Der Staat bestraft nur Dummheit

Lotar Fleischer* schreibt über Eliten und Steueroasen. Die Gier trieb Sie blind in eine trügerische Sicherheit. Doch der Staat bestraft nicht Neid, Gier und Angst – sondern Dummheit.

Sind wir, die Bürger, neidisch, gierig und ängstlich – oder nur dumm? „Natürlich nicht!“, höre ich es förmlich millionenfach mir entgegenschreien. „Neidisch, gierig und ängstlich sind andere“. Doch wer sind „die anderen“? Die Nachbarn?  Die Arbeitskollegen?  Die Frauen der Chefs?  Die Bankangestellten?  Die Polizisten?  Die Richter?  Die Bürgermeister?  Die Finanzamtsangestellten? Die Steuerzahler?  Die Autofahrer? Der ADAC? Die Kirchen? Die Parteien? Der „Staat“? Die EU?

Kaum ein Mensch würde zugeben – und keine dieser Institutionen, die ja wiederum durch Menschen Ihresgleichen getragen werden – würde bestätigen, neidisch, gierig und ängstlich zu sein. Allenfalls ist einer von ihnen etwas egoistisch, vielleicht auch dreist, dabei auch ein wenig verlogen, möglicherweise sogar hinterlistig und hämisch, durchtrieben oder heimtückisch, korrupt oder gar kriminell – aber neidisch? Gierig? Ängstlich? – Nein, niemals. Und doch: Leiden wir nicht alle an diesen Symptomen Neid, Gier und Angst?

Angst vor dem Verlust

Ohne „gesunden“ Neid, würden wir wohl kaum eine Wohnung bewohnen, die gemütlicher ausgestattet ist, als die Ausstellung eines Möbelhauses. Ohne „gesunden“ Neid wäre wohl kaum unser Häuschen hübscher anzusehen, als das eines Fertighausanbieters im Ausstellungspark und ohne „gesunden“ Neid wäre manches Auto kaum luxuriöser ausgestattet, der Urlaubsort nicht exotischer gewählt und die von Gourmets frequentierten Restaurants in ihrem Angebot und Service nicht „aufregender“ als die Pizzeria um die Ecke.

Ohne „gesunde“ Gier wären wir nicht in „gehobenen“ Positionen, würde niemand eine Yacht besitzen, ein Reitpferd sein Eigen nennen oder neben der lieben Gattin auch noch heimlich eine „Freundin“ beglücken. Ohne „gesunde“ Gier, wäre kein Konto überzogen, kein Schuldkonto angehäuft und darum jede Kreditkarte nutzlos. Und darum haben wir Angst!

Wir leben in Angst, „Eigentum“ zu verlieren, wir leben in Angst, etwas davon zu verlieren, wir leben in Angst, alles zu verlieren. Und wie gehen wir mit dieser Angst um? Wir suchen Sicherheiten gegen Einbruch und Diebstahl, gegen Brand und Wasserschäden, gegen Kursverluste und Währungsverfall, gegen Insolvenz, Enteignung und Zwangshypotheken – gegen Verluste von Eigentum und Vermögen. Und dabei belügen wir dann unsere Frau und betrügen unsere Freunde, verraten unsere wirklichen Überzeugungen und lassen uns korrumpieren – werden so selbst zu einem Monster des „Systems“. Wir nennen Immobilien und Inventar, Bilder und Bargeld, Autos und Aktien, Gold und Geschäfte und sonstige Güter unsere Vermögen und „Eigentum“.

Flucht in den Suizid

Es ist schwer erarbeitet, meistens ehrlich verdient und gelegentlich vollständig versteuert. In vielen Jahren haben wir es erspart, ererbt und durch gutes Wirtschaften durch manche unvorhergesehenen Ereignisse vor Verlust bewahrt. Es sind Erinnerungen an glückliche Stunden und leidvolle Zeiten, an Entbehrungen und Erfolge und nicht selten führen Verluste dieser Vermögen, jenen Eigentums zum Suizid des einstigen Eigentümers.

Doch was bedeutet es – Eigentum? Was ist Vermögen? „Vermögen ist die Gesamtheit aller in Geld schätzbaren Güter eines Menschen“ lehrt uns das Lexikon. Und Eigentum? „Es ist die umfassende Besitz-, Verfügungs- und Nutzungsmacht über eine Sache …“ an die eine „rechtliche Herrschaft“ gebunden ist. Damit teilt sich „Eigentum“ in Vermögen mit „rechtlicher Herrschaft“ und der Besitzfunktion „Verfügungsgewalt“.  Fehlt eine dieser beiden Funktionen, verfügen wir nicht oder nicht mehr über Eigentum und das Vermögen steht „neutral im Raum“ – herrenlos womöglich? Wir werden das weiter unten verstehen.

