 Fans.

30 Kandidaten für Europa

Auf der Pressekonferenz kündigte er die Namen der Kandidaten für die Europawahlen im Mai an. Auf der Liste finden sich eine Vielzahl von Persönlichkeiten, sie reicht von Künstlern über Wissenschaftler bis hin zum NGO-Vertreter. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie haben nichts mit Politik zu tun. Letztlich wird die Wahl über die neue Partei entscheiden. Aber jeder Tag auf dem Weg dorthin kann entscheidend sein.

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Über Stylia Kampani

Stylia Kampani lebt und arbeitet als freie Journalistin in Athen. Unter anderem berät sie TV-Sender. Kontakt: Twitter | Weitere Artikel