Die AfD muss offen und frei sein!

Die AfD darf sich vom Erfolg nicht verführen lassen, sondern muss den Wert der besseren Ideen hochhalten. So kann sie Strahlkraft über die Grenzen Deutschlands hinaus gewinnen, schreiben Dagmar Metzger und Alexander Gauland in der ReiheFREITAGSGEDANKEN”.

 

Vor einem Jahr gründete sich die Alternative für Deutschland, und die Partei kann für sich in Anspruch nehmen, die erfolgreichste politische Neugründung seit vielen Jahren zu sein. Auslöser der Neugründung war das erfolglose Abschneiden der gemeinsamen Liste von Wahlalternative 2013 und den freien Wählern bei der niedersächsischen Landtagswahl.

Im Anschluss an die Gründung folgten turbulente Monate. Sowohl bei der ersten Versammlung in Oberursel im März als auch bei dem ersten Parteitag in Berlin im April wurden die Organisatoren und Gründer vom Ansturm der Interessierten bzw. der Parteimitglieder überrascht und mussten mehrmals die Räumlichkeiten vergrößern, die schlussendlich dennoch nicht alle Teilnehmer aufnehmen konnten.

Große Eigeninitiative der Mitglieder

Von Anfang an weht der Partei dabei der eisige Wind des Establishments ins Gesicht. Die beschränkende und falsche Darstellung als „Rechtspopulisten“ und rückwärtsgewandte „Anti-Europa-Partei“ hatte Konsequenzen: Die AfD musste im Wahlkampf erfahren, dass einige der politischen Gegner das Recht auf freie Meinungsäußerung und körperliche Unversehrtheit nur für sich gelten ließen und nicht aber für alle. Wahlkampfplakate wurden systematisch zerstört, Wahlkampfhelfer bedroht, an der Ausübung des Wahlkampfs gehindert und sogar körperlich angegriffen. Auch AfD-Sprecher Bernd Lucke wurde auf einer Wahlkampfveranstaltung attackiert.

Der Wahlkampf selbst hatte etwas von einer Graswurzelbewegung: Zahlreiche Plakate wurden auf Eigeninitiative einzelner Mitglieder gedruckt, die sich oft ebenso die Slogans selbst einfallen ließen und auch viele Veranstaltungen und Informationsabende wurden ohne Führung durch die Parteispitze organisiert. Diese Motivation und Euphorie der Mitglieder trugen die Partei beinahe in den Bundestag. Am Ende scheiterte man denkbar knapp mit 4,7 Prozent an der 5-Prozent-Hürde.

Andauernde Konsolidierung

Danach setzte die Konsolidierung ein – viele Konflikte, die durch das große Ziel „Einzug in den Bundestag“ überdeckt worden waren, brachen nun auf. Auch zeigte sich, dass es einige wenige Mitglieder gab, die nicht willens waren, sich zur  freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik zu bekennen. Einige andere nahmen es mit der Wahrheit nicht so genau und schmückten sich bspw. mit akademischen Würden, die ihnen nicht zustanden. Auch hier bewies die AfD, dass sie eine echte Alternative in der deutschen Parteienlandschaft ist und entledigte sich solcher Mitglieder schnell und direkt.

Noch ist diese Konsolidierung nicht ausgestanden. Es bestehen grundsätzlich gegensätzliche Vorstellungen darüber, wie sich die Partei weiter entwickeln kann und soll. Dies muss nicht unbedingt schädlich sein. Ein vernünftiger Austausch von Argumenten und Positionen kann sehr befruchtend wirken. Vor allem kann die AfD mittelfristig dadurch beweisen, dass sie tatsächlich weder eine Linke noch eine rechte Partei ist, sondern eine, in der Vernunft und Verstand den Ton angeben und nicht Ideologien. Gelingt dies, besteht für die AfD keine Gefahr, eine Partei für Wüteriche und Zukurzgekommene zu werden.

Klar, knapp und prägnat

Die Wahlthesen für die Europawahl belegen ebenfalls, dass es der Partei weiterhin ernst ist mit der Transparenz und der Beteiligung der Bürger. Anstatt sich in zahllosen leeren Phrasen zu ergehen, ist das Positionspapier klar, knapp und prägnat. Dem Bürger und Wähler wird es ermöglichen, schnell und einfach herauszufinden, wofür die AfD steht und gegebenenfalls in der Zukunft das Abstimmungsverhalten der möglicherweise entsandten Abgeordneten im EU-Parlament damit zu überprüfen.

Zweifellos ist die Partei innerhalb dieses Jahres gereift. Sie ist auf dem Weg, sich dauerhaft und erfolgreich zu etablieren. Im Erfolg schlummern aber auch Gefahren: Allzu leicht verführt er dazu, sich auf dem Erreichten auszuruhen und sich, wie die saturierten Parteien, langfristig mehr auf Posten und Ämter zu konzentrieren als auf die Sache selbst. Noch besteht hier wenig Gefahr, aber sie wächst mit anhaltendem Erfolg.

Gefahr der Verführbarkeit

Auch darf sich die Partei nicht von dem bei Erfolg einsetzenden Geldfluss verführen lassen, die Dinge in einem anderen, besseren Licht darzustellen als sie tatsächlich sind. Die Dogmen der Etablierten müssen ebenso wie die eigenen Glaubensgrundsätze weiterhin in Frage gestellt bzw. überprüft werden: Kann – um nur ein Beispiel zu nennen – alleine die Rückkehr zu kleineren bzw. nationalen Währungsräumen die Probleme beseitigen oder müssen nicht auch die Positionen der (Zentral-)Banken bei der Geld- und Kreditschöpfung überdacht werden bzw. die Struktur unseres Geldsystems insgesamt?

Wenn es gelingt, den Kurs des offenen und freien Geistes beizubehalten, wenn die Partei den Wert der besseren Ideen auch künftig hochhält, auch wenn sie in die ersten Parlamente eingezogen ist, dann kann sich die Alternative für Deutschland zu einer Partei entwickeln, deren Strahlkraft weit über die Grenzen Deutschlands reicht. Könnten wir in zehn Jahren sagen, dank der Alternative für Deutschland konnten auch für Europa Alternativen entstehen, wäre dies gerade vor dem Hintergrund des beginnenden EU-Wahlkampfs ein großartiges Geschenk.

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