Der Dieb, der mein Auto klaute, hat nun die Verfügungsgewalt, aber kein Eigentum – und ich? Ich kann vielleicht mittels verschiedener Dokumente den Nachweis erbringen eine „rechtliche Herrschaft“ zu haben – kann mein gestohlenes Auto aber trotzdem nicht benutzen, da ich keine Verfügungsgewalt besitze, weil es weg ist – mithin habe ich kein Eigentum mehr in Form dieses Autos. Neben der fehlenden Verfügungsgewalt fehlt obendrein auch noch das Vermögen selbst – das Auto. Was folgt daraus?

Ich werde für das gestohlene Auto keine Steuer und auch keine Versicherung mehr zahlen. Ich spare Sprit und auch TÜV und ASU-Gebühren. Und der Dieb? Wenn er frech genug ist, benutzt er das Auto, denn das war letztlich sein Ziel – es ohne die üblichen Verpflichtungen zu nutzen. Kann er es wie Eigentum behandeln? Es verkaufen, in Zahlung geben für ein neues bei einem Händler, es gegen ein Reitpferd tauschen? Bei einem Pfandleiher verpfänden oder gar beim Finanzamt eigene Steuerschulden damit begleichen?

Nun, verkaufen, eintauschen usw. bei einem Hehler ist schon möglich, aber ansonsten sind die Möglichkeiten doch sehr begrenzt, gegenüber denen, die der „Eigentümer“ hätte.

Nur der Eigentümer hat Pflichten

Übertragen wir diese Überlegungen auf Immobilien, dann wird uns deutlich, dass Vermögen mit rechtlicher Herrschaft und Verfügungsgewalt behaftet sind. Die rechtliche Herrschaft ist im Grundbucheintrag verankert – die Verfügungsgewalt durch mein „besitzen“, bewohnen oder nutzen des betreffenden Objektes gegeben. Betrachten wir jetzt wieder den Vermögenswert „Auto“ aus der Sicht eines ganz legalen Leasinggeschäftes: Was passiert, wenn einer der beiden „verkaufen“ will?

Der Leasingnehmer muss die „rechtliche Herrschaft“ ablösen oder der Leasinggeber muss die Herausgabe des „Besitzes“ einfordern. Keiner von beiden hat ggf. einen Vermögenswert, da er diesen nicht für sich „verwertbar“ machen kann. Durch die Trennung von „rechtlicher Herrschaft“ und „Besitz/Verfügungsgewalt“ sind beide Partner in ihren Handlungen bezüglich der „Vermarktung“ des Fahrzeuges blockiert. Der eine ist ohne den anderen nicht wirklich und rechtens handlungsfähig. Das Auto ist für beide „wertlos“ geworden und dennoch ist es als Vermögen vorhanden.

Wer hat denn aber nun die „besseren Karten“? Diese Frage ist aus den verschiedenen Perspektiven zu beantworten. Aus der Sicht des „Eigentümers“, aus der Sicht des Nutzers/Verfügungsberechtigten und aus der Sicht des Finanziers/Leasinggebers. „Eigentum verpflichtet“ – zu Steuerzahlung, zu Versicherungsleistungen, zu Betriebskosten, zu Umweltabgaben, zu wohltätigen Zwecken, zur Begleichung staatlicher Forderungen usw. Und wozu ist der Nutzer verpflichtet? – streng genommen zu nichts, bestenfalls zur Zahlung von Miete und Pacht – den „Nutzungsentgelten“.

Und wozu ist der Finanzier verpflichtet? – streng genommen zu nichts – denn auch er ist, wie der Nutzer, kein Eigentümer, er hat es finanziert und für die Erlangung von „Nutzungsentgelt“ beschafft. Im Regelfalle wird er Eigentümer des Entgelts – nicht jedoch des Vermögenswertes. Und nun betrachten wir das aus der Sicht des Staates, der durch eine wie auch immer geartete „Zwangsabgabe“ auf Vermögen in der Hand der „Eigentümer“ seine „Staatsschulden“ abtragen will. Bei wem wird er konfiszierbares Vermögen finden? Ausschliesslich beim Eigentümer!

Ohne Eigentum keine Angst

Beim Eigentümer von Bar- und Giralgeld, beim Eigentümer von Gold und sonstigen Edelmetallen, beim Eigentümer von Fahrzeugen und Maschinen, beim Eigentümer hochwertigen Wohnungsinventars, Geschäften und Immobilien. Und woher kennt „der Staat seine Eigentümer“? Ist das soo schwer zu erraten?

