Zustände wie im alten Griechenland

Es heißt, Krisen verändern  Menschen. Aber einige ändern sich wohl niemals. In Griechenland herrscht weiter Vetternwirtschaft, wie der öffentliche Rundfunk zeigt.

In der Nacht vom 11. Juni 2013 beschloss die griechische Regierung die sofortige Schließung des Griechischen Rundfunks und Fernsehens ERT und die Einstellung aller Programme. Mit diesen harten Maßnahme wollte Präsident Andonis Samaras der Troika beweisen, dass Griechenland in dem Weg der Reformen bleibe.

Die Schließung des öffentlichen Rundfunks machte weltweit Schlagzeilen, und die Regietung wurde wegen ihrer diktatorischen Vorgehensweise heftig kritisiert. Nach dem Vorfall fanden viele Nächte Solidaritätsveranstaltungen in dem Innenhof des ERT statt. die Menschen solidarisierten sich mit dem öffentlichenRundfunk, nicht mit den Privatsendern. Noch heute, acht Monate später, ist die Polizeipräsenz dort hoch – aus Angst vor der Besetzung  des ERT-Hauptquartiers.

Der Oberste Rat wählt aus

Bis 2013 betrieb ERT S.A. neben den vier Digital-Fernsehprogrammen auch  29 Radiostationen nationaler und regionaler Reichweite über das ganze Land verteilt. Der Sender beschäftige rund 3.500 Mitarbeiter. Angesichts der Größe Griechenlands erscheint diese Zahl hoch. Griechenland hat 11 Millionen Einwohner und einen  staatlichen Rundfunk mit 3.500 Mitarbeitern, in China leben  1,3 Milliarden Menschen und  der öffentlich-rechtliche Sender CCTV in Peking beschäftigt knapp 10.000 Mitarbeiter. Da scheinen die Relationen nicht zu stimmen.

Griechenlands neuer öffentlicher Sender heißt „Das neue griechische Radio, Internet und Fernsehen („NERIT“) und beschäftigt rund 1.200 bis 1.500 Mitarbeiter. Ausgewählt werden sie vom Obersten Rat des Staates für Bevölkerungspersonalauswahl (ASEP).  ASEP gilt als eine unabhängige Behörde, muss die am besten qualifizierten Kandidaten in Bezug auf ihre früheren Arbeitserfahrung, Ausbildung, Sprachkenntnisse und die Belege , die ihre Qualifikationen und Kompetenzen nachweisen zu wählen.

Durch die Hintertür einschleichen

So wird es jedenfalls offiziell dargestellt. Aber hier in Griechenland ist es selbstverständlich, dass es immer noch Leute gibt, die sich durch die Hintertür hineinschleichen. Folgende Begebenheit ist einem Kollegen passiert, der anonym bleiben muss. Die nachstehend aufgeführten Unternehmen gehört zu der Medienindustrie. Er berichtet:

„Es ist ein ganz normaler Arbeitstag.  Als erstes lese ich meine E-Mails. Darin entdecke ich die Nachricht  einer mir unbekannten jungen Frau. Ohne große Umschweife fragt sie nach meinem Vorgesetzten und nach der Absprache zwischen ihrem Vater und dem Direktor, die die Einstellung von 132 Journalisten bei NERIT zu fördern! Als ich das las, stieg mein Blutdruck spürbar.

Es scheint, dass die harten Auswahlkrierien der ASEP, also Qualifikationen und  berufliche Erfahrung nicht für alle gelten.

Nun konnte ich der Versuchung nicht widerstehen und öffnete die angehängte Bewerbung. Und ich  fragte mich, was für Leute nach der „Katharsis“ von Juni künftig für den neuen öffentlichem Rundfunk arbeiten werden.

Die junge Frau bewarb sich  für politische und freie Reportage. Zu meiner Überraschung hatte sie aber absolut keine journalistische Erfahrung.  Sie war zwar gut qualifiziert, hatte in Griechenland und im Ausland studiert und Erfahrungen im öffentlichen Dienst gesammelt. Dennoch, wenn Sie den Beruf von Journalistin überhaupt nie ausgeübt hat: Wie soll die Anforderungen der entsprechenden Position erfüllen?“

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass der ERT zuerst mit aller Macht geschlossen wurde, um dann als Rundfunkanstalt wiederzueröffnen, bei der Leute mit konspirativen Mitteln eingeschleust werden. Leider lassen sich die schlechten Gewohnheiten nur sehr schwer abgewöhnen, will heißen, man braucht nur die richtige Beziehungen, um reinzukommen.

„Für alle offen“

Dabei hatte der neue NERIT-Direktor George Prokopakis in einem früheren Zeitungs-Interview  noch gesagt, dass „wir für alle offen sind“ und hinzugefügt, dass der neue Sender die Tatsache beweisen werde, „dass wir unabhängig sind“.

Es wird immer gesagt, dass die Krise die Mentalität verändert hat. Aber es scheint, dass einige Köpfe sich niemals ändern werden. Leider ..

Weiterführende Hinweise:

Zur ASEP: http://www.asep.gr/portal-files/dynamic/c253035/attach.file/asep_eng_el_GR.pdf

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Über Stylia Kampani

Stylia Kampani lebt und arbeitet als freie Journalistin in Athen. Unter anderem berät sie TV-Sender. Kontakt: Twitter | Weitere Artikel