Die Mission des Vitali Klitschko

Was verbindet Vitali Klitschko mit dem Ägypter Mohammed El Baradei? Beide wurden vom Westen als Hoffnungsträger aufgebaut. Sie erhielten sogar das Bundesverdienstkreuz.

Das Wirken von Vitali Klitschko bei der Neuverteilung der Macht in der Ukraine weist auffällige Parallelen zu Mohammed ElBaradeis Rolle in Kairo während der Revolution 2011 in Ägypten auf. Beide kamen nach erfolgreichen Karrieren im Westen in ihr Heimatland, um dieses aus der Opposition heraus umzukrempeln – protegiert und unterstützt von westlichen Kreisen, die im Hintergrund arbeiten.

Vitali Klitschko verließ nach dem Studium seine Heimat um 1996 von Deutschland aus seine internationale Karriere als Boxer auszubauen. Als mehrfacher Weltmeister im Schwergewicht erlangte Klitschko Weltruhm. Seit 2006 engagiert sich Vitali Klitschko politisch in der Ukraine und ist neben Korruptionsprinzessin Timoschenko das einzige politische Gesicht in Kiew, das im Westen auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist.

Öknomische Interessen der Strippenzieher

Auch der Ägypter Mohamed ElBaradei verlässt nach dem Studium seine Heimat um im Westen, in den USA seine internationale Karriere zu beginnen. Berühmtheit erlangte er spätestens als ElBaradei 2005 als Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) den Friedensnobelpreis bekam. Auch er kehrte nach Kairo zurück und ging politisch in die Opposition. Im Jahr 2010 bekamen  ElBaradei und Klitschko in Deutschland das Bundesverdienstkreuz verliehen. Seitdem spielen deutsche Einflüsse aus Politik und NGO’s wie der Konrad-Adenauer-Stiftung für beide Figuren eine erhebliche Rolle. Klitschko ließ sich im selben Jahr noch zum Vorsitzenden der neu gegründeten, pro-westlichen Partei Ukrainische demokratische Allianz für Reformen wählen. ElBardei wurde – ebenfalls 2010 – die zentrale Figur der Nationalen Bewegung für Veränderung, zu der sich zahlreiche ägyptische Oppositionspolitiker zusammengeschlossen hatten.

Seine in der Folgezeit kritischen Äußerungen gegenüber dem Regime fanden Gehöhr in der westlichen Presse, erreichten aber kaum das eigene Volk. Auch Vitali Klitschko berichtete viel darüber , wie die Zukunft der Ukraine gerettet werden kann, indem sich das Land zB. der EU zuwendet. Aber auch Klitschko erreichte mit seinen Zielen keine breite Unterstützung im Volk. Die Sätze der deutschen Lieblinge ähneln sich frappierend, womit ein gemeinsames Muster unterstützt wird. Beide glauben wahrscheinlich ganz im Sinne der Demokratie zu handeln. Naheliegender ist jedoch, dass für die Strippenzieher im Hintergrund streng wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen, bei ElBaradei muss man sagen standen. Im Artikel “El Baradeis Zeit in Ägypten: Der Mann, den das Volk nie wollte” schrieb ich am 19. August 2013:

„Am 25. Januar 2011 begannen in Ägypten die Massendemonstrationen gegen Präsident Mubarak. Am 27. Januar kam ElBaradei nach Kairo, um sich einen Tag später den Demonstrationen auf den Tahir-Platz anzuschließen und sich als deren Führer anzubieten. Am Rande des Tahir-Platzes von Kameras, Mikrofonen und Scheinwerfern umringt machte ElBaradei deutlich, dass er der Verhandlungsführer der Opposition sei. Außer den westlichen Medien hörte allerdings kaum jemand zu. Die Masse der Demonstranten ignorierte den Mann aus dem Ausland, einige hielten Transparente hoch, auf denen der Westen dazu aufgefordert wurde sich nicht in die Revolution einzumischen.”

Megabühne für Klitschko

Nachdem ElBaradei während des Militärputsches 2013 in der deutschen Presse noch für einen kurzen Moment zum Präsidenten ausgerufen wurde, floh El Baradei regelrecht vor dem Militär und bezog nach seinem Scheitern wieder seine Wohnung in Paris.

Nachdem im November 2013 das ukrainische Parlament mit einem zwar korrupten, aber demokratisch gewählten Präsidenten an der Spitze in demokratischer Abstimmung das Assoziierungsabkommen mit der EU ablehnte, demonstrierten auf dem Maidan-Platz in Kiew ca. 2000 Menschen gegen diese Entscheidung. Schnell wurde eine Megabühne aufgebaut mit viel ausgefeilter Technik inkl. Großbildleinwände. Anders als ElBaradei sollte Vitali Klitschko im Demonstrationsgetümmel nicht untergehen. Und so konnte Klitschko – ebenfalls mit Megaphone – nicht nur für die Presse laut den Oppositionsführer geben, sondern auch auf der großen Bühne vor der nach Veränderungen rufenden Masse.

Zurück nach Hamburg?

Damit sich das viele Geld für die Megabühne auch lohnte, wurden aus dem ganzen Land Demonstranten in Bussen angekarrt, große EU-Fahnen verteilt und ordentlich Musik bzw. Krawall gemacht. Klitschko hatte nun – anders als ElBaradei in Kairo – seine großen Auftritte. Aber wirklich angenommen wurde er von seinen Landsleuten trotzdem nicht. Aucb wenn BILD nach der Flucht von Janukovitsch auf der Titelseite zum großen Präsidentenkampf Klitschko vs. Timoschenko ausrief, sieht die Wirklichkeit so aus, dass Klitschko auch zukünftig keine Mehrheit in der Ukraine hinter sich versammeln kann. Auch die USA sehen im Gegensatz zu Deutschland in Vitali Klitschko keinen Politiker, mit dem sie gerne zusammenarbeiten würden. Dieses Schicksal teilt sich Klitschko ebenfalls mit ElBaradei. Die große Politik wird ohne dem Kämpfer im Ring stattfinden.

So wird Vitali Klitschko wohl früher oder später ebenso wie ElBaradei sein Land wieder verlassen. Seine Familie wird das wahrscheinlich freuen. Sie wartet in einer schönen Wohnung in Hamburg.

 

Über Björn Kügler

Björn Kügler ist freier Schreiber. Auf GEOLITICO beschäftigt er sich vornehmlich mit gesellschafts-politischen und sicherheitspolitischen Themen. Kontakt: Webseite | Facebook | Twitter | Weitere Artikel