Durch „das Finanzamt“ natürlich, bei dem jeder (ich lasse mal hier die Unschuldsvermutung gelten) brav und absolut ehrlich seine Vermögensverhältnisse offengelegt hat, weil niemand gern in den Verdacht der „Steuerverkürzung“ sprich, der Steuerhinterziehung gelangen und dann noch zusätzlich mit Strafe belegt werden will. Verstehen Sie nun, dass auch JEDER in diesem Moment ängstlich ist oder zumindest ängstlich wird oder zumindest ängstlich werden sollte?

Hätte ich kein Eigentum, müsste ich nicht ängstlich sein, denn der „Staat“ könnte mir nicht nehmen, was ich ohnehin nicht besitze. Nähme er mir mein geleastes Auto? Nähme er mir meine Mietwohnung? Er könnte mich nicht schädigen, er könnte mich nicht „ärmer“ machen. Darum will der Staat einerseits mein Vermögen, andererseits will er weiterhin, dass ich ein Auto fahre – ein geleastes – eins, das mir nicht gehört und für das ich trotzdem bezahle. Ein Haus, das mir nicht gehört, für das ich aber zahle, Miete, Strom, Wasser, Müllentsorgung usw. und überall „verdient“ der „Staat“ ein bisschen mit. Und niemals wird er ruhen, bevor ihm nicht jeder Vermögenswert gehört, weil er an jedem seine beständige Einnahme erzielt.

Schuldenfreies Vermögen konfiszieren

Doch nun erlaubt es meine Gier nicht, auf „mein schuldenfreies Eigentum, mein endlich abbezahltes Haus“ zu verzichten und nur meine „rechtliche Herrschaft“ fortzugeben und mich selbst von Eigentum zu trennen. Mein Auto zu leasen, mag ja wirtschaftlich noch okay sein und den Neid des Nachbarn fördern, Mein Eigenheim in eine Genossenschaft zu geben und es von dort „zurück zu leasen“ und es „nur noch“ zu nutzen verbietet sich aus Angst und Gier – hätte man doch nun kein „Eigentum“ mehr und stünde vor den Augen der Verwandten und Bekannten somit „total verarmt“  – und obendrein auch noch ziemlich bescheuert da.

Angst, es in dieser Unternehmung zu „verlieren“ steigt jetzt um Potenzen an, gegenüber jener Angst, es in einem möglichen Enteignungsverfahren an den Staat zu verlieren. „Schuldenfreies“ Vermögen zu konfiszieren ist besonders beliebt, muss es doch vom „Staat“ mit keiner anderen Institution „geteilt“ werden. (Wie sowas geschieht, wäre ein anderes Thema) Im Gegensatz ist aber die Wahrscheinlichkeit, das Eigentum durch staatliche Willkür zu verlieren, um Potenzen höher, als es durch kriminelle Machenschaften durch Mitglieder in jener Genossenschaft einzubüssen.

Es genügt der Neid eines Familienangehörigen, den Eigentümer zu denunzieren, es genügt die Gier eines Wettbewerbers, das eigene Geschäft zu ruinieren, um den Marktanteil an sich zu reissen, es genügt die Angst der Ehefrau, den „Ernährer der Familie“ an eine „Mätresse“ zu verlieren und darum diesen zu diffamieren, um „uns“, wer immer das sein mag, in einen Strudel der „Steuerfahndung“ hineinzustossen. Nichts ist nachhaltig sicherer, einen Menschen in heutiger Zeit dadurch zu „töten“, ihn jeglichen Eigentums durch den „Staat“ berauben zu lassen. Und nun schliesst sich der Kreis.

Ziel der Herrschenden ist, das Volk zu plündern

Die Angst, Eigentum in einer Genossenschaft zu „verlieren“ ist deshalb bei jenen so gross, weil der Neid hinzukommt, es könnte jemand in der Genossenschaft sein, der sich der „rechtlichen Herrschaft“ in krimineller Weise bedienen könnte und dadurch auf simple Weise vermögend wird. Geprüft wird diese Vermutung natürlich nicht – allein die beschriebene Angst macht sie blind.

Darum werden die Vermögen der sog. „Kleinen Leute“ durch den eigenen Neid, die eigene Gier und die eigene Angst durch die Vasallen des jeweiligen Staates „gefressen“ werden, weil der Neid die Übergabe der rechtlichen Herrschaft an eine Genossenschaft verhindert. Es gibt aber keinen neidischen, gierigen und ängstlichen „Staat“. Es gibt nur egoistische und dreiste, verlogene und hinterlistige, hämische und durchtriebene, korrupte und kriminelle Menschen, und viele mit weiteren bösen Eigenschaften in Diensten des hemmungslos plündernden „Staates“.

Kluge „Herrscher“ haben darum vor Hunderten von Jahren vorausblickend die Trennung des Eigentums in „rechtliche Herrschaft“ und „Verfügungsgewalt“ des Vermögens vorgenommen, um dadurch materielle Werte, ihre Reiche und Herrschaftsgebiete, vor diebischen Subjekten aus eigener Familie und den Reihen der „Getreuen“ dauerhaft in Sicherheit bringen zu können und diese Methode dem „Pöbel“ verheimlicht. Oft ist es das Ziel der Herrschenden, das Volk zu plündern, das eigene Vermögen jedoch vor ähnlicher Plünderung zu bewahren, um das Geplünderte durch die Herrscher selbst und/oder deren Vasallen und Günstlinge zu verprassen, die dadurch ihre Herrschaft begründen, festigen und ausweiten.

Im modernen Wirtschaftswesen, mit Internet, Video und Telefon, wurde diese „Geheimwissenschaft“ einem breiten Publikum bekannt. Trust und Genossenschaft erfüllen auf unterschiedliche Weise diese Forderungen (nicht jedoch Stiftungen, in denen der Stifter meistens auch „Begünstigter“ ist). Nur die Genossenschaft ist, neben dem Trust, die einzige Institution, die kompromisslos nach dieser Regel Vermögen der „Kleinen Leute“ vor willkürlichen und kriminellen Handlungen egoistischer und gieriger „Staatsdiener“ zu tragbaren Kosten zu schützen vermag. Dieses Prinzip in die Öffentlichkeit zu tragen und es als Gegenwehr staatlicher Plünderung von Privatvermögen des Volkes zu propagieren, ist legitim. Ist es aber da nicht auch verständlich, dass diese Form in der Öffentlichkeit durch „staatliche“ Vasallen, Trolle, Parteien und Medien vor allem im Internet diffamiert wird?

Revolutionen wären überflüssig

Bevor Sie diese ca. 180 Zeilen „in der Luft zerreissen“, bedenken Sie, dass eine Jahrhunderte alte Strategie der Vermögenssicherung, aufgeschrieben in dicken Folianten und umgesetzt in langen verklausulierten Gesetzestexten nicht umfassend hier zu beschreiben ist.  Eine solche Strategie bedarf immer auch hieb- und stichfester vertraglicher Vereinbarungen und einer Aufsicht unabhängiger Personen und einer integren Justiz. Vor allem das Fürstentum Liechtenstein (aber auch andere „Steueroasen“) erfüllen diese Kriterien und sind darum zur Vermögenssicherung beliebt.

Das wissen auch „unsere deutschen Leitbilder“ in den Parteien, der Wirtschaft, des Sports, der Kunst und letztlich aller Bereiche menschlichen Daseins. Darum nutzen auch sie „Steueroasen“ – vermutlich aber nicht konsequent im beschriebenen Sinne, so dass letztlich Angst zur „Selbstanzeige“ führt. Die Gier trieb Sie blind und ohne Sachkenntnis in eine trügerische Sicherheit. Der Neid hat sie vor qualifizierter Beratung und den Kosten einer nicht kostenlos zu erlangenden Sicherung ihrer Vermögen zurückschrecken lassen. Die „Durchsichtigkeit“ des Bürgers, aber vor allem seine  Unwissenheit „richtiger Vermögenssicherung“ erlaubt darum, die Konfiszierung seines „Eigentums“ durch den „Staat“.

„Bestraft“ der Staat also letztlich Neid, Gier und Angst seiner Bürger oder nur deren „Dummheit“? Würde die deutsche Bevölkerung ihre Vermögen nach dem beschriebenen Prinzip sichern, würde Volks- und Privatvermögen in Deutschland erhalten, wäre in Kürze ein beliebiger korrupter „Staat“ pleite und handlungsunfähig und die derzeit Herrschenden, ihre Vasallen und Günstlinge würden das Volk um Gnade anwinseln und um „Brot“ betteln. Revolutionen und Krieg wie in der Ukraine oder in Syrien wären überflüssig, weil der Sumpf der Korruption und Bereicherung auf Kosten der Bürger austrocknen würde. Das haben die parasitär agierenden Herrscher und „Eliten“ stets gewusst und darum dieses Prinzip nicht allgemein bekannt werden lassen. Sie hätten sich der eigenen Quellen beraubt.

*Lotar Fleischer ist Vorsitzender des Vorstandes Car-Genossenschaft eG